Freitag, 7. Oktober 2016

Im Diner der gottverdammten Träume


Richard Russo
DIESE GOTTVERDAMMTEN TRÄUME

Nicht ganz so tief drin im dreckigen Moloch, fernab von Mord und Totschlag, blutigen Intrigen, bösen Bullen, schießwütigen Gangstern, Drogen, Überfällen und sonstigem Pulp & Noir-Krawall, muss sich die Zeit genommen werden, um auf diesen besonderen Titel von Richard Russo aufmerksam zu machen. Diese gottverdammten Träume. Russos Sehnsüchte und Träume scheinen irgendwo in den amerikanischen von Krisen geschüttelten Kleinstädten zu liegen. Seine Figuren sind oftmals einsam, aber nicht unbedingt allein, traurig, aber trotzdem nicht ohne Humor. Er kann, was nur wenige können, und das ist, eine authentische Atmosphäre schaffen in der man sich wohfühlt, egal, was passiert, denn man weiß, hier ist ein Meister am Werk. "Diese gottverdammten Träume", der im Original "Empire Falls" heißt und 2002 mit Ed Harris, Paul Newman und Philip Seymour Hofman verfilmt wurde gehört zum besten Lesestoff in diesem Jahr und das kann man auch schon ganz zuversichtlich im Oktober behaupten. Es hat ganze 15 Jahre gedauert bis der Titel nun endlich auch in Deutschland angekommen ist. Völlig unverständlich und längst überfällig. Russo ist hier ein ganz großer Wurf gelungen und auch wenn ich selbst nicht unbedingt ein großer Freund von Auszeichnungen oder Preisen, besonders für Literatur bin, ist hier nichts gegen eine Pulitzerpreisauszeichnung einzuwenden, den er schon 2002 bekam. Aber auch ohne derlei Ehrung wäre das Buch, was es eben ist: schlichtweg beeindruckend und absolut gradlinig geschrieben und das lässt auf keiner der über 700 Seiten, wo die Geschichte von Miles Roby erzählt wird nach. Also macht euch auf, geht ins Diner, in dem Miles Roby in Empire Falls, einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Maine arbeitet und träumt diese gottverdammten Träume.

752 Seiten, ISBN 978-3-8321-9824-4, DuMont Verlag, 24,99 €

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