Montag, 30. Januar 2017

Die Dame im Auto...


THE LADY IN THE CAR WITH GLASSES AND A GUN

Wenn man mit dem Auto vom Chef eine nicht genehmigte Spritztour macht, dann ist wahrscheinlich damit zu rechnen, dass es Ärger gibt, sollte Frau erwischt werden. Im Zuge dieses kleinen Joyrides zusätzlich eine Leiche im Kofferraum, samt Gewehr zu finden setzt der ganzen Aktion natürlich noch die Krone auf. Es ist nicht die erste Verfilmung von Sébastien Japrisots Roman „Die Dame im Auto mit Sonnenbrille und Gewehr“ von 1966. 1970 ließ der ukrainische Filmemacher Anatole Litvak die Dame das erste Mal hinters Steuer. Nun, 45 Jahre später versucht sich der GAINSBOURG (2010) - Regisseur Joann Sfar. Irgendwo angesiedelt zwischen Nouvelle Vague und Mysterykrimi versprüht Sfar die Atmosphäre eines frühen, bunten, bohemschen Pariser Stadtteils, wo es völlig unerwartet zwischen frischen Crossaints und duftendem Kaffee zu einer Schießerei mit Designerbrille und Luger kommt. Knallige und popige Geschichte mit der schüchternen, aber nicht dummen Dany Dorémus, gespielt von Freya Mavor, die noch nie das Meer gesehen hat. In einem alten amerikanischen Schlitten ist sie unterwegs von Paris an die südfranzösische Küste. Neben dem Meer hat die schottische Schauspielerin, die ein wenig an Lana del Rey erinnert auch noch nie die Leinwand gesehen. Mit eher kitschigen TV- Mini-Serien wie SKINS (2011 – 2012) oder THE WHITE QUEEN (2013) trat sie bisher in Erscheinung. Anders ist es da schon bei Regisseur Sfar, der sich auch in der Comicwelt einen Namen gemacht hat. Seine preisgekrönte Reihe DIE KATZE DES RABBINERS, die er 2001 begann wurde von ihm und Antoine Delesvaux 2011 verfilmt und ebenfalls mit Preisen ausgezeichnet. Auch wenn die erste Verfilmung von der Lady von 1970 ein wenig gruseliger und noch einen Ticken mysteriöser daher kommt, ist Sfar hier ein gutes Stück fetziger, nouveller Filmkunst gelungen, die mit heißen Küssen, trickreichen Verwechslungsspielchen und schönen Bildern einem den Abend versüßen kann. Sehnsucht, Liebe, das Meer und ein toter Mann im Kofferraum. Oh, la la, Madame! 

(mm)


Noch mehr Reviews gibt's in der aktuellen Ausgabe des Deadline Magazins 
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen