Freitag, 31. Juli 2015

Die verfluchte Welt des H.P. Lovecraft

Als ich mich der Stadt ohne Namen näherte, wußte ich sofort, daß sie verflucht sei. Ich reiste bei Mondschein durch ein ausgedörrtes und füchterliches Tal und sah sie von ferne unheimlich aus dem Sand emporragen, so wie Teile eines Leichnams aus einem eilig ausgehobenen Grab emporragen mögen. Furcht sprach aus den zeitbenagten Steinen dieses altersgrauen Überbleibsels der Sintflut, dieser Urahne der ältesten Pyramide, und eine unsichtbare Ausstrahlung stieß mich ab und befahl mir, mich von den antiken und düsteren Geheimnissen zurückzuziehen, die kein Mensch zu Gesicht bekommen soll und die noch niemand zu sehen gewagt hatte.

- Stadt ohne Namen

aus


Dienstag, 28. Juli 2015

Poem of the Day

i must confess that waltzes
do not move me.
i have no sympathy
for symphonies

i guess i hummed the Blues
too early,
and spent too many midnights
out wailing to the rain.

- Culture, Assata Shakur

Agee's Bewusstunterwegssein

Es gibt kein Zurück und jedes Zurückkehren ist nutzlos. Ich habe zu meiner eigenen Befriedigung versucht, einige Aspekte des Umgangs des Geistes mit Erfahrung zu erkunden. Ich habe versucht, diese Erfahrung mit musikalischen Formen in Einklang zu bringen; der Gedanke ist unangebracht; schon für den Versuch verdiene ich einen Tritt. Mein Geist ist hoffnungslos schwach und vagabundierend; wie oben versage ich immer wieder, wenn ich einen Gedanken durchdenken will; ehe ich es bemerke, wandert er am Rand eines anderen vorbei - und so weiter und so fort - ad nauseam.

aus



Samstag, 25. Juli 2015

Notes I Found In Pigtown - Geschichten aus dem Viertel (30)

Mut zur Verzweiflung

Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken, als er seinen Großvater auf der Bank sitzen sah. Das Gesicht der Sonne zugewandt, unterhielt er sich mit einem Freund. Es war nur irgendein alter Mann. Sein Großvater war vor vier Monaten an einem Herzinfarkt gestorben. Er konnte es nicht sein, aber dieser alte Mann war Pauls Großvater wie aus dem Gesicht geschnitten. Paul ging ganz nah heran und hörte die Stimme des alten Mannes. Sie klang genauso wie die seines Opas. Paul setzte sich auf die Wiese gegenüber der Bank und beobachtete den alten Mann. Dessen Freund schaute irgendwann zu Paul und fragte, ob irgendwas wäre. Paul stand auf und ging rüber zu den beiden Männern. Er stellte sich vor seinem toten Großvater hin und fragte, wann er von den Toten auferstanden wäre.
„Was willst du, Junge?“
„Du bist doch vor vier Monaten gestorben. Warum sitzt du hier herum und nimmst ein Sonnenbad, während Oma zu Hause ist und trauert?“
„Junge, du bist der, der zu lange in der Sonne war und jetzt geh rasch nach Hause, bevor deine Mutter noch trauert.“
„Das sage ich ihr und dann kriegst du mächtig Ärger“, sagte der Junge und lief davon. 


- MM

Mittwoch, 22. Juli 2015

Rogue Music - When The Angels Sing

Der Soundtrack zum Zine

Lied 21

 

When the angel of death comes to looking for me
Hear the angels sing
I hope I was everything I was supposed to be
When the angels sing
There's gotta be a heaven
Cause I've already done my time in hell

