Dienstag, 1. November 2016

Nach mir die Nacht


Benjamin Whitmer
NACH MIR DIE NACHT

Der Titel deutet es an. Die Geschichte gibt dir den Rest. Hart, rau, authentisch und bis ins Mark verrottet. Hier werdet Ihr keinen Zauber finden, der sich am Ende in seiner vollen Pracht entfaltet. Nicht allzuweit von Denver entfernt liegt das San Luis Tal. Ein trostloser, schäbiger kleiner Ort - dessen Bewohner eine wilde Mischung aus Working Class und White Trash. In der Mitte der Geschichte bewegt sich ein gewisser Patterson Wells durch die Trümmer seines Lebens. Wenn er mal gerade keine Hochspannungsleitungen freilegt, sitzt er daheim mit seinem Hund Sancho herum und lässt sich volllaufen oder schreibt bewegende Briefe an seinen verstorbenen Sohn. Tränen, Träume, Untergänge. Whiskey, Waffen, Abgründe. Wir feiern die Meth-Dealer und Blutergüße. Es poltert Schläge, Schreie, Verzweiflung. Könnt Ihr es hören? Ein bitterböser Chor verschreckter Kinder singt das Lied der Leidenden. Hier und jetzt findet es statt. Wer Benjamin Whitmers Sprache aufsaugt und einwirken lässt, kommt aus dem finsteren Loch nicht mehr heraus. Es verschlingt dich und trocknet dich aus. Du wirst keine Regenbögen mehr zu sehen bekommen und der nächste Tag wird nicht viel besser als der heutige. Mit "Nach mir die Nacht" hat der Autor, der in einer "Zürück aufs Land"- Kommune irgendwo im Süden Ohios aufgewachsen ist ein bestechendes Zeugnis der amerikanischen ländlichen Unterschicht abgelegt. Hoffnung ist hier kein schönes Wort. Es treibt einen letztendlich in den Wahnsinn. Ein beeindruckendes Buch eines Mannes, der aus Schmerz und Wut ein Buch formte, das dem Leser noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Auf der Webseite des Polar Verlags findet Ihr ein sehr informatives Interview mit Whitmer zum Buch: Im Gespräch mit Benjamin Whitmer

308 Seiten, ISBN 978-3-945133-37-8, Polar Verlag, 14,90 €

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen