Montag, 28. Oktober 2013

The light & the dead: Interview with Rich Machin from Soulsavers

Fast genau zehn Jahre ist es her, seit die Soulsavers ihr erstes Album mit dem Titel "Tough Guys Don't Dance" veröffentlicht haben. Zeit für ein Revival und ein Interview mit Mitbegründer Rich Machin (rechts im Bild), das in der ROGUE NATION #5 erscheinen wird.

Und hier geht's zum Revival:


...und hier zu den Alben ...






Weitere Infos gibt's hier: http://www.thesoulsavers.com

Sonntag, 27. Oktober 2013

R.I.P. Lou Reed


2. März 1942 - 27. Oktober 2013

"I don't know just where I'm going
But I'm gonna try for the kingdom, if I can"

Brasil Noir

"Sie wurden gestern Nacht festgenommen, oben in den Bergen, und dann gleich verhaftet, nachdem Sie einen Doppelmord gestanden haben. Erinnern Sie sich daran?"
Ich nickte. Bis dahin erinnerte ich mich mehr oder weniger, an ein paar Stücke zumindest, an nicht mehr als zwei oder drei unzusammenhängende Bilder. Es war mir klar, dass da noch wichtige Teile fehlten.

aus


Rezension folgt in der RN #5

Der Morgen mit Dylan


 27. Oktober 1914 - 9. November 1953

Unter und um ihn gehn
Flundern, Möwen auf kaltsterbenden Spuren
Tun wie man sagt,
Brachvögel laut in aalwindenden Wellen,
Bemüht um Todeswege,
Und der Reimer im klanglangen Raum
Läutet seine Geburtstagsglocke ,
Plagt sich zum Hinterhalt seiner Wunden.
Reiher, turmstielige, segnen.

- Gedicht auf seinen Geburtstag, Dylan Thomas

Freitag, 25. Oktober 2013

Notes I Found In Pigtown - Geschichten aus dem Viertel (11)

Ärger letzte Nacht


Er lehnte lässig an dem Stehtisch neben dem Eingang der Bäckerei, vor ihm seine Tasse Kaffee. Er nahm einen Schluck und so viel Kaffee wie in seinem Mund landete verfing sich auch in seinem wuchtigen Oberlippenbart. Er nuschelte so heftig, dass man dachte er verschluckt sich jeden Moment dabei. „Letzte Nacht...an der Ecke...war was los...“ Er brummte durch seinen Bart hindurch und sprach den alten Mann an, der sowieso schwerhörig war und nur was für sein Frühstück brauchte. „Da gab's Ärger....aber die kommen nicht mehr wieder, keine Sorge.“ Der alte Mann ging in die Bäckerei und bestellte sich seine Brötchen am Tresen.
„Da soll es wohl gestern Nacht hier an der Ecke Ärger gegeben haben“, sagte die Verkäuferin fast schon im Flüsterton.
„Zwei Brötchen bitte.“
„Da gab es wohl eine Schlägerei.“
„Zwei Brötchen, bitte.“
„Und einer soll auch ein Messer dabei gehabt haben.“
„Ich hätte gern zwei Brötchen.“
„Und einen Schuss soll man auch gehört haben.“
„Zwei Brötchen, bitte, junge Frau.“
Keine Minute später kam der alte Mann mit seinen Brötchen wieder raus und nickte dem Typen am Stehtisch zu und der nickte zurück und nuschelte was von Ärger in der letzten Nacht. „Haste schon gehört?“ fragte er und der alte Mann lächelte nur und ging weiter.

- MM

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Brutales Erwachen

Una verzog das Gesicht zu einem Schrei, der nicht kam, der sie quälte, der sie wütend machte. Alissa blies ihr auf die Stirn, wie es ihre Mutter tat, um sie zu beruhigen, stand wieder auf und schwenkte das Fläschchen. Sie fragte sich, warum sie nicht auch zu schreien anfing.

