Samstag, 11. Juni 2016

Notes am Wochenende


Rauch- und sauffreier Samstagabend

Er sah nur ein Gemisch aus Formen und Farben, obwohl er sicher war, dass er im Flur stand. Sein eigener Flur? Er wusste es im ersten Moment nicht. Das Licht brannte noch. Es war früh am Morgen. Langsam sah er etwas besser. Er war vor Sekunden wach geworden, vielmehr war er aufgeschreckt, als hätte ihn ein Alptraum gequält. Er rieb sich die Augen. Er schmeckte noch die Zigaretten und den Schnaps auf seiner trockenen Zunge. In seinem Kopf rollten Bowlingkugeln hin und her und schlugen immer wieder gegeneinander. Sein Hals tat weh und seine Lunge pfiff aus dem letzten Loch. Er drehte sich um und sah, dass im Wohnzimmer noch der Fernseher lief. Es war nicht seine Wohnung. Der Nachrichtensender war eingeschaltet. Irgendeine Dokumentation über die Alpen wurde gesendet. Er sah rüber zu Couch. Ein Mann, etwas älter, so Mitte 40 saß in der Mitte. Man hätte meinen können, er würde ganz tief und ruhig schlafen, wäre da nicht das ganze Blut, das aus einer Wunde am Kopf ausgelaufen war und die Pistole in seiner rechten Hand. Selbstmord. So sah es zumindest aus. Der Mann war tot, da musste man nicht mehr die Finger an die Halschlagader legen. Puls adé. Der Typ, der noch am Leben war sah an sich herab. Er trug ein weißes T-Shirt, eine Jeans und schwarze Socken. Nirgends irgendwelches Blut. Er hatte keine Erinnerung an letzte Nacht. Nur das es ein Freitag war. Nach der Arbeit ging die Sauferei los. Irgendwann waren sie dann in der Wohnung des Toten gelandet. Der jüngere Typ stürmte ins Badezimmer und übergab sich ins Waschbecken. 
"Heute gibt es einen Rauch- und sauffreien Samstagabend, das schwöre ich", sprach erleise zwischen dem Würgen. Er zog sich hastig seine Sportschuhe an und warf noch einen letzten Blick auf den Toten im Wohnzimmer. Er schaltete den Fernseher und das Licht im Flur aus und verschwand aus der Wohnung.

- MM

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