Montag, 30. Dezember 2013

Rogue & Blues

Die Januarausgabe der Nation wird ein bißchen Blues zwischen den Seiten haben. Sie wird pünktlich zum 100. Geburtstag von Buddy Moss am 16. Januar erscheinen und kurz darauf verschickt, verkauft und an bedürftige Leser verteilt. Weitere Infos folgen noch.

Bis hierhin Danke für die Unterstützung und habt eine gute Überfahrt, liebe Freunde.


Sonntag, 29. Dezember 2013

Woodys Haus aus Erde

Eine Welt der großen steinernen Zwölfzimmerhäuser und der hölzernen Zehnzimmerhäuser, und eine Welt der Hütten. Von den baufälligen, verrottenden Hütten gibt es mehr als von den hübschen Holzhäusern, und die Hütten schauen auf die größeren Häuser und verfluchen sie, heulen, weinen und fragen nach Fäulnis, Schmutz, Elend, dem Verfall von Land und Familien.

aus


Rezension folgt in der RN #7

Samstag, 28. Dezember 2013

Notes I Found In Pigtown - Geschichten aus dem Viertel (14)


Die Sporttasche

Vor ihnen lag eine Wiese mit Bäumen und einem Abschnitt auf dem vor einiger Zeit verschiedene Blumen gepflanzt wurden, die nun allmählich aus der Erde schossen.
"Wunderschön", sagte sie und blickte verträumt über den Rasen.
"Was ist denn das?" fragte er und sie drehte sich zu ihm um.
"Was denn?"
"Na, das da."
Sie blickte neugierig zu der schwarzen kleinen Sporttasche, die zwischen den Bäumen lag. Sie sah ziemlich sauber aus, als würde sie noch nicht lange dort liegen.
Er ging rüber und hob die Tasche auf.  Er blickte sich um und sah außer Bäumen und Spitzdächern, die dahinter hinausragten sonst nichts. Ein Niemandsland, direkt hinter ihrem Wohnviertel. Aus der Ferne hörten sie die Straßenbahn. Er packte die Tasche unter den Arm, nahm seine Freundin an der Hand und lief mit ihr hinter einen Baum. Er wog die Tasche, setzte sich auf den Rasen und öffnete den Reißverschluss. Er entdeckte ein Bündel 50 Euro Geldscheine. Ihr stieß das Blut in den Kopf und ihr Mund wurde trocken. Sein Herz schlug wie verrückt.
„Was sollen wir jetzt machen?“ fragte sie und er schloss den Reißverschluss wieder.
„Das müssen mehrere tausend Euro sein“, sagte er und atmete schwer. Er rieb sich die Lippen, kaute auf den Fingernägeln und packte seine Freundin sachte an der Schulter.
„Das darf keiner erfahren. Egal, was wir damit machen. Wir reden mit niemandem darüber.“ 

- MM

Ghost Brothers of Darkland County und ein bißchen Blues



Donnerstag, 26. Dezember 2013

Geschwätz

Inzwischen schwirrt in meinem Kopf von früh bis spät fast ständig Geschwätz. Das hätte ich mir mit fünf nicht träumen lassen, als ich mit Stecken im Dreck spielte, aber ich schätze, da hat sich über die ganzen gut sechzig Jahre viel angesammelt, ist lauter geworden, schwerer zu überhören. Ich wache damit auf. Ich füttere damit Hühner. Ich fahre damit Traktor. Ich koche damit Kaffee. Ich brate damit Spiegeleier. Ich reite damit aus. Ich gehe damit schlafen. Ich schlafe damit. Es ist zum ständigen Begleiter geworden.

aus


Rezension folgt in der RN #7

Samstag, 21. Dezember 2013

Wochenendlektüre


Zu haben beim Acheron Verlag: http://www.acheron-verlag.de

Außerdem neu auf dem Markt: STIRB NICHT AM SPEICHEL DER NACHT, Gedicht-Dialoge von Urs Böke & Stefan Heuer. Den gibt's hier: http://www.ratriot.de/shop und noch vieles mehr...da wird sich ja sicher noch das richtige Geschenk finden lassen...

