Dienstag, 17. Juli 2018

Hier spricht der Sohn des Zodiac...


Gary L. Stewart / mit Susan Mustafa
DER ZODIAC KILLER
Wie ich meinen Vater suchte und eine Bestie fand

Das behauptet zumindest der Autor Gary L. Stewart und will damit eines der spannendsten Rätsel der Kriminalgeschichte lösen. Wer war der Zodiac Killer? Im Zeitraum zwischen Dezember 1968 und Oktober 1969 mordete er im Norden Kaliforniens. Er wurde letztendlich nie geschnappt. Viele kennen die Theorien um den mysteriösen Killer, der damals den Zeitungen Briefe mit kodierten Nachrichten schickte, in denen er seine Identität verbarg oder dies zumindest in seinen Briefen behauptete. Bis heute gibt es zahlreiche Verdächtige und immer wieder treten Menschen an die Presse oder Polizei heran und erzählen ihnen, dass es ihr Vater oder ein anderer Verwandter oder Bekannte bzw. alter Freund gewesen sei. Zu denen zählt seit 2014 auch Gary L. Stewart, der mit seinem Buch viel Neugier geweckt hat.
Schafft es Stewart tatsächlich den fast 50 Jahre alten Fall zu knacken? Wenn man einigen Theorien glauben möchte, fing der Zodiac schon viel früher an zu morden. Bereits am 30. Oktober 1966 soll er die Studentin Cheri Jo Bates mit einem Messer brutal ermordet haben. Hier gab es bereits ein Bekennerschreiben, allerdings auf Maschine getippt und noch ohne Zodiac Vermerk. Auch Stewarts Buch zufolge war dies der Anfang einer von Rachegelüsten geprägten Mordserie, eben die seines Vaters.
Garys Geschichte hat tatsächlich ein paar sehr interessante Ansätze und spannend erzählt ist sie ebenfalls. Einst von seinem Vater, Earl Van Best Jr., genannt Van im März '63 in einem Treppenhaus ausgesetzt, weil die Mutter noch minderjährig und beide auf der Flucht vor der Polizei waren. Kurz darauf ging auch die damalige skandalöse Beziehung der Eltern in die Brüche. Gary wurde adoptiert und erhielt im Mai 2002 eine Nachricht von seiner leiblichen Mutter. Der Stein kam ins Rollen, denn Gary hatte so einige Fragen. Diese Fragen führten ihn letztendlich zu der Überzeugung, dass sein Vater, Earl Van Best Jr. der berüchtigte Zodiac Killer sei. Es gibt tatsächlich einige merkwürdige und sehr verdächtige Übereinstimmungen und Stewart schafft es auch ein ziemlich gutes Täterprofil seines Vaters, sowie ein Motiv zu liefern. Doch können diese Mutmaßungen überzeugen? Dies sollte jeder für sich selbst bestimmen. Denn es gab da ja noch andere Verdächtige: Arthur Leigh Allen zum Beispiel, der lange Zeit als Hauptverdächtiger galt, aber nach einigen Untersuchungen als Täter ausgeschlossen wurde, was aber einige Zodiac Experten bis heute nicht ganz überzeugt. Hinzu wurden über die Jahre weitere Namen ins Spiel gebracht.
Letzten Mai ging der Zodiac Fall erneut durch die amerikanischen Medien. Die Ergreifung des "Golden State Killers" hat einige alte ungelöste Fälle befeuert. Eine neue DNS- Analyse soll schlussendlich nun auch Licht in den mysteriösen Zodiac Fall bringen. Mit Speichelproben der angeleckten Briefmarken und Umschläge sollen Verdächtige ausgeschlossen bzw. bestätigt werden. Kommt also demnächst tatsächlich der große Durchbruch im Zodiac Fall? Lag Gary L. Stewart mit seiner Behauptung richtig? Jeder, der spannende True Crime Stories mag und eine hochinteressante und zum Teil schon verrückte Familiengeschichte gerne noch dazu nimmt, sollte sich Stewarts Buch unbedingt lesen.

