Sonntag, 17. Juni 2018

The Staircase


Es geht nach North Carolina.
Dort ereignete sich im Dezember 2001 ein tragischer Unfall,
der unglaubliche Folgen hatte...

Aus dem Fall Michael Peterson schuf Regisseur Jean-Xavier de Lestrade
eine der besten True Crime- Dokus überhaupt...

Trailer


Freitag, 15. Juni 2018

ROGUE SHOTS: Bereitet meinen Auftritt vor



Es war unerträglich heiß in ihrem kleinen Studio,
das sie vor einem halben Jahr,
als sie aus Oklahoma ankam gemietet hatte
Doch wo sollte sie schon hin?
In Hollywood war die Hölle los.
Die Straßen waren überlaufen von Menschen
Linda konnte nichts anderes tun als warten.
Warten, auf diesen einen Anruf...

Als das Telefon schließlich klingelte,
war sie schon benebelt von billigem kanadischen Whiskey.
Doch sie sagte dem Anrufer, dass sie heute noch kommen würde.
Sie ging ins Bad, duschte, trug frische Schminke auf
und zog ihr Sommerkleid an.
Ihre Augen suchten im Spiegel nach einem Anzeichen dafür,
dass man ihr die Rolle nicht geben würde.
Sie fand nichts. Sie war überzeugt,
dass es diesmal klappen würde.
Sie brauchte dieses Engagement, allein schon wegen dem Geld,
sonst würde sie schon in wenigen Tagen auf der Straße stehen.

"Bereitet meinen Auftritt vor", hauchte sie ihrem Spiegelbild entgegen,
nahm ihre Sachen und verließ ihr Studio.
Sie spürte die Sonne auf ihrer Haut.
Der Sommer hatte die Stadt fest gepackt.
Linda nahm den Bus, fuhr drei Stationen und stieg aus.
Das Büro lag gleich auf der gegenüberliegenden
Straßenseite.

Sie meldete sich bei einer mexikanischen Sekretärin,
die einen eher niedergeschlagenen Eindruck machte an
und wartete.
Es wunderte sie, dass sie die einzige war.
Keine zehn Minuten später wurde sie ins Büro gerufen.
Sie bekam einen Text und schon nach wenigen Dialogen,
befahl ihr der Mann im weißen Hemd, mit
der Brille und dem schlechten Atem sich auszuziehen.

Linda wurde nervös, legte dann aber doch ihr Kleid ab
und schob sich ihre Nagelfeile unauffällig in den Nylonstrumpf.
Sie hatte Angst.
Er öffnete seine Hose und trat auf sie zu.
Er fasste sie mit seiner dicken Hand an den Hals
und drückte etwas zu.
"Das ist Teil der Szene", sagte er.
Bevor seine andere Hand zwischen ihren Beinen
angekommen war, hatte sie schon die Nagelfeile
aus ihrem Strumpf gezogen und sie ihm in
den dicken Hals gerammt.
Das Blut spritzte wie aus einem Springbrunnen heraus.
Sie machte einen schnellen Schritt zur Seite
und sah, wie der übergewichtige Körper
auf den Boden fiel.

Linda war aufgedreht und fing an,
die Schubladen seines Schreibtisches
zu durchsuchen.
Sie fand schließlich $300, die sie einsteckte.

Sie konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten.
Sie schluchzte und kniete sich hin,
fast, als ob sie beten würde.
Die Tür ging auf und die Mexikanerin
sah sie an.
Lindas Schock war ihr anzusehen.
Die Mexikanerin lächelte, setzte sich
neben sie auf den Boden und nahm sie in den Arm.
"Es ist alles gut. Ich rufe einen guten Freund von mir an.
Der weiß was zu tun ist. Dieser Kerl war kein
guter Mensch und er hat nur gekriegt, was er verdient hat.
Mach dir keine Sorgen."
Linda ließ sich hoch helfen, schob sich
die Geldscheine in ihre Nylonstrümpfe, zog ihr
Kleid wieder an und verabschiedete sich von
ihrer Lebensretterin mit einem Kuss auf die Wange.

Draußen empfing sie die Hitze mit voller Wucht.
Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und
ging zurück Richtung Hollywood Boulevard.
Diesmal nahm sie nicht den Bus.
Sie hatte etwas Geld.
Es würde ihr nicht lange helfen, aber für eine kurze Zeit
wäre vielleicht alles in Ordnung.
Vielleicht hatte sie ja Glück gehabt?
Wenn auch nur für eine sehr kurze Zeit
während des Sommers und
die Sonne einfach weiterstrahlte...

- MM






Donnerstag, 14. Juni 2018

Polly on the Road


Jordan Harper
DIE RACHE DER POLLY McCLUSKY

Es ist das Buch dieses Sommers. Eingeschlagen wie ein Komet, mit einem Krater, den man noch lange sehen wird. Aber worum geht es überhaupt? Daddy ist mit seinem kleinen Mädchen auf der Flucht quer durch Kalifornien. Klingt gefährlich. Ist es auch. Denn Gangster Nate McClusky hat die Aryan Steel Gang am Arsch und die wollen nicht nur seinen Kopf, sondern auch die von seiner Ex und seiner Tochter Polly. Kurz vor Nates Entlassung aus dem Gefängnis kommt es zum Eklat und er tötet den Bruder des Aryan Steel Präsidenten. Der Racheschwur der Gang ist schnell ausgesprochen, die Mordaufträge gehen in Windeseile nach draußen auf die Straße. Nate holt seine Tochter und klaut sich ein Auto. Ein wilder und blutiger Road-Trip beginnt...
Ja, ich habe es schon vorweggenommen: für mich ist es das Buch des Sommers. Es hat alle notwendigen Zutaten, für ein pulpiges, raues Road-Novel, das mit überzeugenden Charakteren auftrumpft und nicht eine Seite zu viel oder zu wenig mitbringt und das alles vor der schönen, aber auch so verlorenen und wüsten Kulisse Kaliforniens. Alles passt zusammen. Man merkt den knallharten Einfluss von Harpers Lieblingsautoren James Ellroy und Jim Thompson. Jordan Harper selbst ist in Gegenden der USA großgeworden, wo es vor White Trash Figuren nur so wimmelte und White Power Gangs eine große Rolle spielten. Seine Arbeit und Vorliebe an Drehbücher, ist seinem Stil abzulesen. Auch "She Rides Shotgun" (der Originaltitel des Buches) soll verfilmt werden, das Filmskript dazu kommt folglich von Jordan Harper selbst.
Dem Autor aus Missouri, der mittlerweile in seiner Wahlheimat Los Angeles wohnt ist tatsächlich ein ganz entscheidender Wurf seiner noch so frühen Karriere als Romanautor gelungen. Seine Werke, die noch folgen, werden sich stets mit "Die Rache der Polly McClusky" messen müssen und die Hürde ist verdammt hoch.

