Montag, 20. August 2018

Messer Chups


Die russische Surf-Band mit ihrem Album "Surf Riders from the Swamp Lagoon" 
aus dem Jahr 2011. Ziemlich guter Stoff! 

Mehr zur Band und ihrem aktuellen Album "Taste the Blood of Guitaracula"

Ride the Pulp Wave!


Freitag, 17. August 2018

ROGUE SHOTS: Voll der Gnade


Du bist bei mir
egal, was alle sagen

bist du noch bei mir?
bist du's?

wenn ich deine Stimme höre,
weiß ich, dass alles gut wird

lass mich nicht in dieser dunklen Ecke verrotten
denn du kannst mir Licht schenken

jenes Licht, für das alle hier im Viertel beten
auch wenn sie alles töten, was sie finden

hör nicht drauf, Mary
sie wissen es nicht besser

und ich auch nicht
ich kann es nicht

liebe für mich
lebe für mich

die letzte Zigarette
dann ist es aus

und alle lachen
und wundern sich

wofür wir durch diese Hölle gegangen sind

- MM



ROGUE SHOTS: The Dating Game


Im Wohnzimmer und in der Küche sah es aus,
als wären Ketchupflaschen explodiert,
aber es war kein Ketchup, der überall an den Wänden
und an den Möbeln klebte...

Vor sieben Monaten waren sie gemeinsam in dieses kleine Experiment eingestiegen:
zwei Singles, ein kleines (extra für die neue Show gebautes) Haus und die Herausforderung,
es zwölf Monate zusammen auszuhalten. Preisgeld: 50.000 Euro pro Person und die
Aussicht auf eine neue Liebe.
Sollte allerdings einer der beiden Kandidaten das Haus vor Ablauf der vorgegebenen Frist verlassen,
gäbe es keinen Cent.

Er und sie waren lange Single gewesen.
Er acht Jahre, sie sieben Jahre.
Sie sehnten sich nach jemandem an ihrer Seite und fanden
schließlich diese Anzeige im Internet.
Gesucht wurden ein Mann und eine Frau zwischen 20 und 50 Jahren.
Kandidaten für eine neue Dating- Fernsehshow.
Sie musste für ein Jahr in ein einstöckiges Haus ziehen.
Wohnfläche 35 Quadratmeter.
Zwei kleine Schlafbereiche. Ein kleines Wohnzimmer.
Eine kleine Küche. Ein kleines Badezimmer.
Das Haus war mit Kameras ausgestattet, nur im Badezimmer gab es keine.
Verlassen durfte man das Haus nur für eine halbe Stunde am Tag,
um sich im kleinen Hof ein wenig die Beine zu vertreten.
Natürlich war die Gefahr groß, dass man seinen Mitbewohner auf diesem engen Raum
bald störend finden könnte. Darin lag der Reiz der Show.
Man suchte Konflikte.
Die beiden Kandidaten waren sich dessen durchaus bewusst.
Aber da war halt dieses Preisgeld und die Möglichkeit einen Partner zu finden.
Sollten sie sich ineinander verlieben und das Jahr durchziehen,
würden beide mit 100.000 Euro aus dem Haus marschieren.
Ein schöner Start für eine Beziehung.
Neue Liebe. Neues Glück. Neues Geld.

Kurz bevor es zum großen Knall kam und in der kleinen Küche die Messer gezückt
wurden, ermahnte er sie noch ein letztes Mal lautstark:
"Halt jetzt deine Klappe und steh das alles nur noch ein paar Wochen durch. Ich will dieses Geld
und du versaust mir das nicht."
So hatten sich die Erfinder der Show das Drama vorgestellt. Viel Ärger, viel Geschrei,
Verzweiflung und schließlich die Bitte, endlich aufgeben und das Haus verlassen zu dürfen.

Doch schon beim ersten "Probewohnen" wurde es blutig.
Bevor die Show überhaupt ins Fernsehen kam, wurde sie schon wieder gecancelt.
Die beiden Turteltauben hatten sich gegenseitig so heftige Stichwunden zugefügt, dass selbst
die Sanitäter, die schnell hinzugerufen wurden nicht mehr viel ausrichten konnten.

Man saß in der Schaltzentrale und blickte auf die Monitore.
Keiner sagte etwas.
Sie schauten sich einfach nur die Bilder der Küche und des Wohnzimmers an
und dachten an die letzten Momente des tödlichen Kampfes.

"Jetzt ist es vorbei", hatte sie geschrien bevor sie ihm das Fleischermesser
tief in den Hals rammte und schließlich selbst verblutete.

- MM





Dienstag, 14. August 2018

Serenity


Der Noir-Thriller mit Matthew McConaughey und Anne Hathaway
soll Mitte Oktober in die US Kinos kommen, hat aber noch
keinen deutschen Starttermin. Hier trotzdem schon mal der...

Trailer




Montag, 13. August 2018

Kaffee & Krumme Type


Der Mann mit der Maske fiel ihm mit hoher Stimme ins Wort. "Jeder weiß, was du getan hast." Er hob einen Revolver.
Larry streckte die Hände zur Seite, während der Mann hinter dem Revolver auf ihn zukam. "Moment", sagte er.
Aber er kam gar nicht dazu abzustreiten, dass er vergangene Woche die kleine Rutherford oder vor fünfundzwanzig Jahren Cindy Walker entführt hatte, weil der Mann näher trat und ihm den Lauf in die Brust rammte, sodass Larry einen Moment lang Menschenaugen im Gesicht des Monsters sah, etwas Vertrautes darin erkannte. Dann hörte er den Schuss...

Krumme Type, Krumme Type, Tom Franklin

Aktueller Band (Nr. 49) aus dem legendären Pulp Master Verlag. 
Mehr großartige Noirs gibt es unter www.pulpmaster.de


Freitag, 10. August 2018

ROGUE SHOTS: Gimme Shelter


Das Frühstück bestand aus schwarzem Kaffee, aber nur eine Tasse.
Sein Magen spielte nicht mehr so mit, wie noch vor einigen Jahren.
Er schaltete den Fernseher ein, so wie jeden Morgen.
Es war kurz nach sechs Uhr.
Draußen gab es für ihn nichts mehr zu tun.

Vor gut einem Jahr war er noch als Taxifahrer nachts unterwegs.
Er hatte es gehasst. Es gab immer mehr Probleme mit den Fahrgästen.
Vielleicht lag es auch an ihm. Er wusste es am Ende nicht mehr so genau.
Aber das war egal. Er war raus und jetzt hier drinnen. Nur das zählte.
Es war ein Gefühl aus Angst und Wut, was ihn dazu veranlasste,
keinen Fuß mehr vor die Tür zu setzen.

Als Gesellschaft diente ihm sein Kater "Max", der so wie er selbst,
nichts anderes tat als fressen, schlafen, auf die Toilette gehen
und faul rumliegen.
Dort draußen gab es eh nichts mehr.
Die Menschen, der Verkehr, der Lärm, aber auch die Stille
an manchen Orten - all das verunsicherte ihn nur zu sehr.
Scheiß drauf. Er blieb lieber in seiner Wohnung, machte es sich in
seinem Fernsehsessel bequem und zappte durch die Kanäle
bis er etwas Interessantes fand.

Er war übergewichtig, hatte fast keine Haare mehr auf dem Kopf,
fraß ungesundes Essen und trank eine Menge Bier nach
seiner Frühstückstasse Kaffee.
Am liebsten bestellte er sich eine Pizza mit viel Käse drauf.
Das ging nicht allzu oft. Sein Budget war stark begrenzt.
Ab und zu rauchte er noch einen Joint zur Entspannung.
Heute genoss er beides. Die Pizza stand neben seinem Sessel auf dem
Wohnzimmertisch, seine Dose Bier in Reichweite, der Joint zwischen
seinem Zeige- und Mittelfinger eingeklemmt.
Er schaute sich gerade eine Dokumentation über Ozeane an,
als er den nassen Fleck vor seinem Fernseher bemerkte.

