Freitag, 4. Oktober 2019

Kaffee und Ellroy


James Ellroy
HOLLYWOOD NACHTSTÜCKE

Los Angeles ist seine Stadt. Dort tummeln sich seine Leute. Die Traumtänzer, die Verlierer, die Dealer, die Gauner, die Mörder, die Stars und Sternchen, die Huren und alle sonstigen zwielichtigen und vom harten Leben geprägten Charaktere. Er ist der Autor von Büchern wie "Blut auf dem Mond", "Die schwarze Dahlie", "Ein amerikanischer Thriller", oder auch zuletzt "Perfidia", bzw demnächst auch "This Storm" in Deutschland. Letztgenannte sind Teil 1 und 2 aus seinem zweiten L.A. Quartett. James Ellroy ist nach wie vor ein Schriftsteller, der noch einige Kugeln im Magazin hat. Doch auch ältere Titel kommen nun nach und nach mit neuem Gewand auf den deutschen Markt zurück. Einer davon ist "Hollywood Nachtstücke".
Erzählungen, wie sie nur Ellroy schreiben kann und er hat die besten Voraussetzungen. Ellroys Lebensgeschichte liest sich ja fast selbst wie ein Noir-Krimi...


Das Foto besorgte mir ein Freund. Irre: ich, mit zehn, am 22. Juni 1958. Ein Fotograf der L.A. Times knipste das Bild, fünf Minuten nachdem ein Detective mir eröffnet hatte, dass meine Mutter ermordet worden sei. (aus "Schatten der Vergangenheit" - "Hollywood Nachtstücke")

Seine Romane gehören zu den besten Noir-Thriller überhaupt. Ellroy ist genial, dringt tief in die Abgründe seiner Figuren und besonders der Stadt Los Angeles der 40er, 50er und 60er ein. Man spürte den heißen Asphalt, man hört den Lärm der Autos und der Menschen, die über den Hollywood Boulevard gehen und man weiß, hinter jeder Ecke könnte gerade ein Verbrechen stattfinden. Im Dunkeln lauert der Killer, der korrupte Cop oder die knallharten Drogendealer. Ellroy zeichnet sich immer wieder durch diese ganz besondere, bedrückende Atmosphäre aus und zieht einen voll mit rein. Man steigt ein und dann fährt er los...


Ich ging zur Army, als der Vietnamkrieg langsam, aber sicher ins Rollen kam. Mein Vater lag im Sterben: Ich hatte keine Lust, ihm dabei zuzusehen. Die Army war das nackte Grauen - ich suchte nach möglichen Fluchtwegen. James Ellroy, siebzehn, Nachwuchsmime, zog eine irre Stotternummer ab, um seine Wehrtauglichkeit zu demonstrieren.
Ich bot eine glänzende Vorstellung, die mit sofortiger Entlassung und einer Rückfahrkarte nach L.A. belohnt wurde, wo ich endlich wieder meinen Leidenschaften frönen konnte: saufen, kiffen, Krimis lesen und in anderer Leute Häuser einbrechen, um Damenunterwäsche zu beschnüffeln. 
(aus "Schatten der Vergangenheit" - "Hollywood Nachtstücke")

Vor fast 20 Jahren in den USA auf dem Markt erschienen, dann zwei Jahre später auch bei uns. Nun in einer Neuauflage, reihen sich Ellroys "Nachtstücke" zu seinen anderen Werken, die Ullstein in den letzten Monaten in neuer Auflage herausgebracht hat ein. Authentisch, bitterböse, knallhart und zum Teil wunderbar zynisch. Ein echter Ellroy! Noir der Extraklasse!

288 Seiten, ISBN 978-3-548-29130-7 , Ullstein Verlag, 14,00 Euro


Dienstag, 1. Oktober 2019

Der Gefangene


Nicht mehr ganz neu, aber sehr empfehlenswert...
Falls ihr die Doku noch nicht kennt,
unbedingt mal reinschauen...





Samstag, 21. September 2019

Kaffee im Institut


Stephen King
DAS INSTITUT

Wir bleiben beim König des modernen Horrorromans. Ja, das ist er tatsächlich, aber das, so denke ich, muss auch nicht mehr wirklich bewiesen werden. King schreibt mal bessere, mal schlechtere Bücher, aber alles in allem hat er das Genre geprägt wie kaum ein anderer. Er macht das in seiner ganz eigenen unaufgeregten Art, vollkommen frei von irgendwelchen Allüren. Er muss keinen Nobelpreis gewinnen oder sonstige Auszeichnungen einheimsen. Er möchte uns einfach nur eine spannende Geschichte erzählen, die uns im besten Fall lange oder gar ein Leben lang begleitet. So wie King von Stories inspiriert wird, möchte er seine Leser inspieren und das gelingt ihm.
In seinem aktuellen Roman "Das Insitut" schafft er es, an seine alten Klassiker zu erinnern. Gleich vorweggenommen: sein bestes Buch seit "Joyland", das im Jahr 2013 erschien. Vielleicht gehört "Das Institut" sogar zu den besten Büchern, die King jemals geschrieben hat.

Der Autor aus Maine, der heute seinen 72. Geburtstag feiert, schafft eine besondere Atmosphäre, die auch immer diesen kleinen "Spukgeschichten-am-Lagerfeuer-Effekt" hat, aber dennoch sehr originell, gerade auch durch seine Charaktere und Beschreibungen einzelner Orte oder Räume, sei es ein dreckiges Motelzimmer, ein alter Kauz auf einer Veranda oder ein verlassenes Kino in einer amerikanischen Kleinstadt.

Die Geschichte beginnt mit dem ehemaligen Cop Tim Jamieson, der, nachdem er sein Flugticket einem FBI- Agenten für eine entsprechende Entschädigung überlässt, anfängt von Florida Richtung New York zu trampen. Er landet schließlich in einer Kleinstadt an der Ostküste und lässt sich dort als Nachtklopfer in einer kleinen Polizeistation einstellen. Schon bald kommen ihm mysteriöse Gerüchte über einen bösen Ort zu Ohren. Das Institut. Dort, wo der zwölfjährige Luke Ellis sitzt. Der ist nicht nur hochbegabt, sondern verfügt über eine außerordentliche Intelligenz und sogar über die Fähigkeit der Telekinese. Ein bisschen "Carrie", ein bisschen "Shining", eine Prise "Dreamcatcher" bzw "Duddits", auch ein bisschen "Es" und eine gute Portion von "Stranger Things". Die Macher der Serie hatten ja ganz offen Stephen King als Inspirationsquelle genannt. Nun gibt King sein Dankschön in Form eines spannenden und anspruchsvollen Thriller/Mystery Romans zurück.

Verdammt gut und verdammt spannend und einfach genial erzählt. "Das Institut" lädt ein...zu pulpigen, gruseligen und sehr unterhaltsamen Stunden! Der King ist wieder da!

768 Seiten, ISBN 978-3-453-27237-8, Heyne Verlag, 26,00 Euro