Wer noch ein bisschen mehr von Jordan Harper selbst hören bzw. lesen möchte, findet weiter unten ein aktuelles Interview, das er mit dem Blogue geführt hat. 

288 Seiten, ISBN 978-3-550-08150-7, Ullstein Verlag, 15,00 Euro


Montag, 11. Juni 2018

Ellroys L.A. (Teil 3)


Kommen Sie nach Los Angeles. Die Stadt der Engel und die der Träume. Hier werden die Träume alle wahr. Ellroys Quartett über den Sumpf aus Gangstern und den korrupten Machenschaften des mächtigen Los Angeles Police Departments bekommt mit dem dritten Teil das wohl berühmteste Buch aus der Reihe...


L.A. CONFIDENTIAL (STADT DER TEUFEL)

Der hohe Bekanntheitsgrad von "Stadt der Teufel" (und das nicht nur unter Krimi-Experten), liegt nicht nur daran, dass Ellroys Karriere bei Erscheinen, im Jahr 1990 einen neuen Höhepunkt erreicht hatte, sondern natürlich auch an der sehr erfolgreichen Verfilmung sieben Jahre später. Eine neue Serie (nach dem ersten Versuch von 2003) vom US- Sender CBS ist ebenfalls abgedreht und sucht nun einen geeigneten Streaming-Dienst für die Ausstrahlung. Einer der Autoren der Serie ist Jordan Harper (Interview zu seinem Debütroman im Posting weiter unten)...


"Eben ein Buch für die ganze Familie, sofern die Familie Manson heißt." So hat Ellroy selbst sein literarisches L.A.- Epos um die Polizisten Ed Exley, Bud White und Jack Vinceness in einem Satz zusammengefasst. Und stimmt es denn? Ist es so brutal? So gewissenlos und so hinterhältig? Ellroy Leser wissen dies alles bereits und schmunzeln.

Es beginnt diesmal im Jahr 1951...
Es ist Weihnachten. Im Revier des LAPD wird gefeiert. Drei Mexikaner werden verhaftet, weil ihnen vorgeworfen wird zwei Polizeibeamte brutal angegriffen zu haben. In den Zellen angekommen, werden die Inhaftierten von einigen betrunkenen Polizisten zusammengeschlagen und übel verletzt. "Blutige Weihnachten" titelt die Presse. Die Führungsebene der Polizei will den Skandal schnellstmöglich bereinigt haben. Köpfen werden rollen. Der eifrige und nach einem höherem Rang strebende Ed Exley willigt ein, gegen die brutalen Kollegen auszusagen, auch Jack Vincennes ist dabei. Bud White hingegen wird die Dienstmarke entzogen.
Als zwei Jahre später der gefeuerte Schläger-Cop Dick Stensland, zusammen mit anderen Gästen im Nite Owl Café ermordet wird, beginnt für die drei Cops der größte Fall ihres Lebens und sie ahnen noch nicht, in welche Grube sie sich hinab bewegen werden.
Ellroy bleibt seiner Linie treu. Das Los Angeles der 50er bekommt einen dermaßen guten Erzähler mit auf die Tour, dass man denkt, man ist mittendrin...


"Stadt der Teufel" ist eine der zentralen Säulen des Hard Boiled Detective Genres der letzten 30 oder 40 Jahre. In den USA fuhr "L.A. Confidential" auf derselben Erfolgsschiene wie auch schon die beiden Vorgänger. 1992 erhielt der Roman bei uns den deutschen Krimipreis. Ein neuer "King of Crime" war geboren und auch von der Krimifläche gar nicht mehr wegzudenken. Bis heute begeistert Ellroy seine Leser mit seinem präzisen und äußerst authentischen Stil. Der König lebt weiter...

720 Seiten, ISBN 978-3-548-29008-9, Ullstein Verlag, 14,00 Euro


Samstag, 9. Juni 2018

FIVE YEARS!!!


Heute vor genau fünf Jahren startete der ROGUE BLOGUE!

Am 28. Juni folgte dann das erste ROGUE NATION Magazin...


Darauf trinken wir einen kleinen Schluck
und singen...



Dank an alle Mitwisser und Unterstützer!

Euer




Donnerstag, 7. Juni 2018

Three Shots with JORDAN HARPER



1. What made you become a writer?

Before I could read, I would dictate stories that my mother would write down for me, so I guess I've always wanted to be a writer. I've been a lot of things in my adult life - rock critic, movie critic, TV writer - but I've been lucky to always have been writing in one way or another. My interest in crime writing came early as well, as my grandfather, a prison guard and knifemaker, filled my head with stories of the Old West and violence when I was young. 


2. How would you describe your stories to someone who has never read anything of your work?

I write crime stories.The phrase I use to describe my work is "beautiful trash" - my writing contains all the thrills and violence of crime fiction, but I try to imbue the genre with as much poetry and technique as I can. I enjoy the little details of criminal culture - the techniques of drug smuggling, the slang, the tattoos and their symbology. Because I am from the Ozarks, which is full of poor white people, I often use skinhead gangs and bikers as my villiains. And I try my best to depict the inner life of people who are often drawn very simply.


3. When did "She Rides Shotgun" ("Die Rache der Polly McClusky") started in your head?

The story took years for me to develop. It is based on the mini-genre of man-and-child-on-the-run, which began (in my mind) with the manga series "Lone Wolf and Cub", and also includes the films "Paper Moon" and "Leon The Professional". I wanted to take that archetype and place it in the world of Southern California, my adopted home. It took me a long time to write the book. My first draft was all written from the perspective of Nate, the father, but when I read it I realized it was all wrong. I had to tell the story from Polly's point of view. So I rewrote the entire book, which was a lengthy process. So I think from idea to publication was five years.


Jordan Harper, geboren 1976 in Missouri, arbeitete als Musikjournalist, Filmkritiker und schrieb Drehbücher für Fernsehserien wie "The Mentalist" oder "Gotham". Sein letztes Projekt war die Fernsehserie zu "L.A. Confidential", an der er ebenfalls als Autor beteiligt war. Er lebt in Los Angeles. "Die Rache der Polly McClusky" ist sein erster Roman.



Mittwoch, 6. Juni 2018

Trejo


Vom Gefängnisinsassen zur Trash- und B-Movie Ikone...

Geboren und aufgewachsen im L.A. der 40er und 50er
als Sohn mexikanischer Einwanderer...

