Montag, 28. Mai 2018

Black Dahlia


James Ellroy / Miles Hyman / Matz / David Fincher
BLACK DAHLIA

Wir bleiben noch ein wenig beim Thema "schwarze Dahlie". Der Schreiber&Leser Verlag hat 2015 die Graphic Novel- Adaption der Geschichte auf dem deutschen Markt herausgebracht. Eine sehr gute Entscheidung. Die NOIR- Reihe des Verlages kann sich sowieso grundsätzlich sehen lassen.
Auf die Story und James Ellroys Inspiration zum Fall wurde im vergangenen Posting schon eingegangen. Hier haben wir es jetzt mit einer insgesamt außergewöhnlich guten Graphic Novel Umsetzung zu tun. Bleichert und Blanchard ermitteln. Die Stadt L.A. ist ein heißes Pflaster, mit all ihren Sünden, korrupten Machenschaften, mafiösen Gangstern und den Stars und Sternchen, die es auf die große Leinwand geschafft haben. Das Opfer, Elizabeth Short hatte es damals eben nicht ganz geschafft.
Dieser Mord hat alles, was eine gute Krimi-Story braucht. Kein Wunder, dass es Ellroys Roman geschafft hat, gleich zweimal umgesetzt zu werden. Zum einen als Film von Brian de Palma im Jahr 2006 mit den Schauspielern Josh Hartnett und Aaron Eckhart und dann neun Jahre später eben in dieser gelungene Graphic Novel, bei der man nichts dem Zufall überlassen hat. Zum kreativen Team hinter "Black Dahlia" gehören der amerikanische Zeichner Miles Hyman, der schon bei Publikationen wie Shirley Jacksons "The Lottery" oder besonders bei der Umsetzung von Jim Thompsons "Savage Night" ("In die finstere Nacht") sein Können unter Beweis gestellt hat. Dazu der französische Autor Matz (ebenfalls bei "Savage Night" beteiligt), der hier am Konzept und an den Texten mitgearbeitet hat und letztendlich komplettiert die Runde Regisseur David Fincher, der ebenfalls bei den Texten seinen Beitrag geleistet hat. Fincher (siehe auch Posting weiter unten) passt natürlich super ins Konzept für diese Geschichte. Bilder, Dialoge, Aufbau, Atmosphäre...das ruchlose L.A. der 40er wurde gut getroffen.
"Black Dahlia" glänzt durch eine starke Erzählung, die wunderbar zu Hymans Zeichnungen passt. Eine Graphic Novel, die viel mehr als nur ein normaler Krimi ist und die Fans des Genres, aber auch die, die gerne mehr in die dunkle Welt des Noirs eintauchen möchten begeistern wird.

168 Seiten, ISBN 978-3-943808-86-5, schreiber&leser, 24,80 Euro

 


Donnerstag, 24. Mai 2018

Ellroys L.A. (Teil 1)


Er gehört zu den besten und erfolgreichsten Krimautoren, auch wenn er sich selbst seit einiger Zeit eher als Romancier oder Historiker sieht. Er schrieb große Kriminalgeschichten und bediente sich dabei gerne an historischen Ereignissen. Die Geschichte des Verbrechens, des Betrugs, der Korruption besonders in seiner Geburtsstadt Los Angeles hat ihn seit jeher gereizt. Einen großen Teil zu dieser nicht auszulöschenden Neugier hat auch der bis heute unaufgeklärte Mord an seiner Mutter beigetragen. Ellroy, fand nach zahlreichen kleinkriminellen Delikten in jüngeren Jahren endlich einen Ausweg aus seinem Dilemma und begann zu schreiben. Mit "Browns Grabgesang" ging es 1981 los. Ellroy brauchte aber noch einige Jahre bis er schließlich vom Schreiben leben konnte. Sechs Jahre später kam mit "Die schwarze Dahlie" der erste Teil seines L.A. Quartetts auf den Markt und seine Autorenkarriere kam so richtig in Fahrt...