Chaotic zum Christmas



Rezensionen folgen in der RN #7


Mehrfach am Tag erklärte er seine Geschichte, die jedes Mal schließt mit den Worten: Das Motiv war Neugier.

- aus Mondo Kranko

Dienstag, 17. Dezember 2013

Wenn das Befragen ein Ende hat

Er war noch nie in der LV oder in der Rogue Nation, deshalb wird's mal Zeit für ein paar Fragen an den Autoren Frank Göhre. Das Interview findet Ihr in der nächsten Rogue Nation, die Anfang 2014 erscheinen wird.



Gezählt hat er die Schritte vom Gänsemarkt zur Palette, der Kellerkneipe in der ABC-Straße, dem Treffpunkt der Gammler und Tramper, der Ausreißer und Halbkriminellen, der Seeleute, der unanständigen Hafenarbeiter und neugierigen Oberschüler und Studenten.
Neunundachtzig bis hundert Schritte waren es, und vier Stufen hinunter in die Katakomben.

aus I and I


Rezensionen folgen in der RN #7

Sonntag, 15. Dezember 2013

Schmeckt bitter...

Während Tageslicht und Nacht einander ablösten, lagen Liz und Ned im eigenen Sud. Drei Tage chemischer Schweiß. Pappmäulige Küsse und Schleifpapierzungen zwischen Schenkeln. Nur unterbrochen für ein paar Krümel des künstlichen Pulvers, gefolgt von Bourbon, Bud und Natural Light.

aus


Rezension folgt in der RN #7

For No Good Reason

Doku über Künstler Ralph Steadman. Recht interessant...hier mal nen Trailer...


Samstag, 14. Dezember 2013

Freies Wochenende

I am sitting in a cell with a view of evil parallels,
Waiting thunder to splinter me into a thousand me's.
It is not enough to be in one cage with one self;
I want to sit opposite every prisoner in every hole.
Doors roll and bang, every slam a finality, bang!
The junkie disappeared into a red noise, stoning out his hell.
The odored wino congratulates himself on not smoking,
Fingerprints left lying on black inky gravestones,
Noises of pain seeping through steel walls crashing
Reach my own hurt. I become part of someone forever.
Wild accents of criminals are sweeter to me than hum of cops,
Busy battening down hatches of human souls; cargo
Destined for ports of accusations, harbors of guilt.
What do policemen eat, Socrates, still prisoner, old one?

from Jail Poems, Bob Kaufman

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Noch mehr Aufzeichnungen eines Dirty Old Man

So viele Menschen gehen an ihrem Ehrgeiz und ihrer erworbenen Intelligenz zugrunde, an ihrem Bankkonto, ihren Reserven und ihren klugen Krediten. Wenn es einen Rat fürs Leben gibt, dann den: Bemüht euch nicht. Lasst es auf euch zukommen: Frauen, Hunde, den Tod und das Schaffen.

aus


Rezension folgt in der RN #7

Die Zeilen des Tages

Man hat uns gründlich gelehrt, dass das Gespräch eines Menschen mit sich selbst als Anzeichen von Exzentrik oder Wahnsinn zu werten sei; wir sind nicht mehr gewöhnt, unsere eigene Stimme zu hören, außer in einer Konversation oder in der sicheren Umgebung einer schreienden Volksmenge. Dabei ist ein Buch ein Angebot zum Gespräch: Einer spricht mit dem anderen, und der hörbare Klang ist oder sollte natürlicher Bestandteil dieses Austauschs sein. Also las ich mir selbst laut vor, ich war mein eigener Zuhörer und lieh den Worten eines anderen meine Stimme.

