Dienstag, 30. Dezember 2014

Notes I Found In Pigtown - Geschichten aus dem Viertel (20)

Knall kurz vor Mitternacht

Milo hielt sein Luftgewehr in den Händen. Seine Augen leuchteten. Er hatte natürlich auch Kugeln und Papierzielscheiben. Eine davon klebte er an die Wohnungstür. Am Ende des Flurs saß er sich mit Glas und der halbleeren Pulle Jack Daniels auf den Boden und schob die Kugeln ins Gewehr. Zwischen den Schüssen nahm er einen Schluck und lachte. Jedes Mal knallte es gegen das Holz der Tür, wenn die Kugeln abprallten und Milo musste ein paar Mal sogar ausweichen. Im Treppenhaus ging das Licht an. Milo konnte es durch seinen Spion sehen. Jemand kam schnell die Treppen hoch. Natürlich Herr Finkenhagen. Es klopfte heftig gegen die Tür. „Was ist das hier für ein Krach?“ rief der Nachbar von draußen. „Kommen Sie doch rein, Schlüssel liegt unter der Fußmatte,“ sagte Milo, lud sein Gewehr nach und legte wieder an. „Was knallt denn da dauernd gegen ihre Tür? Sie können in einer Stunden auf der Straße knallen.“ „Wen soll ich auf der Straße knallen?“ Milo schoss auf seinen Spion, doch verfehlte um ein paar Zentimeter. „Hören Sie mit dem Ärger auf, oder ich rufe die Polizei.“ „Herr Finkenhagen?“ „Was?“ „Ich hab jetzt ein Gewehr, Nachbar.“ „Und damit schießen Sie gegen ihre Wohnungstür?“ „Ja.“ „Ich werde morgen dem Hausmeister Bescheid sagen.“ „Kommen Sie doch rein, Fickenhagen und trinken Sie was mit mir.“ „Nein, danke. Ich möchte mit ihnen nichts trinken. Machen Sie sich auf was gefasst.“ Milo hörte, wie sein Nachbar wieder zurück zu seiner Wohnung ging. Das Licht im Türspion schloss sich wie ein Auge. Milo stand auf, holte sich einen Kanonenschlag aus der Küche, öffnete die Tür, zündete den Knaller an und warf ihn das Treppenhaus hinunter. „Na, dann nicht, Nachbar“, rief er und verschwand wieder in seiner Wohnung. Es war kurz vor zwölf.

- MM

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Frohe Weihnachten, Freunde der Nation!

Wir hören und singen schöne Lieder und erzählen uns Geschichten über das Leben....




Der Schwarze setzte sich auf seine Pritsche und wiegte sich hin und her. Er sang:

Flyin home
Fly like a motherfucker
Flyin home

Immer wenn ich in meinem Leben Ärger gekriegt hab, sagte Ballard, lag's an Whiskey oder Weibern oder beidem. Das hatte er Männer oft sagen hören.
Und wenn ich in meinem Leben Ärger gekriegt hab, lag's daran, dass ich mich hab erwischen lassen, sagte der Schwarze.
Nach einer Woche kam der Sheriff eines Tages den Flur entlang und nahm den Nigger mit. Flyin home, sang der Nigger.
Und ob du fliegen wirst, sagte der Sheriff. Heim zu deinem Schöpfer.
Fly like a motherfucker, sang der Nigger.

aus


Donnerstag, 11. Dezember 2014

Logic In The House Of Sawed-Off Telescopes

I want to sniff the glue that holds families together.
I was a good boy once.
I listened with three ears.
When I didn’t get what I wanted, I never cried.
I banged my head over and over on the kitchen floor.
I sat on a man’s lap.
I took his words that tasted like candy.
I want to break something now.
I am the purple lips of a child throwing snowballs at a taxi.
There is an alligator in my closet.
If you make me mad, it will eat you.
I was a good boy once.
I had the most stars in the classroom.
My cheeks overflowed with rubies.
I want to break something now.
My bedroom is so dark I feel like an astronaut.
I wish someone would come in and kiss me.
I was a good boy once.
The sweet smelling woman used to say that she loved me.
The man with the lap used to read me stories.
swing me in his arms like a chandelier.
I want to break something now.
My heart beat like the meanest kid on the school bus.
My brain tightened like a fist.
I was a good boy once.
I didn’t steal that kid’s homework.
I left a clump of spirit in its place.
I want to break something now.
I can multiply big numbers faster than you can.
I can beat men who smoke cigars at chess.
I was a good boy once.
I brushed my teeth and looked in the mirror.
My mouth was a spectacular wound.
Now it only feels good when it bleeds.

