Montag, 30. Dezember 2013

Rogue & Blues

Die Januarausgabe der Nation wird ein bißchen Blues zwischen den Seiten haben. Sie wird pünktlich zum 100. Geburtstag von Buddy Moss am 16. Januar erscheinen und kurz darauf verschickt, verkauft und an bedürftige Leser verteilt. Weitere Infos folgen noch.

Bis hierhin Danke für die Unterstützung und habt eine gute Überfahrt, liebe Freunde.


Sonntag, 29. Dezember 2013

Woodys Haus aus Erde

Eine Welt der großen steinernen Zwölfzimmerhäuser und der hölzernen Zehnzimmerhäuser, und eine Welt der Hütten. Von den baufälligen, verrottenden Hütten gibt es mehr als von den hübschen Holzhäusern, und die Hütten schauen auf die größeren Häuser und verfluchen sie, heulen, weinen und fragen nach Fäulnis, Schmutz, Elend, dem Verfall von Land und Familien.

aus


Rezension folgt in der RN #7

Samstag, 28. Dezember 2013

Notes I Found In Pigtown - Geschichten aus dem Viertel (14)


Die Sporttasche

Vor ihnen lag eine Wiese mit Bäumen und einem Abschnitt auf dem vor einiger Zeit verschiedene Blumen gepflanzt wurden, die nun allmählich aus der Erde schossen.
"Wunderschön", sagte sie und blickte verträumt über den Rasen.
"Was ist denn das?" fragte er und sie drehte sich zu ihm um.
"Was denn?"
"Na, das da."
Sie blickte neugierig zu der schwarzen kleinen Sporttasche, die zwischen den Bäumen lag. Sie sah ziemlich sauber aus, als würde sie noch nicht lange dort liegen.
Er ging rüber und hob die Tasche auf.  Er blickte sich um und sah außer Bäumen und Spitzdächern, die dahinter hinausragten sonst nichts. Ein Niemandsland, direkt hinter ihrem Wohnviertel. Aus der Ferne hörten sie die Straßenbahn. Er packte die Tasche unter den Arm, nahm seine Freundin an der Hand und lief mit ihr hinter einen Baum. Er wog die Tasche, setzte sich auf den Rasen und öffnete den Reißverschluss. Er entdeckte ein Bündel 50 Euro Geldscheine. Ihr stieß das Blut in den Kopf und ihr Mund wurde trocken. Sein Herz schlug wie verrückt.
„Was sollen wir jetzt machen?“ fragte sie und er schloss den Reißverschluss wieder.
„Das müssen mehrere tausend Euro sein“, sagte er und atmete schwer. Er rieb sich die Lippen, kaute auf den Fingernägeln und packte seine Freundin sachte an der Schulter.
„Das darf keiner erfahren. Egal, was wir damit machen. Wir reden mit niemandem darüber.“ 

- MM

Ghost Brothers of Darkland County und ein bißchen Blues



Donnerstag, 26. Dezember 2013

Geschwätz

Inzwischen schwirrt in meinem Kopf von früh bis spät fast ständig Geschwätz. Das hätte ich mir mit fünf nicht träumen lassen, als ich mit Stecken im Dreck spielte, aber ich schätze, da hat sich über die ganzen gut sechzig Jahre viel angesammelt, ist lauter geworden, schwerer zu überhören. Ich wache damit auf. Ich füttere damit Hühner. Ich fahre damit Traktor. Ich koche damit Kaffee. Ich brate damit Spiegeleier. Ich reite damit aus. Ich gehe damit schlafen. Ich schlafe damit. Es ist zum ständigen Begleiter geworden.

aus


Rezension folgt in der RN #7

Samstag, 21. Dezember 2013

Wochenendlektüre


Zu haben beim Acheron Verlag: http://www.acheron-verlag.de

Außerdem neu auf dem Markt: STIRB NICHT AM SPEICHEL DER NACHT, Gedicht-Dialoge von Urs Böke & Stefan Heuer. Den gibt's hier: http://www.ratriot.de/shop und noch vieles mehr...da wird sich ja sicher noch das richtige Geschenk finden lassen...

Chaotic zum Christmas



Rezensionen folgen in der RN #7


Mehrfach am Tag erklärte er seine Geschichte, die jedes Mal schließt mit den Worten: Das Motiv war Neugier.