- Open City, Teju Cole

Dienstag, 10. Dezember 2013

King of Trash

Die 6. Ausgabe der Nation widmet sich dem Regisseur und Pulpfan Ed Wood, der heute am 10. Dezember vor genau 35 Jahren diese Welt verließ und ins Ungewisse aufbrach. Schockierend schön...


Inhalt: Essays von Rudolph Grey und Jordan Todorov (beide in Englisch), Kurzprosa und Gedichte von Jörg Herbig, Markus Prem und Sven Heuchert.

Ausserdem u.a. im Angebot:




Sonntag, 8. Dezember 2013

Stille Nacht

Notes I Found In Pigtown - Geschichten aus dem Viertel (13)


Verschwunden

Es war schon spät. Beppo hing ein paar Meter vom Kiosk entfernt herum und kämpfte sich voran. Jeder Schritt kostete ihn viel Kraft, seine Trunkenheit setzte ihm zu. Nach ein paar Metern blieb er stehen, lehnte sich an die Wand und versuchte während einer Zigarettenpause wieder zu Atem zu kommen. Er hustete einmal, zweimal und dann verstummte es, als hätte jemand den Stecker gezogen. Ich kam näher, etwas benebelt von billigem Wein und Starkbier. Oben klebte der Vollmond am Himmel. Es war schön hier draußen, was mehr am Rausch, als am Mond lag. Beppo sah mich an und fing an zu erzählen ohne mich vorher zu begrüßen. Ich ging langsam an ihm vorbei, aber da hatte er mich schon. Er hätte heute früh die Polizei gerufen. Margarete wäre ihm schon wieder erschienen. Eine Frau aus der Nachbarschaft, so um die 40, die vor zwei Jahren spurlos verschwand. „Sie war bei mir, in der Küche, machte den Schrank auf und griff sich eine Tasse. Dann verschwand sie wieder.“ Er keuchte, zog wieder an seiner Zigarette und blies den Rauch aus, dem er verträumt nachschaute: „So verschwand sie…wurde eins mit der Luft.“ Ich machte einen Schritt vorwärts, nickte und versuchte mir zwei Sekunden lang vorzustellen, was aus der vermissten Frau geworden war. Sie war einfach abgehauen, mit diesem Typen vielleicht, der sie an manchen Wochenenden immer besuchte, oder der hat sich einfach mitgekommen, ihr den Kopf abgeschlagen und im Wald vergraben. Oder sie ist weggegangen, ohne jemandem ein Sterbenswörtchen zu verraten, hatte am Fluss einen Unfall, ist ins Wasser gefallen, untergegangen….ach, wer weiß das schon. Ich gab auf, doch Beppo hörte nicht auf, darüber nachzudenken. „Ist doch verrückt, von einem auf den anderen Tag passiert so was…“, sagte er und hustete. 

- MM

Samstag, 7. Dezember 2013

Weekend Waits

Die Nation wünscht ein lesereiches Wochenende und alles Gute zum 64., Mr. Waits! Weitermachen...

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Poem of the Day

Shadow people, projected on coffee-shop walls
Memory formed echoes of a generation past
Beating into now.
Nightfall creatures, eating each other
Over a noisy cup of coffee.
Mulberry-eyed girls in black stockings,
Smelling vaguely of mint jelly and last night’s bongo
drummer,
Making profound remarks on the shapes of navels,
Wondering how the short Sunset week
Became the long Grant Avenue night,
Love tinted, beat angels,
Doomed to see their coffee dreams
Crushed on the floors of time,
As they fling their arrow legs
To the heavens,
Losing their doubts in the beat.
Turtle-neck angel guys, black-haired dungaree guys,
Caesar-jawed, with synagogue eyes,
World travelers on the forty-one bus,
Mixing jazz with paint talk,
High rent, Bartok, classical murders,
The pot shortage and last night’s bust.
Lost in a dream world,
Where time is told with a beat.
Coffee-faced Ivy Leaguers, in Cambridge jackets,
Whose personal Harvard was a Fillmore district step,
Weighted down with conga drums,
The ancestral cross, the Othello-laid curse,
Talking of Bird and Diz and Miles,
The secret terrible hurts,
Wrapped in cool hipster smiles,
Telling themselves, under the talk,
This shot must be the end,
Hoping the beat is really the truth.
The guilty police arrive.
Brief, beautiful shadows, burned on walls of night.

