Dienstag, 19. März 2019

Whiskey & Willnot


Die Geschichte eines Arztes und die Geschichte einer Kleinstadt in den USA. Willnot. Hier fühlt man sich fast in die 70er zurückversetzt. Alles hat noch irgendwie seine Ordnung, bis eines Tages diese Grube mit Leichen gefunden wird. Doch bei James Sallis neuester Story, die schon vor drei Jahren in Amerika erschienen ist, handelt es sich nicht um einen Krimi oder einen Mystery-Thriller. Es geht um den Arzt Dr. Lamar Hale, seinen Partner Richard (und ihren Hund Dickens), die Stadt Willnot und einen ehemaligen Patienten und Ex-Marine namens Brandon Lowndes, der sich jetzt Bobby nennt.

"Wissen Sie noch, warum Sie geworden sind, was Sie sind, Doc?"
"Das ist eine lange Geschichte."

Eines dieser Dialoge, die in Sallis "Willnot" gerne geführt werden. In diesem Fall, als Bobby Lowndes auf einer Nichtgeburtstagsparty von Richard auftaucht und mit Lamar Hale einen Plausch beginnt. Viele Szenen im Buch spielen sich im Operationssaal, bzw. im Krankenhaus ab, dort wo das Leben plötzlich wieder eine andere Bedeutung bekommt. Auch wenn der Roman mit der Entdeckung der Leichengrube beginnt,  spielt sich dieses Ereignis mehr oder weniger am Rand der Story ab. Das plötzliche Auftauchen von Lowndes und das damit verbundene Interesse eines Journalisten und einer FBI- Agentin versprühen ein wenig Spannung, tragen aber ebenfalls nicht den Hauptteil der Geschichte. James Sallis, Jahrgang 44 scheint nach einigen Hardboiled-Noir Büchern hier einen etwas anderen Weg einzuschlagen und auch wenn seine Romane und Figuren derweil immer auch diesen ruhigen Ton wie beispielsweise in "Driver" (2007 in Deutschland erschienen) an den Tag legen, tritt er hier nochmal eine Stufe langsamer auf und möchte den Leser einfach nur um ein wenig Zeit für eine unaufgeregte, aber dennoch nachdenkliche Geschichte bitten. Durchaus sehr lesenswert!

Eine letzte Sache noch.
Gestern haben wir Dickens begraben. In unserem Garten schien die Sonne, und eine ganze Brut von Grillen sprang zur Anprobe ihres neuen Lebens versuchsweise in den Wind, in die Welt. 

223 Seiten, ISBN 978-3-95438-102-9, Liebeskind Verlag, 22,00 Euro

Samstag, 16. März 2019

Das Hauntedville Massaker II


Da war ich nun. Ich war angekommen. Ich war allein.
Mehrere tausend Kilometer von zu Hause weg.
Ein paar Zeilen in meinem kleinen lächerlichen Notizbuch,
ein paar Ideen und Gedanken in meinem Kopf,
unter anderem die Vorstellung ein Journalist, ein Schreiber zu sein.
Ich hatte von diesem Aufstand im Hauntedville- Gefängnis gehört
und verschlang alle Gerüchte und Legenden, die es darüber gab.
Doch ich wusste nicht so richtig, worauf ich mich einließ.
Es ging um eine Geschichte, die ich erzählen wollte...






Freitag, 15. März 2019

Alien zum 40.


Der Sci-Fi Klassiker aus dem Jahr 1979 wird 40. 
Ein Grund ihn mit 6 Kurzfilmen zu ehren.
Wann die Filme in Deutschland zu sehen sein werden, ist noch nicht raus, 
aber hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack...


Mittwoch, 13. März 2019

Wir


Obwohl "Get Out" mich nicht wirklich überzeugt hat,
bin ich trotzdem gespannt auf Jordan Peeles "Wir"...

...kommt nächste Woche...


Montag, 11. März 2019

Das Hauntedville Massaker I



Die erste Woche

Ich habe erst nach ein paar Tagen angefangen zu schreiben. Ich brauchte eine gewisse Zeit, um alles erst mal ein wenig zu verarbeiten. Eingesperrt zu sein ist zu bewältigen, wenn man Aussicht darauf hat, irgendwann, oder besser gesagt in naher Zukunft wieder raus zu kommen. In meinem Fall sind es neun Monate. So lange braucht es für ein neues Leben. Ich mag diesen Vergleich, diese Zahl. Im Endeffekt ist es ziemlich simpel hier drinnen. Du musst einfach nur durchhalten. Versuche jeglichen Ärger zu vermeiden und tu einfach, was von dir verlangt wird. Suche dir vielleicht ein oder zwei Freunde oder Gleichgesinnte und halt dich sonst den anderen gegenüber zwar respektvoll, aber bedeckt. Bleib oberflächlich und gib nicht zu viel von dir preis, allerdings hilft es, wenn du hin und wieder jemanden zum Reden hast. Das, was in dir drinnen so brennt und kratzt, muss einfach irgendwann raus und nur Schreiben hilft auch nicht immer. Zieh es einfach durch. Du hast im Moment keine andere Wahl, wenn du das hier lebend überstehen willst. 

- aus dem Tagebuch von James Thomas Bird