Donnerstag, 31. August 2017

Eileen


Ottessa Moshfegh
EILEEN

Sie ist jung und unscheinbar, deprimiert und genervt von ihrem Job als Sekretärin in einer Jugendstrafanstalt, ihrem alkoholkranken Vater, überhaupt ihrem tristen Leben. Das klingt jetzt erstmal nach der üblichen Jane Doe, die in zigtausend verschiedenen Stories ihren geknickten Beitrag zur gottverdammten hoffnungslosen Welt beigetragen hat. Aber Autorin Ottessa Moshfegh hebt diese Figur hervor, befreit sie vom langweiligen und ausgeleierten literarischen Gewäsch und schafft es nach ihrem Debütroman "McGlue" (2016) über den gleichnamigen saufenden Seemann aus dem Jahr 1851 ein weiteres brachiales Werk auf den Markt zu bringen. Mit "Eileen" scheint sie angekommen zu sein. So wunderbar düster und gleichzeitig ganz hell leuchtend. Einfach fantastisch erzählt. Die junge Autorin aus Boston gehört bei Liebeskind nun spätestens nach diesem Roman zu den absoluten Lieblingsliebeskindern und wird auch in den nächsten Wochen einige Mal über die Verkaufstresen in einigen Buchhandlungen gehen. Da bin ich mir sicher. "Eileen" gehört zusammen mit Larry Browns "Fay" (erschien im Mai dieses Jahres) zu den stärksten weiblichen Charakteren der letzten Jahre auf dem Büchermarkt. Großartige Erzählung, bester Noir! Eileen ist das Buch für den bevorstehenden Herbst. 


Liebeskind Verlag, 336 Seiten, 978-3-954380817, 22,00 Euro


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