432 Seiten, ISBN 978-3-404-60847-8, Bastei Lübbe, 9,99 Euro


Gary L. Stewart über sein Buch:



Gute Doku über den Zodiac Killer:


Mittwoch, 11. Juli 2018

40 Jahre später


Ein Klassiker wird 40 und gleichzeitig wieder zu neuem Leben erweckt...
1978 beeinflusste John Carpenter mit seinem maskierten Killer
Michael Myers maßgeblich das Horror-Genre...
...ab Oktober (wann auch sonst?) schaut er wieder vorbei, auch bei uns...

Trailer


Interessante Doku zum Kult:




Dienstag, 10. Juli 2018

ROGUE SHOTS: Mrs. Sandman



Sie erwachte in einem fremden Zimmer, einem Hotelzimmer.
Sie blickte sich um. Sie trug nur ihre Unterwäsche.
Bis auf ihre Zigaretten und eine halbleere Flasche Champagner konnte sie nichts finden.
Bis sie aufstand und ins Bad ging.
Dort lag ein nackter Mann in der Badewanne.
Das Wasser war mittlerweile kalt.
Seine Augen weit aufgerissen. Er schien tot zu sein.
Doch nirgends war Blut zu sehen.
Was war passiert?
Von nebenan hörte sie Musik. Sie kannte das Lied.
Es waren die Chordettes. Mr. Sandman.
Wie war sie hier her gekommen?
Wer war dieser tote Mann in ihrer Badewanne?
Sie bekam Angst.
Wenigstens dieses Gefühl schien ihr vertraut.
Es klopfte an der Tür.
Sie erschrak, warf sich ein großes Handtuch um und öffnete.
Ein Mann in einem schwarzen Anzug stand vor ihr.
"Wie geht es Ihnen, Madame?" fragte er mit einem starken französischen Akzent.
"Was geht hier vor?" fragte sie.
"Machen Sie sich keine Sorgen. Die Presse wird nichts davon erfahren."
"Wer bin ich?"
"Alles wird in Ordnung gebracht", sagte der Mann.
"Da ist ein toter Mann in meinem Badezimmer."
"Wir kümmern uns darum. Warten Sie einfach hier und schließen Sie dir Tür", sagte er und verschwand.
Sie schloss die Tür und setzte sich auf ihr Bett.
Das Lied von nebenan fing wieder an zu spielen und sie versuchte sich zu beruhigen, während sie einfach nur zuhörte...

- MM






Mittwoch, 27. Juni 2018

Lynchs Traumwelten


David Lynch / Kristine McKenna
TRAUMWELTEN

Wenn wir mit seiner Arbeit konfrontiert werden, ergibt sich daraus möglicherweise ein eigenartiges Staunen oder auch Entsetzen. Die Neugier wird geweckt, aber auch die Frage, was uns der Künstler David Lynch mit diesem (Kurz oder Spiel)Film, dieser Serie, diesem Bild oder diesem Song sagen will. Einige werden seine Werke, besonders seine Filme lieben, andere werden sie komplett ablehnen bzw. diese Art der Kunst nicht an sich heranlassen. Wer sich ihr hingibt und nicht unbedingt alles verstehen möchte, dem wird es möglich gemacht, auf eine besondere Reise zu gehen oder um den Titel seiner aktuellen Biografie zu benutzen: in eine Traumwelt einzutauchen - das trifft es durchaus am besten. Doch unweigerlich stellt sich vielleicht der ein oder andere auch die Frage nach dem Ursprung dieser Träume. Wo liegt die Quelle von Lynchs Inspiration und kann ein Buch darauf eine Antwort geben? Lynch merkt es schon im Vorwort an, dass dies gar nicht möglich ist. Das Leben ist zu vielseitig und zu komplex, als es tatsächlich in einem einzelnen Buch komplett zu sezieren und zu erklären. Trotzdem hat Lynch, in Zusammenarbeit mit der Journalistin und Autorin Kristine McKenna seine Lebensgeschichte nun erzählt...