- aus Mondo Kranko

Dienstag, 17. Dezember 2013

Wenn das Befragen ein Ende hat

Er war noch nie in der LV oder in der Rogue Nation, deshalb wird's mal Zeit für ein paar Fragen an den Autoren Frank Göhre. Das Interview findet Ihr in der nächsten Rogue Nation, die Anfang 2014 erscheinen wird.



Gezählt hat er die Schritte vom Gänsemarkt zur Palette, der Kellerkneipe in der ABC-Straße, dem Treffpunkt der Gammler und Tramper, der Ausreißer und Halbkriminellen, der Seeleute, der unanständigen Hafenarbeiter und neugierigen Oberschüler und Studenten.
Neunundachtzig bis hundert Schritte waren es, und vier Stufen hinunter in die Katakomben.

aus I and I


Rezensionen folgen in der RN #7

Sonntag, 15. Dezember 2013

Schmeckt bitter...

Während Tageslicht und Nacht einander ablösten, lagen Liz und Ned im eigenen Sud. Drei Tage chemischer Schweiß. Pappmäulige Küsse und Schleifpapierzungen zwischen Schenkeln. Nur unterbrochen für ein paar Krümel des künstlichen Pulvers, gefolgt von Bourbon, Bud und Natural Light.

aus


Rezension folgt in der RN #7

For No Good Reason

Doku über Künstler Ralph Steadman. Recht interessant...hier mal nen Trailer...


Samstag, 14. Dezember 2013

Freies Wochenende

I am sitting in a cell with a view of evil parallels,
Waiting thunder to splinter me into a thousand me's.
It is not enough to be in one cage with one self;
I want to sit opposite every prisoner in every hole.
Doors roll and bang, every slam a finality, bang!
The junkie disappeared into a red noise, stoning out his hell.
The odored wino congratulates himself on not smoking,
Fingerprints left lying on black inky gravestones,
Noises of pain seeping through steel walls crashing
Reach my own hurt. I become part of someone forever.
Wild accents of criminals are sweeter to me than hum of cops,
Busy battening down hatches of human souls; cargo
Destined for ports of accusations, harbors of guilt.
What do policemen eat, Socrates, still prisoner, old one?

from Jail Poems, Bob Kaufman

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Noch mehr Aufzeichnungen eines Dirty Old Man

So viele Menschen gehen an ihrem Ehrgeiz und ihrer erworbenen Intelligenz zugrunde, an ihrem Bankkonto, ihren Reserven und ihren klugen Krediten. Wenn es einen Rat fürs Leben gibt, dann den: Bemüht euch nicht. Lasst es auf euch zukommen: Frauen, Hunde, den Tod und das Schaffen.

aus


Rezension folgt in der RN #7

Die Zeilen des Tages

Man hat uns gründlich gelehrt, dass das Gespräch eines Menschen mit sich selbst als Anzeichen von Exzentrik oder Wahnsinn zu werten sei; wir sind nicht mehr gewöhnt, unsere eigene Stimme zu hören, außer in einer Konversation oder in der sicheren Umgebung einer schreienden Volksmenge. Dabei ist ein Buch ein Angebot zum Gespräch: Einer spricht mit dem anderen, und der hörbare Klang ist oder sollte natürlicher Bestandteil dieses Austauschs sein. Also las ich mir selbst laut vor, ich war mein eigener Zuhörer und lieh den Worten eines anderen meine Stimme.

- Open City, Teju Cole

Dienstag, 10. Dezember 2013

King of Trash

Die 6. Ausgabe der Nation widmet sich dem Regisseur und Pulpfan Ed Wood, der heute am 10. Dezember vor genau 35 Jahren diese Welt verließ und ins Ungewisse aufbrach. Schockierend schön...


Inhalt: Essays von Rudolph Grey und Jordan Todorov (beide in Englisch), Kurzprosa und Gedichte von Jörg Herbig, Markus Prem und Sven Heuchert.

Ausserdem u.a. im Angebot:




Sonntag, 8. Dezember 2013

Stille Nacht

Notes I Found In Pigtown - Geschichten aus dem Viertel (13)


