Mittwoch, 16. März 2016

Der St. Pauli - Ripper



Heinz Strunk
DER GOLDENE HANDSCHUH

Er war einer der berüchtigsten Serienkiller der deutschen Kriminalgeschichte. Die Zeitungen stürzten sich damals in den 70ern auf die Geschichte wie die Geier auf das Aas. Es war in Zeiten der RAF, als plötzlich eine Mordserie publik wurde, der die Menschen erschütterte. Vergleiche zum Ripper aus London wurden gezogen. Doch was da am Ende im Gerichtssaal erschien, erweckte bei den Menschen vielmehr Mitleid, als letztendlich Angst und Abscheu. Fritz Honka. Säufer, Taugenichts, nur ein kleines Blatt im stürmischen Wind Hamburgs. In der Kiezkneipe "Zum Goldenen Handschuh" trank er sich hin und wieder das schlechte Leben ein wenig schön, so schön es ihm halt möglich war. Er war ganz unten. Paradebeispiel für eine hoffnungslose und total zerstörte Seele aus der Unterschicht. Diesem Thema widmete sich nun "Fleisch ist mein Gemüse"-Autor Heinz Strunk.
Neben der verdreckten Welt des Mörders Fritz Honka findet man in Strunks Buch auch eine andere. Die Familie von Dohren zum Beispiel, hanseatische Reederdynastie. Ähnlich kaputt, aber um einiges besser situiert. Wir alle müssen das Leben halt irgendwie leben.
Strunk zeichnet ein Porträt eines Außenseiters, der so gerne ans Licht wollte, der sich nach totaler Kontrolle sehnte und sie dann komplett verlor. Teils biografisch, teils ausgezeichnet konstruiert. Strunk zieht einen mit in den Abgrund. Bitte schön, meine Damen und Herren, das ist der Fiete (Spitzname Honkas im "Handschuh"). Das Grauen ist ein verängstigtes großes Kind, das sich seit langer Zeit nach einem dicken, fetten roten Lutscher sehnt. Trauriger und zugleich faustdicker Roman!


256 Seiten, 978-3-498064365, Rowohlt Verlag, 19,95 Euro




Honka Doku Teil 1:


Honka Doku Teil 2:



P.S. Der Autor Heinz Strunk ist auf Lesetour. 
Mehr Infos dazu gibt's hier: http://www.rowohlt.de/honka

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