768 Seiten, ISBN 978-3-453-27084-8, Heyne Encore, 25,00 Euro


Aufgewachsen in einem typisch klassischen amerikanischen Szenario, in den goldenen 50ern im mittleren Westen der USA, in der "kleinen Großstadt" Boise im Bundesstaat Idaho. Der Vater studierte Insektenkunde und arbeitete anschließend als Forscher, die Mutter Hausfrau, Lynch hat einen jüngeren Bruder und eine jüngere Schwester. Es ist das gute "all american Life", in dem David aufwächst. Und so schön es sich anhört, es war wohl genau dieses Idyll, das so störte. Schaut man sich die düsteren und verstörenden Geschichten, die Lynch erzählt an, bringt man dies nicht unbedingt mit einer ausgeglichenen, wundervollen Kindheit in Verbindung. Lynch wurde oft nach seiner Kindheit oder Teenagerzeit befragt oder auch nach Drogenexzessen oder sonstigen außergewöhnlichen Einschnitten in sein Künstlerleben. Doch nichts dergleichen fand statt. Er ging den Weg des Künstlers, allerdings ohne Exzesse. Er schnitt sich kein Teil seines Ohres ab und steckte sich irgendwann auch kein Gewehr in den Mund. Lynch liebt Kaffee, Cola und Zigaretten. Mehr Laster gibt es nicht. Lynchs größte Inspiration war das Leben und die Menschen um ihn herum. Er sah all dies mit anderen Augen. Seine Jugendjahre im ländlichen Städtchen Boise in Idaho, gefolgt vom chaotischen, dreckigen, düsteren Stadtleben in einem ziemlich heruntergekommenen Stadtviertel in Philadelphia während seiner ersten Künstlerjahre. All dies übte großen Einfluss auf seine zuküftige Arbeit aus.
McKenna recherchierte und schrieb ihre Ergebnisse auf, Lynch überprüfte, gegebenenfalls korrigierte und schrieb seine Sicht der Dinge zu vorangegangenen Recherchen über sein Leben. So funktioniert die Biografie im Wechselspiel zwischen Lynch und McKenna und eröffnet so dem Leser eine etwas breitere Sichtweise auf jedes Kapitel und jeden Abschnitt in Lynchs Leben. Interessant und spannend, ohne überflüssiges Gesäusel über die erste Eistüte mit dem Vater oder ähnliche Rückblicke. "Traumwelten" entführt den Geist und inspirierend ihn. Alles gut dosiert und frei von Skandalen. Was man natürlich von seinen Filmen nicht unbedingt behaupten kann. Von verstörenden Bildern des Familienlebens in "Eraserhead", über die harten Erkenntnisse des Lebens eines jungen Menschen in "Blue Velvet" bis hin zum Meisterwerk des Twin Peaks-Schöpfers und gleichzeitig zu einem der genialsten Film Noirs der Geschichte: "Mulholland Drive". Lynch erzählt in seinem Buch natürlich auch ein wenig von den Entwicklungen und Dreharbeiten der einzelnen Filme. Er schreibt von seiner Liebe zum Kino, zur Kunst, zur Musik und einfach zum Leben und führt uns in seiner ganz besonderen Art durch die dunklen kurvigen Straße, irgendwo oben, zwischen den Hügeln Hollywoods...



Grandioser Soundtrack von Komponist Angelo Badalamenti
zum Film...


Donnerstag, 21. Juni 2018

ROGUE SHOTS: Bitch-Hiker


Sie saß auf ihrem Koffer am Straßenrand des Highways und hielt den Daumen nach oben. So sexy wie sie aussah, sollte es nicht lange dauern, bis der erste Fernfahrer auf die Bremse treten würde und so kam es kurz darauf auch. Er ließ sie einsteigen und begutachtete mit einem Lächeln ihre hübschen Beine.
Am nächsten Tag wurde seine Leiche etwas abseits der Interstate 15, in der Nähe von Barstow gefunden. Jemand hatte ihn in den Kopf geschossen und tot in der Wüste liegen lassen. Der LKW wurde 20 Meilen weiter westlich auf der State Route 58 bei einer Raststätte sichergestellt. Besucher der Raststätte erzählten den ermittelten Detectives, dass eine junge attraktive Frau aus dem Lastwagen gestiegen und dann zu Fuß weiter Richtung Highway gegangen sei.
Dort hätte sie wohl nach einer weiteren Mitfahrgelegenheit gesucht.
Einen Tag darauf wurde eine weitere Leiche kurz vor Bakersfield entdeckt...