Donnerstag, 2. Juli 2015

Notes I Found In Pigtown - Geschichten aus dem Viertel (28)

Toter Hund

Sam quälte sich vormittags zur Schule und verbrachte den Rest des Tages in seinem Zimmer, völlig niedergeschlagen, ohne Elan irgendetwas zu tun. Sam war 13 und liebte seinen Basset Hound über alles. Er erinnerte ihn an seine Lieblingscartoonfigur „Droopy Dog“. Sam war todtraurig, als der Hund von einem Auto angefahren wurde und kurz darauf starb. Der Hund lief immer durch die Nachbarschaft. Ganz allein. Er konnte das. Er achtete auf den Verkehr, wusste wann er an der Ampel halten musste und wann er weitergehen konnte. Beim Bäcker oder beim Fleischer bekam er regelmäßig was zu fressen. Er legte sich neben die Bäume im Viertel und ruhte sich im Schatten aus. Sam traf ihn immer schon auf der Straße, um anschließend ein paar Runden zu drehen. Heute morgen sah ich den Jungen und seine Mutter im Supermarkt. Er sah noch immer total geknickt aus. Er beachtete mich gar nicht und ging einfach weiter. Ich grüßte seine Mutter und fragte, was genau passiert sei.
„Sein Hund wurde überfahren, als er über rot ging.“
„Und wie hast du es dem Jungen beigebracht?“
„Ich hab gesagt, es war grün.“
„Alles was hilft“, sagte ich.
Ich blickte in ihre Einkaufstüte. Zwei Packungen Knabberstangen für Hunde.
„Alles was hilft“, sagte sie.
Ich nickte. Sie verabschiedete sich und holte Sam auf dem Parkplatz ein. Sie stiegen zusammen ins Auto und fuhren davon.

- MM

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