DIE SCHWARZE DAHLIE

Das ihn der Fall der im Jahr 1947 getöteten Elizabeth Short faszinierte, ist auch mit dem schon erwähnten Mordfall an Geneva Hilliker Ellroy verbunden. Auch wenn seine Mutter erst elf Jahre später ermordet aufgefunden wurde. Mord, Korruption, Killer, Dealer, gute und besonders auch böse Cops. Das ist die Welt von James Ellroy. Ein Jahr nachdem die "schwarze Dahlie" ermordet wurde, erblickt der kleine James das Licht der Welt. Man spürt in jedem Buch, wie sehr ihn besonders die Jahre seiner Kindheit und die seiner Teenagerzeit in Los Angeles geprägt haben. Die 40er, die 50er und die 60er haben viel zu erzählen und Ellroy ist einer der als Erzähler amerikanischer Kriminalgeschichte dieser Dekaden ja geradezu prädestiniert ist.
Der Fall Elizabeth Short ist einer der populärsten Mordfälle in der Geschichte von L.A. und er passt auch dazu wie Faust aufs Auge.
Eine junge Frau, die in der Stadt der Engel hoch hinaus will, vielleicht sogar eine große Schauspielerin werden möchte, wird am Morgen des 15. Januars 1947 nackt auf einer Wiese gefunden. Ihre Leiche ist verstümmelt. Ihr Mörder wird nie gefasst.
In Ellroys Buch geht es zwar um diesen wahren Fall, doch die Figuren (bis auf die "schwarze Dahlie" natürlich) sind sonst frei erfunden. Allen voran die beiden Polizisten Lee Blanchard und Bucky Bleichert. Sie müssen den Mordfall an der 22jährigen Elizabeth Short lösen. Ein Fall, der beide bald an ihre psychischen Grenzen bringt. Niemand wird diesen Roman unbeschadet überstehen. Weder seine Figuren, noch der Leser, der nach einigen Seiten warm laufen, schon bald komplett in den "ellroyschen" Bann gezogen wird.
Realistisch und raffiniert erzählt, wie Schüsse aus einer Vollautomatik schlägt es Seite um Seite ein. Die Geschichte eines Mordes, der überall Schlagzeilen machte - im unruhigen und zwielichtigen L.A. der späten 40er Jahre und wir sind hautnah dabei. Ellroys Durchbruch, den er mit diesem Buch 1987 hatte gehört noch heute zu den großen Noir-Romanen...

576 Seiten, ISBN 978-3-548-29000-3, Ullstein Verlag, 14,00 Euro




Mittwoch, 23. Mai 2018

City of Lies


Erster Trailer zu "City Of Lies"...

Cop-Noir-Drama nach wahren Begebenheiten, über die Ermittlungen 
an den Mordfällen Tupac Shakur und Notorious B.I.G. und den Skandal des LAPD - 
mit Johnny Depp und Forest Whitaker...

Noch ohne deutschen Termin...


Basiert auf dem Buch "LAbyrinth" von Randall Sullivan...




Sonntag, 20. Mai 2018

Fincher


Eine kleine Hommage an einen der ganz großen Regisseure....


...seine Filme...




...seine Intros...




...und Serien, in die er involviert war, wie z.B....




