Sonntag, 19. Juli 2015

Vertraut den Monstern

Als ich zehn war, hatte ich keine Angst vor Monstern, im Gegenteil, sie waren da, um uns zu beschützen, vor dem Atomkrieg zu bewahren und das Ende der Welt zu verhindern, sagte David J. Skal. In einer Nacht des Jahres 1962, während meine Eltern im Fernsehen besorgt die Nachrichten über die Stationierung russischer Raketen auf Kuba verfolgten, ging ich ohne Essen ins Bett und begann einen Brief zu schreiben. Trotz meiner gerade mal zehn Jahre nahm ich an, dass, so unterschiedlich sie waren, sie sich bestimmt untereinander kannten, weshalb ich einen Brief an alle zusammen schickte: Sehr geehrte Herren Frankenstein, Werwolf, Graf Dracula, liebe Mumie, Braut von Frankenstein und so weiter. In meiner krakeligen Handschrift, die meine Lehrerin mit veritablen Hieroglyphen verglich, schilderte ich ihnen meine Angst, eine Rakete könne in unseren Hinterhof fallen und binnen weniger Minuten die ganze Welt zerstören. Ich wusste nicht genau, wie sie es machen würden, aber wenn die menschliche Spezies auf irgendwen vertrauen durfte, dann auf ihre Monster.

aus



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