Sonntag, 6. März 2016

Diese öden Tage



Massimo Carlotto
AM ENDE EINES ÖDEN TAGES

Der Lebenslauf von Autor Massimo Carlotto liest sich wie ein Polit-Thriller. Einst Mitglied der linken militanten Gruppe "Lotta Continua" in den 70er Jahren in Italien, später zum Schriftsteller ohne politische Ideologien umgestiegen. Die Metamorphose begann eigentlich schon im Jahr 1976, als er eine tote Studentin in ihrer Wohnung fand und Carlotto des Mordes angeklagt wurde. Eine wilde Flucht bis nach Mexiko begann. Ereignisse im Leben Carlottos, die er in seinem Buch "Der Flüchtling" (in Deutschland 2010 ebenfalls im Tropen Verlag erschienen) verarbeitet. "Am Ende eines öden Tages" greift jene verrückte Odyssee ebenfalls auf. Man mag ihn Carlottos Alter Ego nennen, viel aus dessen eigenem Leben fließt ja wie schon beschrieben in die Figur Giorgio Pellegrini mit ein - vom linken Widerstandskämpfer mitten hinein in die Bourgeoisie. Erst nur brutal, dann auch noch dekadent. Carlotto beschreibt so trocken wie ein Knochen in der Wüste den Lebens- und Leidensweg eines verwirrten Kämpfers, der vielmehr ein Suchender ist. Politik, Sex, Skandale, das große Geld, das süße Leben. Viva Italia. Fuck off Politics und ein ganz nüchternes Ende einer kurzen Revolution. Der dezente literarische Tritt des Massimo Carlotto in die Nüsse jeglichen Systems. Take the money and run. Wer schreiben kann wie Carlotto, sollte auch ruhig mal Waffe und Fahne im Fluss versenken. "Am Ende eines öden Tages" liefert bitterbösen Noir aus Italien.


381 Seiten, ISBN 978-3-608-50137-7, Tropen Verlag, 14,95 €

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