aus

 
Rezension folgt in der RN #5

John vs Melvin


                22. Juni 1903 - 22. Juli 1934            24. Oktober 1903 -  29. Februar 1960


Montag, 21. Oktober 2013

Der Gang vor die Hunde

"Wenn man zwei Jahre arbeitslos ist, denkt man anders darüber", sagte der Mann. "Ich schlafe am Engelufer in der Herberge. Zehn Mark zahlt mir die Fürsorge. Mein Magen ist krank vom vielen Kavier."
"Was sind Sie von Beruf?"
"Bankangesteller, wenn ich mich recht entsinne. Im Gefängnis war ich auch schon. Gott, man sieht sich eben um. Das einzige, was ich noch nicht erlebt habe, ist der Selbstmord. Aber das läßt sich nachholen."

aus


Rezension folgt in der RN #5

R.I.P. Jack

Montagmorgen bekam ich einen Brief von einer Detektei, ich sollte mich wegen eines Jobs melden. Ich hatte mich dort etwa einen Monat zuvor beworben, das Ganze aber schon fast wieder vergessen. Offensichtlich hatten sie meine Fingerabdrücke und die gefälschten Referenzen nicht überprüft.

- Und die Nilpferde kochten in ihren Becken, Jack Kerouac & William S. Burroughs


12. März 1922 - 21. Oktober 1969

Sonntag, 20. Oktober 2013

Die Zeilen des Tages

Was ihn so zermürbte, war allerdings nicht die Arbeit, und was seinen Schlaf so unruhig und gequält machte, war mehr als der platschende graue Regen. Die Stadt hatte ihn vollgepumpt mit der Schuld von anderen.

- Der Mann mit dem goldenen Arm, Nelson Algren


Hoity-toity cha de noite sea's still high an' sky's all doity sangen sie, hielten sich dabei am Bartresen fest und bekämpften die Seekrankheit mit Madeira. Die anderen Passagiere saßen, grün im Gesicht, auf der Bank gegenüber.

- Orient-Express, John Dos Passos


Ich grinste und überlegte, warum ich ihn nicht einfach umlegte.

- In die finstere Nacht, Jim Thompson


und der PORCHIA des Tages:


Mein Körper verkennt fast, was Schmerz ist; meine Seele hingegen verkennt fast, was nicht Schmerz ist.

- Antonio Porchia

Neuer Drecksack erschienen!

Beteiligt sind diesmal: William Cody Maher, Eric Ahrens, Jörg Götterwind, Angela Rohr, Jörg Herbig, Pirmin Bossart, Ni Gudix, Ulrich Kersten, Erik Steffen, Marvin Chlada, Dirk Bierbaß, Michael Arenz, Maximilian Zander, Jonas Gawinski, Peter O. Chotjewitz, Jürgen Ploog, Florian Vetsch, Thomas Meyer-Falk, Florian Günther..
Mehr Infos & Bestellungen unter http://www.edition-luekk-noesens.de/drecksack/

Freitag, 18. Oktober 2013

Notes I Found In Pigtown - Geschichten aus dem Viertel (10)



Frieden

Der Wind wehte ganz sanft, ein strahlend schöner Tag, über mir das reinste Blau und meinen Hunger stillte ich am Imbisstand vor dem Einkaufsmarkt. Ein Festmahl, dazu ein kühles Bier. Ich schlenderte davon, zog über die weiten Wiesen beim Industriegebiet und hoffte, dass sie jetzt gerade in diesem Moment einen Atomversuch starten würden. Mir hätte es nichts ausgemacht. Ich war ganz leicht drauf. Ich schlug einfach alles weg. Diese Leichtigkeit war Schnee an Heiligabend und Bleigießen an Silvester. Das nenne ich unerträglich, Milan! Ein Mann torkelte auf mich zu und ließ sich dann auf die Wiese fallen. Ich ging zu ihm rüber und erkundigte mich nach seinem Zustand. „Nein, lass mich zufrieden“, sagte er mit letzter Kraft und war im Begriff auf dem Rasen einzuschlafen. Ich gönnte ihm die Leichtigkeit. So sollte es allen heute gehen. „Gleich kommt die Bombe und lässt uns alle wegfliegen“, sagte ich. „Mensch, ich kann seit einer Woche nicht schlafen und jetzt, wo ich endlich einen Platz gefunden hab, lässt du mich nicht in Ruhe.“ Ich sagte kein Wort mehr und ließ ihn zurück. 