- Jeffrey McDaniel

Freitag, 5. Dezember 2014

Demnächst: Inherent Vice



Nach dem Neo-Noir Buch "Natürliche Mängel" von Thomas Pynchon. Verfilmt von P.T. Anderson (There Will Be Blood), mit Joaquin Phoenix. Kommt im Februar '15 in die Kinos. Hier schon mal der Trailer...


Hundstage

Damals dachte ich häufig, dass ich mit der ganzen Sache sicher besser umgehen könnte, wenn Rachel bei mir geblieben wäre. Bei Mortuary Affairs gehörte ich nicht so recht dazu, und sonst wollte niemand mit mir reden. Ich war schließlich bei der Einheit, die die Leichen wegräumt. Wir hatten alle Flecken auf den Tarnklamotten. Der Geruch zieht einem in die Haut. Nach dieser Arbeit fällt das Essen schwer, also waren wir gegen Ende des Einsatzes völlig ausgemergelt und außerdem nie ausgeschlafen, weil wir immer Alpträume hatten. Wir schlurften über den Stützpunkt wie Zombies und erinnerten die Marines an all das, was sie wussten, worüber sie aber nie sprachen.

aus


Mittwoch, 3. Dezember 2014

Notes I Found In Pigtown - Geschichten aus dem Viertel (19)

Der Rest vom Traum

Ein Kinderschrei hallte durch die Nacht. Darauf folgte ein Schuss. Ich war mir nicht mehr ganz sicher, was von beidem mich letztendlich aus dem Schlaf gerissen hat. Vielleicht war auch beides nur ein Traum. Beunruhigt stand ich auf und ging in die Küche. Ich ließ mir Wasser in ein Glas laufen, stellte mich raus auf den Balkon und trank. Gedankenverloren blickte ich mich um. Es war halb fünf Uhr morgens. Eine ganz beschissene Zeit. Die Nacht ist schon nicht mehr so richtig da, aber der Morgen traut sich auch nicht aus seinem Versteck. Was war mit dem Schrei? Hatte jemand vor wenigen Augenblicken etwa sein Kind erschossen? Als ich selbst noch Kind war, hatte mal jemand in unserem Wohnviertel damit gedroht, sein Kind aus dem Fenster zu werfen. Wie fertig, wie stoned, wie abgefuckt musst du sein, um an diesen Punkt zu kommen? Am Ende hatte er doch eingelenkt und dem kleinen Jungen war nichts passiert. Ich hoffe diese Nacht war das ebenfalls so. Man weiß, dass da draußen gerade viel Scheiße passiert. Dinge, die einen um den Schlaf bringen, aber man betet, dass die eigenen Straßen davon verschont bleiben. Ich sagte mir, dass alles nur in meinem Traum stattfand. Natürlich war es so. Würde man nicht schon lange die Sirenen hören, wenn tatsächlich was passiert wäre? Aber vielleicht kümmert es auch niemanden. Wieso auch? Es war ja nur mein Traum und es war nicht mal ein ganzer. Es war nur der traurige Rest. 

- MM

Mittwoch, 26. November 2014

2015 wird wieder geschossen...

Freunde der Nation,

der erste Jahrgang liegt schon eine Weile zurück, die Pulp-Ausgabe ist ebenfalls vergriffen und nun wird es Zeit in die Zukunft zu blicken. Und es sieht nicht gut aus, Freunde....kaputte Seelen wandern durch die heißen Nächte, Menschen sterben, töten, lieben, hassen und versinken im erdrückenden Alltagswahnsinn der Großstadt. Das Böse schiebt Überstunden. Neue Hefte wird es geben. 2015 kommen weitere Ausgaben des Rogue Nation Magazins heraus. Soviel steht fest. Ob schön gedruckt oder schön digital ist leider noch nicht abzusehen. Aber spitzt die Bleistifte und seid bereit! Pulp & Noir und alles was uns sonst noch Freude bereit haben ihr Zuhause noch nicht verloren....

Wir bleiben dran!

Eure


Dienstag, 30. September 2014

Zum Abschuss bereit! ROGUE NATION PULP


Es ist passiert! Heftige Hefte für die gesamte Nation! Böse Schlechte-Nacht Geschichten von Jerk Götterwind, Henning Chadde, Benedikt Maria Kramer, Lukas Grundmann, Andreas Niedermann, Andreas Winterer und Jason Dunkle. Dazu Killer-Fotos von Neil Krug und ein skandalöses Interview mit US- Autor Joe R. Lansdale. DIN A4, 32 Seiten.