Ich legte den Joint im Aschenbecher ab, kniete sich vor den Apparat
und tupfte mit seinem Finger in das Wasser,
das sich dort auf dem Teppich verteilt hatte.
Der Sender sprang um.
Ein Mann mit ernster Miene blickte ihn an und flüsterte durch den Bildschirm:
"Es ist nur einen Schuss entfernt."
Der Mann im Fernseher lächelte
und schon wechselte wieder das Programm von selbst...

- MM





Mittwoch, 8. August 2018

Helter Skelter


Vincent Bugliosi / mit Curt Gentry
HELTER SKELTER
Die wahre Geschichte des Serienmörders Charles Manson

Heute vor genau 49 Jahren verließen Susan Atkins, Patricia Krenwinkel, Linda Kasabian und Charles "Tex" Watson auf Befehl eines gewissen Charles Manson die Spahn Movie Ranch im Nordwesten des San Fernando Valley in Kalifornien. Sie fuhren zum Cielo Drive, Hausnummer 10050 in Beverly Crest, etwas nördlich von Beverly Hills. In dem Haus sollte der Musikproduzent Terry Melcher wohnen. Dort lebte allerdings zu dieser Zeit Filmregisseur Roman Polanski mit seiner Frau Sharon Tate. Polanski war in jenen Tagen wegen Dreharbeiten in Europa. Die hochschwangere Sharon Tate hatte aber dennoch Gesellschaft. Ihr Ex-Freund und bekannte Star-Friseur Jay Sebring, Polanskis Freund und Drehbuchautor Wojciech Frykowski und dessen Freundin Abigail Folger (Erbin des großen Kaffee-Unternehmens) waren bei ihr. Es war ein lustiger Abend unter Freunden.
Es war bereits nach Mitternacht, der 9. August 1969, als die "ungeladenen Gäste" der "Manson Family" beim Grundstück eintrafen. Watson kappte die Telefonleitung und alle kletterten rechts über das Einfahrtstor und gingen zum Haus. Ein Auto tauchte auf. Der 18jähige Student Steven Parent hatte Hausmeister William Garretson, der im Gästehaus des Anwesens wohnte kurz zuvor besucht. Watson erschoss Parent schließlich mit seinem Revolver, Kaliber 22. Daraufhin befahl er Kasabian, sie solle beim Einfahrtstor bleiben und aufpassen. Watson stieg ins Haus ein. Atkins und Krenwinkel öffnete er von drinnen die Tür. Sie betraten das Haus und weckten kurz darauf Tate, Sebring, Frykowski und Folger auf...


Das unvorstellbare Verbrechen, das Anhänger der "Manson Family" in dieser Nacht verübten, ging in die Kriminalgeschichte ein, doch die Mordserie, die bereits Ende Juli '69 begann, war noch nicht beendet...


Vincent Bugliosi schreibt in seinem Vorwort zur deutschen Ausgabe, dass er ein derartiges Medienecho noch bei keinem anderen Verbrechen erlebt hat. Es war damals sein Fall als stellvertretender Staatsanwalt des Los Angeles County District gewesen und vielleicht möchte man ihm hier eine kleine Übertreibung aufgrund seiner eigenen Rolle in der Mordanklage vorwerfen, aber tatsächlich hat, wenn überhaupt nur das JFK- Attentat ein derartiges Interesse, das noch Jahrzehnte danach anhielt ausgelöst. Auch mit diesem Fall und dem OJ Simpson Prozess befasste sich Bugliosi. Nach Manson fragen aber immer noch die meisten Leute schreibt er. Letztes Jahr starb Charles Manson am 19. November, es folgte ein Rechtsstreit wegen der Leiche von Manson, den sein Enkel Jason Freeman gewann. Ein Grab gab es nicht, es war geplant Mansons Asche auf dem Meer zu verstreuen, um laut Freeman "diesem ganzen Kult, um Manson, den es nie hätte geben dürfen endlich zu beenden und Manson Ruhe und Frieden zu schenken". Wer war dieser Charles Milles Manson?


Im Jahr 2009 lag die Mordserie der "Manson Family" 40 Jahre zurück. US- Talkshow Guru Larry King interviewte Vincent Bugliosi und die ehemalige Manson Anhängerin und Kronzeugin beim Prozess Linda Kasabian, die laut Bugliosi das einzig wirkliche "Blumenkind" der Mördergruppe war...


Nächstes Jahr im Sommer jährt sich das Verbrechen zum 50. Male. Hollywood in Person von Regisseur Quentin Tarantino hat schon reagiert und wird genau am 08. August 2019 seinen neunten Film "Once Upon a Time in Hollywood" in die deutschen Kinos bringen. Im Jahr 1976 kam der erste Film über die Manson Morde mit dem Titel "Helter Skelter" in den USA als Fernsehfilm heraus. Er beruht auf Bugliosis Buch. "Once Upon a Time in Hollywood" ist hingegen keine Adaption, sondern nach einem Drehbuch von Tarantino erzählt. Es geht um den abgehalfterten Fernsehschauspieler Rick Dalton und seinen Stuntmen Cliff Booth. Beide straucheln durch das Hollywood der späten 60er Jahre und hoffen durch ihre Kontakte einen neuen Job zu bekommen. Vielleicht sogar durch Ricks Nachbarin Sharon Tate? 
In den USA soll die Premiere bereits am 26. Juli stattfinden, also einen Tag bevor Manson Anhänger Bobby Beausoleil 1969 den Musikprofessor Gary Hinmen in seinem Haus erstach. Der erste Mord der Family. Kurz zuvor hatte Manson Hinmen mit einem Schwert das Ohr abgeschnitten.  


Für seinen Film hat sich Tarantino bereits eine interessante Besetzung zusammengebastelt. Neben Brad Pitt (Cliff Booth) und Leonardo DiCaprio (Rick Dalton) werden u.a. noch Margot Robbie (Sharon Tate), Al Pacino, Burt Reynolds und Kurt Russell dabei sein. Man darf gespannt sein...


...und kann davon ausgehen, dass es im nächsten Sommer wieder einige neue Dokus, Interviews und Reportagen in den Medien zum Thema Charles Manson geben wird. Vielleicht sogar ein Buch?! Der Blogue kommt ihnen zuvor und möchte schon jetzt auf Vincent Bugliosis Mammutwerk "Helter Skelter" verweisen. Erstmals 1974 erschienen, in zahlreiche Sprachen übersetzt und bis heute fast zehn Millionen mal verkauft, gilt es als erfolgreichstes True Crime Buch aller Zeiten. Es wäre also vielleicht mal wieder so weit, den Wälzer in die Hände zu nehmen und entweder endlich zu Ende zu lesen oder gar ganz neu zu beginnen.  
"Helter Skelter" ist ein großes Stück Kriminalgeschichte und eine unglaublich detaillierte Aufarbeitung eines der berühmtesten Mordfälle überhaupt. Vincent Bugliosi und Autor Curt Gentry schufen ein zeitloses Werk über einen Mann namens Charles Manson, über das vermeintliche Ende der Hippie Ära, über Hollywood, über Wahnsinn, Sex, Drugs, Rock n' Roll & Murder. 

788 Seiten, ISBN 978-3-7423-0249-6, riva Verlag, 16,99 Euro



Dienstag, 7. August 2018

I am a Killer


Insassen im Todestrakt erzählen ihre Geschichte...
Sehr gelungene neue True Crime - Reihe aus dem Hause Netflix...