- MM

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Der Cop

Er versucht den Gedanken zu verdrängen, dass sich der Tod der Mädchen dann sogar gelohnt haben könnte. Er versucht, ihn zu verdrängen, ihn in die dunkelste Ecke seiner Seele zu sperren, fernab des grellen Lichts seines Bewusstseins, wo seine ganze Hässlichkeit klar zutage tritt - aber er kann nicht anders, tief in seinem Inneren glaubt er, dass es genau so ist: Dann hat sich ihr Tod gelohnt. Er spürt es mit jedem Herzschlag.
Und wenn es Hunderter, Tausender Leichen bedürfte, um seine Tochter zurückzuholen, wäre es das wert.

aus


Rezension folgt in der RN #5

Freitag, 11. Oktober 2013

Elmore Leonard's Ten Rules of Writing

1. Never open a book with weather.
2. Avoid prologues.
3. Never use a verb other than "said" to carry dialogue.
4. Never use an adverb to modify the verb "said”…he admonished gravely.
5. Keep your exclamation points under control. You are allowed no more than two or three per 100,000 words of prose.
6. Never use the words "suddenly" or "all hell broke loose."
7. Use regional dialect, patois, sparingly.
8. Avoid detailed descriptions of characters.
9. Don't go into great detail describing places and things.
10. Try to leave out the part that readers tend to skip.

My most important rule is one that sums up the 10:

If it sounds like writing, I rewrite it.



11. Oktober 1925 - 20. August 2013


Es wird Winter...

Immer auf dem Holzweg, immer in der falschen Richtung unterwegs, immer im Kreis herum. Zeitlebens leidest du an der Unfähigkeit, dich im Raum zu orientieren, und selbst in New York, wo man sich so gut zurechtfindet, wie in sonst keiner Stadt, wo du den größten Teil deines Erwachsenenlebens verbracht hast, gerätst du häufig in Schwierigkeiten.

aus


Rezension folgt in der RN #5

Montag, 7. Oktober 2013

Die Zeilen des Tages

Sie war barfuß, sie zitterte. In einem schweißgetränkten Nachthemd, und die geheimen Teile ihres Körpers pochten vor Verletztheit, Gekränktheit und stummer Wut, so stand sie am Hotelfenster. Mit bloßen Händen, wie rasend, bekam man solche Fenster nicht auf und zerbrechen konnte man sie auch nicht, denn sie waren doppelt oder dreifach verglast, unzerbrechlich und verriegelt. Ma'am, Sie können nicht so einfach sterben. Sich aus dem Fenster stürzen? - Nein.

- Die Lästigen, Joyce Carol Oates 

Leon Hubbard starb am ersten Montag im Mai zehn Minuten nach Beginn der Mittagspause auf der Baustelle der neuen einstöckigen Unfallstation des Holy Redeemer Hospitals in South Philadelphia. Auf die ein oder andere Art hätte er ohnehin seinen Job verloren.

- God's Pocket, Pete Dexter

Ich werde Ihnen sagen, wie es ist, und es ist so und nicht anders: Verbrechen ist eine Straße für Vollidioten, und wer diesen Weg geht, endet im Knast oder in der Leichenhalle ... oder beim Zahnarzt.

- In den Straßen von Los Angeles, Ry Cooder


und der PORCHIA des Tages:

Warum kehrst du zum Leben zurück?
Ich verstehe.
Man ermüdet an allem, auch daran, gestorben zu sein.

- Antonio Porchia

...nichts weiter mehr


19. Januar 1809 - 7. Oktober 1849


Dein Seel` wird einstens einsam sein
in grauer Grabsgedanken Schrein -
kein Blick. der aus der Menge weit
noch stört` deine Abgeschiedenheit.