Pro Heft werden 2 Euro berechnet. Dazu einen drauf fürs Porto und das Ding gehört euch!

Bestellungen bitte an rogueblogue@gmail.com

Zugreifen, aufschlagen, abschießen!

Feste Grüße,
MM

Donnerstag, 11. September 2014

In die Nacht hinein

Zunächst begriff er gar nicht, was in der SMS gesagt wurde.
Dann, kreidebleich, sank er in den Sessel.
Jetzt war es genug. Er sah ein zweites Mal aufs Display.
Man hatte die Geschwister entführt!
Keine Polizei, hieß es.
Wenn er die Brut lebend zurückhaben wollte, war er gezwungen, sie auszulösen.
Es gab Momente, da konnte er im Leben nur einen Sinn erkennen: den, Rechnungen zu bezahlen.

aus


Rezension folgt in der Pulp- Sonderausgabe

Sonntag, 7. September 2014

THE DROP - Bargeld

Nach einer Story von Dennis Lehane:


Trailer:
 
  


Poem of the Day

Joie was back in town, see
and the joint was even liver than usual
the night of the living tits

see, poems were read
in honor of her return
from San Diego
where she'd been in self-imposed exile
boiling her art down to the impossible

but, anyway, she read a story, a
fierce flaming tale of truth and sentiment
ending with the lines,
"It's just like Dorothy said,
"There's no fuckin' place like home,"

and the place was like an
inferno of joy

and then she showed her tits

and then Danielle got up
to read
and she showed her tits
and it was good

and the temperature somehow rose
and the fair Kathleen, she
showed hers too
with a little bump and grind
they were excellent, soft and
tender

and then it was Anna's turn

and everyone was so happy

tits, Joie, beer, poetry, dementia, heart attacks, the
world and everything in it, trading places
with fire, it was just
one of those nights

- The Night of the Living Tits, David Lerner

Samstag, 30. August 2014

Das Texas Epos

Sollte es der Schöpfer für angebracht halten, mir Kraft zu schenken, so werde ich zu dem Fluss gehen, der im Osten durch mein Weideland fließt, zum Nueces River, auch wenn mir der Devil River immer lieber war. In meinen Träumen habe ich es sogar ganze drei Mal dorthin geschafft. Alexander der Große ist bekanntlich in der Nacht vor seinem Tod aus seinem Palast gekrochen, um in den Euphrat zu steigen, wohl wissend, dass, falls sein Leichnam  verschwand, seine Untertanen annehmen würden, er wäre als Gott gen Himmel gefahren. Kurz vor dem Wasser hielt ihn seine Frau auf und schleppte ihn nach Hause, wo er als Sterblicher verschied. Und da fragen mich die Leute, warum ich nicht wieder geheiratet habe.

aus


Rezension folgt in der Pulp- Sonderausgabe

Sonntag, 24. August 2014

Don't mess with Galveston

Spuren der Geschichte: alte, von der Hitze ausgedörrte spanische Kirchen, weißer Stein und hellrote Ziegel, Stucco und Adobe. Ein Dreimaster aus dem 18. Jahrhundert, der sich prahlerisch im Seaport Museum spreizt.
Man könnte hier die Zukunft verschachern, seine Erinnerungen in das weiße Licht des Golfs schleudern wie Blätter in ein Leuchtfeuer.
Die Kleine hatte die Hände auf den Fensterrahmen gelegt und starrte mit offenem Mund hinaus. Flüsterte, als gälte es, ein Geheimnis zu bewahren: "Was ist das?"
Rocky neigte sich an ihr Ohr. "Der Ozean, Baby."
"Was ist das?"
"Wasser, Schätzchen, unendlich viel Wasser."

aus


Rezension folgt in der Pulp - Sonderausgabe

Donnerstag, 21. August 2014

Es wird, es wird...

 
Foto: Neil Krug

Jetzt wird nochmal ordentlich durchgewischt, geputzt und gelesen... übers Wochenende werden die Texte durchgeschaut und mit der Gestaltung des Heftes weitergemacht. Das Sonderheft kommt auf jeden Fall (da es schon die ein oder andere Nachfrage gab). Als Termin ist jetzt Mitte September angedacht, also noch zum Ende dieses Sommers. Dann darf es nochmal so richtig krachen. Es wird ein echter Pulp werden. Also, Freunde...