Sonntag, 19. Juli 2015

Vertraut den Monstern

Als ich zehn war, hatte ich keine Angst vor Monstern, im Gegenteil, sie waren da, um uns zu beschützen, vor dem Atomkrieg zu bewahren und das Ende der Welt zu verhindern, sagte David J. Skal. In einer Nacht des Jahres 1962, während meine Eltern im Fernsehen besorgt die Nachrichten über die Stationierung russischer Raketen auf Kuba verfolgten, ging ich ohne Essen ins Bett und begann einen Brief zu schreiben. Trotz meiner gerade mal zehn Jahre nahm ich an, dass, so unterschiedlich sie waren, sie sich bestimmt untereinander kannten, weshalb ich einen Brief an alle zusammen schickte: Sehr geehrte Herren Frankenstein, Werwolf, Graf Dracula, liebe Mumie, Braut von Frankenstein und so weiter. In meiner krakeligen Handschrift, die meine Lehrerin mit veritablen Hieroglyphen verglich, schilderte ich ihnen meine Angst, eine Rakete könne in unseren Hinterhof fallen und binnen weniger Minuten die ganze Welt zerstören. Ich wusste nicht genau, wie sie es machen würden, aber wenn die menschliche Spezies auf irgendwen vertrauen durfte, dann auf ihre Monster.

aus



Mittwoch, 15. Juli 2015

ROGUE NATION 02/03 IST RAUS!


Liebe Freunde der Nation,

das Warten hat ein Ende. Die neuen Hefte des zweiten Jahrgangs sind nun endlich eingetroffen. Die "Roads to Redemption" werden diesmal befahren von Matthew Stokoe, Paul Cain, Manfred Palm, Arthuro de las Cosas, Alexandra Sonnental, Markus Prem und Marc Mrosk. Illustrationen wie gewohnt von Giuseppe Cristano. Verdorben, verdammt, vertrieben! Alles gut verschnürt auf 56 Seiten (s/w & Farbe).

Bestellungen unter rogueblogue@gmail.com

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

Cheers,
Marc

Dienstag, 14. Juli 2015

Der Kampf geht weiter...


Die Hefte sind immer noch nicht eingetroffen, aber wo sie auch stecken mögen, es wird sicherlich mit allen möglichen Mitteln dafür gekämpft (gegen Zombies und/oder böse Geister), dass das Paket schnellstmöglich hier eintrifft, damit auch sämtliche Bestellungen und Belegexemplare verschickt werden können. Ich wünsche dem tapferen Boten auf diesem Wege alles Gute für seinen Kampf gegen das Böse! 

Danke!

Samstag, 11. Juli 2015

Notes I Found In Pigtown - Geschichten aus dem Viertel (29)

Weltall und so 

„Heute ist mir was komisches passiert“, sagte ich und erzählte dem alten Bernie die Geschichte von dem Typen, der in dem Zeitarbeitsbüro seinen Schwanz rausgeholt hat.
„Die Menschen drehen so langsam durch“, sagte er und beugte sich zu mir rüber, um seine Flasche an meine zu stoßen.
„Guck mal da oben.“
Ich schaute auf. Ein wolkenloser blauer Himmel.
Bernie sitzt seit Jahren auf dem Sofa, das auf der kleinen Wiese des Vorgartens vor seinem Haus steht. Er trinkt und erzählt Geschichten.
„Sie werden kommen und mich holen und dann fang ich irgendwo 20.000 Lichtjahre von hier entfernt ganz neu an.“
Wir verweilten mit der Stille und unseren Bieren. Die Stadtgeräusche waren fern. Autos, Kinderrufe, Hakenschuhe auf dem Asphalt, Hupen, Bremsen. Nichts davon zu hören. Dann irgendwann kamen die Kirchenglocken. Zwölf Uhr mittags. Ich trank aus und stand auf.
„Warte kurz“, sagte Bernie und deutete auf den freien Platz vom Sofa, auf dem ich bis eben noch gesessen hatte. „Schau mal drunter…“
Ich klappte das Kissen hoch und fand eine kleine Supermarkttüte.
„Das ist für dich“, sagte er lächelnd und trank seine Flasche in einem Zug leer. Ich warf einen kurzen Blick in die Tüte. Darin befanden sich eine Bibel, ein Buch über die Raumfahrt und ein beschriebenes Blatt Papier mit der Überschrift: Letzter Wille und Testament Bernhard Kunze. Darunter stand: Weltall und so. Ich machte mir darüber keine Gedanken, bedankte mich mit einem Nicken und wünschte ihm noch einen schönen Tag. Dies sollte das letzte Mal sein, dass ich ihn zu Gesicht bekam. Zwei Abende später kam ich wieder an seinem Sofa vorbei. Er war verschwunden. Die Anwohner erzählten von merkwürdigen Lichtern am Himmel, die sie an den vergangenen Abenden und Nächten beobachtet hatten. Kurz darauf war Bernie weg. Keiner weiß auf welchem Stern er jetzt lebt, aber ich vermisse ihn.