- Bagel Shop Jazz, Bob Kaufman

Mittwoch, 4. Dezember 2013

The Last Attack of the Ed Wood Special

Nun noch ein letzter Hinweis, für alle, die sich mit der schockierenden Welt des Edward D. Wood Jr. auseinandersetzen wollen:


Und noch ein kleiner Roger Corman- Tipp fürs heutige Nachtprogramm:

http://www.arte.tv/guide/de/045952-000/ufos-sex-und-monster

Na dann gute Nacht!

Sonntag, 1. Dezember 2013

ROGUE NATION #6 ist gelandet!


Liebe Freunde der Nation,

mit der sechsten Ausgabe dieser Billigproduktion möchte ich euch die Welt des Pulpfreunds und Trash-Filmemachers Ed Wood ein wenig näher bringen. Helfen dabei sollen zwei Essays aus dem Weltall von Ed Wood Biograf Rudolph Grey, Autor von



und Doku-Filmer Jordan Todorov, dessen Dokumentation "Dad Made Dirty Movies" über den bulgarischen B-Movie- Macher Stephen C. Apostolof ich euch nur wärmstens ans Herz legen kann:


Dazu schockierende Prosa und Lyrik der untoten Autoren Jörg Herbig, Markus Prem und Sven Heuchert

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und 
einen monströsen 1. Advent!

- MM



Samstag, 30. November 2013

Sympathy for the Depp

Spandau machte den Sekretär auf und hörte den Anrufbeantworter ab. Nichts Dringendes. Sitting Bull blickte kritischer als gewöhnlich auf ihn herab, als wäre er ein noch größerer Loser als die übrigen verkorksten Bleichgesichter.

aus


Rezension folgt in der RN #6

The Ed Wood Special Part 3


"All this garbage I see, they praise, and me, they seem to love to deride me."
- Ed Wood 

Und hier hier nun "Bride of the Monster" (dt. Die Rache des Würgers). Einer der bekanntesten Filme von Wood:
 

Die Ed Wood Sonderausgabe (Rogue Nation #6) erscheint am Sonntag!

Freitag, 29. November 2013

Pol Pot Polka Pulp

Die vier vergammelten Typen aus dem Fegefeuer konnten ihre Verwandtschaft mit den Phnom-Penh-Zombies nicht leugnen. Und so wie ihre Brüder aus der Hauptstadt waren die Burschen punkto Dresscode auf ein gutes Image bedacht. Die satanische Delegation trug Sportgarn von Ralph Lauren am Leibe, wenn es auch total zerfetzt an madenzerfressenenen Extremitäten hing.

aus


Rezension folgt in der RN #6

Mittwoch, 27. November 2013

Zeichner Erik Kriek auf Tour

Der niederländische Zeichner Erik Kriek, der H.P. Lovecrafts Erzählungen einzigartige Bilder geschenkt hat (siehe auch Post weiter unten) kommt auf Signiertour.

Hier der Tourplan:

03.12. Dienstag: Mr. C, Bochum (16-18 Uhr)
04.12. Mittwoch: Bonner Comicladen, Bonn  (16-18 Uhr)
05.12. Donnerstag: T3, Frankfurt am Main  (16-18 Uhr)
06.12. Freitag: Comix, Hannover (16-18 Uhr)
07.12. Samstag: Berlin Modern Graphics  (16-18)
08.12. Sonntag: Fabelhaft Bar (ab 18 Uhr) (Schönleinstraße 6, Berlin)  Lesung!