Freitag, 18. Mai 2018

ROGUE SHOTS: Gracey


GRACEY
von Stefan Barth

Das spärliche Licht ihres Apartments kam mir mit einem Mal ziemlich grell vor. Ob es das Buffer-X war das langsam meinen Kreislauf verlies oder die Müdigkeit nach der Anstrengung konnte ich nicht mit Sicherheit sagen. Als ich aufstand hörte ich das Knistern einer entzündeten Zigarette.
"Bleibst du noch ein Bisschen?", fast flehend und um meine Aufmerksamkeit bettelnd wie ein Hund der gerade die Zeitung gebracht hatte. Ich sah sie nicht an, stattdessen betrachtete ich die plastische Substanz des benutzten Sprühkondoms an meinem Schwanz. Ich streifte es ab, zuckte die Achseln und bewegte mich Richtung Badezimmer.
"Ich geh erstmal pissen."
Resignierendes Seufzen, die Enttäuschung hätte den Qualm der Zigarette mühelos durch den Raum treiben können. Aber sie sagte nichts weiter, wollte sich nicht anmerken lassen wie sehr es sie mitnahm. Ein Blick in den Badezimmerspiegel: Susan Ortega´s Gesicht flammte kurz neben meinem auf, um Gnade bettelnd als ich ihr den kalten Lauf der Socom an den Kopf hielt. Die blonden Haare zerzaust von der Gegenwehr. Sie war nicht einfach gewesen. Ein Tränen getränktes Gesicht, weit aufgerissene rote Augen und die Erkenntnis, dass es zu spät war in ihrem Blick manifestiert. Rückkehr auf die schwach beleuchtete Bühne des Ein-Raum-Apartments welches Gracey ihr zu Hause nannte. Ich hielt ihrem Blick stand, sah das Laken welches sich an ihre Formen schmiegte, das blonde Haar welches sich im Ansatz vom Schweiß dunkel verfärbte.
"Komm leg dich noch ein paar Minuten zu mir.", fast spielerisch hauchte sie die Worte während der Qualm der Zigarette ihre Lippen umspielte, "Vielleicht können wir ja gleich Runde zwei starten." Sie grinste verspielt aber ich sah, dass es nicht echt war.
"Hör zu Gracey, können wir das postkoitale Theaterspiel nicht einfach mal sein lassen?"
Warten auf den Aufprall.
"Du bist so ein Arschloch, Jake. Warum tue ich mir das nur jedes Mal wieder an?"
Erwischt! Ein Hauch von Traurigkeit schwang im Unterton mit. So mag ich Gracey eigentlich nicht, aber ich kann nicht anders.
"Du wolltest es doch genauso wie ich. Es ging um Sex Gracey, deswegen allein bin ich hier, also hör auf so zu tun als wenn es mehr wäre."
Etwas in ihrem Blick brach und ihre blauen sonst so warmen Augen wechselten in ein kaltes matt.
"Ist es das was du dir versuchst ein zu reden, Jake? Jedes Mal wenn du zufällig wieder einen Auftrag in der Bay hast?"
Mittlerweile hatte ich mir meine Hosen angezogen und war dabei mein Hemd zu zuknöpfen. Es musste ungefähr dieser Zeitpunkt gewesen sein als Gracey die Chancenlosigkeit ihrer Lage verstand.
"Fick dich, Jake!", Aufgabe! Verschrenkte Arme über dem hellen Laken, den Blick starr an einen zufälligen Punkt des Raumes, weit weg von mir gerichtet, "Ich hab in deiner Firma angerufen."
"Du hast was?" Die Wucht der Worte traf mich wie die Salve eines Automatikgewehrs.
"Hast richtig gehört, ich hab bei Bellman Constructions angerufen und nachgefragt ob ein Jake Millenhall dort beschäftigt ist. Willst du wissen was sie gesagt haben?"
"Weiß ich schon." antwortete ich sarkastisch. Ich setzte mich in Bewegung, die Apartmenttür im Blick.
"Großartig Jake! Das willst du jetzt tun? Einfach gehen wie immer wenns brenzlig für dich wird?", die Traurigkeit in ihren Worten war nun nicht mehr nur ein Unterton, ich hörte Tränen in der Stimme, "Was war dieser spezielle Auftrag, weswegen du unbedingt herkommen und mich ficken musstest,huh? Hör auf mit den Spielchen und sags mir Herr gott noch mal!"
Aus den Augenwinkeln schaute ich zurück auf das Bett, das irgendwie zu groß für diese eine zierliche Person wirkte. Dann, wie beim Abreissen eines Pflasters öffnete ich die Tür, schritt hinaus und zog sie hinter mir zu.
"Du warst der Auftrag!", sagte ich in Gedanken, "Du warst immer der Auftrag, Gracey."



Montag, 14. Mai 2018

Wein und Pelecanos


George Pelecanos
HARD REVOLUTION

Es waren die späten 60er. Eine Zeit, in der der junge George Pelecanos in einem Arbeiterviertel in Washington aufwuchs. Heute gehört er zu den besten Krimiautoren weltweit. Sein neuester in deutscher Sprache erschienener Roman "Hard Revolution" hat alle Zutaten, die Pelecanos zu seinem stets geschmackvollen Literatur-Süppchen benötigt und man spürt den Geist eben dieser Dekade mit jeder gelesenen Seite. Die Musik, das Lebensgefühl, die Wünsche und Träume, aber auch die Ängste einer Generation, die auf der Suche nach sich selbst war. George Pelecanos hat seine Story auf diesen Säulen aufgebaut und lässt den Wind der Revolution bis zu uns rüber wehen.
Die Menschen damals wurden bewegt durch den Krieg in Vietnam, den traumatisierten Soldaten, die in die Heimat zurückkehrten, der Bürgerrechtsbewegung und politischen Attentaten. Sex, Drugs und Rock n Roll erlebte eine neue Hochzeit, eine wilde Zeit, die nicht so leicht unter Kontrolle gebracht werden konnte.
Im Jahr 1968 in Washington ist der schwarze Derek Strange Officer bei der Metropolitan Police. Sein Bruder Dennis hat es nicht so mit den Cops, ihn hat es auf die andere Seite des Gesetzes verschlagen. Eine gute Dosis Zündstoff, damit die Geschichte so richtig in Gang kommt. Ein Banküberfall und ein darauffolgender Mord an Dennis inmitten rassistischer Konflikte lassen die Bombe schließlich hochgehen.
Durch Fernsehserien wie "The Wire" oder die erst kürzlich erschienene "The Deuce" hat sich Pelecanos auch in der Fernsehwelt einen Namen gemacht. Seine Geschichten sind authentisch und kraftvoll erzählt. Ob die Nick Stefanos Trilogie, die Washington Noir- Reihe, oder eben jetzt der vierte Teil aus der Derek Strange / Terry Quinn Serie. Die Bücher von George Pelecanos werden jedem Leser noch lange in Erinnerung bleiben. Ein ganz feiner Jahrgang. Da kann man nur sein Glas erheben und genießen.