Trailer


Montag, 6. August 2018

Ein wahres Monster


Emil Ferris
AM LIEBSTEN MAG ICH MONSTER

B-Movies, Pulp Magazine und alte Horrorfilme. Bleiben wir ein bisschen beim Thema, aber bauen wir die Brücke zu einer ganz besonderen Veröffentlichung in diesem Jahr...
Es hat vielleicht lange gedauert, aber dann musste sie es uns einfach erzählen: die Geschichte der zehnjährigen Karen Reyes im Chicago der späten 60er Jahre. Doch sie lebt nicht nur in jener Großstadt im Bundesstaat Illinois, sondern auch in ihrem ganz persönlichen Pulp- Universum, in der die kleine Karen sich selbst als Werewolf bzw. als Außenseiterin sieht und was diese junge Träumerin noch so alles sieht und entdeckt, erzählt sie uns in ihrem extravaganten Tagebuch...
Illustratorin Emil Ferris hat nun mit Mitte 50 ihre erste Graphic Novel auf den Markt gebracht und was für eine. Darin verarbeitet sie ihre Kindheit - ihre Träume, ihre Wünsche, ihre Ängste und ihre ganz persönlichen Abenteuer in turbulenten gesellschaftlichen Zeiten. Wunderbare Zeichnungen auf liniertem Journal-Papier, nachgemachte Cover von alten Pulp- Magazinen, alles in Sinne ihrer kreativen Ausschweifungen. Man merkt, dass in dieses Werk viele Erfahrungen und viel Herzblut eingeflossen sind. So ein Buch schreibt man mal nicht so nebenbei und so ein Buch liest man auch nicht mal eben so nebenbei. Für "Am liebsten mag ich Monster" sollte man sich Ruhe und viel Zeit nehmen.
Emil Ferris, die in einer Künstler-Hippie Familie aufgewachsen ist hat während des Heilungsprozesses ihrer Lähmung nach einem Moskito-Stich im Jahr 2001 mit der Arbeit an der Graphic Novel begonnen. 2016 kam der Band auf dem amerikanischen Markt heraus und wurde ein großer Erfolg. Erst kürzlich gewann Ferris den Eisner Award (also den Oscar für Comics) als beste Künstlerin. Insgesamt gewann das Buch dreimal den Eisner Award, einmal den Ignatz Award und wurde für den Hugo Award nominiert. Aber diese Informationen nur am Rande. Es geht um so viel mehr - um mehr als um Monster, oder die Liebe zu alten Groschenheften. Es geht um mehr, als um eine Detektivgeschichte eines kleinen Mädchens, die den (Selbst-)mord ihrer Nachbarin aufklären will. Es geht um mehr, als ums Erwachsenwerden in einer amerikanischen Großstadt Ende der 60er Jahre als halbe Mexikanerin. Es geht um mehr, als die Liebe zur Kunst. Es geht um Karen Reyes und wer dieses Mädchen versuchen will zu verstehen, muss "Am liebsten mag ich Monster" lesen. Ein absolutes Meisterwerk unter den Graphic Novels der letzten Jahre. Monströs!

420 Seiten, ISBN 978-3-74160808-7, Panini Comics, 39,00 Euro







Sonntag, 5. August 2018

Revenge


es ist Zeit, ein paar Leuten in den Arsch zu treten...
...ab 23. August für's Heimkino....

Trailer



Mittwoch, 1. August 2018

The Great Corman


...und weil wir gerade bei Willefords "Hahnenkämpfer" den großen Independent Film -oder B-Movie (auch wenn Corman diese Bezeichnung nicht mag) König - oder nennen wir ihn "King of Pop Movies", Mr. Roger Corman nicht unerwähnt ließen, nutzt der Blogue die Gelegenheit und zeigt hier noch mal eine fantastische Doku, über den Mann, der so vielen Regisseuren und Schauspielern den Weg auf die große Kinobühne geebnet und zum Teil unvergessliche Pulp-Knaller auf die Leinwand oder den Fernseher gezaubert hat...





Dienstag, 31. Juli 2018

Der geborene Kämpfer


Charles Willeford
HAHNENKÄMPFER
plus Cockfighter-Tagebuch

Eine Geschichte über einen Mann, der sich mit Hahnenkämpfen durchs Leben schlägt und sich irgendwann nach einer durchzechten Nacht schwört, nicht mehr zu sprechen, bis er zum besten Hahnenkämpfer des Landes geehrt wird. Eine Geschichte, die im Süden der USA spielt und lose auf Homers "Odyssee" beruht. Das ist Willefords "Hahnenkämpfer". Ganz kurz und knapp zusammengefasst. Aber über Willefords "Odyssee", seine Schreibe und sowieso sein Leben könnte man so viel mehr erzählen . Er gehört zu den besten amerikanischen Autoren. Seine Hoke Moseley- Reihe, die in Miami spielt ist ein großes Stück Pulp-Noir Geschichte. Seine ersten Bücher haben dieses Genre definitiv mitbestimmt. Autoren wie Chester Himes oder Jim Thompson werden immer wieder zum Vergleich herangezogen, aber auch Südstaaten-Schreiber wie Faulkner oder Woodrell werden genannt, doch Willeford ist und bleibt ein Original. Zynisch, direkt und authentisch bis zum letzten Staubkorn auf einer einsamen Landstraße irgendwo am Arsch der Welt.
Im Jahr '62 schickt er Frank Mansfield hinaus in die harte Welt des Hahnenkampfes im Süden er USA. Nicht ganz legal, aber wiederum auch nicht verboten. Im Süden machte man sich eine eigene Regeln und die Cops spielten mit. Voller Leidenschaft und Ehrgeiz getrieben will Mansfield der beste Hahnenkämpfer des Landes werden. Egal, was auf dem Spiel steht oder wie lange er dafür hungern oder hintergehen muss.  Man muss Willefords Protagonisten nicht mögen. Helden werden in diesem Roman nicht geboren. Mansfield erschwert sich seine Situation sogar noch, weil er sich selbst schwört, bis zum großen Triumph zu schweigen. Sinnbildlich für die Atmosphäre der Geschichte. Nicken und Kopfschütteln. Halt dein Maul und nimm es hin. Geh weiter oder hör auf, aber rede nicht so viel um den heißen Brei herum. Ein Männerroman der alten Schule. Das ist der raue Süden. Das ist Amerika. Das ist Willeford.

Charles Willeford (mitte) mit Hauptdarsteller Warren Oates (links) und Regisseur Monte Hellman

Anfang der 70er Jahre sicherte sich B-Movie Legende Roger Corman die Rechte am Buch. 1974 kommt der Film in die Kinos. Ähnlich wie das Buch, bleibt der Film ein kleiner Geheimtipp aus der Independent-Ecke. Als interessanten Bonus dieser Neuübersetzung hat der Alexander Verlag noch das "Cockfighter Tagebuch", das jahrelang als echte Rarität galt veröffentlicht. Mit einem Vorwort von Autor James Lee Burke, der damals maßgeblich an der Veröffentlichung der amerikanischen Ausgabe des Tagebuchs beteiligt war. Willeford hält seine Gedanken zu den Dreharbeiten und seiner Arbeit als Drehbuchautor fest. Ehrliche und interessante Einblicke eines großartigen Schriftstellers, der zwar das Filmgeschäft nicht verflucht hat, aber bei den Hoke Moseley Adaption Jahre später dankend ablehnte.