Bleibt der Nation treu!

Cheers,
MM

Sonntag, 17. August 2014

Jahn's zweite Haut

Doch hauptsächlich fragte er sich, warum dieser Mann in sein Apartment eingebrochen war, warum dieser Mann ihn hatte umbringen wollen. Denn deshalb war er ja hergekommen. Es war kein einfacher Einbruch gewesen. Sondern ein Mordversuch - ein versuchter vorsätzlicher Mord: Dieser Mann, der tot in Simons Badewanne lag, war hergefahren, hatte seinen Wagen geparkt, war die Treppen heraufgestiegen und durch Simons Wohnungstür eingebrochen mit der Absicht, einen Menschen zu töten.
Warum?
Simon konnte es nicht verstehen. Er führte ein ruhiges Leben. Er hatte nie einer Seele etwas zuleide getan - bis jetzt, aber das hier war Notwehr gewesen. Er konnte sich nicht vorstellen, warum ihn jemand töten wollte. Wie jemand so vor Wut entbrennen und all diese Wut gegen ihn richten konnte. Er schlürfte seinen Whiskey, und es fröstelte ihn.

aus


Rezension folgt in der Pulp- Sonderausgabe

 

Freitag, 15. August 2014

Notes I Found In Pigtown - Geschichten aus dem Viertel (18)

Joe & Vince

Joe Pesci saß bei einem Bekannten im Wohnzimmer. Ich schaute immer wieder zu ihm rüber, doch er schien mich gar nicht zu beachten, oder sonst an irgendeinem im Raum Interesse zu haben. Auf dem Tisch standen Tassen mit kaltem Kaffee herum, daneben halbleere Weinflaschen und Pfeifenreiniger, gekrümmt und verdreckt. Ich blickte wieder rüber zu Joe und der starrte einfach nur in den Fernseher mit diesem ausdruckslosen Blick. Es lief irgendein Western. Ich tippte Donnie an, dem gehörte die Wohnung. Er brummte nur kurz, ohne mich anzuschauen.
„Ist das Joe Pesci?“ fragte ich ihn leise.
Donnie nickte einfach nur.
„Was macht der hier?“ fragte ich weiter.
Donnie zuckte mit den Schultern.
„Das ist ein Traum“, flüsterte jemand hinter mir.
„Wenn das ein Traum ist, wo ist dann Vincent Gallo?“ sagte ich.
Joe und Donnie stierten weiter in den Fernseher. Ich stand auf und verließ wortlos die Wohnung.
Im Treppenhaus kam er mir entgegen. Zerzaustes dunkles Haar, Augen des Teufels und ein Mund, der gerade vom Fischhaken gelöst wurde. Scheiße, dachte ich mir. Da ist er.
„Hey Vince. Joe ist schon da“, sagte ich.

Freitag, 8. August 2014

Gordons gefährliches Girl

Und um die Wartezeit auf die Sonderausgabe zu verkürzen, hier ein kleiner Auszug und ein Lesehinweis für das bevorstehende Wochenende. Die Rezension folgt dann in der Pulp-Nummer. Nehmt euch in Acht...

Ich wurde ein Assistenzdetektiv und klärte meinen ersten Mord auf, kurz nachdem meine Frau mich verlassen hatte. Zu der Zeit war ich gerade ein bisschen neben der Spur. Natürlich nie so wie der Meister persönlich, der hatte einen kompletten Schuss. Das hatte er sogar schriftlich. Er drehte mehr am Rad als eine Scheißhausratte. Er war (bitte verzeihen Sie den Kalauer, aber ich bin ein frustrierter Schriftsteller, und wir sind die Schlimmsten mit unserer galligen Eloquenz, die höchstens auf dem Scrabble-Brett glänzen kann) ein Beschatter mit Vollschatten. Und glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede, zumal ich, wie ich gleich am Anfang gestehe, selbst nicht gerade die Inkarnation seelischer Gesundheit bin.

aus


Dienstag, 22. Juli 2014

Zurück an die Arbeit


Die kleine Pause der Nation neigt sich dem Ende zu. Bald kann es wieder weitergehen.
Infos zur Pulp- Sommerausgabe folgen demnächst!

Lasst euch nicht unterkriegen!

