Sonntag, 13. November 2016

Doblers Knockout


Franz Dobler
EIN SCHLAG INS GESICHT

Der große Fall des Robert Fallners beginnt schon in Doblers "Der Bulle im Zug". Wird in jenem Roman, der 2015 den deutschen Krimipreis eingeheimst hat noch ein wenig Hoffnung auf Besserung, oder so etwas wie Erlösung versprüht, darf sich hier gleich mal jener Lichtblick am Horizont getrost in den Allerwertesten geschoben werden. Vielmehr versucht der ehemalige Bulle Robert Fallner eigentlich nur noch mit sich und seiner Umwelt irgendwie klar zu kommen. Job weg, Frau weg und nun angestellt bei der Sicherheitsfirma seines Bruders. Dobler macht aus jedem einzelnen Kapitel ein eigenes kleines Universum einer zerstörten Seele, die trotzdem noch die wenigen Augenblicke, die beispielsweise bei einer Silvesterfeier in der Stammkneipe an so etwas wie gute Zeiten erinnern nutzt, um nicht komplett dem Wahnsinn zu verfallen. Irgendwo zwischen Jörg Fauser, Charles Bukowski und Mickey Spillane steht Dobler in seiner Ecke, holt aus und provoziert den schnellen Knockout, den man weiß nach nur wenigen Seiten, dass dieser Kampf an den Autoren aus Augsburg geht. Blut, Schweiß, Nächte vor der Schreibmaschine mit vollen Aschenbechern (auch wenns vielleicht nicht ganz so abgelaufen sein mag, liegt diese Vorstellung sehr nah) haben sich gelohnt. Dieser Schlag ins Gesicht hat gesessen und wirkt lange nach, aber bei dieser Art von starken Büchern, macht das Veilchen gleich doppelt Spaß.

385 Seiten, ISBN 978-3-608-50216-9, Tropen Verlag, 19,95 €


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