430 Seiten, ISBN 978-3-, Alexander Verlag Berlin, 22,90 Euro





Trailer



Film




Donnerstag, 26. Juli 2018

ROGUE SHOTS: Immer weiter


Ich weiß, ich bin verdammt lange gelaufen.
Alles was ich noch besitze, steckt in diesem alten Koffer.
Haben Sie ein Zimmer für mich?
Ich brauche es eh nur für eine Nacht und dann zieh ich weiter.
Nein, ich mache mir keine Sorgen um irgendwas.
Ich werde aber noch meine Familie besuchen.
Die wohnen alle verstreut im Land.
Hier, sehen Sie mal das Foto. Alle da.
Wie viel macht das für eine Nacht?
Gut. Das kann ich mir gerade noch leisten.
Ich mache mir aber keine Sorgen.
Niemand ist hinter mir her.
Viele haben nur zufällig denselben Weg.
So allein, wie es den Anschein macht bin ich gar nicht.
Danke.
Welche Zimmernummer?
238?
Das macht zusammen 13.
Das passt doch.
Ich muss jetzt aufs Zimmer.
Das ist ja eine Hitze da draußen. Verrückt.
Ich werde mich jetzt aufs Bett hauen und
versuchen zu schlafen.
Morgen ganz früh muss ich schon wieder weiter.
Aber das macht nichts.
Ich werde schon ankommen.
Falls jemand auftaucht und nach mir fragt,
sagen Sie doch bitte, Sie hätten mich nicht gesehen.
Einverstanden?
Vielen Dank.
Das ist wirklich sehr nett von Ihnen.
Ich weiß das zu schätzen.
Machen Sie es gut.
Wir sehen uns morgen. Ganz früh.
Dann trinke ich eine Tasse Kaffee
und ziehe weiter.

- MM



Mittwoch, 18. Juli 2018

Castle Rock


Leider noch ohne deutschen Termin -
dies sollte sich allerdings bald ändern...

Hier der US Trailer...



Dienstag, 17. Juli 2018

Hier spricht der Sohn des Zodiac...


Gary L. Stewart / mit Susan Mustafa
DER ZODIAC KILLER
Wie ich meinen Vater suchte und eine Bestie fand

Das behauptet zumindest der Autor Gary L. Stewart und will damit eines der spannendsten Rätsel der Kriminalgeschichte lösen. Wer war der Zodiac Killer? Im Zeitraum zwischen Dezember 1968 und Oktober 1969 mordete er im Norden Kaliforniens. Er wurde letztendlich nie geschnappt. Viele kennen die Theorien um den mysteriösen Killer, der damals den Zeitungen Briefe mit kodierten Nachrichten schickte, in denen er seine Identität verbarg oder dies zumindest in seinen Briefen behauptete. Bis heute gibt es zahlreiche Verdächtige und immer wieder treten Menschen an die Presse oder Polizei heran und erzählen ihnen, dass es ihr Vater oder ein anderer Verwandter oder Bekannte bzw. alter Freund gewesen sei. Zu denen zählt seit 2014 auch Gary L. Stewart, der mit seinem Buch viel Neugier geweckt hat.
Schafft es Stewart tatsächlich den fast 50 Jahre alten Fall zu knacken? Wenn man einigen Theorien glauben möchte, fing der Zodiac schon viel früher an zu morden. Bereits am 30. Oktober 1966 soll er die Studentin Cheri Jo Bates mit einem Messer brutal ermordet haben. Hier gab es bereits ein Bekennerschreiben, allerdings auf Maschine getippt und noch ohne Zodiac Vermerk. Auch Stewarts Buch zufolge war dies der Anfang einer von Rachegelüsten geprägten Mordserie, eben die seines Vaters.
Garys Geschichte hat tatsächlich ein paar sehr interessante Ansätze und spannend erzählt ist sie ebenfalls. Einst von seinem Vater, Earl Van Best Jr., genannt Van im März '63 in einem Treppenhaus ausgesetzt, weil die Mutter noch minderjährig und beide auf der Flucht vor der Polizei waren. Kurz darauf ging auch die damalige skandalöse Beziehung der Eltern in die Brüche. Gary wurde adoptiert und erhielt im Mai 2002 eine Nachricht von seiner leiblichen Mutter. Der Stein kam ins Rollen, denn Gary hatte so einige Fragen. Diese Fragen führten ihn letztendlich zu der Überzeugung, dass sein Vater, Earl Van Best Jr. der berüchtigte Zodiac Killer sei. Es gibt tatsächlich einige merkwürdige und sehr verdächtige Übereinstimmungen und Stewart schafft es auch ein ziemlich gutes Täterprofil seines Vaters, sowie ein Motiv zu liefern. Doch können diese Mutmaßungen überzeugen? Dies sollte jeder für sich selbst bestimmen. Denn es gab da ja noch andere Verdächtige: Arthur Leigh Allen zum Beispiel, der lange Zeit als Hauptverdächtiger galt, aber nach einigen Untersuchungen als Täter ausgeschlossen wurde, was aber einige Zodiac Experten bis heute nicht ganz überzeugt. Hinzu wurden über die Jahre weitere Namen ins Spiel gebracht.
Letzten Mai ging der Zodiac Fall erneut durch die amerikanischen Medien. Die Ergreifung des "Golden State Killers" hat einige alte ungelöste Fälle befeuert. Eine neue DNS- Analyse soll schlussendlich nun auch Licht in den mysteriösen Zodiac Fall bringen. Mit Speichelproben der angeleckten Briefmarken und Umschläge sollen Verdächtige ausgeschlossen bzw. bestätigt werden. Kommt also demnächst tatsächlich der große Durchbruch im Zodiac Fall? Lag Gary L. Stewart mit seiner Behauptung richtig? Jeder, der spannende True Crime Stories mag und eine hochinteressante und zum Teil schon verrückte Familiengeschichte gerne noch dazu nimmt, sollte sich Stewarts Buch unbedingt lesen.

432 Seiten, ISBN 978-3-404-60847-8, Bastei Lübbe, 9,99 Euro


Gary L. Stewart über sein Buch:



Gute Doku über den Zodiac Killer:


Mittwoch, 11. Juli 2018

40 Jahre später


Ein Klassiker wird 40 und gleichzeitig wieder zu neuem Leben erweckt...
1978 beeinflusste John Carpenter mit seinem maskierten Killer
Michael Myers maßgeblich das Horror-Genre...
...ab Oktober (wann auch sonst?) schaut er wieder vorbei, auch bei uns...

Trailer


Interessante Doku zum Kult:




Dienstag, 10. Juli 2018

ROGUE SHOTS: Mrs. Sandman



Sie erwachte in einem fremden Zimmer, einem Hotelzimmer.
Sie blickte sich um. Sie trug nur ihre Unterwäsche.
Bis auf ihre Zigaretten und eine halbleere Flasche Champagner konnte sie nichts finden.
Bis sie aufstand und ins Bad ging.
Dort lag ein nackter Mann in der Badewanne.
Das Wasser war mittlerweile kalt.
Seine Augen weit aufgerissen. Er schien tot zu sein.
Doch nirgends war Blut zu sehen.
Was war passiert?
Von nebenan hörte sie Musik. Sie kannte das Lied.
Es waren die Chordettes. Mr. Sandman.
Wie war sie hier her gekommen?
Wer war dieser tote Mann in ihrer Badewanne?
Sie bekam Angst.
Wenigstens dieses Gefühl schien ihr vertraut.
Es klopfte an der Tür.
Sie erschrak, warf sich ein großes Handtuch um und öffnete.
Ein Mann in einem schwarzen Anzug stand vor ihr.
"Wie geht es Ihnen, Madame?" fragte er mit einem starken französischen Akzent.
"Was geht hier vor?" fragte sie.
"Machen Sie sich keine Sorgen. Die Presse wird nichts davon erfahren."
"Wer bin ich?"
"Alles wird in Ordnung gebracht", sagte der Mann.
"Da ist ein toter Mann in meinem Badezimmer."
"Wir kümmern uns darum. Warten Sie einfach hier und schließen Sie dir Tür", sagte er und verschwand.
Sie schloss die Tür und setzte sich auf ihr Bett.
Das Lied von nebenan fing wieder an zu spielen und sie versuchte sich zu beruhigen, während sie einfach nur zuhörte...