Cheers,
MM

Donnerstag, 3. Juli 2014

Poem of the Day

The saddest man on Earth …

ignored how the rain felt
as he left home
for the last time

Wore down
his boot heels
searching for the woman
of his dreams
but never understood
that life is a woman

Lived in a town
where sadness was illegal
and where grinning
cops ticketed his face
so often
that he lost his license
to cry

The saddest man
on Earth
tuned guitars
but couldn’t play them
cheated the IRS
of his own refund
fathered a child
who thought she saw
him in perfect strangers
yet didn’t recognize
him face to face

I met him once
in a bar
toasting the mirror
with his stare
He had come
south to start
life over

He was a
Mozart of silence

- The Saddest Man on Earth, Alan Kaufman 

Dienstag, 1. Juli 2014

Letzter Aufruf für Schreibende des Pulp Zugs "Rogue Nation"


Liebe Freunde der Nation,

bis zum 15. Juli freut sich die Rogue noch über Texte aus den Genres Western, Kriegsstories, Detektivgeschichte, Noir, Abenteuer, Krimi, Horror, Fantasy, Mystery und Science Fiction.
Die Stories sollten max. 10 Seiten lang sein. Es sind schon viele gute Texte eingegangen und ich hoffe auf weitere Beteiligung.
Das Pulp -Sonderheft soll dann im Laufe des Augusts erscheinen.

Bitte schickt die Texte an RogueBlogue@gmail.com

Lasst uns ein paar Löcher in die Sonne schießen. Auf einen pulpigen Sommer!

Cheers,
Marc

Donnerstag, 26. Juni 2014

Whitey auf der Flucht

Alcatraz war für Whitey ein sicherer und ruhiger Ort. Hier konnte er sich bilden und seine Einstellungen überdenken. Er las Bücher über Militärgeschichte, Kriege, Philosophie und Politik und war fasziniert von Machiavelli, dem italienischen Staatstheoretiker, der brutale Gewalt, Täuschung und unerlaubte Mittel zur Erlangung der Macht befürwortete. Diese Lektionen nahm er sich zu Herzen. Außerdem lernte er ein wenig Spanisch, konnte es aber nie fließend sprechen. "Sein Lesehunger ist unersättlich, und seine Literaturauswahl ist sehr gut", notierte ein Vollzugsbeamter. "Ab und zu schreibt er auch Gedichte, und er sagt, dies seien für ihn Ventile, Mittel zur Realitätsflucht."
Whitey, der Poet - das ist doch etwas erstaunlich. Leider ist keines seiner Gedichte erhalten geblieben. Laut Sunday nahm er seine Werke selbt nicht besonders ernst, sondern tat sie als schlichte, nicht besonders gute Verse ab. Aber er wusste, was ihm an einem Gedicht gefiel, und er war so beeindruckt von einem Gedicht mit dem Titel Die Ballade von Billy the Kid, das Sunday im Gefängnis schrieb, dass er ihn um eine Kopie bat und diese in seine Bibel steckte.

aus


Rezension in der aktuellen ROGUE NATION

Freitag, 13. Juni 2014

Eine Ausgabe hätte ich da noch...


Liebe Freunde der Nation,

die zwölfte Ausgabe des Rogue Nation Magazins ist soeben erschienen und wird nun an sämtliche Einheiten verteilt. Ein todsicherer Fall, diesmal mit Texten von Julian Drescher, Jonas Gawinski, Clemens Schittko, Frank Trummel, Ulrich Kersten und Marc Mrosk.

Allen Wegbegleitern möchte ich nochmals für den ersten Jahrgang danken! 
Bald geht's weiter....bleibt der Nation treu!

Wünsche allen ein schönes Wochenende und 
viel Vergnügen mit der Zwölf!
Ein großartiges Heft, keine Frage.

Bestellungen unter RogueBlogue@gmail.com

Cheers,
Marc

Donnerstag, 12. Juni 2014

Pulps

Wer sich noch etwas inspirieren lassen möchte, sollte auch noch mal einen Blick auf diese Seiten werfen:

http://www.pulpmags.org/ 
http://www.thepulp.net/




Schönes Wochenende!
- MM

Dienstag, 10. Juni 2014

Das Schicksal der Toten

Jesse James brachte es auf insgesamt drei Gräber (und lag möglicherweise in keinem einzigen von ihnen), während sowohl ein Gerichtsprozess als auch eine Exhumierung nötig waren, um zu beweisen, dass Lee Harvey Oswald tatsächlich in seinem ruht. Und obwohl wir halbwegs sicher sind, wo Edgar Allan Poe begraben ist, ist uns doch nicht bekannt, wie er überhaupt das Zeitliche gesegnet hat, noch kennen wir die Identität des Menschen, der ihm Jahr für Jahr Rosen und Cognac ans Grab zu bringen pflegte.

aus


Rezension folgt in der RN #12

Sonntag, 8. Juni 2014

Pulp Sommer - TEXTE GESUCHT!


