Montag, 11. April 2016

Kaffee & Kersh



Gerald Kersh
DIE TOTEN SCHAUEN ZU

Denkt man an die Kriegsverbrechen der Nazis, weiß man gar nicht wo man anfangen und wo man aufhören soll. Eines davon war das Massaker von Lidice, 20 Kilometer westlich von Prag im Jahr 1942. Das Attentat an Reinhard Heydrich, den Leiter des Reichssicherheitshauptamts löste einen brutalen Rachefeldzug der Nazis aus. Die Stadt wurde ausgelöscht, Bewohner erschossen oder in Konzentrationslager deportiert. Nur ein Jahr später fasste der britische Autor Gerald Kersh diese unmenschlichen Ereignisse in seinem Buch "The Dead Look On" zusammen. Hier wird der fiktive SS-Obergruppenführer und General der Polizei von Bertsch in der besetzten Tschechei ermordet. Unter der Leitung des knallharten SS-Offiziers Heinz Horner wird eine Untersuchung eingeleitet. Ein Fall der ziemlich hohe Wellen schlägt. Ein Buch, das sich nahtlos in das rabenschwarze Programm des berüchtigten Pulp Master Verlags einreiht.
Ein Verbechern während des zweiten Weltkriegs. Eine Zeit, die so surreal und brutal erscheint, dass es ganz besondere Stimmen braucht, um uns den stickigen Rauch und die blutgetränkte Erde so authentisch wie möglich nach Hause zu bringen. Eine Zeit in der das Böse noch leichter definierbar war. Kersh hatte seine Schreibfeder am Puls der Zeit liegen und genau das macht dieses Buch so gut. Seine Sprache genaustens präzesiert und seine Geschichte als tickende Zeitbombe für die Leser damals und alle, die danach kamen niedergeschrieben.
"Die Toten schauen zu" tut sich nicht schwer damit, ein Kunststück zu vollbringen. Nämlich eine kalte Welt so klar und direkt offenzulegen, dass der Wahnsinn so normal und dennoch so unfassbar erscheint. Dem Spannungsbogen tuts gut. 200 Seiten feinster Kriegs-Noir aus einem der dunkelsten Kapitel der Weltgeschichte.

200 Seiten, ISBN 978-3-92773474-6, Pulp Master, 12,80 €

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