Sonntag, 16. Juni 2019

'Round Midnight III


Plötzlich saß sie an meinem Tisch,
direkt mir gegenüber
und starrte mich an.
Ich fühlte mich plötzlich sehr unwohl...

Woher kommst du? fragte sie.
Was machst du hier?
Suchst du jemanden?
Sie stellte so viele Fragen...

...und mein Verstand spielte verrückt
...ich hatte böse Gedanken...
und ich wusste, das hier würde
nicht gut ausgehen...

...und die Jukebox spielte einfach weiter...




Montag, 10. Juni 2019

When They See Us


Fantastische Mini-Serie über den wahren Fall der "Central Park Five"...

Trailer



Doku



Sonntag, 2. Juni 2019

Kaffee mit Cari Mora


Thomas Harris
CARI MORA

Wenn man an Autoren denkt, die über Serienkiller in ihren Romanen schreiben, dann braucht man nicht lange, bis der Name Thomas Harris im Kopf aufleuchtet. Natürlich hatte damals die Verfilmung seines Buches "Das Schweigen der Lämmer" einen gehörigen Anteil an Harris' weltweitem Ruhm. Der Film wurde ein großer Erfolg, heimste Preise ein und das Buch dazu verkaufte sich zig Millionen Mal. Hannibal Lecter wurde zur Kultfigur unter den Literatur bzw. Film-Mördern und natürlich nutzt man auch im aktuellen Buch seinen Namen als Anreißer. Denn, in seinem neuen Buch "Cari Mora" sollen wir Bekanntschaft mit dessen Nachfolger machen. Er ist groß, blass, haarlos, und wie ein Reptil liebt er die Wärme. So steht es zumindest auf dem Buchcover. Liest man wiederum innen den Klappentext, hört sich die Geschichte schon ein wenig anders an und zeitweilig hat man tatsächlich das Gefühl, es handelt sich hier um einen kleinen Genre-Mix. Zum einen geht es um den perversen deutschen Serienmörder Hans-Peter Schneider (noch deutscher ging es fast nicht) und zum anderen geht es um 600 Kilo Gold vom berühmten toten Drogenbaron Pablo Escobar. Aber wie passt das zusammen? Na ja, der Hans-Peter will sich das Gold, das in Pablos ehemaliger Villa in Miami versteckt liegt, unter den Nagel reißen, aber mit diesem Auftrag steht er nicht alleine da, denn noch andere schwere Jungs haben es auf das Gold abgesehen und vor allem gibt es da die kesse Cari Mora, die in selbiger Villa als Haushälterin arbeitet. Vor einiger Zeit noch aus Kolumbien geflohen und als ehemalige FARC-Kämpferin definitiv kein Kind von Traurigkeit. Sie wird schnell zur Zielscheibe von Schneider, aber mit dieser Gegnerin ist nicht zu spaßen.
Die ganze Geschichte liest sich wie ein Action-Thriller aus den 80ern, an dem Autor Don Winslow mitgeschrieben hat, aber weil Harris weiß, wie gerne seine Leser über grausame Killer lesen, ist auch die Figur des widerlichen Schneiders mit an Bord. Alles ein wenig kitschig und auch vorhersehbar, aber trotzdem hat sein neuer Roman einen hohen Unterhaltungswert.

Harris ist halt ein begnadeter Erzähler. Seit 1975 (mit seinem Debüt "Schwarzer Sonntag") hat er sich nicht mehr ohne seinen Hannibal Lecter auf den Buchmarkt getraut und überhaupt sind es 13 Jahre, seit Thomas Harris seinen letzten Roman geschrieben hat. Natürlich waren seine Fans jetzt gespannt und sollten auch nicht enttäuscht werden - auch ohne den Hannibal.

Dennoch: als Bonus gibt es hinten im Buch eine Leseprobe zu "Das Schweigen der Lämmer". Ja, also so ganz ohne dann doch nicht, um möglicherweise einigen enttäuschten Lesern entgegenzukommen und zu zeigen, hier, da habt ihr ihn.... und es ist einfach noch immer das beste Buch von Thomas Harris.




335 Seiten, ISBN 978-3-453-27238-5, Heyne Verlag, 22,00 Euro


Dienstag, 28. Mai 2019

Kaffee im Wonder Valley



Ivy Pochoda
WONDER VALLEY

Willkommen im Wonder Valley, aber was ist das überhaupt? Eine kaputte Oase inmitten der südkalifornischen Wüstenregion. Blechhütten, Schrottabfälle, Autoleichen und jede Menge zerschundene Seelen. Die ehemalige Profisquash-Spielerin und seit einigen Jahren erfolgreiche Autorin mit Büchern wie "Visitation Street" (der leider noch nicht auf Deutsch erschienen ist) Ivy Pochoda hat ein literarisches Kaleidoskop der US-Glitzer- und Palmenmetropole Los Angeles geschrieben. Träume, Tränen und Tragödien vor der öden und dann auch wieder bezaubernden Kulisse dieser ambivalenten Großstadt. Was da alles passieren kann...
Da läuft gleich zu Beginn ein nackter Jogger über den Freeway. Aber vielmehr geht es um Charaktere und Schicksale wie die, des jungen Kriminellen Ren, der von New York nach L.A. aufbricht, um seine Mutter zu finden. Nach Jahren im Knast will er einfach nur raus aus dem ganzen Dreck und erhofft sich ein neues Leben an der Westküste. Ja, auch das kommt einem bekannt vor. Wie viele Träumer sind schon aufgebrochen, um das "gelobte Land" zu erobern und das Wunder zu erleben? Auch die junge Britt ist unterwegs, nicht weniger hoffnungsvoll, aber fast noch ein bisschen mehr verloren in ihrer Welt.  Zwanzig Meilen hinter Joshua Tree liegt die Howling Tree Ranch, dort wird ihr Unterschlupf angeboten und ein neues, viel besseres Leben versprochen, denn auf dieser Farm haben sich ein paar moderne Hippies niedergelassen und eine Art Kommune gegründet. Erinnert ein wenig an eine harmlose Version der Manson-Family und somit hätte man auch den nächsten L.A. Mythos aufgegriffen, aber stören tut es nicht...

Pochoda hat mit "Wonder Valley" einen interessanten und durchaus authentischen Roman über Menschen geschrieben, die man auf ihrer eigenartigen Reise gerne begleitet und neugierig beobachtet. Sie sucht sich mit Los Angeles einen einfach nicht totzukriegenden Schauplatz aus, der nach wie vor polarisiert und inspiriert. Der Schein trügt, der Glanz versinkt, das Glück zerfällt, die Liebe hält nicht durch und die Hoffnung stirbt zuletzt.
Ein fantastisches Buch für den kommenden Sommer. California Dreamin, während einem die Sonne das Gehirn wegbrutzelt. Kommt also alle her und fühlt euch wie zu Hause...


400 Seiten, ISBN 978-3-86913-994-4, ars vivendi, 18,00 Euro