Montag, 23. September 2013

Notes I Found In Pigtown - Geschichten aus dem Viertel (8)



Manchmal kommen sie wieder…aber eigentlich immer

Er kam in die Kneipe, warf seine 2 Euro Münze auf den Tresen und bestellte, während er Platz nahm ein Glas Wasser. Dieses Glas stierte er für mindestens 15 Minuten an, als wäre es entweder der Heilige Gral oder purer Spiritus, mit dem er sich in Brand stecken wollte. Der Mann schien entzweit und gleichzeitig so niedergeschlagen. Draußen leuchtete der Vollmond am schwarzen Himmel und hier drinnen saß der ausgestoßene Fremde, den man mit misstrauischem Blick begegnete. Ich gab ihm keine drei Minuten bevor er sich in ein wildes Tier verwandeln und alle, die da saßen und tuschelten zerfetzen würde. Er nahm die 2-Euro Münze und warf sie schließlich in das Wasserglas. Der Nickel-Messing Taler trieb nach unten wie ein Stein. Ein anderer Gast kam herein und gesellte sich zum Werwolf am Tresen. Beide unterhielten sich, man hörte Bruchstücke wie „…jetzt ist Schluss…“ und „…nie wieder…“ Der neue Gast bestellte ein Bier und trank es zügig aus, während der Werwolf neben ihm wartete, dass aus seinen zwei Euro vier wurden. Wenig später standen sie auf und verschwanden. Der Wirt, auch schon völlig benebelt von billigem Korn, den er unter dem Tresen versteckte und falschen kubanischen Zigarren, die er stündlich hinten im Raucherzimmer paffte verzog das Gesicht und sagte dem Typen am Ende des Tresens: „Manchmal kommen sie wieder…aber eigentlich immer.“ 

- MM

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen