Montag, 30. November 2015

Das nächste Leben

Er schaute auf den Müll zu seinen Füßen und entdeckte die Gatorade-Flasche. Schon in Ordnung. Hatte er schon die ganze Zeit so gemacht. Er wandte sich ab, ließ es in die Flasche laufen. Das will ich nicht noch mal sehen, sagte der Fahrer. Wirst du auch nicht. Er schraubte die Flasche zu, verstaute sie warm und bierfarben in seinem Kampfrucksack.

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Donnerstag, 26. November 2015

Rogue Music - Glory Box

Der Soundtrack zum Zine

Lied 34


So don't you stop being a man
Just take a little look from outside when you can
Show a little tenderness
No matter if you cry

Mittwoch, 25. November 2015

Ein Plädoyer auf 413 Seiten

Ein letztes Mal umarmte ich Herbert und dachte darüber nach, was er gesagt hatte. Ich dachte an all die Ereignisse aus seiner Kindheit, mit denen sich das Gericht nie beschäftigt hatte. Ich dachte an all die Traumata und Probleme, die er aus Vietnam mitgebracht hatte. Unwillkürlich fragte ich mich, wo denn all diese Leute waren, als er sie wirklich gebraucht hätte? Wo waren all diese hilfsbereiten Menschen, als Herbert drei Jahre alt war und seine Mutter starb? Wo waren sie, als er sieben Jahre alt war und sich von körperlichen Misshandlungen erholen musste? Wo waren sie während seiner Jugend, als er mit Drogen und Alkohol kämpfte? Wo waren sie, als er traumatisiert und versehrt aus Vietnam zurückkam?
Ich sah den Kassettenrekorder, der im Gang ausfgestellt worden war, und beobachtete, wie einer der Uniformierten eine Kassette brachte. Zu den traurigen Klängen von "The Old Rugged Cross" zogen sie ihn aus meinen Armen.

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Ein Vortrag von Bryan Stevenson aus dem Jahre 2012:


The Old Rugged Cross:


Montag, 23. November 2015

Wenn es Nacht wird in New York




Ein absolut empfehlenswerter Bildband mit reichlich Textmaterial zu einzelnen Fällen des NYPD in den Jahren 1910 - 1920. Kürzlich erschienen im Emons Verlag. Mit einem Vorwort von Joe Bausch. Mit ca. 200 Schwarz- Weiß-Fotografien und original Zeitungsartikeln. Gebunden mit Schutzumschlag. ca. 240 Seiten. ISBN 978-3-95451-730-5.


Das Copyright der Bilder liegt bei: NYC Department of Records & Information Services/Municipal Archives.

Samstag, 21. November 2015

Ein Bulle in der Bronx

Gerne würde ich meine jugendlichen Fehltritte als wichtigen Teil einer langen Kette von Ereignissen interpretieren, die mich unweigerlich dorthin geführt haben, wo ich heute stehe. Aber was auch immer ich in jungen Jahren angestellt habe, hätte mich genauso auf ein Leben vorbereiten können, das sich auf der anderen Seite der Gitterstäbe abspielt. Ich kenne beide Seiten, weiß welche mir lieber ist.

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(im Ankerherz Verlag erschienen)

Freitag, 20. November 2015

11/22/63 - Erster Teaser

Zur Verfilmung eines der besten Stephen King Bücher der letzten Jahre ("Der Anschlag") gibt es jetzt den ersten Teaser. Wann die Mini-Serie in Deutschland erscheinen wird, ist noch unklar. (US Termin ist Februar 16).



Lesen:


Mittwoch, 18. November 2015

H. P. Lovecraft's "The Colour out of Space" von Andreas Hartung & The Dunwich Orchestra

Comiczeichner Andreas Hartung erkundet in seiner Horror-Comic-Bildershow “The Colour out of Space” die langsamen, quälenden Seiten von H. P. Lovecraft.

Langsam, düster und schwer: So lässt sich die kleine, gemeine Horrorgeschichte "The Colour out of Space" von Großmeister H. P. Lovecraft beschreiben, die Comiczeichner Andreas Hartung als finstere Episoden-Bildershow neu in Szene setzt. Dabei folgt ein Bild auf das andere – kein Text, kein Dialog, keine Liebesgeschichte.

Sprachloses Grauen weltweit

Lovecrafts überbordende, adjektivgetränkte Schreckensprosa wird durch ein wortloses Grauen ersetzt. Sprachbarrieren gibt es nicht. Die Adaption nimmt die Atmosphäre und den Horror der lovecraft’schen Geschichte ernst und zelebriert sie – auch die grotesken Elemente.

Die atmosphärische Instrumentalmusik des Dunwich Orchestra untermalt die wonnig-finstere Bilderwelt Hartungs mit schweren, experimentellen Drone-, Americana- und Postrock-Klängen. "The Colour out of Space" ist ein Horror-Comic-Experiment in Düsternis, Wortlosigkeit und Entschleunigung.

Umsetzung

Die Umsetzung erfolgt in fünf Teilen, welche zwischen drei und zwölf Minuten lang sind. Veröffentlicht werden die Kapitel im Internet.

Das erste Kapitel ist nun online:



Um die Finanzierung der folgenden Kapitel abzudecken wurde auf Indiegogo eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. 

Mehr Infos zu dem Projekt, der Crowdfunding-Kampagne, Andreas Hartung und dem Dunwich Orchestra unter www.the-colour-out-of-space.com

Dienstag, 17. November 2015

Rogue Music - Just Plain Bad

Der Soundtrack zum Zine

Lied 33
 
 
My happy days are over
My good time days ar through
My prison days have just begun
All on account of you
The things they said were so full of spite
They said you were no good
Nobody left the fucking bar that night
Until they understood

Montag, 16. November 2015

Im Untergrund

Unter den Haaren verbarg sich das tote Gesicht des Mannes, der sich Al nannte und der in der Früh gekommen war, um tausend Dollar einzufordern. Offenbar war er einmal zu oft gekommen. Die Vorderseite seines Hemds war blutgetränkt von den Stichwunden in der Brust. Er roch nach Whisky.