Mehr gute Graphic Novels gibt's hier http://www.avant-verlag.de

Der neue Lehane

Sie begegneten sich kurz nach Morgengrauen, an einem Tag im Jahre 1926, als Joe und die Bartolo-Brüder die Spielhölle im Hinterzimmer eines Speakeasy in South Boston ausraubten...

Dennis Lehane's Gangsterroman "In der Nacht" ist heute ganz frisch erschienen. Einer der besten Krimiautoren unserer Zeit.

Ein altes Interview aus der 6. LV mit Dennis Lehane findet Ihr hier: http://issuu.com/elvau/docs/lv_ausgabe_06/14




Samstag, 23. November 2013

The Ed Wood Special Part 2

Das Dorf Hollywood ist entworfen nach den Vorstellungen
Die man hierorts vom Himmel hat. Hierorts
Hat man ausgerechnet, daß Gott
Himmel und Hölle benötigend, nicht zwei
Etablissements zu entwerfen brauchte, sondern
Nur ein einziges, nämlich den Himmel. Dieser
Dient für die Unbemittelten, Erfolglosen
Als Hölle.

- Hollywood-Elegien, Bertolt Brecht




Die ROGUE NATION wünscht ein schönes Wochenende!
Die Ed Wood-Spezial Ausgabe erscheint am 01.12.13!

Donnerstag, 21. November 2013

Browers letzter große Schrecken

Nach dem Krieg hat er tatsächlich nur noch wenige Filme gedreht. Vielleicht wegen der Drogen, aber davon hat Bela Lugosi sich auch nicht aufhalten lassen. Jedenfalls verließ er das Studio und begann mit wechselndem Erfolg zu arbeiten, meistens wechselnd. Er ging für kurze Zeit nach Deutschland zurück, um einen Film zu produzieren, bei dem er auch Regie führte und mitspielte (und den er anscheinend auch geschrieben hatte), an den man aus Gründen, die auf die eine oder andere Art mit der Regierung in Bonn zu tun haben, nicht herankommt.

aus


Rezension folgt in der RN #6

Mittwoch, 20. November 2013

The Ed Wood Special



Zum 35. Todestag von Filmemacher Edward D. Wood Jr. (am 10. Dezember 1978 in Hollywood gestorben) wird die sechste Ausgabe der ROGUE NATION zu Ehren des Trash-Virtuosen eine Sonderausgabe. Mit Essays von Ed Wood Biograf Rudolph Grey und Doku-Filmer Jordan Todorov. Dazu natürlich wie gewohnt Prosa, Gedichte und Rezensionen.

Bis dahin...hier etwas zum Einstimmen:




Bastards Love Child




*LOVE CHILD* – superbastard extra #1
Songdog Verlag Wien
Paperback, 88 Seiten
€ 9,95 (zzgl. Porto und Versand)
ISBN 978-3-9503557-2-7

Gedruckt wie immer bei MARO, Erscheinungsdatum pünktlich zu Weihnachten.

Wer vorbestellen möchte, darf das gerne tun und bekommt den Sonderbastard zum Sonderpreis von € 8,00 (zzgl. € 2,00 für Porto und Versand). – Bitte bis 30. November unter www.superbastard.de/ 
oder unter http://songdog.at/



Montag, 18. November 2013

Die Zeilen des Tages

Unterwegs kamen mir trübsinnige Gedanken. Wozu war der Mensch auf der Welt? Zum Sterben. Und was hieß das? Rumhängen und warten. Warten auf den Glückstreffer. Warten auf ein Paar dralle Titten in einem Hotelzimmer in Las Vegas an einem Abend im August. Warten, dass die Maus ein Lied singt. Warten, dass der Schlange Flügel wachsen. Rumhängen.

- Pulp, Charles Bukowski

Lieber Freund, jetzt in den staubigen zeitlosen Stunden der Stadt, wo die Straßen schwarz daliegen und im Kielwasser der Sprengwagen dampfen, jetzt, wo die Betrunkenen und Obdachlosen in den Gassen oder auf verlassenen Grundstücken im Schutz der Mauern gestrandet sind und Katzen hochschultrig und mager durch trostlose Gelände streunen, jetzt inmitten dieser rußschwarzen Ziegel und kopfsteinigen Durchgänge, wo die Schatten der Leitungsdrähte die Kellertüren in schauerliche Harfen verwandeln, wird keine Seele gehen außer dir.