- MM

Donnerstag, 9. Juli 2015

Rogue Music - Evil

Der Soundtrack zum Zine

Lied 20


That's evil, evil is goin' on
I am warnin' you, brother
You better watch your happy home

Dienstag, 7. Juli 2015

Macht was draus!


Die dritte Nummer ist noch nicht raus, da wird schon für die 4 geprobt. Alle Schreibenden sind herzlich dazu eingeladen, Texte (Kurzgeschichten und Gedichte) der Nation zur Verfügung zu stellen. Seitenzahl pro Story: max. 10 Seiten. Gedichte: open end.

Bitte schickt die Texte an rogueblogue@gmail.com

Bis zum 31.07.15 wird noch gesammelt.

Dank + Gruß,
MM

Das Ende des Streiks


Der Poststreik ist beendet. Nun hoffe ich, dass demnächst endlich geliefert werden kann. Die Hefte sind unterwegs, aber leider noch nicht eingetroffen. Aber die Post will alles daran setzen, die Rückstände schnell aufzuholen. Na dann, ab geht's....

Sonntag, 5. Juli 2015

Rauchen mit Sara


Ich saß in meinem Sessel und spielte mit dem Gedanken, einen Bourbon zu trinken, entschied mich aber dagegen. Viele Junkies, die vom Heroin loskamen, blieben an Alkohol oder Koks oder Pillen hängen, was ich unbedingt vermeiden wollte. Ich ging in meine Kammer und nahm die Zigarrenkiste vom obersten Regal. Darin lag etwas Gras und ein Paket mit Blättchen. Ich rollte mir einen Joint und zündete ihn an. Das Gras machte mir keine Sorgen. Von Gras wurde niemand abhängig. Es half nur beim Einschlafen.

- Dope, Sara Gran

Donnerstag, 2. Juli 2015

Summer in the City

(c) Edward Hopper

“Maybe I am not very human - what I wanted to do was to paint sunlight on the side of a house. ”
                                                                                                                                  - Edward Hopper

Notes I Found In Pigtown - Geschichten aus dem Viertel (28)

Toter Hund

Sam quälte sich vormittags zur Schule und verbrachte den Rest des Tages in seinem Zimmer, völlig niedergeschlagen, ohne Elan irgendetwas zu tun. Sam war 13 und liebte seinen Basset Hound über alles. Er erinnerte ihn an seine Lieblingscartoonfigur „Droopy Dog“. Sam war todtraurig, als der Hund von einem Auto angefahren wurde und kurz darauf starb. Der Hund lief immer durch die Nachbarschaft. Ganz allein. Er konnte das. Er achtete auf den Verkehr, wusste wann er an der Ampel halten musste und wann er weitergehen konnte. Beim Bäcker oder beim Fleischer bekam er regelmäßig was zu fressen. Er legte sich neben die Bäume im Viertel und ruhte sich im Schatten aus. Sam traf ihn immer schon auf der Straße, um anschließend ein paar Runden zu drehen. Heute morgen sah ich den Jungen und seine Mutter im Supermarkt. Er sah noch immer total geknickt aus. Er beachtete mich gar nicht und ging einfach weiter. Ich grüßte seine Mutter und fragte, was genau passiert sei.
„Sein Hund wurde überfahren, als er über rot ging.“
„Und wie hast du es dem Jungen beigebracht?“
„Ich hab gesagt, es war grün.“
„Alles was hilft“, sagte ich.
Ich blickte in ihre Einkaufstüte. Zwei Packungen Knabberstangen für Hunde.
„Alles was hilft“, sagte sie.
Ich nickte. Sie verabschiedete sich und holte Sam auf dem Parkplatz ein. Sie stiegen zusammen ins Auto und fuhren davon.

- MM