In der neuen Doku "Survivors Guide to Prison"
kommt er natürlich auch zu Wort...

Trailer


Ein nicht allzu gewöhnliches Leben....



Dienstag, 5. Juni 2018

Ellroys L.A. (Teil 2)

(aus dem Fotoband LAPD '53 - mit Texten von James Ellroy und Fotos aus dem Los Angeles Police Museum)

Machen wir weiter mit Ellroy und seinem finsteren Los Angeles. Die Heimat des Film Noir (siehe Video unten) und Ellroy hat diesen Einfluss immer wieder in seinen Büchern verarbeitet. Er prägt dieses nicht totzukriegende Genre bis heute. "Blutschatten" macht dort weiter, wo die "Dahlie" verloren ging und es wird einfach nicht besser. Ein typischer Noir. Düster, blutig und bis ins Mark vom Pessimismus geschändet...


BLUTSCHATTEN

Ellroy hatte durch den Erfolg seines ersten L.A. Teils "Die schwarze Dahlie" nun richtig Blut geleckt. Der zweite Teil hat diesen Schwung mitgenommen, wenn auch an einigen Stellen etwas langatmig, setzt Ellroy gekonnt sein gut geschultes Auge für Charaktere und den Polizeiapparat, der damals in der Stadt der Engel von Gier und Rassismus infiziert wurde ein. Niemand ist wirklich unschuldig und niemand fährt am Ende mit seinem Ford Kabrio über den Freeway dem Sonnenuntergang entgegen.
Viele bekannte Figuren, die wir aus anderen Büchern des ersten L.A. Quartetts bzw. dem ersten Teil des zweiten Quartetts ("Perfidia") kennen haben ihren Auftritt. Turner "Buzz" Meeks und Bezirksstaatsanwalt Ellis Loew beispielsweise wurden schon im Buch "Die schwarze Dahlie" eingeführt und beide werden den Quartetts auch noch ein bisschen treu bleiben. Meeks, ein korrupter LAPD- Bulle spielt in diesem Teil ein Handlanger sowohl von Tycoon Howard Hughes, als auch von Gangsterboss Mickey Cohen, während die neuen Charaktere auf Ellroys großer Spielwiese, wie Malcolm "Mal" Considine entweder damit beauftragt werden die Kommunisten aus Hollywood zu verscheuchen oder im Fall von Deputy Sheriff Danny Upshaw einen brutalen Mörder zu fassen.
Alles wie gewohnt im schönen, politisch so verdorbenen Los Angeles der frühen 50er Jahre.
Taucht ein, steigt ab und suhlt euch im urbanen Großstadtdschungel. Ellroy hat es wieder getan und wird auch sein Treiben so schnell nicht einstellen. Ellroy und L.A. Ellroy und Noir. Bis dass der Tod sie scheidet. Kaufen, lesen und sämtliche Illusionen über Anstand und Moral danach über Bord werfen. Das Quartett des Meister hat ein paar richtig gute Karten. Ihr solltet mitspielen! Demnächst Runde 3 mit "L.A. Confidential"...

672 Seiten, ISBN 978-3-548-29001-0, Ullstein Verlag, 14,00 Euro 




Samstag, 2. Juni 2018

BlacKkKlansman


Von Spike Lee. Nach einem Buch von Ron Stallworth.

In Deutschland ab dem 23.August...

Trailer


Freitag, 1. Juni 2018

ROGUE SHOTS: Der Mann, der sich auflöste


Er kam von der Arbeit nach Hause. Es war schon spät...

Sein müder Körper fiel auf die Couch und sein Blick wanderte durch den von einer kleinen Lampe beleuchteten Raum. Er konnte die Lücken zwischen seinen Büchern, die auf den Regalen standen erkennen, wusste aber, dass diese Lücken dort nicht hingehörten. 

Er ging in die Küche, öffnete den Kühlschrank und sah, dass es fast nichts mehr gab, was er essen konnte. Er griff sich eine Flasche Bier und nahm sich das letzte Glas aus dem Schrank. Bis auf einen Teller und eine Gabel, gab es weder Geschirr, noch Besteck. Jemand musste in seine Wohnung eingebrochen sein. 

Mit dem Bier in der Hand ging er durch die einzelnen Zimmer und überprüfte, was fehlte und jedes Mal, wenn er an seinem Bücherregal vorbeikam, hatte er das Gefühl, dass ein weiteres Buch verschwunden war. 

Im Schlafzimmer stand nur noch sein Bett, darauf eine Decke und ein Kissen, jeweils ohne Bezug. Sein Kleiderschrank war bis auf eine blaue Jeans und ein weißes T-Shirt komplett leer. 

In der Küche stand noch der Kühlschrank, ein Esstisch, ein Stuhl und die Spüle, doch jegliche Spül- und Putzmittel waren weg, auch die Bilder an der Wand fehlten. 

Er ging ins Badezimmer. Es war, als wäre nie jemand hier gewesen. Das Bad war bis auf die letzte Rolle Toilettenpapier leergeräumt. Selbst die Dusche hatte keinen Vorhang mehr.

Als er zurück in den Flur kam, bemerkte er, dass die Flasche Bier aus seiner Hand verschwunden war. Er drehte sich nach links und sah sich selbst im Spiegel, der noch an der Wand hing. 

Was war hier geschehen? Das war kein Einbruch. Oder doch? War jemand während seiner Abwesenheit in seine Wohnung gekommen und hat sie fast komplett leergeräumt? Aber wie soll er sich Zugang verschafft haben? Die Tür war abgeschlossen, als er ankam und die Balkontür war ebenfalls fest verschlossen und wo war seine Flasche Bier, die er vor einer Minute noch in der Hand hielt? Er musste sie irgendwo abgestellt haben. 

Er ging zurück ins Wohnzimmer und schaute nach. Doch hier gab es mittlerweile gar nichts mehr. Er stand in einem leeren Raum. Verunsichert lief er durch jedes Zimmer. Sie waren alle leer, völlig unmöbliert. Nur noch die Lampen, die überall leuchteten waren übrig.

"Das ist verrückt..." sprach er in die leere Wohnung.

Im Wohnzimmer wieder angekommen merkte er, wie müde er geworden war. Trotz der Aufregung wollte er nichts weiter als schlafen. Er legte sich auf den nackten Boden und war in wenigen Sekunden eingeschlafen, während die ganze Wohnung in der Dunkelheit versank. 

