Mittwoch, 27. September 2017

Rogue Blogue Stories: BLIND DATE



Seine Haare waren zerzaust und verknotet. Er tauchte sie ins Waschbecken und fuhr mit seinen Händen durch das Gestrüpp. Wasser schwappte über die Ränder und landete auf seinen nackten Füßen. Er zog seinen Kopf aus dem Becken und griff nach dem Handtuch neben ihm auf der Ablage.

In einem Restaurant in der Innenstadt saß eine 25jährige Frau mit einem starken Überbiss und einer feinen Prise Sommersprossen auf der Nase. Sie war durchaus attraktiv, besonders wenn sie lächelte, dann strahlten ihre Sommersprossen wie tausend kleine Lichter. Sie wartete auf ihn und er konnte nur erahnen wie sehr. Es war ein Blind Date, sein erstes, beide hatten sich im Internet gesucht und gefunden. Er malte sich in Gedanken ein Bild von ihr, doch lag total daneben. In Wirklichkeit trug sie ein rotes Kleid mit winzigen Rissen am Saum und ihre bordeauxroten Hakenschuhe hatten Abschürfungen an den Seiten. Sie lächelte immerzu und bewegte sich -wenn auch nur während sie auf dem Stuhl saß- mit Anmut und Grazie. Niemand würde so schnell auf die Idee kommen, sie wäre ein billiges Mädchen.



Sie war eine halbe Stunde früher als verabredet erschienen, um sich besser auf das Treffen einstellten zu können. Sie nannte so etwas „Gefahrenabschätzung“, eine präventive Maßnahme, die in den bisherigen Nächten half. Nun sollte der Erfolg erhalten bleiben. Er trat (mit einigen Minuten Verspätung) an den Tisch und lächelte verhalten, als wäre es seine erste Verabredung mit einer Frau. Sie lächelte zurück und keiner verlor ein Wort über das etwas zu späte Erscheinen. Die Speisekarten wurden gereicht und schon ging es mit den Getränken los. Das Essen kam wenig später.



***



Nach ihrem, mit steirischem Alpenrind verfeinerten Gourmet- Burger und dem vegetarischen Burger für ihn, kamen zwei neue Gläser Rotwein hinzu.



„Ich sollte mehr Weißen trinken“, sagte sie und rieb sich über die Taille. Ihr Lächeln war wieder da und er konnte seine zügellosen Gedanken nicht mehr zurückhalten. Beiden hatte gefallen, was sie nach zwei Wochen Internetgesprächen nun endlich in Fleisch und Blut kennen lernen durften. Eigentlich war so gar nicht seine Art. Stets hatte er sich in den letzten Jahren immer gegen solche Art von Datings gewehrt. Selbst Dinge, die kein Herz und keine Seele besaßen, sollte man sich doch wenigstens mal für fünf Minuten im Schaufenster anschauen, bevor man zugreift. Doch hier saß er nun. Nie hatten sie Fotos ausgetauscht und trotzdem waren sie beide vom Ergebnis positiv überrascht. Vielleicht gerade deshalb.

Er zog einen Kugelschreiber aus der Innentasche seines Jacketts, die über dem Stuhl hing, nahm sich die Serviette zur Hand und achtete darauf, dass sie ihm beim Schreiben zusah. Ich würde dich so gerne durchvögeln, bis du vor Glück schreist, schrieb er ganz deutlich in Druckbuchstaben, lächelte, faltete die Serviette einmal zusammen, legte sie auf dem Tisch auf seiner Seite ab und verabschiedete sich für fünf Minuten. Sie nickte und schien wenig Interesse an seinem Geschreibsel zu zeigen.



Er stand in der Herrentoilette und blickte in den Spiegel, während er sich die Hände abtrocknete und versuchte eine Tendenz wie der Abend nun enden könnte zu erahnen. Diese Frau war eher schüchtern und zurückhaltend. Sollte sie die Nachricht auf der Serviette wirklich lesen, wäre es fragwürdig, ob sie ihr Wissen auch Preis geben würde. Wahrscheinlich liest sie es und verschwindet auf der Stelle. Oder? Sie hatte zwar etwas Geheimnisvolles an sich, aber auf eine derartig niveaulose Notiz zu reagieren wäre höchstwahrscheinlich nicht ihre Art von Abenteuer. Vielleicht springt sie auch gleich über den Tisch und vögelt dich hier und jetzt. Er lächelte und ging zurück zu seinem Platz.



***



Ganz unaufgeregt entfaltete er wieder die Serviette und steckte sie sich unbemerkt in die Tasche. Sie hatte immer noch so dagelegen wie zuvor und an dem Verhalten seines undurchsichtigen Dates hatte sich auch nichts geändert. Es wird sein, wie es immer ist.  Man trinkt aus, zahlt, verabschiedete sich und fängt an zu überlegen, ob es sich lohnt die Nummer noch einmal zu wählen. Doch diesmal kam es anders und statt einer Verabschiedung sagte sie etwas, das er zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr erwartet hatte.