399 Seiten, ISBN 978-3-86913-766-7, ars vivendi, 24,00 €


Dienstag, 8. Mai 2018

Nothing's Gonna Hurt You Baby


Whispered something in your ear
It was a perverted thing to say
But I said it anyway
Made you smile and look away

Nothing's gonna hurt you baby

As long as you're with me you'll be just fine
Nothing's gonna hurt you baby
Nothing's gonna take you from my side





Sonntag, 6. Mai 2018

Er, der hinter den Reihen wandelt


Stephen King's KINDER DES ZORNS 
USA (1984)

Im kleinen Städtchen Gatlin in Nebraska ist was im Busche oder besser gesagt im Maisfeld. Die Kinder des kleinen Ortes haben sich in dem fanatischen Glauben verloren, dass alle Erwachsenen bzw. Ungläubigen sterben müssen. Nach einem brutalen Massaker im Diner gleicht der Ort schon bald einer kleinen Geisterstadt. Das junge Pärchen Burt (Peter Horton) und Vicky (Linda Hamilton) landen schließlich in Gatlin, nachdem sie einen Jungen, der schwerverletzt auf der Landstraße stand angefahren haben. Das Paar sucht nun nach Hilfe und der Horror nimmt seinen Lauf...
Die mordenden Kinder, angeführt vom kleinen Isaak haben sich im Maisfeld versteckt und töten alles, was ihnen ihren Glauben streitig machen will. Wie bei vielen Stephen King Stories spielt Religion eine wichtige Rolle. Ganz besonders in diesem Film. Die Anspielung auf Sekten und religiöse Fanatiker ist natürlich nicht zu übersehen, aber was "Kinder des Zorns" viel mehr ausmacht, ist der klassische 80er Jahre Stil eines trashigen Horrorstreifens, der den Schauspielern und Zuschauern wahrscheinlich mehr Spaß gemacht als Angst eingeflößt hat. Noch heute schmunzelt der Star aus "Terminator 1+2" Linda Hamilton, wenn sie über "Kinder des Zorns" in Interviews spricht. Viele denken wahrscheinlich an die Jugendzeit zurück, an dem man sich King's B-Movie Verfilmungen angeschaut hat und einfach Gefallen daran fand. So ist es auch bei der Fritz Kiersch Verfilmung dieser King Kurzgeschichte, die 1977 erstmals im Penthouse Magazin und bei uns unter anderem in der Kurzgeschichtensammlung "Katzenauge" in den 80ern erschien.
Dem Film folgten acht Fortsetzungen und ein Remake im Jahr 2009. Dieses Jahr, pünktlich zur Aussaat im April hat Capelight Pictures den blutigen B-Movie Klassiker neu herausgebracht. Mit viel Blut, viel Trash, viel Spaß und viel Mais! Also, raus ins Feld und Popcorn (was auch sonst) nicht vergessen...

Blu-ray: Sprache: Deutsch, UT: Deutsch, Englisch, FSK: 16, Laufzeit: 92 min, Studio: Capelight





Freitag, 4. Mai 2018

ROGUE SHOTS: Moon Rollers


Es war ziemlich spät für uns.
Eigentlich hätten wir schon zu Hause sein müssen.
Oben am dunklen Himmel strahlte der Vollmond.
Wir waren zu dritt in unserem Viertel unterwegs,
als drei Mädchen auf Rollschuhen uns entgegen kamen.
Sie waren hübsch.
Keiner von uns hätte gedacht, dass sie auch nur in unsere Richtung schauen würden,
aber eine der Mädchen, das mit den blonden Haaren, winkte zu uns rüber.
Wir gingen hin,
alle total nervös.
Was konnten diese Schönheiten schon von uns wollen?
Sie waren auch noch gut drei oder vier Jahre älter als wir.
Wir waren im Alter zwischen 11 und 13.
Jung und total naiv.
Die Mädchen lockten uns hinter den Supermarkt und sagten,
dass sie uns gerne küssen würden.
Einen nach dem anderen.
Als der erste dran war, sah ich kurz darauf schon das Blut aus seinem Hals laufen.
Nachdem das Rollschuhmädchen ihn leer gesaugt hatte, ließ sie ihn fallen wie faules Obst.
Wir zwei, die noch übrig waren, liefen einfach los.
Wir rannten so schnell wir konnten.
Hinter uns das Geräusch der fahrenden Rollschuhe auf dem Asphalt,
das immer näher kam...

- MM



Dienstag, 1. Mai 2018

H.H. Holmes und die Weltausstellung in Chicago



Heute vor genau 125 Jahren begann die Weltausstellung in Chicago. Serienkiller H.H. Holmes sah die Möglichkeit, sein Mörderhaus teilweise als Hotel für die Besucher zu nutzen...