Dienstag, 1. März 2016

Das zerstörte Leben des Wes Trench


Was Wes damals noch nicht wusste, aber heute schon: Wer immer behauptete, dass man mit Geld kein Glück kaufen könne, war ein Volltrottel, der keine Ahnung von Armut hatte.

Tom Cooper
DAS ZERSTÖRTE LEBEN DES WES TRENCH

Armut. Ein Schweinehund, mit dem sich die jeweiligen Charaktere auf ihre ganz eigene Weise herumschlagen müssen. Es ist die Angst, im erbarmungslosen schwarzen Loch der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Ein Kampf gegen die Kraft des Systems und der Natur. Davon erzählt Mr. Cooper. Einer, der diese Herausforderung annehmen muss ist der besagte Wes Trench. Er lebt mit seinem Vater im Süden der USA, genaugenommen in den Sümpfen Louisianas: ein Kaff namens Jeanette. Mit ihrem Boot tuckern sie die Bayous nach Shrimps und Krebsen ab, um wenigstens die Rechnungen zahlen zu können. Doch der Titel des Buches ist etwas irreführend, da der Junge Wes nur einen Teil der Geschichte ausmacht. Da wäre auch der alte Fischer Lindqvist, der seine Armprothese verloren hat und trotzdem seine Schatzsuche nicht aufgibt. Die Zwillingsbrüder Victor und Reginald Toup schmuggeln Marihuana übers Wasser und sehen durch den alten Goldsucher ihre Geschäft gefährdet. Sie alle hangeln sich durch verwüstete Existenzen, hervorgebracht unter anderem durch Hurrikan Katrina und den Unfall der Ölplattform Deepwater Horizon.
Leben heißt Überleben und so lange es noch ein Fünkchen Hoffnung gibt, geben sie diese auch nicht auf. Es ist ein klassischer Südstaatenroman, der gerade durch die Landschaften und Figuren so wirkungsvoll rüberkommt. Eines der eindrucksvollsten Bücher des Frühjahrs.
Kürzlich noch Brian Panowich mit seinem Debüt "Bull Mountain" (siehe weiter unten). Nun Tom Cooper. Der Süden lebt und die literarischen Neuentdeckungen blühen so richtig auf.

384 Seiten, ISBN 978-3-550-08096-8, Ullstein Verlag, 22,00 €

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