- MM






Mittwoch, 27. Juni 2018

Lynchs Traumwelten


David Lynch / Kristine McKenna
TRAUMWELTEN

Wenn wir mit seiner Arbeit konfrontiert werden, ergibt sich daraus möglicherweise ein eigenartiges Staunen oder auch Entsetzen. Die Neugier wird geweckt, aber auch die Frage, was uns der Künstler David Lynch mit diesem (Kurz oder Spiel)Film, dieser Serie, diesem Bild oder diesem Song sagen will. Einige werden seine Werke, besonders seine Filme lieben, andere werden sie komplett ablehnen bzw. diese Art der Kunst nicht an sich heranlassen. Wer sich ihr hingibt und nicht unbedingt alles verstehen möchte, dem wird es möglich gemacht, auf eine besondere Reise zu gehen oder um den Titel seiner aktuellen Biografie zu benutzen: in eine Traumwelt einzutauchen - das trifft es durchaus am besten. Doch unweigerlich stellt sich vielleicht der ein oder andere auch die Frage nach dem Ursprung dieser Träume. Wo liegt die Quelle von Lynchs Inspiration und kann ein Buch darauf eine Antwort geben? Lynch merkt es schon im Vorwort an, dass dies gar nicht möglich ist. Das Leben ist zu vielseitig und zu komplex, als es tatsächlich in einem einzelnen Buch komplett zu sezieren und zu erklären. Trotzdem hat Lynch, in Zusammenarbeit mit der Journalistin und Autorin Kristine McKenna seine Lebensgeschichte nun erzählt...

768 Seiten, ISBN 978-3-453-27084-8, Heyne Encore, 25,00 Euro


Aufgewachsen in einem typisch klassischen amerikanischen Szenario, in den goldenen 50ern im mittleren Westen der USA, in der "kleinen Großstadt" Boise im Bundesstaat Idaho. Der Vater studierte Insektenkunde und arbeitete anschließend als Forscher, die Mutter Hausfrau, Lynch hat einen jüngeren Bruder und eine jüngere Schwester. Es ist das gute "all american Life", in dem David aufwächst. Und so schön es sich anhört, es war wohl genau dieses Idyll, das so störte. Schaut man sich die düsteren und verstörenden Geschichten, die Lynch erzählt an, bringt man dies nicht unbedingt mit einer ausgeglichenen, wundervollen Kindheit in Verbindung. Lynch wurde oft nach seiner Kindheit oder Teenagerzeit befragt oder auch nach Drogenexzessen oder sonstigen außergewöhnlichen Einschnitten in sein Künstlerleben. Doch nichts dergleichen fand statt. Er ging den Weg des Künstlers, allerdings ohne Exzesse. Er schnitt sich kein Teil seines Ohres ab und steckte sich irgendwann auch kein Gewehr in den Mund. Lynch liebt Kaffee, Cola und Zigaretten. Mehr Laster gibt es nicht. Lynchs größte Inspiration war das Leben und die Menschen um ihn herum. Er sah all dies mit anderen Augen. Seine Jugendjahre im ländlichen Städtchen Boise in Idaho, gefolgt vom chaotischen, dreckigen, düsteren Stadtleben in einem ziemlich heruntergekommenen Stadtviertel in Philadelphia während seiner ersten Künstlerjahre. All dies übte großen Einfluss auf seine zuküftige Arbeit aus.
McKenna recherchierte und schrieb ihre Ergebnisse auf, Lynch überprüfte, gegebenenfalls korrigierte und schrieb seine Sicht der Dinge zu vorangegangenen Recherchen über sein Leben. So funktioniert die Biografie im Wechselspiel zwischen Lynch und McKenna und eröffnet so dem Leser eine etwas breitere Sichtweise auf jedes Kapitel und jeden Abschnitt in Lynchs Leben. Interessant und spannend, ohne überflüssiges Gesäusel über die erste Eistüte mit dem Vater oder ähnliche Rückblicke. "Traumwelten" entführt den Geist und inspirierend ihn. Alles gut dosiert und frei von Skandalen. Was man natürlich von seinen Filmen nicht unbedingt behaupten kann. Von verstörenden Bildern des Familienlebens in "Eraserhead", über die harten Erkenntnisse des Lebens eines jungen Menschen in "Blue Velvet" bis hin zum Meisterwerk des Twin Peaks-Schöpfers und gleichzeitig zu einem der genialsten Film Noirs der Geschichte: "Mulholland Drive". Lynch erzählt in seinem Buch natürlich auch ein wenig von den Entwicklungen und Dreharbeiten der einzelnen Filme. Er schreibt von seiner Liebe zum Kino, zur Kunst, zur Musik und einfach zum Leben und führt uns in seiner ganz besonderen Art durch die dunklen kurvigen Straße, irgendwo oben, zwischen den Hügeln Hollywoods...



Grandioser Soundtrack von Komponist Angelo Badalamenti
zum Film...


Donnerstag, 21. Juni 2018

ROGUE SHOTS: Bitch-Hiker


Sie saß auf ihrem Koffer am Straßenrand des Highways und hielt den Daumen nach oben. So sexy wie sie aussah, sollte es nicht lange dauern, bis der erste Fernfahrer auf die Bremse treten würde und so kam es kurz darauf auch. Er ließ sie einsteigen und begutachtete mit einem Lächeln ihre hübschen Beine.
Am nächsten Tag wurde seine Leiche etwas abseits der Interstate 15, in der Nähe von Barstow gefunden. Jemand hatte ihn in den Kopf geschossen und tot in der Wüste liegen lassen. Der LKW wurde 20 Meilen weiter westlich auf der State Route 58 bei einer Raststätte sichergestellt. Besucher der Raststätte erzählten den ermittelten Detectives, dass eine junge attraktive Frau aus dem Lastwagen gestiegen und dann zu Fuß weiter Richtung Highway gegangen sei.
Dort hätte sie wohl nach einer weiteren Mitfahrgelegenheit gesucht.
Einen Tag darauf wurde eine weitere Leiche kurz vor Bakersfield entdeckt...



Mittwoch, 20. Juni 2018

Ellroys L.A. (Teil 4)


Wir sind wieder in Los Angeles und schreiben das Jahr 1958. 
Wir begeben uns auf die vierte und somit letzte Fahrt durch 
James Ellroys erstes L.A. Quartett. 
Ein zweites Quartett ist bereits in Arbeit und startete bereits im Jahr 2014 mit "Perfidia". 
Mit dem Roman "White Jazz" schloss der Meister den ersten Teil seiner Reihe ab. 
Von vielen als der schwächste Band des Quartetts bezeichnet, aber stimmt das wirklich?