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Samstag, 14. November 2015

The Photography of Markus Henttonen




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Der Bildband "Twisted Tales - Road to Hope" von Fotograf Markus Henttonen
erschien im Hatje Cantz Verlag.

Große Bilder zwischen Hoffnung und Einsamkeit. 

Mehr Infos gibt's hier: www.markushenttonen.com

Donnerstag, 12. November 2015

Poem of the Day


the 3rd shot

stopped the twitch
in julene’s left
cheek but she wanted
to be sure it had
gone away so she
borrowed lefty’s
red man packed a
big one next
to her teeth &
held it there
for as long as she
cd but when the
tobacco juice
leaked down
her throat
she let go
brown gobs
of it all over
the bottle but
that was ok the
whiskey inside
still tasted good

 - Death Rides The Blood, Todd Moore

Montag, 9. November 2015

Der verlorene Sohn

Ich könnte etwas lesen, dachte ich. Endlich könnte ich etwas lesen, sagte ich mir. Seit zwei Jahren lese ich nur noch Schreckensmeldungen in der Zeitung. Ich interessiere mich nur noch für Schreckensnachrichten und Bücher über Serienmörder. Nur noch für offene Ausbrüche des Bösen, für die Hermeneutik des Bösen habe ich keine Kraft mehr, das habe ich hinter mir.

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Donnerstag, 5. November 2015

Scotts und Zeldas Roadtrip nach Alabama

Dann verschwand auch die Stadt, bewegte sich fort von uns und blieb zurück, und wir, die unfreiwillig im Einklang mit der Jersey-Fähre vibrierten, bedauerten all die fernen Gesichter, hätten fast geweint um sie, die nichts von dem Sonnenschein erlebten, den wir genießen würden, die weder die Biscuits noch die Pfirsiche kosten und auch nicht von Morgendämmerung bis Mondaufgang den weißen Straßen folgen würden ... Jung zu sein, unterwegs zu sein zu den fernen Bergen, dorthin zu reisen, wo das Glück an Bäumen reift, ein Ring, den man im Turnier erstreitet, ein strahlender Siegeskranz, den es zu gewinnen gilt. - Es war immer noch machbar, dachten wir, zumindest war es eine Zuflucht vor der Langeweile und den Tränen und der Enttäuschung der ganzen stillstehenden Welt.

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Notes I Found In Pigtown - Geschichten aus dem Viertel (35)

Herbstinfarkt

Die Bäume sind wieder kahl. Alles, was vor wenigen Wochen noch oben hing und bunt war, liegt nun wie Müll auf der Straße. Es ist still. Je mehr man versucht, etwas in dieser Ecke zu hören, desto stiller wird es. Mauern um einen herum, mit nur einem kleinen Ausgang. Was sich anfangs noch wie ein Spaziergang durch die milde Nachmittagsluft an einem Sonntag anfühlte, verwandelte sich schnell in eine Flucht bis man schließlich in die Sackgasse geriet und sich zwangläufig die Frage stellte, warum man überhaupt losgegangen ist. Je schneller du gehst, desto weiter entfernt sich dein Ziel. Nun stehe ich neben der Mauer, lausche auf eine Hoffnung und schmecke das Nichts, das in der Luft liegt. Ich bewege mich weg. Irgendwo fahren Autos, schreien Ehemänner und Ehefrauen sich gegenseitig an, aber hier regt sich nichts. Eine schöne Gesellschaft habe ich mir gesucht. Ein warmes Plätzchen auf dem Mond. Irgendwo klingelt ein Telefon. Ich blicke zwischen den nackten Ästen hindurch und höre das Echo des Läutens. Irgendwo klingelt ein Wecker auf einem kleinen Nachttisch. Eine Faust setzt sich darauf und verstummt das Telefon gleich mit. Ich gehe weiter, weil es geht. Ein schnelles, dickes Gefährt zerreißt die Stille, bunte Kleider wehen aus den geöffneten Türen und Fanfaren trällern, wie kleine Kinder, die ein Geschenk erwarten. Mein Hunger ist besser als dein Geschmack, großer Mann. Alles vergeht, weil es geht. Eine alte Frau schiebt ihren Enkel in einem Rollstuhl über das Laub. Sie nähern sich und ich kann das blasse, verzerrte Gesicht des jungen Mannes sehen. Seine Augen blicken starr zur Seite, aus seinem Mundwinkel läuft der Speichel auf seine Schulter und ich denke mir, träumt er oder ist er krank? Aber vielleicht ist es auch mein Traum... mein Infarkt.

- MM

Dienstag, 3. November 2015

Evans & Kane


Walker Evans
3. November 1903 - 10. April 1975




Bob Kane
24. Oktober 1916 - 3. November 1998

 

Montag, 2. November 2015

Nachtschicht in Manhattan

Es war St. Patrick's Day, die schlimmste Nacht des Jahres für die NYPD-Nachtschicht, jene Handvoll Detectives, die unter Billys Kommando zwischen eins und acht für Manhattans sämtliche Verbrechen zuständig war, von Washington Heights bis runter zur Wall Street, solange deren Reviere nicht besetzt waren. Es gab noch weitere schlimmste Nächte, Halloween zum Beispiel und Silvester, aber St. Patrick war die hässlichste, mit der spontansten und primitivsten Gewalt. Stiefelabsätze, stumpfe Gegenstände, Fäuste - eher Stiche als OPs, aber ziemlich böse Entladungen.

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