Samstag, 30. August 2014

Das Texas Epos

Sollte es der Schöpfer für angebracht halten, mir Kraft zu schenken, so werde ich zu dem Fluss gehen, der im Osten durch mein Weideland fließt, zum Nueces River, auch wenn mir der Devil River immer lieber war. In meinen Träumen habe ich es sogar ganze drei Mal dorthin geschafft. Alexander der Große ist bekanntlich in der Nacht vor seinem Tod aus seinem Palast gekrochen, um in den Euphrat zu steigen, wohl wissend, dass, falls sein Leichnam  verschwand, seine Untertanen annehmen würden, er wäre als Gott gen Himmel gefahren. Kurz vor dem Wasser hielt ihn seine Frau auf und schleppte ihn nach Hause, wo er als Sterblicher verschied. Und da fragen mich die Leute, warum ich nicht wieder geheiratet habe.

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Rezension folgt in der Pulp- Sonderausgabe

Sonntag, 24. August 2014

Don't mess with Galveston

Spuren der Geschichte: alte, von der Hitze ausgedörrte spanische Kirchen, weißer Stein und hellrote Ziegel, Stucco und Adobe. Ein Dreimaster aus dem 18. Jahrhundert, der sich prahlerisch im Seaport Museum spreizt.
Man könnte hier die Zukunft verschachern, seine Erinnerungen in das weiße Licht des Golfs schleudern wie Blätter in ein Leuchtfeuer.
Die Kleine hatte die Hände auf den Fensterrahmen gelegt und starrte mit offenem Mund hinaus. Flüsterte, als gälte es, ein Geheimnis zu bewahren: "Was ist das?"
Rocky neigte sich an ihr Ohr. "Der Ozean, Baby."
"Was ist das?"
"Wasser, Schätzchen, unendlich viel Wasser."

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Rezension folgt in der Pulp - Sonderausgabe

Donnerstag, 21. August 2014

Es wird, es wird...

 
Foto: Neil Krug

Jetzt wird nochmal ordentlich durchgewischt, geputzt und gelesen... übers Wochenende werden die Texte durchgeschaut und mit der Gestaltung des Heftes weitergemacht. Das Sonderheft kommt auf jeden Fall (da es schon die ein oder andere Nachfrage gab). Als Termin ist jetzt Mitte September angedacht, also noch zum Ende dieses Sommers. Dann darf es nochmal so richtig krachen. Es wird ein echter Pulp werden. Also, Freunde...

Bleibt der Nation treu!

Cheers,
MM

Sonntag, 17. August 2014

Jahn's zweite Haut

Doch hauptsächlich fragte er sich, warum dieser Mann in sein Apartment eingebrochen war, warum dieser Mann ihn hatte umbringen wollen. Denn deshalb war er ja hergekommen. Es war kein einfacher Einbruch gewesen. Sondern ein Mordversuch - ein versuchter vorsätzlicher Mord: Dieser Mann, der tot in Simons Badewanne lag, war hergefahren, hatte seinen Wagen geparkt, war die Treppen heraufgestiegen und durch Simons Wohnungstür eingebrochen mit der Absicht, einen Menschen zu töten.
Warum?
Simon konnte es nicht verstehen. Er führte ein ruhiges Leben. Er hatte nie einer Seele etwas zuleide getan - bis jetzt, aber das hier war Notwehr gewesen. Er konnte sich nicht vorstellen, warum ihn jemand töten wollte. Wie jemand so vor Wut entbrennen und all diese Wut gegen ihn richten konnte. Er schlürfte seinen Whiskey, und es fröstelte ihn.

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Rezension folgt in der Pulp- Sonderausgabe

 

Freitag, 15. August 2014

Notes I Found In Pigtown - Geschichten aus dem Viertel (18)

Joe & Vince

Joe Pesci saß bei einem Bekannten im Wohnzimmer. Ich schaute immer wieder zu ihm rüber, doch er schien mich gar nicht zu beachten, oder sonst an irgendeinem im Raum Interesse zu haben. Auf dem Tisch standen Tassen mit kaltem Kaffee herum, daneben halbleere Weinflaschen und Pfeifenreiniger, gekrümmt und verdreckt. Ich blickte wieder rüber zu Joe und der starrte einfach nur in den Fernseher mit diesem ausdruckslosen Blick. Es lief irgendein Western. Ich tippte Donnie an, dem gehörte die Wohnung. Er brummte nur kurz, ohne mich anzuschauen.
„Ist das Joe Pesci?“ fragte ich ihn leise.
Donnie nickte einfach nur.
„Was macht der hier?“ fragte ich weiter.
Donnie zuckte mit den Schultern.
„Das ist ein Traum“, flüsterte jemand hinter mir.
„Wenn das ein Traum ist, wo ist dann Vincent Gallo?“ sagte ich.
Joe und Donnie stierten weiter in den Fernseher. Ich stand auf und verließ wortlos die Wohnung.
Im Treppenhaus kam er mir entgegen. Zerzaustes dunkles Haar, Augen des Teufels und ein Mund, der gerade vom Fischhaken gelöst wurde. Scheiße, dachte ich mir. Da ist er.
„Hey Vince. Joe ist schon da“, sagte ich.

Freitag, 8. August 2014

Gordons gefährliches Girl

Und um die Wartezeit auf die Sonderausgabe zu verkürzen, hier ein kleiner Auszug und ein Lesehinweis für das bevorstehende Wochenende. Die Rezension folgt dann in der Pulp-Nummer. Nehmt euch in Acht...

Ich wurde ein Assistenzdetektiv und klärte meinen ersten Mord auf, kurz nachdem meine Frau mich verlassen hatte. Zu der Zeit war ich gerade ein bisschen neben der Spur. Natürlich nie so wie der Meister persönlich, der hatte einen kompletten Schuss. Das hatte er sogar schriftlich. Er drehte mehr am Rad als eine Scheißhausratte. Er war (bitte verzeihen Sie den Kalauer, aber ich bin ein frustrierter Schriftsteller, und wir sind die Schlimmsten mit unserer galligen Eloquenz, die höchstens auf dem Scrabble-Brett glänzen kann) ein Beschatter mit Vollschatten. Und glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede, zumal ich, wie ich gleich am Anfang gestehe, selbst nicht gerade die Inkarnation seelischer Gesundheit bin.

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