Samstag, 27. August 2016

Der Säufer und das Meer


Ottessa Moshfegh
McGLUE

McGlue ist ein selbstzerstörerischer, hoffnungslos versoffener Seemann, der wirklich überhaupt kein Licht mehr am Horizont sieht und Ottessa Moshfegh ist die neue literarische Stimme, die mit diesem Debüt mal eine echte Kerbe ins Holz geschlagen hat. Unmöglich zu ignorieren. Ein Protagonist mit brennender Seele und eine Autorin mit leidenschaftlichem Erzählstil. Da reichen auch knapp 140 Seiten aus, um die Botschaft zu vermitteln und um nach der letzten Seite den Hut zu ziehen. Ein weiterer Titel aus dem Liebeskind Verlag, den man sich für den Sommer anschaffen sollte. Dort die strahlende Sonne und hier die raue See, mal im Golf von Biskaya, mal auf dem Land in Massachusetts, mal im Bauch des Schiffes, wo es nach Scheiße und Kotze stinkt.
Es ist das Jahr des Herrn um 1851. Es ist das Leben, das man nur betrunken erträgt. Es ist das Leben von Nicky McGlue. In kurzen Kapitel oder Episoden erzählt der Seemann von seinem Leid und seinen Lastern, er ist der Herumtreiber, der einen gespaltenen Schädel hat, weil er einst aus einem fahrenden Zug gesprungen ist, aber von Johnson von der Straße geholt wurde bevor es zu Ende geht und der des Mordes an genau diesem Johnson beschuldigt wird. Moshfegh verliert nicht mehr Worte, als sie muss und schreibt ein erstklassiges Debüt. Ihren Fokus stets auf ihre Hauptfigur gerichtet, lässt sie uns alle hautnah an diesem verkorksten Dasein teilhaben, ohne den Bogen zu überspannen. Der 35jährigen Autorin aus Boston mit iranischen und kroatischen Eltern ist durchaus eine erfolgreiche Karriere zuzutrauen. Ihr zweites Buch "Eileen" ist kürzlich in den USA erschienen. Man darf gespannt sein, wann es auf den deutschen Markt kommt. Ein große Fahrt steht bevor, Ms. Moshfegh.

144 Seiten, ISBN 978-3-95438-067-1, Liebeskind Verlag, 16,00 €

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