Liebe Freunde der Nation,

die letzte Ausgabe des ersten Jahrgangs steht kurz vor der Auslieferung. Für den Sommer ist eine Sonderausgabe mit ausschließlich Pulp- Stories geplant. Ein schönes Heft mit mehr Seiten, mehr Pulp und mehr Blut. Dafür werden noch Texte gesucht. Alles aus den Genres Western, Kriegsstories, Detektivgeschichte, Noir, Abenteuer, Krimi, Horror, Fantasy, Mystery und Science Fiction.
Die Stories sollten max. 10 Seiten lang sein.

Einsendeschluss ist der 15. Juli 2014!

Bitte schickt die Texte an RogueBlogue@gmail.com

Lasst uns ein paar Löcher in die Sonne schießen. Auf einen pulpigen Sommer!

Cheers,
Marc


Donnerstag, 5. Juni 2014

Die Zeilen des Tages

Tina Elliot reist morgen ab, sie will mit Boo Nesser zu einem Ölfeld nach Texas und dort in einem Trailer hausen, und ich fühle mich so elend wie an dem Tag, als meine Mutter starb. Ich habe für heute Schluss gemacht und sitze hinter Maude Speakmans Laden neben dem kleinen Campingwagen und trinke ein paar Pabst Blue Ribbons zu viel. Ich beuge mich vor und spucke etwas Schaum aus. Mein Hals brennt, ich nehme mir noch eine Zigarette und schaue zu, wie sich ein Schwarm schwarzer Mücken um die Spucke sammelt. Ein paar Häuser weiter höre ich Clarence Myers, der mit seiner Alten lauthals wegen eines verlorenen Maismessers streitet, und ich frage mich, wie viel ein Mensch wohl ertragen kann.

- Knockemstiff, Donald Ray Pollock


und der PORCHIA des Tages:

Ich werde mich entfernen. Ich beklage lieber deine Abwesenheit als dich.

- Antonio Porchia

Montag, 2. Juni 2014

Der Blick nach vorn

Sie nahm die Puppe und den Kamm mit, ging zum Treppenabsatz und fragte: "Warum denn?"
Ihre Mutter wirkte seltsam verlegen. "Weil Daddy und ich etwas Wichtiges mit dir besprechen müssen, Liebes."
"Oh." Und als Laura gemächlich zum Wohnzimmer hinunterging, wusste sie plötzlich mit Sicherheit, dass es etwas Schreckliches sein würde.

aus


Rezension folgt in der RN #12

Sonntag, 1. Juni 2014

Die Zwölf schon fertig?


Nein, leider noch nicht so ganz. Es muss noch gedruckt werden. Aber dieser Tage wird die Tinte heiß gemacht und dann geht's so richtig los. Folglich gibt es also auch im Juni leichte Verzögerungen. Schade, aber da eine Auslieferung der letzten Ausgabe des ersten Jahrgangs in Sichtweite ist, kann man sich beruhigt zurücklehnen. Es kommt. Es braucht nur etwas länger. Aber dann dürft ihr euch auf einen wunderbaren Abschluss der ersten Runde freuen.
Die Infos zum zwölften Heft, dem zweiten Jahrgang und den geplanten Sonderheften für den Sommer folgen...

Einen schönen Sonntag noch!

Cheers,
Marc

Mittwoch, 28. Mai 2014

Rogue Music - Bring Me My Shotgun

Der Soundtrack zum Zine

Lied 7


"Yes bring me my shotgun
Yes man and a pocket full of shells
Yes go bring me my shotgun
Yes man and a pocket full of shells"

Notes I Found In Pigtown - Geschichten aus dem Viertel (17)