Der Schlüssel drehte sich im Schloss. Eine Frau um die 30, Vermieterin der Wohnung trat in den Flur, gefolgt von einem jungen Pärchen. Die Frau trug ein Baby auf dem Arm, der Mann neben ihr tätschelte ihr sanft die Schulter und lächelte immer wieder dem Baby zu. 
"Das wäre dann die Wohnung", sagte die Vermieterin und ging durch den Flur.
Die junge Mutter schaute sich kurz um und sagte: "Ich hätte da mal eine Frage..."
Die Vermieterin nickte.
"Uns ist zu Ohren gekommen, dass hier jemand ermordet wurde oder sowas...?"
Sie kamen alle ins Wohnzimmer
"Nein, so etwas ist hier nicht passiert."
Der Mann schaltete sich in die Unterhaltung ein. "Aber hier ist doch mal jemand verschwunden, oder?"
Die Vermieterin setzte ein nicht ganz überzeugendes Lächeln auf. 
"Die Wohnung war eines Tages einfach komplett leergeräumt und sah aus wie neu. Der Mann, der hier gewohnt hat, war einfach verschwunden, ohne irgendjemand etwas zu sagen, von ein auf den anderen Tag. Das ist hier passiert. Mehr nicht."
"Eigenartig", sagte die junge Mutter und die Vermieterin nickte wieder.
"Sind Sie dennoch interessiert? Es gibt nämlich noch weitere Interessenten."
Das junge Pärchen schaute sich kurz an, lächelte und sagte dann zu.
"Ja, wir möchten die Wohnung", sagte die Frau und wippte ihr Baby im Arm.
"Na, gefällt es dir hier auch?" fragte die Mutter und das Baby streckte seinen Arm nach unten aus, als wolle es nach irgendetwas auf dem Boden greifen. 
"Da ist doch nichts", sagte die Mutter in verspieltem Ton und küsste ihr Kind. 

- MM


Montag, 28. Mai 2018

Black Dahlia


James Ellroy / Miles Hyman / Matz / David Fincher
BLACK DAHLIA

Wir bleiben noch ein wenig beim Thema "schwarze Dahlie". Der Schreiber&Leser Verlag hat 2015 die Graphic Novel- Adaption der Geschichte auf dem deutschen Markt herausgebracht. Eine sehr gute Entscheidung. Die NOIR- Reihe des Verlages kann sich sowieso grundsätzlich sehen lassen.
Auf die Story und James Ellroys Inspiration zum Fall wurde im vergangenen Posting schon eingegangen. Hier haben wir es jetzt mit einer insgesamt außergewöhnlich guten Graphic Novel Umsetzung zu tun. Bleichert und Blanchard ermitteln. Die Stadt L.A. ist ein heißes Pflaster, mit all ihren Sünden, korrupten Machenschaften, mafiösen Gangstern und den Stars und Sternchen, die es auf die große Leinwand geschafft haben. Das Opfer, Elizabeth Short hatte es damals eben nicht ganz geschafft.
Dieser Mord hat alles, was eine gute Krimi-Story braucht. Kein Wunder, dass es Ellroys Roman geschafft hat, gleich zweimal umgesetzt zu werden. Zum einen als Film von Brian de Palma im Jahr 2006 mit den Schauspielern Josh Hartnett und Aaron Eckhart und dann neun Jahre später eben in dieser gelungene Graphic Novel, bei der man nichts dem Zufall überlassen hat. Zum kreativen Team hinter "Black Dahlia" gehören der amerikanische Zeichner Miles Hyman, der schon bei Publikationen wie Shirley Jacksons "The Lottery" oder besonders bei der Umsetzung von Jim Thompsons "Savage Night" ("In die finstere Nacht") sein Können unter Beweis gestellt hat. Dazu der französische Autor Matz (ebenfalls bei "Savage Night" beteiligt), der hier am Konzept und an den Texten mitgearbeitet hat und letztendlich komplettiert die Runde Regisseur David Fincher, der ebenfalls bei den Texten seinen Beitrag geleistet hat. Fincher (siehe auch Posting weiter unten) passt natürlich super ins Konzept für diese Geschichte. Bilder, Dialoge, Aufbau, Atmosphäre...das ruchlose L.A. der 40er wurde gut getroffen.
"Black Dahlia" glänzt durch eine starke Erzählung, die wunderbar zu Hymans Zeichnungen passt. Eine Graphic Novel, die viel mehr als nur ein normaler Krimi ist und die Fans des Genres, aber auch die, die gerne mehr in die dunkle Welt des Noirs eintauchen möchten begeistern wird.

168 Seiten, ISBN 978-3-943808-86-5, schreiber&leser, 24,80 Euro

 


Donnerstag, 24. Mai 2018

Ellroys L.A. (Teil 1)


Er gehört zu den besten und erfolgreichsten Krimautoren, auch wenn er sich selbst seit einiger Zeit eher als Romancier oder Historiker sieht. Er schrieb große Kriminalgeschichten und bediente sich dabei gerne an historischen Ereignissen. Die Geschichte des Verbrechens, des Betrugs, der Korruption besonders in seiner Geburtsstadt Los Angeles hat ihn seit jeher gereizt. Einen großen Teil zu dieser nicht auszulöschenden Neugier hat auch der bis heute unaufgeklärte Mord an seiner Mutter beigetragen. Ellroy, fand nach zahlreichen kleinkriminellen Delikten in jüngeren Jahren endlich einen Ausweg aus seinem Dilemma und begann zu schreiben. Mit "Browns Grabgesang" ging es 1981 los. Ellroy brauchte aber noch einige Jahre bis er schließlich vom Schreiben leben konnte. Sechs Jahre später kam mit "Die schwarze Dahlie" der erste Teil seines L.A. Quartetts auf den Markt und seine Autorenkarriere kam so richtig in Fahrt...