WHITE JAZZ

Dave Klein. Ein eher zwielichtiger Bulle des LAPD, ganz nebenbei auch noch Anwalt und gut befreundet mit Mobster Mickey Cohen. Nicht nur, dass der gute Dave bald vom legendären Howard Hughes um Hilfe gebeten wird, mehr über die blonde Schönheit Glenda Bledsoe herauszufinden (Herzschmerz vorprogrammiert), sondern er muss sich auch noch um unerwünschte Politiker in Los Angeles, einen wahnsinnigen Killer, der Obdachlose zerstümmelt und jede Menge Pelzmäntel kümmern. Privates und berufliches mischt Lt. Klein gerne mal zusammen. Wer weiß was letztendlich alles so für ihn dabei herumkommt?
Leider muss er sich dabei stets mit den Befehlen seines Chefs Ed Exley herumschlagen. Dave Klein gerät mehr und mehr in einen Strudel aus Gewalt und Korruption. So kennen wir es aus Ellroys Büchern. Es gibt viele alte Gesichter, aber auch gleich mal ein paar neue...
Dudley Smith ist wieder dabei. Eben genannter Ed Exley und der gute Mickey Cohen, darf nach seiner Haftentlassung auch noch ein wenig in Los Angeles mitmischen.
Dave Klein wiederum ist neu im Quartett. Ein schwieriger Charakter, der neben seinen krummen Dingern, auch tatsächlich ein paar gute Eigenschaften an sich hat. Einen unbequemen Zeugen aus dem Fenster zu werfen, gehört allerdings nicht dazu...
Ellroy ist wieder unterwegs in seinem Asphalt-Dschungel - auf seinem gewohnten Terrain. Seine Bücher zeugen von komplexen Handlungssträngen und vielschichtigen Figuren, die man tatsächlich erstmal besser kennen lernen muss und sollte. Es ist stets die Fahrt mit überhöhter Geschwindigkeit und ohen Licht, mitten in der Nacht auf der falschen Seite der Straße. Blutige Karambolage folgt...
"White Jazz" schließt die L.A. Tetralogie wunderbar ab und ist meiner Ansicht nach nicht der schwächste Teil der Reihe. Jedes Buch hatte seine Stärken und mitunter auch Längen, aber ist als vierteilige Noir-Saga als ganz großes Werk anzusehen. "Die schwarze Dahlie" gibt eine sehr gute Einführung in Ellroys Welt, die vielleicht nicht immer ganz einfach zu verstehen ist, aber so unglaublich neugierig macht, dass man nicht anders kann, als ihr zu verfallen. Ein wahres Meisterstück des Noir Genres. Düster und böse!
Bleibt also dran und nicht vergessen, Fans: Hier habt ihr es zuerst gehört, ganz im Vertrauen, ganz heimlich, ganz Hush-Hush...

576 Seiten, ISBN 978-3-548-29013-3, Ullstein Verlag, 14,00 Euro


Der "American Dog"...





Sonntag, 17. Juni 2018

The Staircase


Es geht nach North Carolina.
Dort ereignete sich im Dezember 2001 ein tragischer Unfall,
der unglaubliche Folgen hatte...

Aus dem Fall Michael Peterson schuf Regisseur Jean-Xavier de Lestrade
eine der besten True Crime- Dokus überhaupt...

Trailer


Freitag, 15. Juni 2018

ROGUE SHOTS: Bereitet meinen Auftritt vor



Es war unerträglich heiß in ihrem kleinen Studio,
das sie vor einem halben Jahr,
als sie aus Oklahoma ankam gemietet hatte
Doch wo sollte sie schon hin?
In Hollywood war die Hölle los.
Die Straßen waren überlaufen von Menschen
Linda konnte nichts anderes tun als warten.
Warten, auf diesen einen Anruf...

Als das Telefon schließlich klingelte,
war sie schon benebelt von billigem kanadischen Whiskey.
Doch sie sagte dem Anrufer, dass sie heute noch kommen würde.
Sie ging ins Bad, duschte, trug frische Schminke auf
und zog ihr Sommerkleid an.
Ihre Augen suchten im Spiegel nach einem Anzeichen dafür,
dass man ihr die Rolle nicht geben würde.
Sie fand nichts. Sie war überzeugt,
dass es diesmal klappen würde.
Sie brauchte dieses Engagement, allein schon wegen dem Geld,
sonst würde sie schon in wenigen Tagen auf der Straße stehen.

"Bereitet meinen Auftritt vor", hauchte sie ihrem Spiegelbild entgegen,
nahm ihre Sachen und verließ ihr Studio.
Sie spürte die Sonne auf ihrer Haut.
Der Sommer hatte die Stadt fest gepackt.
Linda nahm den Bus, fuhr drei Stationen und stieg aus.
Das Büro lag gleich auf der gegenüberliegenden
Straßenseite.

Sie meldete sich bei einer mexikanischen Sekretärin,
die einen eher niedergeschlagenen Eindruck machte an
und wartete.
Es wunderte sie, dass sie die einzige war.
Keine zehn Minuten später wurde sie ins Büro gerufen.
Sie bekam einen Text und schon nach wenigen Dialogen,
befahl ihr der Mann im weißen Hemd, mit
der Brille und dem schlechten Atem sich auszuziehen.

Linda wurde nervös, legte dann aber doch ihr Kleid ab
und schob sich ihre Nagelfeile unauffällig in den Nylonstrumpf.
Sie hatte Angst.
Er öffnete seine Hose und trat auf sie zu.
Er fasste sie mit seiner dicken Hand an den Hals
und drückte etwas zu.
"Das ist Teil der Szene", sagte er.
Bevor seine andere Hand zwischen ihren Beinen
angekommen war, hatte sie schon die Nagelfeile
aus ihrem Strumpf gezogen und sie ihm in
den dicken Hals gerammt.
Das Blut spritzte wie aus einem Springbrunnen heraus.
Sie machte einen schnellen Schritt zur Seite
und sah, wie der übergewichtige Körper
auf den Boden fiel.

Linda war aufgedreht und fing an,
die Schubladen seines Schreibtisches
zu durchsuchen.
Sie fand schließlich $300, die sie einsteckte.

Sie konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten.
Sie schluchzte und kniete sich hin,
fast, als ob sie beten würde.
Die Tür ging auf und die Mexikanerin
sah sie an.
Lindas Schock war ihr anzusehen.
Die Mexikanerin lächelte, setzte sich
neben sie auf den Boden und nahm sie in den Arm.
"Es ist alles gut. Ich rufe einen guten Freund von mir an.
Der weiß was zu tun ist. Dieser Kerl war kein
guter Mensch und er hat nur gekriegt, was er verdient hat.
Mach dir keine Sorgen."
Linda ließ sich hoch helfen, schob sich
die Geldscheine in ihre Nylonstrümpfe, zog ihr
Kleid wieder an und verabschiedete sich von
ihrer Lebensretterin mit einem Kuss auf die Wange.

Draußen empfing sie die Hitze mit voller Wucht.
Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und
ging zurück Richtung Hollywood Boulevard.
Diesmal nahm sie nicht den Bus.
Sie hatte etwas Geld.
Es würde ihr nicht lange helfen, aber für eine kurze Zeit
wäre vielleicht alles in Ordnung.
Vielleicht hatte sie ja Glück gehabt?
Wenn auch nur für eine sehr kurze Zeit
während des Sommers und
die Sonne einfach weiterstrahlte...

- MM






Donnerstag, 14. Juni 2018

Polly on the Road


Jordan Harper
DIE RACHE DER POLLY McCLUSKY

Es ist das Buch dieses Sommers. Eingeschlagen wie ein Komet, mit einem Krater, den man noch lange sehen wird. Aber worum geht es überhaupt? Daddy ist mit seinem kleinen Mädchen auf der Flucht quer durch Kalifornien. Klingt gefährlich. Ist es auch. Denn Gangster Nate McClusky hat die Aryan Steel Gang am Arsch und die wollen nicht nur seinen Kopf, sondern auch die von seiner Ex und seiner Tochter Polly. Kurz vor Nates Entlassung aus dem Gefängnis kommt es zum Eklat und er tötet den Bruder des Aryan Steel Präsidenten. Der Racheschwur der Gang ist schnell ausgesprochen, die Mordaufträge gehen in Windeseile nach draußen auf die Straße. Nate holt seine Tochter und klaut sich ein Auto. Ein wilder und blutiger Road-Trip beginnt...
Ja, ich habe es schon vorweggenommen: für mich ist es das Buch des Sommers. Es hat alle notwendigen Zutaten, für ein pulpiges, raues Road-Novel, das mit überzeugenden Charakteren auftrumpft und nicht eine Seite zu viel oder zu wenig mitbringt und das alles vor der schönen, aber auch so verlorenen und wüsten Kulisse Kaliforniens. Alles passt zusammen. Man merkt den knallharten Einfluss von Harpers Lieblingsautoren James Ellroy und Jim Thompson. Jordan Harper selbst ist in Gegenden der USA großgeworden, wo es vor White Trash Figuren nur so wimmelte und White Power Gangs eine große Rolle spielten. Seine Arbeit und Vorliebe an Drehbücher, ist seinem Stil abzulesen. Auch "She Rides Shotgun" (der Originaltitel des Buches) soll verfilmt werden, das Filmskript dazu kommt folglich von Jordan Harper selbst.
Dem Autor aus Missouri, der mittlerweile in seiner Wahlheimat Los Angeles wohnt ist tatsächlich ein ganz entscheidender Wurf seiner noch so frühen Karriere als Romanautor gelungen. Seine Werke, die noch folgen, werden sich stets mit "Die Rache der Polly McClusky" messen müssen und die Hürde ist verdammt hoch.