- Verlorene, Cormac McCarthy


und der PORCHIA des Tages:


Ich werde mich entfernen. Ich beklage lieber
deine Abwesenheit als dich.

- Antonio Porchia

Sonntag, 17. November 2013

Verflucht, verdammt, Palahniuk

Am meisten quält mich immer noch die Hoffnung. In der Hölle ist Hoffnung eine ganz, ganz schlechte Angewohnheit, ähnlich wie Rauchen oder Nägelkauen. Hoffnung ist was sehr Widerspenstiges. Eine Sucht, die man bekämpfen muss.

aus


Rezension folgt in der RN #6

Donnerstag, 14. November 2013

Aliens, Nazis, Trash und Mystery

Regel Nr. 1: Heb nie das Telefon ab, wenn du auf einem Trip bist. Regel Nr. 2: Steig nie in ein Flugzeug, wenn du schwebst! Regel Nr. 3: Steck dir deine Regeln in den Arsch, wenn deine Königin dich ruft!

aus


Rezension folgt in der RN #6

Notes I Found In Pigtown - Geschichten aus dem Viertel (12)


Um ein Haar

Kurz nachdem ich in den hinteren Wagon eingestiegen war, hörte ich ein lautes Rülpsen von weiter vorn. Drei junge Mädels, eine davon hielt sich die Hand vor den Mund, kicherten los und liefen rot an. Die S-Bahn setzte sich kurz darauf in Bewegung. Die Zugestiegenen nahmen Platz. Es war kurz nach sechs Uhr morgens. Der Himmel grau, ein kleines Licht hatte sich in den Wagon verirrt und zitterte durch die Fensterscheibe über die Sitze. Ich sah mich kurz um. Malergesellen, Einzelhandelskauffrauen mit Smartphone in der Hand, ein paar alte Männer und Frauen mit traurigen, müden Gesichtern. Weiter hinten saß ein Mann, mit Vollbart, dicker Strickpullover, bis oben zugeknöpft, ein fades Abbild von Al Pacino als Serpico. „Die Fahrkarten, bitte.“ Zwei Kontrolleure bahnten sich ihren Weg durch meinen Wagon. Ich hatte keine Fahrkarte, da ich nur eine Station fahren wollte. Ja, auch dies ein Vergehen, aber ich bitte Sie. Wie vom Blitz getroffen hielt die Bahn mitten auf der Brücke an. Der Fahrer entschuldigte sich. Es würde gleich weitergehen, versicherte er uns, doch wir standen und standen und egal wie sehr ich mich von den Kontrolleuren entfernte, sie kamen doch immer näher und die Bahn wollte einfach nicht weiterfahren. Es gebe ein technisches Problem, kam es durch die Lautsprecher, doch das interessierte mich nicht. Ich wollte eine Lösung und kein Problem. Schließlich kamen zwei Schwarzfahrer- Sheriffs auf mich zu, zwei unscheinbare Typen in grauen Mänteln, aber mit den nötigen Ausweisen. Der Serpico-Typ hatte seine Hand unter dem Strickpullover versteckt, als würde er jeden Moment ein Messer hervorziehen und zustechen. Einer der grauen Männer kam zu mir, der andere ging zu Serpico. Er reagierte erst nicht darauf und auch ich versuchte Zeit zu schinden. Es war als würde der eine auf den anderen warten. Wer stach zuerst zu und würde demnach dem anderen die Strafe als Schwarzfahrer ersparen? Dann kam seine Hand zum Vorschein. Sie hielt einen Fahrschein in der Hand. Er war gültig. „Ihr Fahrschein, bitte“, sagte der Kontrolleur erneut zu mir. Ich schüttelte den Kopf. Hätte Serpico zugestochen, Freunde oder hätte die Bahn nicht so lange gehalten. Um ein Haar wäre ich aus der Sache rausgekommen. Ich hatte verloren und wir fuhren weiter. 