DIE SCHWARZE DAHLIE

Das ihn der Fall der im Jahr 1947 getöteten Elizabeth Short faszinierte, ist auch mit dem schon erwähnten Mordfall an Geneva Hilliker Ellroy verbunden. Auch wenn seine Mutter erst elf Jahre später ermordet aufgefunden wurde. Mord, Korruption, Killer, Dealer, gute und besonders auch böse Cops. Das ist die Welt von James Ellroy. Ein Jahr nachdem die "schwarze Dahlie" ermordet wurde, erblickt der kleine James das Licht der Welt. Man spürt in jedem Buch, wie sehr ihn besonders die Jahre seiner Kindheit und die seiner Teenagerzeit in Los Angeles geprägt haben. Die 40er, die 50er und die 60er haben viel zu erzählen und Ellroy ist einer der als Erzähler amerikanischer Kriminalgeschichte dieser Dekaden ja geradezu prädestiniert ist.
Der Fall Elizabeth Short ist einer der populärsten Mordfälle in der Geschichte von L.A. und er passt auch dazu wie Faust aufs Auge.
Eine junge Frau, die in der Stadt der Engel hoch hinaus will, vielleicht sogar eine große Schauspielerin werden möchte, wird am Morgen des 15. Januars 1947 nackt auf einer Wiese gefunden. Ihre Leiche ist verstümmelt. Ihr Mörder wird nie gefasst.
In Ellroys Buch geht es zwar um diesen wahren Fall, doch die Figuren (bis auf die "schwarze Dahlie" natürlich) sind sonst frei erfunden. Allen voran die beiden Polizisten Lee Blanchard und Bucky Bleichert. Sie müssen den Mordfall an der 22jährigen Elizabeth Short lösen. Ein Fall, der beide bald an ihre psychischen Grenzen bringt. Niemand wird diesen Roman unbeschadet überstehen. Weder seine Figuren, noch der Leser, der nach einigen Seiten warm laufen, schon bald komplett in den "ellroyschen" Bann gezogen wird.
Realistisch und raffiniert erzählt, wie Schüsse aus einer Vollautomatik schlägt es Seite um Seite ein. Die Geschichte eines Mordes, der überall Schlagzeilen machte - im unruhigen und zwielichtigen L.A. der späten 40er Jahre und wir sind hautnah dabei. Ellroys Durchbruch, den er mit diesem Buch 1987 hatte gehört noch heute zu den großen Noir-Romanen...

576 Seiten, ISBN 978-3-548-29000-3, Ullstein Verlag, 14,00 Euro




Mittwoch, 23. Mai 2018

City of Lies


Erster Trailer zu "City Of Lies"...

Cop-Noir-Drama nach wahren Begebenheiten, über die Ermittlungen 
an den Mordfällen Tupac Shakur und Notorious B.I.G. und den Skandal des LAPD - 
mit Johnny Depp und Forest Whitaker...

Noch ohne deutschen Termin...


Basiert auf dem Buch "LAbyrinth" von Randall Sullivan...




Sonntag, 20. Mai 2018

Fincher


Eine kleine Hommage an einen der ganz großen Regisseure....


...seine Filme...




...seine Intros...




...und Serien, in die er involviert war, wie z.B....




Freitag, 18. Mai 2018

ROGUE SHOTS: Gracey


GRACEY
von Stefan Barth

Das spärliche Licht ihres Apartments kam mir mit einem Mal ziemlich grell vor. Ob es das Buffer-X war das langsam meinen Kreislauf verlies oder die Müdigkeit nach der Anstrengung konnte ich nicht mit Sicherheit sagen. Als ich aufstand hörte ich das Knistern einer entzündeten Zigarette.
"Bleibst du noch ein Bisschen?", fast flehend und um meine Aufmerksamkeit bettelnd wie ein Hund der gerade die Zeitung gebracht hatte. Ich sah sie nicht an, stattdessen betrachtete ich die plastische Substanz des benutzten Sprühkondoms an meinem Schwanz. Ich streifte es ab, zuckte die Achseln und bewegte mich Richtung Badezimmer.
"Ich geh erstmal pissen."
Resignierendes Seufzen, die Enttäuschung hätte den Qualm der Zigarette mühelos durch den Raum treiben können. Aber sie sagte nichts weiter, wollte sich nicht anmerken lassen wie sehr es sie mitnahm. Ein Blick in den Badezimmerspiegel: Susan Ortega´s Gesicht flammte kurz neben meinem auf, um Gnade bettelnd als ich ihr den kalten Lauf der Socom an den Kopf hielt. Die blonden Haare zerzaust von der Gegenwehr. Sie war nicht einfach gewesen. Ein Tränen getränktes Gesicht, weit aufgerissene rote Augen und die Erkenntnis, dass es zu spät war in ihrem Blick manifestiert. Rückkehr auf die schwach beleuchtete Bühne des Ein-Raum-Apartments welches Gracey ihr zu Hause nannte. Ich hielt ihrem Blick stand, sah das Laken welches sich an ihre Formen schmiegte, das blonde Haar welches sich im Ansatz vom Schweiß dunkel verfärbte.
"Komm leg dich noch ein paar Minuten zu mir.", fast spielerisch hauchte sie die Worte während der Qualm der Zigarette ihre Lippen umspielte, "Vielleicht können wir ja gleich Runde zwei starten." Sie grinste verspielt aber ich sah, dass es nicht echt war.
"Hör zu Gracey, können wir das postkoitale Theaterspiel nicht einfach mal sein lassen?"
Warten auf den Aufprall.
"Du bist so ein Arschloch, Jake. Warum tue ich mir das nur jedes Mal wieder an?"
Erwischt! Ein Hauch von Traurigkeit schwang im Unterton mit. So mag ich Gracey eigentlich nicht, aber ich kann nicht anders.
"Du wolltest es doch genauso wie ich. Es ging um Sex Gracey, deswegen allein bin ich hier, also hör auf so zu tun als wenn es mehr wäre."
Etwas in ihrem Blick brach und ihre blauen sonst so warmen Augen wechselten in ein kaltes matt.
"Ist es das was du dir versuchst ein zu reden, Jake? Jedes Mal wenn du zufällig wieder einen Auftrag in der Bay hast?"
Mittlerweile hatte ich mir meine Hosen angezogen und war dabei mein Hemd zu zuknöpfen. Es musste ungefähr dieser Zeitpunkt gewesen sein als Gracey die Chancenlosigkeit ihrer Lage verstand.
"Fick dich, Jake!", Aufgabe! Verschrenkte Arme über dem hellen Laken, den Blick starr an einen zufälligen Punkt des Raumes, weit weg von mir gerichtet, "Ich hab in deiner Firma angerufen."
"Du hast was?" Die Wucht der Worte traf mich wie die Salve eines Automatikgewehrs.
"Hast richtig gehört, ich hab bei Bellman Constructions angerufen und nachgefragt ob ein Jake Millenhall dort beschäftigt ist. Willst du wissen was sie gesagt haben?"
"Weiß ich schon." antwortete ich sarkastisch. Ich setzte mich in Bewegung, die Apartmenttür im Blick.
"Großartig Jake! Das willst du jetzt tun? Einfach gehen wie immer wenns brenzlig für dich wird?", die Traurigkeit in ihren Worten war nun nicht mehr nur ein Unterton, ich hörte Tränen in der Stimme, "Was war dieser spezielle Auftrag, weswegen du unbedingt herkommen und mich ficken musstest,huh? Hör auf mit den Spielchen und sags mir Herr gott noch mal!"
Aus den Augenwinkeln schaute ich zurück auf das Bett, das irgendwie zu groß für diese eine zierliche Person wirkte. Dann, wie beim Abreissen eines Pflasters öffnete ich die Tür, schritt hinaus und zog sie hinter mir zu.
"Du warst der Auftrag!", sagte ich in Gedanken, "Du warst immer der Auftrag, Gracey."