Ganz ehrlich

Unsere Wege kreuzten sich, ohne das er es mitbekam. Ich bog in den kleinen Feldweg ein, da tauchte er vor mir auf, knapp zehn Schritte voraus. Als wir uns dem Waldrand näherten, zog er sein Handy aus der Tasche und rief jemanden an. Seine Stimme wurde immer lauter, sein Gang immer langsamer. "Du hast mein ganzes Leben zerstört", schrie er in sein Handy. "Du alles alles kaputt gemacht. ALLES!" Ich bog erneut ab und verlor ihn aus den Augen.
Nicht ganz eine Stunde später betrat ich die Bäckerei bei uns im Viertel. An dem kleinen Tisch, gleich nebem dem Fenster sah ich ihn sitzen. Ich erkannte ihn sofort wieder, obwohl ich sein Gesicht zurvor nicht gesehen hatte. Er wirkte müde, aber lächelte. Ein anderer Kunde kam herein, winkte dem am Fenster zu und sagte: "Na, wie geht`s dir?"
"Alles super", antwortete dieser, "läuft wie am Schnürchen." Er lächelte noch breiter und reichte dem anderen Typen die Hand. Noch einmal bekräftigte er, was heute doch für ein genialer Tag wäre und ich konnte nicht einen Funken Sarkasmus in seinem Ton heraushören.

- MM

Samstag, 24. Mai 2014

Pochoda's Street and eine Bootsfahrt in die Nacht

He's on the next pier now and can hear the girls again. Their words are indistinct. He catches sight of the raft bobbing in the water heading toward Manhattan. Cree turns and runs toward Valentino Pier, now a promenade for old fishermen and young couples. This late he expects to have it to himself.
He can hear the girls as the raft approaches. He crosses the small park that leads to the pier and hurries to the end of the concrete walkway. The raft is crossing in front of him - the girls, two dark silhouettes against the distant Jersey docks.
And then they are gone.

aus


Rezension folgt in der RN #12

Freitag, 23. Mai 2014

B + C


Tragisch, weil sie durch einen Hinterhalt endet. Mal wieder im Wagen, mal wieder auf der Flucht, hält ein Bekannter Bonnie und Clyde auf, als der Morgen des 23. Mai 1934 dämmert. Alles sieht nach einem Unfall aus auf der verlassenen Straße in Bienville Parish, Louisiana. Der Wagen des Mannes quer gestellt, er selbst winkend. Bonnie und Clyde halten an, winken zurück. Eine Falle. Plötzlich beginnen Hunderte Maschinenpistolen zu knattern, die Polizei im Gebüsch. Später werden 50 Kugeln in beiden Körpern gefunden.
Tragisch auch, weil der Tod, anders als Bonnie und Clyde es sich gewünscht hatten, ihre Körper für immer auseinanderriss: Die Gräber liegen weit voneinander entfernt, auf unterschiedlichen Friedhöfen in Dallas, Texas.

von Alina Fichter aus "Gangster, Gauner und Ganoven"

Heute vor 80 Jahren war es also geschehen. 
Dazu findet Ihr hier eine gut anzuschauende Doku...



Montag, 19. Mai 2014

Es ist alles wahr und es ist alles normal

Jede Nacht schlief ich unruhig, aus Angst, sie könnten wieder aus meiner Frau herauskrabbeln. Unbemerkt. Doch sie tauchten nicht auf. Auch nicht in den Jahren danach. Und auch wenn es gewisses Gefühl der Beklommenheit blieb, so musste ich zugeben, dass es uns, alles in allem, besser ging als je zuvor.

aus


Rezension folgt in der RN #12


Telefonzellennummern mit Pedro Pietri

Telephone Booth 
Number 301

When I was very young
I used to have many
imaginary girlfriends
now that I am an adult
I miss them very much


Telephone Booth 
Number 507

I will jump out the window
if that what it takes
to satisfy you sexually,
but only if you live in the
basement

 
Telephone Booth 
Number 63765057

there will always
be time to stare
across the room
at a blank wall
& wonder have you
done this before - ?


Telephone Booth 
Number 542

the only way
i know how
to wash dishes
is by smashing them
against the wall!


Telephone Booth 
Number 32439

if you hit a poet
& he doesn't hit you back
leave town immediately
take out life insurance
get a new identity
unite with transvestites
sleep with unlisted numbers!


all numbers by Pedro Pietri

Donnerstag, 15. Mai 2014

Endlich Elf!


Freunde der Nation!


Endlich isse draußen. Frischgedruckt und unerzogen. Panik, Trauer und viel Balla-Balla. Es gibt das Happy-End, Freunde! Literarischer Pulp und Noir-Zirkus diesmal mit Rennie Sparks, Sven Heuchert, Julian Drescher, Markus Prem, Jonis Hartmann und Rüdiger Saß
Interviews: The Handsome Family und Dennis Lehane.

Bestellungen an RogueBlogue@gmail.com 

Danke für die Aufmerksamkeit.

