Montag, 2. Mai 2016

Neue Notes!

 (c) Giuseppe Cristiano
Mit Bus und Bahn

Es roch eigenartig. Ein Gemisch aus Rasierwasser, Duftbäumen und Salbei. Am intensivsten roch es aber nach totem Fleisch. Er saß am Fenster, zwischen seinen Beinen der schwarze Rucksack. Sein Blick starr nach draußen gerichtet. An der Station die nah am Wald lag stand er auf, nahm seinen Rucksack und verschwand ganz schnell. Zuvor war er zweimal mit jeweils einem Koffer losgezogen, hatte sich ein Tagesticket für zwei Zonen besorgt und war in den Bus gestiegen. Beim dritten und letzten Mal fuhr er nicht ganz so weit. Für den Rucksack würde der Wald reichen. Als man ihn später fragte, warum er nicht zu Fuß gegangen sei, antwortete er, dass das viel zu auffällig gewesen wäre. Ein Auto hatte er nicht und zu Fuß ging er so gut wie nie.
Die Beamten waren sofort misstrauisch geworden, als er seine Frau als vermisst gemeldet hatte. Sie spürten seine Angst, als er dort auf dem hölzernen Stuhl saß, aber nicht, weil er sich Sorgen um sie, sondern vielmehr um seine Geschichte machte. Er war hektisch und viel zu nachdenklich, als sage er einen auswendig gelernten Text auf.
"Körpergröße?" fragte der Bulle.
Er musste lange überlegen. Als er sie das letzte Mal gesehen hatte, waren es mehrere Größen gewesen. Er kaute auf seiner Unterlippe und setzte die einzelnen Körperteile seiner Frau gedanklich wieder zusammen.

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