Montag, 14. Mai 2018

Wein und Pelecanos


George Pelecanos
HARD REVOLUTION

Es waren die späten 60er. Eine Zeit, in der der junge George Pelecanos in einem Arbeiterviertel in Washington aufwuchs. Heute gehört er zu den besten Krimiautoren weltweit. Sein neuester in deutscher Sprache erschienener Roman "Hard Revolution" hat alle Zutaten, die Pelecanos zu seinem stets geschmackvollen Literatur-Süppchen benötigt und man spürt den Geist eben dieser Dekade mit jeder gelesenen Seite. Die Musik, das Lebensgefühl, die Wünsche und Träume, aber auch die Ängste einer Generation, die auf der Suche nach sich selbst war. George Pelecanos hat seine Story auf diesen Säulen aufgebaut und lässt den Wind der Revolution bis zu uns rüber wehen.
Die Menschen damals wurden bewegt durch den Krieg in Vietnam, den traumatisierten Soldaten, die in die Heimat zurückkehrten, der Bürgerrechtsbewegung und politischen Attentaten. Sex, Drugs und Rock n Roll erlebte eine neue Hochzeit, eine wilde Zeit, die nicht so leicht unter Kontrolle gebracht werden konnte.
Im Jahr 1968 in Washington ist der schwarze Derek Strange Officer bei der Metropolitan Police. Sein Bruder Dennis hat es nicht so mit den Cops, ihn hat es auf die andere Seite des Gesetzes verschlagen. Eine gute Dosis Zündstoff, damit die Geschichte so richtig in Gang kommt. Ein Banküberfall und ein darauffolgender Mord an Dennis inmitten rassistischer Konflikte lassen die Bombe schließlich hochgehen.
Durch Fernsehserien wie "The Wire" oder die erst kürzlich erschienene "The Deuce" hat sich Pelecanos auch in der Fernsehwelt einen Namen gemacht. Seine Geschichten sind authentisch und kraftvoll erzählt. Ob die Nick Stefanos Trilogie, die Washington Noir- Reihe, oder eben jetzt der vierte Teil aus der Derek Strange / Terry Quinn Serie. Die Bücher von George Pelecanos werden jedem Leser noch lange in Erinnerung bleiben. Ein ganz feiner Jahrgang. Da kann man nur sein Glas erheben und genießen.

399 Seiten, ISBN 978-3-86913-766-7, ars vivendi, 24,00 €


Dienstag, 8. Mai 2018

Nothing's Gonna Hurt You Baby


Whispered something in your ear
It was a perverted thing to say
But I said it anyway
Made you smile and look away

Nothing's gonna hurt you baby

As long as you're with me you'll be just fine
Nothing's gonna hurt you baby
Nothing's gonna take you from my side





Sonntag, 6. Mai 2018

Er, der hinter den Reihen wandelt


Stephen King's KINDER DES ZORNS 
USA (1984)

Im kleinen Städtchen Gatlin in Nebraska ist was im Busche oder besser gesagt im Maisfeld. Die Kinder des kleinen Ortes haben sich in dem fanatischen Glauben verloren, dass alle Erwachsenen bzw. Ungläubigen sterben müssen. Nach einem brutalen Massaker im Diner gleicht der Ort schon bald einer kleinen Geisterstadt. Das junge Pärchen Burt (Peter Horton) und Vicky (Linda Hamilton) landen schließlich in Gatlin, nachdem sie einen Jungen, der schwerverletzt auf der Landstraße stand angefahren haben. Das Paar sucht nun nach Hilfe und der Horror nimmt seinen Lauf...
Die mordenden Kinder, angeführt vom kleinen Isaak haben sich im Maisfeld versteckt und töten alles, was ihnen ihren Glauben streitig machen will. Wie bei vielen Stephen King Stories spielt Religion eine wichtige Rolle. Ganz besonders in diesem Film. Die Anspielung auf Sekten und religiöse Fanatiker ist natürlich nicht zu übersehen, aber was "Kinder des Zorns" viel mehr ausmacht, ist der klassische 80er Jahre Stil eines trashigen Horrorstreifens, der den Schauspielern und Zuschauern wahrscheinlich mehr Spaß gemacht als Angst eingeflößt hat. Noch heute schmunzelt der Star aus "Terminator 1+2" Linda Hamilton, wenn sie über "Kinder des Zorns" in Interviews spricht. Viele denken wahrscheinlich an die Jugendzeit zurück, an dem man sich King's B-Movie Verfilmungen angeschaut hat und einfach Gefallen daran fand. So ist es auch bei der Fritz Kiersch Verfilmung dieser King Kurzgeschichte, die 1977 erstmals im Penthouse Magazin und bei uns unter anderem in der Kurzgeschichtensammlung "Katzenauge" in den 80ern erschien.
Dem Film folgten acht Fortsetzungen und ein Remake im Jahr 2009. Dieses Jahr, pünktlich zur Aussaat im April hat Capelight Pictures den blutigen B-Movie Klassiker neu herausgebracht. Mit viel Blut, viel Trash, viel Spaß und viel Mais! Also, raus ins Feld und Popcorn (was auch sonst) nicht vergessen...

Blu-ray: Sprache: Deutsch, UT: Deutsch, Englisch, FSK: 16, Laufzeit: 92 min, Studio: Capelight





Freitag, 4. Mai 2018

ROGUE SHOTS: Moon Rollers


Es war ziemlich spät für uns.
Eigentlich hätten wir schon zu Hause sein müssen.
Oben am dunklen Himmel strahlte der Vollmond.
Wir waren zu dritt in unserem Viertel unterwegs,
als drei Mädchen auf Rollschuhen uns entgegen kamen.
Sie waren hübsch.
Keiner von uns hätte gedacht, dass sie auch nur in unsere Richtung schauen würden,
aber eine der Mädchen, das mit den blonden Haaren, winkte zu uns rüber.
Wir gingen hin,
alle total nervös.
Was konnten diese Schönheiten schon von uns wollen?
Sie waren auch noch gut drei oder vier Jahre älter als wir.
Wir waren im Alter zwischen 11 und 13.
Jung und total naiv.
Die Mädchen lockten uns hinter den Supermarkt und sagten,
dass sie uns gerne küssen würden.
Einen nach dem anderen.
Als der erste dran war, sah ich kurz darauf schon das Blut aus seinem Hals laufen.
Nachdem das Rollschuhmädchen ihn leer gesaugt hatte, ließ sie ihn fallen wie faules Obst.
Wir zwei, die noch übrig waren, liefen einfach los.
Wir rannten so schnell wir konnten.
Hinter uns das Geräusch der fahrenden Rollschuhe auf dem Asphalt,
das immer näher kam...