- MM

Neues aus dem Labor

Der "LaborBefund #9 - Literatur aus der Wirklichkeit" ist am 13. November erschienen und kann ab sofort bestellt, gekauft und gelesen werden! Bestellungen über die Website --> www.laborbefund.jimdo.com

Diesmal ein Autorenheft mit Texten von "Arnd Dünnebacke - In Form gegossen":

 

Mittwoch, 13. November 2013

Ein Pulp Master...

Wyatt wartete darauf, einen Mann um fünfundsiebzigtausend Dollar zu erleichtern...


Ganz heiße Ware aus dem Pulp Master Verlag. Mehr von dem guten Stoff gibts hier: http://pulpmaster.de

Dienstag, 12. November 2013

Poem of the Day

if you want a revolution
return to your childhood
and kick out the bottom

dont mistake changing
headlines for changes

if you want freedom
dont mistake circles
for revolutions

think in terms of living
and know
you are dying
& wonder why

from Tombstone as a Lonely Charm (Part 3), D.A. Levy

Montag, 11. November 2013

Feierabend mit Jim



"Wie gefällt dir dein neuer Job?" fragte Mom. "Musst du schwer arbeiten?"
"O nein", antwortete ich.
"Und was machst du so? Buchhaltung und Schreibarbeiten?"
"Ja", sagte ich, "Buchhaltung und Schreibarbeiten."
Dann verlor ich die Beherrschung und erzählte ihr, was ich in Wahrheit getan hatte.
"Wie schön", sagte sie, als ich fertig war, und ich wusste, sie hatte kein Wort verstanden.


Sonntag, 10. November 2013

Babylonische Nacht

Hier bekommen wir sie zu sehen, die Reichen, die Schönen, die Berühmten, die Derben, die Dummen, die Gierigen, die Schwierigen und leider oft genug auch die lediglich Schmierigen. Dagegen kann kein Fellini mithalten. Und alles gratis, ohne Warteschlangen, ohne miefige, überfüllte Kinosäle, ohne Sprachprobleme und ohne Fehldeutungen der zugrunde liegenden Botschaften.

aus


Rezension folgt in der RN #6

Schreiben am Wochenende


Samstag, 9. November 2013

Poem of the Day

he's the night
chasing rabbits,
a pot of dust
under the asphalt sky
cracked the stars.
athlete,
'colored boy from Houston makes good.'
standing straight as a razor
he cuts my vagina open
stretches it like bleeding lights thru dark air
his rabbit teeth drag my tongue
over sabers hidden in salt,
from the slit tip
red roses drip
screaming: daddy don't.

- from Rabbit Man, Sapphire

Donnerstag, 7. November 2013

Einfach mal reinschaun...

Kleine Leseprobe zum Feierabend:

Chaotic Revelry im November

Kürzlich erschienen: Mondo Kranko von Jonis Hartmann


und schon ein bißchen älter, aber ebenfalls wärmstens zu empfehlen sind die Arschbacken von Voltaire: 


Mehr Infos zu den Büchern und Bestellungen unter http://www.cr-verlag.de/

Mittwoch, 6. November 2013

Jesus is coming...


