Sonntag, 5. Februar 2017

4-3-2-1-Auster



Seit ich vor vielen Jahren seine "New York Trilogie" in die Hände bekam, bin ich begeistert von seinen Werken. Er inspiriert und unterhält. Er bewegt viel mit seinen Worten und bleibt in den Gedanken haften. So schnell verliert man keinen Auster Text aus seinem Kopf. Teils autobiografisch, teils reine Fiktion. Er hat die Literaturwelt bereichert. Man könnte so sagen, er gehört zur modernen "klassischen amerikanischen Literatur".  Als junger Dichter hat er sich durch die Jahre gehungert, schaffte dann erst mit Ende 30 bzw. Anfang 40 den ersten echten literarischen Durchbruch. Allerdings mit Prosa. Es war eben diese "New York Trilogie" die ihn ans Licht führte. In einigen von seinen Texten offenbart er den harten Kampf hinaus aus der Dunkelheit, am eindruckvollsten und besten aber natürlich in seinem autobiografischen Buch "Von der Hand in den Mund". Ja, über Auster könnte man noch so einiges schreiben, aber am besten liest man seine Bücher und hört zu, wenn er spricht, auch wenn das eher selten vorkommt.
Die dänische Literaturwissenschaftlerin Inge Birgitte Siegumfeldt hat es geschafft Auster zu mehreren Gesprächen zu überreden. Insgesamt drei Jahre haben sie sich immer wieder getroffen, um über sein Leben und seine Arbeit zu sprechen, obwohl das eigentlich überhaupt nicht geht, so Auster selbst. Stets bescheiden und zurückhaltend gibt sich Auster eben nicht als Intellektueller, sondern vielmehr als Mensch, der sein Handwerk einfach unglaublich gut beherrscht. Ein Autor, der etwas zu erzählen hat und dies auch kann und doch ist er irgendwie zum Scheitern verurteilt. Auf die Frage -kurz nachdem ein Samuel Beckett Zitat ("Besser scheitern") erwähnt wird- warum das so sei, antwortet Auster: Weil man niemals erreichen kann, was man zu erreichen hofft. Manchmal kommt man dem nahe, und andere finden Gefallen daran, aber man selbst, der Autor, wird immer das Gefühl haben, gescheitert zu sein. Man weiß, man hat sein Bestes getan, aber das Beste ist nie gut genug. Vielleicht schreibt man deswegen immer weiter. Um das nächste Mal ein wenig besser zu scheitern.
Um sich auch gleich einen neuen Eindruck seines Scheiterns machen zu können, kommt zeitgleich mit dem Buch "Ein Leben in Worten" sein neuer Roman "4-3-2-1" heraus.
Ein weiteres Zeugnis seiner Kunst. Ein Auster Original. Er wirkt nicht nur als Schriftsteller, sondern auch einmal mehr als Fatalist auf seine Leser ein. Poetisch, mystisch, nachdenklich und perfekt strukturiert. Gleich vier Variationen hat er diesmal für seinen Protagonisten, in diesem Fall Archibald Ferguson geschrieben. Ja, Auster greift die berühmte "Was-wäre-wenn"- Frage auf und spielt Vater Schicksal. Aber mit einem ganz feinen Händchen.
Wer beide Bücher gleichzeitig liest taucht ganz tief in die Leben von Archibald Ferguson und Paul Auster ein und darf sich auf eine interessante Reise freuen. Es ist Auster Zeit. Er gehört zu den Gründen, warum Literatur noch immer ein fester Bestandteil in unserer Gesellschaft ist. So müssen Geschichten erzählt werden, damit erreicht man Aufmerksamkeit, zerstört Mauern und schafft neue Wege. Bravo!

P.S. Auster ist im März auf Lesereise in Deutschland!


Auster über sein neues Buch:


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