„Ich würde heute Nacht gerne noch vor Glück schreien, du auch?“ fragte sie und er hatte die Antwort auf der Zunge, doch er stockte. Sie sprach für ihn, nahm seine Hand und rief ein Taxi heran. Sie ließ seine Hand gar nicht mehr los, küsste ihn auf die Wange und ließ ihn träumen. Das Geheimnis, in das er sich nun einweihen lassen wollte, stimulierte ihn ungemein. Sie gingen durch eine dunkle, leere Gasse, betraten ein Altbau und befanden sich kurz darauf in einem schmalen Flur, der zu einer weißgestrichenen Tür führte. Dort lag die Wohnung, die er sich so viel anders vorgestellt hatte. Drei paar Männerschuhe standen im Flur herum, ein Spiegel hing an der Wand und Post lag in einem Schälchen, Mäntel hingen am Kleiderhaken und bevor er sich entscheiden konnte, wo er sich eigentlich befand, nahm sie ihn erneut bei der Hand und schleifte ihn ins Schlafzimmer. Bei gedämmtem Licht fing sie an ihn auszuziehen. Ihr Oberkörper strahlte ihn plötzlich an, durchtrennt von ihrem schwarzen BH. Er ließ alles zu, lehnte sich zurück und genoss die feuchten Küsse auf seiner Brust. 



„Lass mich dich bis zur Besinnungslosigkeit ficken“, hauchte sie ihm ins Ohr, griff sich zwei Paar Handschellen aus dem Nachtschrank und kettete ihn fest. Er bekam so einen Ständer, dass er dachte, er könnte die Decke damit streichen. Voller Behutsamkeit kettete sie ihn ans Bettgestell, begab sich eine Etage tiefer und streichelte mit ihrer Nase seine Erektion. Sie zog ihm die Boxershorts aus, massierte seine Hoden, so wie er es mochte. Er wollte vor Freude schreien, doch hob es sich für später auf. Seine Fußgelenke band sie an den Bettpfosten an und rieb sachte über seine haarigen Unterschenkel. Ihr Lächeln war auch noch in der Dunkelheit zu sehen und er spürte jeden Zentimeter seines Körpers vibrieren. Ohne was zu sagen verschwand sie aus dem Schlafzimmer und ließ ihn mit seinen Fantasien zurück.



***



Der Boden fing langsam an zu beben und wenige Einschläge später stand sie neben seinem Bett. Eine andere Frau, sie verdunkelte noch den letzten Fetzen fades Leicht.  Eine unglaubliche Masse an Mensch, die er auf lockere 250 Pfund schätzte. Wahrscheinlich lag er da noch weit unter dem realen Gewicht. Er wollte sprechen, doch seine Stimmbänder versagten bei dem Anblick. Die fetteste Frau, die er je gesehen hatte, bewegte ihren nackten Körper über ihn und griff seinen erigierten Schwanz wie einen Haltegriff in der U-Bahn, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Er wurde in ihr versenkt und blieb stehen wie ein gut erzogener Hund. Der Unterleib wurde erdrückt und der Mann dazu seines Atems beraubt. Er biss sich auf die Zunge und betete die Decke an. Die fette Frau nahm ihn wie einen Hüpfball und schrie dabei immer wieder. Er schrie mit und versuchte aus dem Monsterfick seinen Nutzen zu ziehen, doch so sehr er auch an wunderschöne junge Frauen dachte und hoffte demnächst zu kommen, war er vom Bauchnabel abwärts schnell taub gebumst. Sie schrie und hatte einen Orgasmus nach dem anderen, während er allen Sex auf dieser Welt verfluchte. Er konnte weder sprechen noch schreien und fiel nach einer halben Stunde intensiver Monster-Schwanzkur in einen komatösen Schlaf.

Diese Sex-Folter ging noch gut acht Stunden so weiter. Er war wie benebelt. Immer wieder injizierte man ihm etwas in seine Venen, dass ihn zwar geistig betäubte, seinen Schwanz aber kerzengerade stehen ließ. Er war völlig weg und hatte erst wieder etwas mehr Klarheit, als er hörte wie jemand die Wohnungstür aufbrach.



***



Der Raum war voller Sonnenlicht und er erblickte ein zärtliches Frauengesicht, daneben ein stämmiger Typ mit einer braunen Cordjacke. Genauso eine hatte er sich letzten Monat kaufen wollen. Jetzt erinnerte er sich wieder und versuchte sein Schamgefühl zu ignorieren.



„Wer bist du?“ fragte die Frauenstimme völlig aufgebracht. Er schüttelte nur den Kopf und schämte sich für seinen schlaffen Schwanz und seinen eingedrückten Unterleib, der mit roten und blauen Flecken übersät war.



„Wo ist Viktor?“ fragte die Frau und er stöhnte ein paar Worte aus seinem trockenem Hals: „Der liegt irgendwo anders, ans Bett gefesselt und halb tot gebumbst von King Kongs Mutter. Ihr müsst sie finden. Die ist echt gefährlich und unglaublich fett.“

Dann schloss er die Augen wieder.


-- MM



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