James Freys Geschichte über die Rückkehr des Zimmermanns ist ganz neu als Taschenbuch erschienen. Ein noch nicht ganz so altes Interview mit James gab's in der 12. LV, einfach mal reinlesen: http://issuu.com/elvau/docs/lv_ausgabe_12/16?e=0

Waiting for God

through the branches of
the thin trees of tenth street
the blue sky waits
with me &
im waiting for god
(on a white horse)
to ride thru the
branches of
the lower east side
before returning to
cleveland
& something
tells me
he isn't coming

- from sitting on a bench near TSQuare,  D.A. Levy

Dienstag, 5. November 2013

Sam wird 70


halb vier morgens

ist das ein Hahn
oder eine Frau, die in der Ferne kreischt

ist das ein schwarzer Himmel 
oder wird er gerade tiefblau

ist das ein Motelzimmer
oder das Haus von jemand

ist das mein Körper, lebendig
oder tot

ist das Texas
oder Westberlin

wieviel Uhr ist es
überhaupt

welche Gedanken
sind meine Freunde

ich bete um eine Pause
von allem Denken

eine saubere Pause
im leeren Raum

bitte laß mich auf die Straße
mit leerem Kopf

nur einmal

ich bettle nicht

ich fall nicht auf die Knie

ich bin nicht zum Kampf gerüstet

- Motel Chronicles, Sam Shepard

Montag, 4. November 2013

Here's Danny!

Er hockte an der Mündung des Regenkanals und blickte über einen mit wildem Gras bewachsenen Hang auf den Cape Fear River und die Brücke hinab, die den Fluss überspannte. Die Nacht war klar, und der Mond war voll. Es ging kein Wind, es schneite nicht. Und das Hotel Overlook war verschwunden. Selbst wenn es nicht während der Amtszeit des Erdnussfarmerpräsidenten niedergebrannt wäre, wäre es über tausend Meilen weit entfernt gewesen. Weshalb hatte er dann solche Angst?

aus


Rezension folgt in der RN #6

Poem of the Day


To live as I have done is surely absurd
In cheap hotels and furnished rooms
To walk up side streets and down back alleys
Talking to oneself
And screaming to the sky obscenities
That the arts is a rotten business indeed
That mediocrity and the rage of fashion rules
My poems and paintings piled on the floor
To be one with himself
A Saint
A Prince
To persevere
Through storms and hardons
Through dusk and dawns
To kick death in the ass
To be passed over like a bad penny
A midget
An Ant
A roach
A freak
A Hot Piece
An Outlaw
Raise your cup and drink my friend
Drink for those who walk alone in the night
To the crippled and the blind
To the lost and the damned
To the lone bird flying in the sky
Drink to wonder
Drink to me
Drink to pussy and dreams
Drink to madness and all the stars
I hear the birds singing


- A Poem to the Freaks, Jack Micheline

Sonntag, 3. November 2013

Almost Monday...


Das Wort zum Sonntag


Ich lebe vom Schreiben, aber ich mag Schriftsteller nicht besonders. Marcel Proust? Kenn ich nicht, interessiert mich nicht. Ich bevorzuge Boxer, Huren und Gauner. Da bin ich zu Hause, da fühl ich mich wohl.

- Nelson Algren

Freitag, 1. November 2013

Die 5. NATION ist raus!


Drei Cover, ein Heft, heckenschützenmäßig ins Visier genommen und mit todsicheren Texten zusammengeschossen. Diesmal mit dabei sind Sven Heuchert, Dan Fante, Jonis Hartmann und Benedikt Maria Kramer. In einem Interview kommt Rich Machin von den Soulsavers (siehe Post weiter unten) auch zu Wort.

Mein Dank richtet sich wieder an alle Autoren, Abonnenten und sonstigen Wegbegleiter dieser kleinen, unscheinbaren Publikation. Viel Vergnügen beim Lesen!

Gruß,
MM

Montag, 28. Oktober 2013

The light & the dead: Interview with Rich Machin from Soulsavers

Fast genau zehn Jahre ist es her, seit die Soulsavers ihr erstes Album mit dem Titel "Tough Guys Don't Dance" veröffentlicht haben. Zeit für ein Revival und ein Interview mit Mitbegründer Rich Machin (rechts im Bild), das in der ROGUE NATION #5 erscheinen wird.

Und hier geht's zum Revival:


...und hier zu den Alben ...






Weitere Infos gibt's hier: http://www.thesoulsavers.com