Verschwunden

Es war schon spät. Beppo hing ein paar Meter vom Kiosk entfernt herum und kämpfte sich voran. Jeder Schritt kostete ihn viel Kraft, seine Trunkenheit setzte ihm zu. Nach ein paar Metern blieb er stehen, lehnte sich an die Wand und versuchte während einer Zigarettenpause wieder zu Atem zu kommen. Er hustete einmal, zweimal und dann verstummte es, als hätte jemand den Stecker gezogen. Ich kam näher, etwas benebelt von billigem Wein und Starkbier. Oben klebte der Vollmond am Himmel. Es war schön hier draußen, was mehr am Rausch, als am Mond lag. Beppo sah mich an und fing an zu erzählen ohne mich vorher zu begrüßen. Ich ging langsam an ihm vorbei, aber da hatte er mich schon. Er hätte heute früh die Polizei gerufen. Margarete wäre ihm schon wieder erschienen. Eine Frau aus der Nachbarschaft, so um die 40, die vor zwei Jahren spurlos verschwand. „Sie war bei mir, in der Küche, machte den Schrank auf und griff sich eine Tasse. Dann verschwand sie wieder.“ Er keuchte, zog wieder an seiner Zigarette und blies den Rauch aus, dem er verträumt nachschaute: „So verschwand sie…wurde eins mit der Luft.“ Ich machte einen Schritt vorwärts, nickte und versuchte mir zwei Sekunden lang vorzustellen, was aus der vermissten Frau geworden war. Sie war einfach abgehauen, mit diesem Typen vielleicht, der sie an manchen Wochenenden immer besuchte, oder der hat sich einfach mitgekommen, ihr den Kopf abgeschlagen und im Wald vergraben. Oder sie ist weggegangen, ohne jemandem ein Sterbenswörtchen zu verraten, hatte am Fluss einen Unfall, ist ins Wasser gefallen, untergegangen….ach, wer weiß das schon. Ich gab auf, doch Beppo hörte nicht auf, darüber nachzudenken. „Ist doch verrückt, von einem auf den anderen Tag passiert so was…“, sagte er und hustete. 

- MM

Samstag, 7. Dezember 2013

Weekend Waits

Die Nation wünscht ein lesereiches Wochenende und alles Gute zum 64., Mr. Waits! Weitermachen...

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Poem of the Day

Shadow people, projected on coffee-shop walls
Memory formed echoes of a generation past
Beating into now.
Nightfall creatures, eating each other
Over a noisy cup of coffee.
Mulberry-eyed girls in black stockings,
Smelling vaguely of mint jelly and last night’s bongo
drummer,
Making profound remarks on the shapes of navels,
Wondering how the short Sunset week
Became the long Grant Avenue night,
Love tinted, beat angels,
Doomed to see their coffee dreams
Crushed on the floors of time,
As they fling their arrow legs
To the heavens,
Losing their doubts in the beat.
Turtle-neck angel guys, black-haired dungaree guys,
Caesar-jawed, with synagogue eyes,
World travelers on the forty-one bus,
Mixing jazz with paint talk,
High rent, Bartok, classical murders,
The pot shortage and last night’s bust.
Lost in a dream world,
Where time is told with a beat.
Coffee-faced Ivy Leaguers, in Cambridge jackets,
Whose personal Harvard was a Fillmore district step,
Weighted down with conga drums,
The ancestral cross, the Othello-laid curse,
Talking of Bird and Diz and Miles,
The secret terrible hurts,
Wrapped in cool hipster smiles,
Telling themselves, under the talk,
This shot must be the end,
Hoping the beat is really the truth.
The guilty police arrive.
Brief, beautiful shadows, burned on walls of night.

- Bagel Shop Jazz, Bob Kaufman

Mittwoch, 4. Dezember 2013

The Last Attack of the Ed Wood Special

Nun noch ein letzter Hinweis, für alle, die sich mit der schockierenden Welt des Edward D. Wood Jr. auseinandersetzen wollen:


Und noch ein kleiner Roger Corman- Tipp fürs heutige Nachtprogramm:

http://www.arte.tv/guide/de/045952-000/ufos-sex-und-monster

Na dann gute Nacht!

Sonntag, 1. Dezember 2013

ROGUE NATION #6 ist gelandet!


Liebe Freunde der Nation,

mit der sechsten Ausgabe dieser Billigproduktion möchte ich euch die Welt des Pulpfreunds und Trash-Filmemachers Ed Wood ein wenig näher bringen. Helfen dabei sollen zwei Essays aus dem Weltall von Ed Wood Biograf Rudolph Grey, Autor von



und Doku-Filmer Jordan Todorov, dessen Dokumentation "Dad Made Dirty Movies" über den bulgarischen B-Movie- Macher Stephen C. Apostolof ich euch nur wärmstens ans Herz legen kann:


Dazu schockierende Prosa und Lyrik der untoten Autoren Jörg Herbig, Markus Prem und Sven Heuchert

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und 
einen monströsen 1. Advent!

- MM