Donnerstag, 3. Oktober 2013

Notes I Found In Pigtown - Geschichten aus dem Viertel (9)



Alles war in Ordnung

Mein letzter Traum war leicht verstörend oder auch irgendwie inspirierend. Da waren diese zwei Nonnen in Taucheranzügen, die auf einem Gorilla durch die Wüste ritten. Es war wahrscheinlich nicht sehr sonderlich, abstrakt, surreal oder gar morbid. Er war nicht bedrohlich oder erheiternd und als ich wach wurde spürte ich weder Furcht noch Hoffnung. Es war ein gewöhnlicher Morgen, mit einem Kaffee nach dem Aufstehen, mit einigen Fingerabdrücken auf meinem Küchenfenster, einem Eichhörnchen, das draußen im Garten auf einen Baum hastete und eine faule schwarze Katze, die im Gras lag und auf den Tod zu warten schien. Hinter dem Wiesenstück eine Häuserreihe, ein Fenster in der Außenwand, geschlossen, unbeleuchtet und unbekleidet. Ein nacktes Schwarz, umrundet von cremefarbener Wandmalerei, eintönig aber immerhin noch gut genug um die ersten Sonnenstrahlen des Morgens zu reflektieren. Meine Küche war hell, der Wasserkocher produzierte Dampf, den er wie eine Lokomotive nach oben ausstieß. Mein Körper lechzte nach Kaffee. Der Toast dauerte nicht sehr lange und der Kühlschrank leuchtete wie gewöhnlich, als ich die Tür öffnete. Alles in war Ordnung. Der Morgen war klar strukturiert und ich erwartete keine Überraschungen, weder zum Guten noch zum Schlechten. Es war ein Gefühl vollkommener Lethargie, die zu einem Zeitpunkt eingesetzt hatte, an dem es dir egal war. Das Radio spielte ein Lied, dass du schon zigmillionen Mal gehört hast und stört es dich? Nein, du liebst es, du würdest dazu gerne tanzen, wenn da nicht diese überwältigende Lethargie wäre. Die Zeitung eröffnete mir kurze Zeit später meinen ersten Blick in die Welt hinaus: Zwei Nonnen sind in Taucheranzügen auf einem Gorilla durch die Wüste geritten. Alles war in Ordnung. 

- MM

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen