Donnerstag, 26. Juni 2014

Whitey auf der Flucht

Alcatraz war für Whitey ein sicherer und ruhiger Ort. Hier konnte er sich bilden und seine Einstellungen überdenken. Er las Bücher über Militärgeschichte, Kriege, Philosophie und Politik und war fasziniert von Machiavelli, dem italienischen Staatstheoretiker, der brutale Gewalt, Täuschung und unerlaubte Mittel zur Erlangung der Macht befürwortete. Diese Lektionen nahm er sich zu Herzen. Außerdem lernte er ein wenig Spanisch, konnte es aber nie fließend sprechen. "Sein Lesehunger ist unersättlich, und seine Literaturauswahl ist sehr gut", notierte ein Vollzugsbeamter. "Ab und zu schreibt er auch Gedichte, und er sagt, dies seien für ihn Ventile, Mittel zur Realitätsflucht."
Whitey, der Poet - das ist doch etwas erstaunlich. Leider ist keines seiner Gedichte erhalten geblieben. Laut Sunday nahm er seine Werke selbt nicht besonders ernst, sondern tat sie als schlichte, nicht besonders gute Verse ab. Aber er wusste, was ihm an einem Gedicht gefiel, und er war so beeindruckt von einem Gedicht mit dem Titel Die Ballade von Billy the Kid, das Sunday im Gefängnis schrieb, dass er ihn um eine Kopie bat und diese in seine Bibel steckte.

aus


Rezension in der aktuellen ROGUE NATION

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