- MM



Dienstag, 1. Mai 2018

H.H. Holmes und die Weltausstellung in Chicago



Heute vor genau 125 Jahren begann die Weltausstellung in Chicago. Serienkiller H.H. Holmes sah die Möglichkeit, sein Mörderhaus teilweise als Hotel für die Besucher zu nutzen...






Sonntag, 29. April 2018

Die Frau im Mond

Andy Weir
ARTEMIS

Auf dem Mond ist vieles anders, aber manche Dinge sind auch knapp 385.000 Kilometer entfernt genau wie hier: der nackte Kampf ums nötige Kleingeld, denn money makes the moon go round. Das weiß auch die kesse Triggerin Jazz Bashara. Trigger sind Kuriere auf dem Mond, doch diese Tätigkeit bringt ihr gerade genug ein, um über die Runden zu kommen. Da ist das Schmuggeln von einigen besonderen Waren schon um einiges lukrativer.

Schon als Kind kam Jazz in die Mondstadt...

Ich lebe in Artemis, der ersten und bislang einzigen Siedlung auf dem Mond. Sie besteht aus fünf riesigen Kugeln, die wir "Blasen" nennen. Die Hälfte der Kugeln liegt unter der Oberfläche, wodurch Artemis exakt so aussieht wie eine Mondstadt in den alten Science-Fiction-Romanen...

Im Stil dieser alten Science-Fiction Romane -pulpig, dramatisch und leicht verspielt- erzählt Weltraum-Kenner Andy Weir die Geschichte einer jungen Frau, die nicht nur hart im Nehmen ist, sondern auch noch überzeugend die ganze Story tragen kann. Weir macht aus Jazz eine coole Protagonistin, aber keine, die sich in unzähligen Klischees verliert. Auch wenn der Kampf der armen Heldin, unter den reichen zwielichtigen Gestalten ein bisschen abgegriffen scheint, kann "Artemis" durch gute Beobachtung und unaufgeregte Erzählstruktur punkten. Die Story kommt langsam in Fahrt und zieht einen bis zum Schluss mit. Wir begleiten Jazz gerne von der dunklen Seite des Mondes bis ins erlösende Licht, sofern eins leuchten wird...

Es ist teuer, hierherzukommen und unglaublich teuer, hier zu leben. Aber eine Stadt kann nicht allein aus reichen Touristen und exzentrischen Milliardären bestehen. Sie braucht aus Angehörige der Arbeiterklasse. Von J. Stinkreich Raffzahn III. erwartet man schließlich nicht, dass er seine Toilette selbst putzt, oder?
Einer dieser kleinen Leute bin ich.

Jazz bewegt sich stets am Abgrund, bis sich ihr eine einzigartige Chance bietet und diese gilt es zu nutzen. Andy Weir hat sich mit seinem Bestseller "Der Marsianer" bereits einen Namen gemacht. Ridley Scotts Verfilmung trug natürlich seinen Teil dazu bei. Nun könnte oder wird wohl "Artemis" einen ähnlichen Weg beschreiten und man darf sich auf eine Adaption für die Leinwand freuen, denn Artemis hat alles, was ein intelligentes und spannendes Weltraum- Abenteuer ausmacht. Alte Sci-Fi Schwergewichte wie Dick, Verne oder Wells würden mit Sicherheit ihren Hut ziehen. Weir ist auf einer ganz besonderen Reise. Es bleibt zu hoffen, dass er so schnell nicht landet.

432 Seiten, ISBN 978-3-453-27167-8, Heyne Verlag, 15,00 Euro


Freitag, 20. April 2018

Black Grease


But I give give give give
I give what I can give
So just give give give give
Give me what you have, dear



Donnerstag, 19. April 2018

ROGUE SHOTS: Am Ende des Flurs


Vor einem Jahr verschwand sie
in einem Motel auf unserer Hochzeitsreise
seitdem begegnet sie mir nur noch
in meinen Träumen

so wie in dieser einen Nacht...

ich wurde auf der Couch wach,
stand auf und
folgte diesem Geräusch,
das wie ihr Atmen klang

die Tür am Ende des Flurs
stand einen Spalt offen
ich schob sie weiter auf
und sah sie dort auf dem Sessel
neben unserem Bett sitzen

ich wollte hinein,
doch es ging nicht
etwas hielt mich zurück,
also sah ich ihr nur zu

sie saß einfach da,
sexy wie sie halt war
und rauchte eine Zigarette
einfach so,
einfach sie,
als wäre überhaupt nichts passiert

- MM


Mittwoch, 18. April 2018

Skandal


Jener Sender, der wirklich nicht mit B-Movie-Trash Perlen
geizt, gibt ab dem 24. April wundervolle Skandalvorstellungen...

...mit richtig guten Streifen - Pulp, Noir, alles dabei...

Mehr Infos gibt's hier: Tele 5 Special Skandal Filme






Wünsch dir was


Stephen King & Richard Chizmar
GWENDYS WUNSCHKASTEN

Ein junges Mädchen, ein mysteriöser Fremder und ein Kasten, der Wünsche erfüllt. King hat gerne Kinder oder Jugendliche in seine Geschichten als Hauptfiguren eingebaut. Diese Naivität, diese Unschuld und diese Neugier, die junge Menschen auszeichnet, kitzelt den Schrecken so lange heraus, bis er schließlich alles übernimmt. Diesmal holt sich der Meister des Horrors einen Co-Autoren ins Boot. Richard Chizmar ist mehrfach ausgezeichneter Fantasy- und Horrorautor, u.a. bekam er zweimal den "World Fantasy Special Award", außerdem gibt er das Literaturmagazin "Cemetery Dance" heraus und ist Verleger von "Cemetery Dance Publications", wo die amerikanische Version von "Gwendys Wunschkasten" erschien. Seit 2002 ist er auch an einigen Film- und Serienproduktionen beteiligt. Also durchaus jemand, der einen dicken Koffer voller düsterer Ideen mitbringt. Inwieweit beide sich den Stift während des Schreibprozesses zugespielt haben, weiß man nicht genau, aber das Resultat ist ein gelungener Kurzroman, der immer wieder gekonnt kleine Stiche unter die Haut setzt.
Im Mittelpunkt steht die junge Gwendy, die -unzufrieden mit ihrem Körpergewicht- eines Tages von dem schwarz gekleideten Richard Farris auf einer Bank in Castle Rock einen kleinen Kasten aus Mahagoni geschenkt bekommt. Dieser soll ihr Wünsche erfüllen oder in erster Linie ihr helfen, schlanker zu werden. Man denkt unwillkürlich an verschiedene ältere Stories von King, wie zum Beispiel "Carrie", "Der Fluch" oder "In einer kleinen Stadt".  Natürlich weiß man, wenn King am Werk ist, werden schlimme Dinge passieren. Was mit harmlosen Wünschen beginnt, könnte bald die ganze Welt ins Angst und Schrecken versetzen. Das Schicksal spielt verrückt und einmal mehr in Kings Romanen sollten sich die jungen Menschen genau überlegen, was sie sich wünschen, denn es könnte letztendlich tatsächlich in Erfüllung gehen.
Dieser Kurzroman zeichnet einen Spannungsbogen, den man aus guten King Büchern kennt und Chizmars zusätzlichen bösen Kräuter runden dieses Grusel-Süppchen perfekt ab. Langsam und schleichend kommt das Unheil um die Ecke und wenn es zupackt, gibt es so leicht kein Entkommen mehr. Kurz und gut. Eine kleine Horror oder besser gesagt Mystery- Geschichte, die eigentlich keine Wünsche offen lässt. 

