Donnerstag, 15. September 2016

Hoke ist wieder da


Charles Willeford
WIE WIR HEUTE STERBEN

Wie Donald E. Westlake alias Richard Stark im Vorwort dieser Ausgabe schreibt, brauchte es den eigensinnigen Detective aus Miami mit dem Namen Hoke Moseley, damit ein breiteres Pubikum auf den Autoren Charles Willeford aufmerksam wird. Zuvor trieb Willeford durch den Literaturbetrieb, wie eine Feder durch einen Wirbelsturm. Kurzlebig und weitesgehend unbeachtet. In den frühen 50er Jahren veröffentlichte er seinen ersten Roman, darauf folgten noch einige Titel und doch blieb ihm der große Erfolg verwehrt, auch wenn sein Buch "Hahnenkampf (Cockfighter)" von 1962 sogar in den 70ern verfilmt wurde. Doch Charles Willeford bekam erst 1984, vier Jahre vor seinem Tod jene Aufmerksamkeit, die seinem Talent annähernd gerecht wurde. Denn dann kam Hoke. Es folgten drei Fortsetzungen, "Wie wir heute sterben" ist die letzte und steht seinen Vorgängern in nichts nach. Hoke ist etwas älter geworden und noch immer gibt es genügend Ärger, seine pubertierenden Töchter, ein Baby von einem weiblichen ehemaligen Partner, das zwar nicht seins ist, aber um das er sich trotzdem kümmert, eine Ex-Frau und viele Leichen. Willeford schuf mit Hoke Moseley einen der eindrucksvollsten Detectives der Literaturgeschichte und das nicht gerade, weil er aus Wasser Wein machte. Vielmehr ist es diese Lässigkeit, mit der der eher glücklose Bulle durch seine Arbeit und seinen Alltag streift. Die Hoke Moseley- Romane sind diese Art von Büchern, die einen durch die trostlosen, nicht ganz so nüchternen Nächte bringen. Ein Stil, der so einfach und doch so prägnant ist. Ein großer Erzähler, der eher unkonventionellen Kriminalliteratur. Ob ihr mit den Hoke Moseley- Büchern, oder einem früheren Werk an der Willeford- Tour teilnehmt ist nicht weiter wichtig. Doch ihr solltet, falls noch nicht geschehen, baldmöglichst ein Ticket buchen.

286 Seiten, ISBN 978-3-895814242, Alexander Verlag, 14,90 €

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