Wer noch ein bisschen mehr von Jordan Harper selbst hören bzw. lesen möchte, findet weiter unten ein aktuelles Interview, das er mit dem Blogue geführt hat. 

288 Seiten, ISBN 978-3-550-08150-7, Ullstein Verlag, 15,00 Euro


Montag, 11. Juni 2018

Ellroys L.A. (Teil 3)


Kommen Sie nach Los Angeles. Die Stadt der Engel und die der Träume. Hier werden die Träume alle wahr. Ellroys Quartett über den Sumpf aus Gangstern und den korrupten Machenschaften des mächtigen Los Angeles Police Departments bekommt mit dem dritten Teil das wohl berühmteste Buch aus der Reihe...


L.A. CONFIDENTIAL (STADT DER TEUFEL)

Der hohe Bekanntheitsgrad von "Stadt der Teufel" (und das nicht nur unter Krimi-Experten), liegt nicht nur daran, dass Ellroys Karriere bei Erscheinen, im Jahr 1990 einen neuen Höhepunkt erreicht hatte, sondern natürlich auch an der sehr erfolgreichen Verfilmung sieben Jahre später. Eine neue Serie (nach dem ersten Versuch von 2003) vom US- Sender CBS ist ebenfalls abgedreht und sucht nun einen geeigneten Streaming-Dienst für die Ausstrahlung. Einer der Autoren der Serie ist Jordan Harper (Interview zu seinem Debütroman im Posting weiter unten)...


"Eben ein Buch für die ganze Familie, sofern die Familie Manson heißt." So hat Ellroy selbst sein literarisches L.A.- Epos um die Polizisten Ed Exley, Bud White und Jack Vinceness in einem Satz zusammengefasst. Und stimmt es denn? Ist es so brutal? So gewissenlos und so hinterhältig? Ellroy Leser wissen dies alles bereits und schmunzeln.

Es beginnt diesmal im Jahr 1951...
Es ist Weihnachten. Im Revier des LAPD wird gefeiert. Drei Mexikaner werden verhaftet, weil ihnen vorgeworfen wird zwei Polizeibeamte brutal angegriffen zu haben. In den Zellen angekommen, werden die Inhaftierten von einigen betrunkenen Polizisten zusammengeschlagen und übel verletzt. "Blutige Weihnachten" titelt die Presse. Die Führungsebene der Polizei will den Skandal schnellstmöglich bereinigt haben. Köpfen werden rollen. Der eifrige und nach einem höherem Rang strebende Ed Exley willigt ein, gegen die brutalen Kollegen auszusagen, auch Jack Vincennes ist dabei. Bud White hingegen wird die Dienstmarke entzogen.
Als zwei Jahre später der gefeuerte Schläger-Cop Dick Stensland, zusammen mit anderen Gästen im Nite Owl Café ermordet wird, beginnt für die drei Cops der größte Fall ihres Lebens und sie ahnen noch nicht, in welche Grube sie sich hinab bewegen werden.
Ellroy bleibt seiner Linie treu. Das Los Angeles der 50er bekommt einen dermaßen guten Erzähler mit auf die Tour, dass man denkt, man ist mittendrin...


"Stadt der Teufel" ist eine der zentralen Säulen des Hard Boiled Detective Genres der letzten 30 oder 40 Jahre. In den USA fuhr "L.A. Confidential" auf derselben Erfolgsschiene wie auch schon die beiden Vorgänger. 1992 erhielt der Roman bei uns den deutschen Krimipreis. Ein neuer "King of Crime" war geboren und auch von der Krimifläche gar nicht mehr wegzudenken. Bis heute begeistert Ellroy seine Leser mit seinem präzisen und äußerst authentischen Stil. Der König lebt weiter...

720 Seiten, ISBN 978-3-548-29008-9, Ullstein Verlag, 14,00 Euro


Samstag, 9. Juni 2018

FIVE YEARS!!!


Heute vor genau fünf Jahren startete der ROGUE BLOGUE!

Am 28. Juni folgte dann das erste ROGUE NATION Magazin...


Darauf trinken wir einen kleinen Schluck
und singen...



Dank an alle Mitwisser und Unterstützer!

Euer




Donnerstag, 7. Juni 2018

Three Shots with JORDAN HARPER



1. What made you become a writer?

Before I could read, I would dictate stories that my mother would write down for me, so I guess I've always wanted to be a writer. I've been a lot of things in my adult life - rock critic, movie critic, TV writer - but I've been lucky to always have been writing in one way or another. My interest in crime writing came early as well, as my grandfather, a prison guard and knifemaker, filled my head with stories of the Old West and violence when I was young. 


2. How would you describe your stories to someone who has never read anything of your work?

I write crime stories.The phrase I use to describe my work is "beautiful trash" - my writing contains all the thrills and violence of crime fiction, but I try to imbue the genre with as much poetry and technique as I can. I enjoy the little details of criminal culture - the techniques of drug smuggling, the slang, the tattoos and their symbology. Because I am from the Ozarks, which is full of poor white people, I often use skinhead gangs and bikers as my villiains. And I try my best to depict the inner life of people who are often drawn very simply.


3. When did "She Rides Shotgun" ("Die Rache der Polly McClusky") started in your head?

The story took years for me to develop. It is based on the mini-genre of man-and-child-on-the-run, which began (in my mind) with the manga series "Lone Wolf and Cub", and also includes the films "Paper Moon" and "Leon The Professional". I wanted to take that archetype and place it in the world of Southern California, my adopted home. It took me a long time to write the book. My first draft was all written from the perspective of Nate, the father, but when I read it I realized it was all wrong. I had to tell the story from Polly's point of view. So I rewrote the entire book, which was a lengthy process. So I think from idea to publication was five years.


Jordan Harper, geboren 1976 in Missouri, arbeitete als Musikjournalist, Filmkritiker und schrieb Drehbücher für Fernsehserien wie "The Mentalist" oder "Gotham". Sein letztes Projekt war die Fernsehserie zu "L.A. Confidential", an der er ebenfalls als Autor beteiligt war. Er lebt in Los Angeles. "Die Rache der Polly McClusky" ist sein erster Roman.



Mittwoch, 6. Juni 2018

Trejo


Vom Gefängnisinsassen zur Trash- und B-Movie Ikone...

Geboren und aufgewachsen im L.A. der 40er und 50er
als Sohn mexikanischer Einwanderer...

In der neuen Doku "Survivors Guide to Prison"
kommt er natürlich auch zu Wort...

Trailer


Ein nicht allzu gewöhnliches Leben....