128 Seiten, ISBN 978-3-453-43925-2, Heyne, 10,00 €


Donnerstag, 12. April 2018

ROGUE SHOTS: Honeymooners


Sie waren in den Flitterwochen
und machten auf ihrem Weg
Richtung Westen in einem Motel halt...

Er stand gerade unter der Dusche,
als er einen kurzen schrillen Schrei vernahm.
Danach war nur noch der Fernseher zu hören.
Er griff sich ein Handtuch und
ging ins Schlafzimmer.
Sie war verschwunden
und durch das Fenster konnte er ein
grelles Licht erkennen.
Schützend hielt er sich die Hand vor die Augen,
einen Augenblick später war es nicht mehr zu sehen.

Durch das Fenster sah er hinaus und sah
nur noch den finsteren Schrottplatz,
direkt hinter dem Motel.
Er zog sich etwas über
und rannte zur Rezeption.

Der ältere Typ hinter dem Tresen
saß auf einem Hocker und las in der Tageszeitung.
Der junge Mann war ganz aufgeregt und fragte,
ob man an der Rezeption mitbekommen habe,
was passiert sei.
Seine Frau sei verschwunden.

Der ältere Typ schaute nicht mal auf und
sagte nur: "Stellen Sie keine Fragen,
manchmal kommen sie und holen jemanden."

- MM


Dienstag, 10. April 2018

The Meg


Feinster Monsterhai- Trash mit schönem Gebiss
...ab 30. August bei uns im Kino...

Nach der gleichnamigen Buchreihe von Steve Alten

Trailer


Samstag, 7. April 2018

BOOK SHOTS: Nachmittage mit Mördern


"Wissen Sie, ich wollte nur eine Quittung, und da sagt er: 'Für eine Quittung muss man aber was tun. Nichts gibt's umsonst auf der Welt.'"
Sie sprach in gedämpftem, doch eindringlichem Ton und beugte sich dabei über den Tisch und der weite Ausschnitt ihres T-Shirts ließ ihre straffen Brüste sehen. "Einmal zur falschen Zeit am falschen Ort, schon ist das Leben befleckt."

- Quittung, Nachmittage mit Mördern, Sibylle Tamin




Freitag, 6. April 2018

Fahrenheit 451


Nach Francois Truffaut im Jahr 1966, kommt nächsten Monat 
eine neue Verfilmung von Ray Bradburys Klassiker...
aber vorerst nur beim US- Bezahlsender.
Mal schauen, wann der Film bei uns einschlägt...

Trailer



Erstmals als "The Fireman" im Februar 1951 erschienen...


Donnerstag, 5. April 2018

Mittwoch, 4. April 2018

Süßes oder Saures?!


Jeph Loeb & Tim Sale
BATMAN: DAS LANGE HALLOWEEN

Der dunkle Ritter ist wieder unterwegs, aber wann war er das eigentlich mal nicht? Der Panini Verlag hat sich einen Klassiker vorgenommen und diesen kürzlich in einer überarbeiteten Übersetzung neu herausgebracht. Das heißt, dass viele von euch diesen Band vielleicht sogar schon kennen. Für alle, die sich diesen Comic noch nicht vorgenommen haben, sei gesagt, "Das lange Halloween" gehört zu den besten und kreativsten Geschichten aus dem DC Universum.
Zeichner Tim Sale, der schon viel für DC, aber auch für Marvel gearbeitet hat, vereint sich hier einmal mehr mit dem Schriftsteller und Drehbuchautoren Jeph Loeb. Das Ergebnis ist schlichtweg beeindruckend. Auch Regisseur Christopher Nolan bediente sich kräftig an dieser Vorlage und ließ die Handlung und die Atmosphäre in seine Trilogie einfließen. Es beginnt als klassische Gangsterstory. Mafiaboss Carmine "Der Römer" Falcone will an die Macht und das auch gerne mit oder über Bruce Wayne. "Ich glaube an Gotham City", sagt Falcone und blickt uns mit ernster Miene an. Na, schon mal irgendwo gehört? Wer sich zuerst an Filme wie "Der Pate" erinnert fühlt, denkt einige Kapitel weiter schon an Psychothriller wie "Sieben". Noir trifft Psychothriller...
Der Band erzählt die komplette Geschichte, die zwischen 1996 und 1997 in den USA als 13-teilige Serie erschien. Ein gradliniger Noir- Comic mit vielen interessanten Charakteren, die um den dunklen Ritter herum für die entsprechenden Knalleffekte sorgen. Brutale Gangstertypen, ein psychopathischer Killer namens Holiday, der sich seine Opfer stets an Feiertagen vornimmt und vom Riddler, über Catwoman bis hin zum legendären Joker lässt es sich niemand nehmen, bei diesem grandiosen Abenteuer mitzumischen.
Inhaltlich knüpft "Halloween" an die frühen Batman-Jahre, wie der "Batman: Das erste Jahr" von Frank Miller und David Mazzuchelli an und trägt die Fackel mit eben dieser Durchschlagskraft weiter. Es brennt lichterloh.
"Das lange Halloween" hat einen großen Beitrag dazu geleistet, dass die Figur Batman im DC Universum und überhaupt in der Welt der Comics auch weiterhin einen derartig hohen Stellenwert genießt. Schlicht und ergreifend: ein Meisterwerk!

364 Seiten, ISBN 9783741607363 Panini Verlag, 35,00€