Freitag, 29. Januar 2016

Woodrells neues Meisterwerk



Daniel Woodrell
TOMATENROT

Wenige Schriftsteller beherrschen diesen einzigartigen ruhigen Ton, der fast schon telepathisch wirkt wie Daniel Woodrell. Er zieht uns in seine Geschichten ohne Überheblichkeit, ohne uns darauf aufmerksam machen zu müssen, dass man Teil von etwas Großem werden könnte. Man folgt ihm und seinen Charakteren, einer überschwänglichen Einladung bedarf es nicht.
So wie seinem aktuellen Buch "Tomatenrot" landet man irgendwann am Ende der Geschichte und fragt sich einfach nur, was denn in Gottes Namen da gerade passiert ist. Woodrell gehört ganz eindeutig zu den besten Autoren, den die amerikanischen Südstaaten je hervor gebracht haben. Von Klassikern wie Faulkner bis hin zu den Schreiber-Outlaws, die danach kamen wie William Gay, Cormac McCarthy, Larry Brown oder Harry Crews.
Einmal mehr beschäftigt sich Woodrell mit den Außenseitern der Gesellschaft. Ein Ort in Missouri (der Heimat von Woodrell und liebster Schauplatz seiner Stories). Der unbelehrbare Pechvogel Sammy Barlach bricht in eine Villa ein, um sich ein paar neue Freunde zu machen. Die trifft er kurz darauf tatsächlich, allerdings nicht so, wie er es sich vorgestellt, aber doch irgendwie gewünscht hat. Die 19jährige Jamalee und ihr bildhübscher Bruder Jason werden zur Ersatzfamilie für Sammy. Sehnsucht, die nie erfüllt wird, Träume, die niemals wahr werden. Ein Kampf, den man nie gewinnt und trotzdem wird es immer weitergehen und gerade deshalb liest man solche Bücher voller Überzeugung und Bewunderung.
Lest Woodrell! Von den ersten literarischen Klängen des "Cajun Blues" bis hin zum letzten Buchstaben, den der Mann aus Missouri zu Papier bringen wird. Keiner wird es bereuen. Versprochen. Aber es werden Tränen und Blut fließen!

224 Seiten, ISBN 978-3-954380602, Liebeskind Verlag, 20,00 €

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