Sonntag, 2. März 2014

Finks Hunger

Ich schüttelte den Kopf. Ach, ich hatte Hunger. In dem Augenblick, als Mutter mich fragte, empfand ich ihn. Aber ich wußte, es war nichts da. Ich hatte in der Tür gestanden und gesehen, wie sie, als Vater in der Küche über dem kalten Herd schlief, in seine Tasche gegriffen und sie nach Geld durchsucht hatte. Sie hatte nichts gefunden, und sie hatte nicht den Mut, noch einmal zur Nachbarin zu gehen. Damals schämte sie sich noch ihrer Armut, ihres Mannes, ihres langsamen Heruntersinkens. Später, als es nicht mehr tiefer ging, trug sie den Kopf höher, nahm mitleidige Blicke gelassen an und schadenfrohe stolz.

aus


Rezension folgt in der RN #9

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