Cheers,
MM

Mittwoch, 14. Mai 2014

Kalt im Mai... aber es wird wärmer...

Die Verfilmung des Lansdale Buchs "Cold in July" feiert diesen Monat in den USA seine Premiere. Darf man sich schon mal vormerken. Hier der Trailer, der sich verdammt gut anschauen lässt:




Das Buch dazu darf natürlich auch nicht fehlen, 
erscheint leider in Deutsch erst im März 2015:


Ein Interview mit Joe wird in einer der nächsten Nations erscheinen.

Last but not least:

Die neuen Hefte sind unterwegs!!!



Samstag, 10. Mai 2014

Der neue alte Bloch - aber immer noch Psycho

Schon merkwürdig, wie selbstverständlich wir davon ausgehen, dass wir alles über einen anderen Menschen wissen, nur weil wir ihm häufig begegnen oder weil wir etwas für ihn empfinden. Aber dem ist nicht so.

aus


Rezension folgt in der RN #11

Freitag, 9. Mai 2014

Rogue Music - Home Of The Blues

Der Soundtrack zum Zine

Lied 6



"So if you just lost your sweetheart
and it seems there's no good way to choose
Come along with me, misery loves company
You're welcome at the home of the blues"

Donnerstag, 8. Mai 2014

Der Schlitzer

Albert verbrachte den Sonntag genauso, wie er den Samstag verbracht hatte: Er schlief, aß von den reichlichen Vorräten in der Küche, sah fern, verließ nicht die Wohnung.
Zweimal am Tag warf er vier Schalen Eiswürfel in die Badewanne. Die Methode schien zu funktionieren; Tess' Leiche stank kaum, als er am Sonntagabend Schritte im Flur hörte.

aus


Rezension folgt in der RN #11

Mittwoch, 7. Mai 2014

Dexter's God's Pocket

Trailer zum Film "God's Pocket", basierend auf Pete Dexters gleichnamigen Buch. Lesen und gucken:





Dienstag, 6. Mai 2014

Fundstücke


"Die schwerste aller Krankheiten der Armut ist ohne Zweifel die Apathie: 
Menschen, die angesichts ihres Daseins den Widerstand aufgegeben haben."

Sonntag, 4. Mai 2014

Apokalypse Chaplin

Die Kamera folgt einer riesigen rauchenden Feuersäule bis zum Scheitel, zeigt sie in genügendem Abstand, dann richtet sie sich nach unten und beginnt in einer einzigen Einstellung eine großartige Fahrt auf die sich drehende Erde hinab. Wir sehen genug von der ganzen Welt, um zu begreifen, dass alles Leben und alle Macht ausgelöscht sind, steigen weiter hinab zu einem etwas genaueren Blick auf die Sinnbilder des Untergangs der früheren Welt und lassen die Kamera stillstehen, als sie den Tramp einfängt.

aus


Rezension folgt in der RN #11

Donnerstag, 1. Mai 2014

ROGUE NATION #11 IM DRUCK!


Zurzeit wird noch gedruckt, was das Zeug hält. In der kommenden Woche, wenn die Farbe trocken ist, gehen die neuen Hefte auf die Reise. Es darf sich auf ein treffsicheres Programm gefreut werden. Verantwortlich für das Chaos sind diesmal Rennie Sparks, Sven Heuchert, Julian Drescher, Markus Prem, Jonis Hartmann und Rüdiger Saß. Interviews gibt es gleich im Doppelpack: The Handsome Family und Dennis Lehane (seht jeweils die Posts weiter unten) haben sich mit der Nation unterhalten.

Danke für die Aufmerksamkeit.

Cheers,
Marc


Dienstag, 29. April 2014

Dennis Lehane Interview


Vor kurzem war er mit seinem aktuellen Titel "In der Nacht" auf Lesereise durch Deutschland. Über den Lesetrip, das neue Buch, das Schreiben und vieles mehr, wird sich Dennis im Interview in der 11. Nation (erscheint Anfang Mai) äußern.
Mehr über Dennis Lehane unter www.dennislehane.com

Montag, 28. April 2014

Machos & Macheten

Ich nahm mir ein paar Tage frei und genoss es ungefähr eine Viertelstunde lang, dass ich ein Held war. Ich und Ella May. Ich fragte mich, wie es ihr wohl ging. Wahrscheinlich fluchte sie immer noch wie ein Bierkutscher und wollte sich prügeln.

aus


Rezension folgt in der RN #11