- Geister der Toten, Edgar Allan Poe

Sonntag, 6. Oktober 2013

Neuer Florian Günther Gedichtband: Mehr war nicht drin





Florian Günthers neuer Gedichtband MEHR WAR NICHT DRIN (76 Gedichte)(Paperback, 128 Seiten, 14,80 Euro (zzgl. Porto und Versand), ISBN 978-3-941126-53-4) wird im Verlag Peter Engstler Ende November erscheinen. Vorbestellungen und weitere Infos zur kommenden Lesung und dem Buch findet Ihr unter  http://www.edition-luekk-noesens.de/

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Notes I Found In Pigtown - Geschichten aus dem Viertel (9)



Alles war in Ordnung

Mein letzter Traum war leicht verstörend oder auch irgendwie inspirierend. Da waren diese zwei Nonnen in Taucheranzügen, die auf einem Gorilla durch die Wüste ritten. Es war wahrscheinlich nicht sehr sonderlich, abstrakt, surreal oder gar morbid. Er war nicht bedrohlich oder erheiternd und als ich wach wurde spürte ich weder Furcht noch Hoffnung. Es war ein gewöhnlicher Morgen, mit einem Kaffee nach dem Aufstehen, mit einigen Fingerabdrücken auf meinem Küchenfenster, einem Eichhörnchen, das draußen im Garten auf einen Baum hastete und eine faule schwarze Katze, die im Gras lag und auf den Tod zu warten schien. Hinter dem Wiesenstück eine Häuserreihe, ein Fenster in der Außenwand, geschlossen, unbeleuchtet und unbekleidet. Ein nacktes Schwarz, umrundet von cremefarbener Wandmalerei, eintönig aber immerhin noch gut genug um die ersten Sonnenstrahlen des Morgens zu reflektieren. Meine Küche war hell, der Wasserkocher produzierte Dampf, den er wie eine Lokomotive nach oben ausstieß. Mein Körper lechzte nach Kaffee. Der Toast dauerte nicht sehr lange und der Kühlschrank leuchtete wie gewöhnlich, als ich die Tür öffnete. Alles in war Ordnung. Der Morgen war klar strukturiert und ich erwartete keine Überraschungen, weder zum Guten noch zum Schlechten. Es war ein Gefühl vollkommener Lethargie, die zu einem Zeitpunkt eingesetzt hatte, an dem es dir egal war. Das Radio spielte ein Lied, dass du schon zigmillionen Mal gehört hast und stört es dich? Nein, du liebst es, du würdest dazu gerne tanzen, wenn da nicht diese überwältigende Lethargie wäre. Die Zeitung eröffnete mir kurze Zeit später meinen ersten Blick in die Welt hinaus: Zwei Nonnen sind in Taucheranzügen auf einem Gorilla durch die Wüste geritten. Alles war in Ordnung. 

- MM

Kaffee und der Cop


Ian Hunt hat noch eine knappe Stunde bis Schichtende, als seine tote Tochter anruft...

- Der Cop, Ryan David Jahn

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Abendlektüre


Coffin Eds säurezerfressenes Gesicht wirkte diabolisch vor lauter Zorn. Aber er bremste den Schlag des Revolvergriffs kurz vor dem Aufprall auf dem Schädel des Säufers. Dann stieß er ihn gegen den Wagen und gab ihm aufs Maul. "Bist gar nicht komisch", sagte er mit einer so bedrohlich klingenden Stimme, daß es Grave Digger kalt den Rücken hinunterlief.


Dienstag, 1. Oktober 2013

WANTED! Noch (mehr) Pulp- und Crimetexte gesucht!

DIE NATION BRAUCHT EUCH! 
PULP & CRIME TEXTE GESUCHT!


Für das ROGUE NATION Magazin werden verstärkt Texte aus dem Pulp & Crime Genre gesucht. Wer sich bei den Geschichten von Autoren wie Dashiell Hammett, Raymond Chandler, Jim Thompson, Pete Dexter, Donald Ray Pollock, James Ellroy, Charles Bukowski, James M. Cain oder Daniel Woodrell wohl fühlt und gerne mal selbst zur Feder greift oder die Tasten betätigt, ist eingeladen seine Texte an die Nation zu schicken:

Bitte im Wordformat per eMail an: RogueBlogue@gmail.com

5 Normseiten sollten nicht überschritten werden, wenn es nun eine mehr ist, wird auch keiner erschossen. Versprochen.

Schriftart = egal, Zeilenabstand = normal und Geschichte = gut. 
Einsendeschluss gibt es nicht, Texte sind jederzeit willkommen.

Die nächste Ausgabe des Rogue Nation Magazins erscheint am 01.11.13.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Gruß,
Marc

P.S. Wer den Aufruf teilt, kommt in den Himmel. Versprochen. Allerdings nicht sofort.