Dienstag, 5. Juni 2018

Ellroys L.A. (Teil 2)

(aus dem Fotoband LAPD '53 - mit Texten von James Ellroy und Fotos aus dem Los Angeles Police Museum)

Machen wir weiter mit Ellroy und seinem finsteren Los Angeles. Die Heimat des Film Noir (siehe Video unten) und Ellroy hat diesen Einfluss immer wieder in seinen Büchern verarbeitet. Er prägt dieses nicht totzukriegende Genre bis heute. "Blutschatten" macht dort weiter, wo die "Dahlie" verloren ging und es wird einfach nicht besser. Ein typischer Noir. Düster, blutig und bis ins Mark vom Pessimismus geschändet...


BLUTSCHATTEN

Ellroy hatte durch den Erfolg seines ersten L.A. Teils "Die schwarze Dahlie" nun richtig Blut geleckt. Der zweite Teil hat diesen Schwung mitgenommen, wenn auch an einigen Stellen etwas langatmig, setzt Ellroy gekonnt sein gut geschultes Auge für Charaktere und den Polizeiapparat, der damals in der Stadt der Engel von Gier und Rassismus infiziert wurde ein. Niemand ist wirklich unschuldig und niemand fährt am Ende mit seinem Ford Kabrio über den Freeway dem Sonnenuntergang entgegen.
Viele bekannte Figuren, die wir aus anderen Büchern des ersten L.A. Quartetts bzw. dem ersten Teil des zweiten Quartetts ("Perfidia") kennen haben ihren Auftritt. Turner "Buzz" Meeks und Bezirksstaatsanwalt Ellis Loew beispielsweise wurden schon im Buch "Die schwarze Dahlie" eingeführt und beide werden den Quartetts auch noch ein bisschen treu bleiben. Meeks, ein korrupter LAPD- Bulle spielt in diesem Teil ein Handlanger sowohl von Tycoon Howard Hughes, als auch von Gangsterboss Mickey Cohen, während die neuen Charaktere auf Ellroys großer Spielwiese, wie Malcolm "Mal" Considine entweder damit beauftragt werden die Kommunisten aus Hollywood zu verscheuchen oder im Fall von Deputy Sheriff Danny Upshaw einen brutalen Mörder zu fassen.
Alles wie gewohnt im schönen, politisch so verdorbenen Los Angeles der frühen 50er Jahre.
Taucht ein, steigt ab und suhlt euch im urbanen Großstadtdschungel. Ellroy hat es wieder getan und wird auch sein Treiben so schnell nicht einstellen. Ellroy und L.A. Ellroy und Noir. Bis dass der Tod sie scheidet. Kaufen, lesen und sämtliche Illusionen über Anstand und Moral danach über Bord werfen. Das Quartett des Meister hat ein paar richtig gute Karten. Ihr solltet mitspielen! Demnächst Runde 3 mit "L.A. Confidential"...

672 Seiten, ISBN 978-3-548-29001-0, Ullstein Verlag, 14,00 Euro 




Samstag, 2. Juni 2018

BlacKkKlansman


Von Spike Lee. Nach einem Buch von Ron Stallworth.

In Deutschland ab dem 23.August...

Trailer


Freitag, 1. Juni 2018

ROGUE SHOTS: Der Mann, der sich auflöste


Er kam von der Arbeit nach Hause. Es war schon spät...

Sein müder Körper fiel auf die Couch und sein Blick wanderte durch den von einer kleinen Lampe beleuchteten Raum. Er konnte die Lücken zwischen seinen Büchern, die auf den Regalen standen erkennen, wusste aber, dass diese Lücken dort nicht hingehörten. 

Er ging in die Küche, öffnete den Kühlschrank und sah, dass es fast nichts mehr gab, was er essen konnte. Er griff sich eine Flasche Bier und nahm sich das letzte Glas aus dem Schrank. Bis auf einen Teller und eine Gabel, gab es weder Geschirr, noch Besteck. Jemand musste in seine Wohnung eingebrochen sein. 

Mit dem Bier in der Hand ging er durch die einzelnen Zimmer und überprüfte, was fehlte und jedes Mal, wenn er an seinem Bücherregal vorbeikam, hatte er das Gefühl, dass ein weiteres Buch verschwunden war. 

Im Schlafzimmer stand nur noch sein Bett, darauf eine Decke und ein Kissen, jeweils ohne Bezug. Sein Kleiderschrank war bis auf eine blaue Jeans und ein weißes T-Shirt komplett leer. 

In der Küche stand noch der Kühlschrank, ein Esstisch, ein Stuhl und die Spüle, doch jegliche Spül- und Putzmittel waren weg, auch die Bilder an der Wand fehlten. 

Er ging ins Badezimmer. Es war, als wäre nie jemand hier gewesen. Das Bad war bis auf die letzte Rolle Toilettenpapier leergeräumt. Selbst die Dusche hatte keinen Vorhang mehr.

Als er zurück in den Flur kam, bemerkte er, dass die Flasche Bier aus seiner Hand verschwunden war. Er drehte sich nach links und sah sich selbst im Spiegel, der noch an der Wand hing. 

Was war hier geschehen? Das war kein Einbruch. Oder doch? War jemand während seiner Abwesenheit in seine Wohnung gekommen und hat sie fast komplett leergeräumt? Aber wie soll er sich Zugang verschafft haben? Die Tür war abgeschlossen, als er ankam und die Balkontür war ebenfalls fest verschlossen und wo war seine Flasche Bier, die er vor einer Minute noch in der Hand hielt? Er musste sie irgendwo abgestellt haben. 

Er ging zurück ins Wohnzimmer und schaute nach. Doch hier gab es mittlerweile gar nichts mehr. Er stand in einem leeren Raum. Verunsichert lief er durch jedes Zimmer. Sie waren alle leer, völlig unmöbliert. Nur noch die Lampen, die überall leuchteten waren übrig.

"Das ist verrückt..." sprach er in die leere Wohnung.

Im Wohnzimmer wieder angekommen merkte er, wie müde er geworden war. Trotz der Aufregung wollte er nichts weiter als schlafen. Er legte sich auf den nackten Boden und war in wenigen Sekunden eingeschlafen, während die ganze Wohnung in der Dunkelheit versank. 

Der Schlüssel drehte sich im Schloss. Eine Frau um die 30, Vermieterin der Wohnung trat in den Flur, gefolgt von einem jungen Pärchen. Die Frau trug ein Baby auf dem Arm, der Mann neben ihr tätschelte ihr sanft die Schulter und lächelte immer wieder dem Baby zu. 
"Das wäre dann die Wohnung", sagte die Vermieterin und ging durch den Flur.
Die junge Mutter schaute sich kurz um und sagte: "Ich hätte da mal eine Frage..."
Die Vermieterin nickte.
"Uns ist zu Ohren gekommen, dass hier jemand ermordet wurde oder sowas...?"
Sie kamen alle ins Wohnzimmer
"Nein, so etwas ist hier nicht passiert."
Der Mann schaltete sich in die Unterhaltung ein. "Aber hier ist doch mal jemand verschwunden, oder?"
Die Vermieterin setzte ein nicht ganz überzeugendes Lächeln auf. 
"Die Wohnung war eines Tages einfach komplett leergeräumt und sah aus wie neu. Der Mann, der hier gewohnt hat, war einfach verschwunden, ohne irgendjemand etwas zu sagen, von ein auf den anderen Tag. Das ist hier passiert. Mehr nicht."
"Eigenartig", sagte die junge Mutter und die Vermieterin nickte wieder.
"Sind Sie dennoch interessiert? Es gibt nämlich noch weitere Interessenten."
Das junge Pärchen schaute sich kurz an, lächelte und sagte dann zu.
"Ja, wir möchten die Wohnung", sagte die Frau und wippte ihr Baby im Arm.
"Na, gefällt es dir hier auch?" fragte die Mutter und das Baby streckte seinen Arm nach unten aus, als wolle es nach irgendetwas auf dem Boden greifen. 
"Da ist doch nichts", sagte die Mutter in verspieltem Ton und küsste ihr Kind. 

- MM