Freitag, 16. März 2018

Totes Fleisch


Matthew Stokoe
KÜHE

Im Schlachtraum drehte der Tod durch.

Der junge Steven hat nichts, was man sich mit Mitte 20 wünschen würde. Total verbittert, nichts als Hass für die extrem autoritäre Mutter übrig und einen Job im Schlachthaus, wo er sich durch Blut und Kuhfäkalien rumschlagen darf. Man kann sagen, sein Leben läuft ziemlich beschissen. Eine Nachbarin namens Lucy nährt seine Fantasien, die er sich sonst nur aus der Glotze zieht. Ein besseres Leben, ein schönes Leben, mit all den kunterbunten Dingen, die einem den Alltag versüßen sollen erträumt er sich. Doch wir sind hier Lichtjahre von einem normalen, von Freude und Zufriedenheit erfüllten Dasein entfernt. Wir sind in der Welt von Matthew Stokoe angekommen und wer sein Debüt auf dem deutschen Markt im Jahr 2012 erlebt bzw. gelesen hat, dürfte in etwa wissen, in welche Richtung es geht.
Damals zerrte uns der britische Autor durch die kranke, wenn auch von Sonnenschein geblendete Welt einer total durchgeknallten südkalifornischen Medienwelt und einem Protagonisten, der nach Höherem strebt. "High Life" schlug und schlägt immer noch ganz schön aufs Gemüt. Erzählerisch tatsächlich nicht von schlechten Eltern, muss man bei Stokoe dennoch auf einen gehörigen Ekelfaktor hinweisen. Das er und der Festa Verlag irgendwann den Bund der literarischen Ehe eingehen, überrascht wenig. Ein Verlag, der bekannt für seine Hardcore Literatur ist, die gleich mal ein paar Stockwerke tiefer als nur unter der Gürtellinie ansetzt. Horror mit dem Vorschlaghammer. Wer sich traut, darf sich gerne selbst überzeugen: Festa Verlag

Nun also auch Stokoe. Beim Autor von Titeln wie dem eben erwähnten "High Life" und dem nicht ganz so brutalen "Empty Mile", das hier nur ein Jahr später erschien, oder das bisher nur in französischer und teilweise in englischer Sprache veröffentlichte "Colony of Whores" (eine Leseprobe gab es in der Rogue Nation 02/03) sucht man vergebens nach Charakteren, die nicht psychisch verdorben sind. Stokoe schreibt klar und direkt und verzichtet komplett auf Lichtblicke in einer von Chaos durchzogenen Welt. Nicht jeder wird mit seinen Geschichten etwas anfangen können, wahrscheinlich werden die meisten nicht mal die ersten 100 Seiten von "Kühe" unbeschwert schaffen, aber alle, die den Sprung aufs Nagelbett nicht scheuen, denen sei ein schöner Aufschlag gewünscht. 


256 Seiten, ISBN 978-3-865-52528-4, Festa Verlag, 22,80€


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