Mittwoch, 27. Juni 2018

Lynchs Traumwelten


David Lynch / Kristine McKenna
TRAUMWELTEN

Wenn wir mit seiner Arbeit konfrontiert werden, ergibt sich daraus möglicherweise ein eigenartiges Staunen oder auch Entsetzen. Die Neugier wird geweckt, aber auch die Frage, was uns der Künstler David Lynch mit diesem (Kurz oder Spiel)Film, dieser Serie, diesem Bild oder diesem Song sagen will. Einige werden seine Werke, besonders seine Filme lieben, andere werden sie komplett ablehnen bzw. diese Art der Kunst nicht an sich heranlassen. Wer sich ihr hingibt und nicht unbedingt alles verstehen möchte, dem wird es möglich gemacht, auf eine besondere Reise zu gehen oder um den Titel seiner aktuellen Biografie zu benutzen: in eine Traumwelt einzutauchen - das trifft es durchaus am besten. Doch unweigerlich stellt sich vielleicht der ein oder andere auch die Frage nach dem Ursprung dieser Träume. Wo liegt die Quelle von Lynchs Inspiration und kann ein Buch darauf eine Antwort geben? Lynch merkt es schon im Vorwort an, dass dies gar nicht möglich ist. Das Leben ist zu vielseitig und zu komplex, als es tatsächlich in einem einzelnen Buch komplett zu sezieren und zu erklären. Trotzdem hat Lynch, in Zusammenarbeit mit der Journalistin und Autorin Kristine McKenna seine Lebensgeschichte nun erzählt...

768 Seiten, ISBN 978-3-453-27084-8, Heyne Encore, 25,00 Euro


Aufgewachsen in einem typisch klassischen amerikanischen Szenario, in den goldenen 50ern im mittleren Westen der USA, in der "kleinen Großstadt" Boise im Bundesstaat Idaho. Der Vater studierte Insektenkunde und arbeitete anschließend als Forscher, die Mutter Hausfrau, Lynch hat einen jüngeren Bruder und eine jüngere Schwester. Es ist das gute "all american Life", in dem David aufwächst. Und so schön es sich anhört, es war wohl genau dieses Idyll, das so störte. Schaut man sich die düsteren und verstörenden Geschichten, die Lynch erzählt an, bringt man dies nicht unbedingt mit einer ausgeglichenen, wundervollen Kindheit in Verbindung. Lynch wurde oft nach seiner Kindheit oder Teenagerzeit befragt oder auch nach Drogenexzessen oder sonstigen außergewöhnlichen Einschnitten in sein Künstlerleben. Doch nichts dergleichen fand statt. Er ging den Weg des Künstlers, allerdings ohne Exzesse. Er schnitt sich kein Teil seines Ohres ab und steckte sich irgendwann auch kein Gewehr in den Mund. Lynch liebt Kaffee, Cola und Zigaretten. Mehr Laster gibt es nicht. Lynchs größte Inspiration war das Leben und die Menschen um ihn herum. Er sah all dies mit anderen Augen. Seine Jugendjahre im ländlichen Städtchen Boise in Idaho, gefolgt vom chaotischen, dreckigen, düsteren Stadtleben in einem ziemlich heruntergekommenen Stadtviertel in Philadelphia während seiner ersten Künstlerjahre. All dies übte großen Einfluss auf seine zuküftige Arbeit aus.
McKenna recherchierte und schrieb ihre Ergebnisse auf, Lynch überprüfte, gegebenenfalls korrigierte und schrieb seine Sicht der Dinge zu vorangegangenen Recherchen über sein Leben. So funktioniert die Biografie im Wechselspiel zwischen Lynch und McKenna und eröffnet so dem Leser eine etwas breitere Sichtweise auf jedes Kapitel und jeden Abschnitt in Lynchs Leben. Interessant und spannend, ohne überflüssiges Gesäusel über die erste Eistüte mit dem Vater oder ähnliche Rückblicke. "Traumwelten" entführt den Geist und inspirierend ihn. Alles gut dosiert und frei von Skandalen. Was man natürlich von seinen Filmen nicht unbedingt behaupten kann. Von verstörenden Bildern des Familienlebens in "Eraserhead", über die harten Erkenntnisse des Lebens eines jungen Menschen in "Blue Velvet" bis hin zum Meisterwerk des Twin Peaks-Schöpfers und gleichzeitig zu einem der genialsten Film Noirs der Geschichte: "Mulholland Drive". Lynch erzählt in seinem Buch natürlich auch ein wenig von den Entwicklungen und Dreharbeiten der einzelnen Filme. Er schreibt von seiner Liebe zum Kino, zur Kunst, zur Musik und einfach zum Leben und führt uns in seiner ganz besonderen Art durch die dunklen kurvigen Straße, irgendwo oben, zwischen den Hügeln Hollywoods...



Grandioser Soundtrack von Komponist Angelo Badalamenti
zum Film...


Donnerstag, 21. Juni 2018

ROGUE SHOTS: Bitch-Hiker


Sie saß auf ihrem Koffer am Straßenrand des Highways und hielt den Daumen nach oben. So sexy wie sie aussah, sollte es nicht lange dauern, bis der erste Fernfahrer auf die Bremse treten würde und so kam es kurz darauf auch. Er ließ sie einsteigen und begutachtete mit einem Lächeln ihre hübschen Beine.
Am nächsten Tag wurde seine Leiche etwas abseits der Interstate 15, in der Nähe von Barstow gefunden. Jemand hatte ihn in den Kopf geschossen und tot in der Wüste liegen lassen. Der LKW wurde 20 Meilen weiter westlich auf der State Route 58 bei einer Raststätte sichergestellt. Besucher der Raststätte erzählten den ermittelten Detectives, dass eine junge attraktive Frau aus dem Lastwagen gestiegen und dann zu Fuß weiter Richtung Highway gegangen sei.
Dort hätte sie wohl nach einer weiteren Mitfahrgelegenheit gesucht.
Einen Tag darauf wurde eine weitere Leiche kurz vor Bakersfield entdeckt...



Mittwoch, 20. Juni 2018

Ellroys L.A. (Teil 4)


Wir sind wieder in Los Angeles und schreiben das Jahr 1958. 
Wir begeben uns auf die vierte und somit letzte Fahrt durch 
James Ellroys erstes L.A. Quartett. 
Ein zweites Quartett ist bereits in Arbeit und startete bereits im Jahr 2014 mit "Perfidia". 
Mit dem Roman "White Jazz" schloss der Meister den ersten Teil seiner Reihe ab. 
Von vielen als der schwächste Band des Quartetts bezeichnet, aber stimmt das wirklich?


WHITE JAZZ

Dave Klein. Ein eher zwielichtiger Bulle des LAPD, ganz nebenbei auch noch Anwalt und gut befreundet mit Mobster Mickey Cohen. Nicht nur, dass der gute Dave bald vom legendären Howard Hughes um Hilfe gebeten wird, mehr über die blonde Schönheit Glenda Bledsoe herauszufinden (Herzschmerz vorprogrammiert), sondern er muss sich auch noch um unerwünschte Politiker in Los Angeles, einen wahnsinnigen Killer, der Obdachlose zerstümmelt und jede Menge Pelzmäntel kümmern. Privates und berufliches mischt Lt. Klein gerne mal zusammen. Wer weiß was letztendlich alles so für ihn dabei herumkommt?
Leider muss er sich dabei stets mit den Befehlen seines Chefs Ed Exley herumschlagen. Dave Klein gerät mehr und mehr in einen Strudel aus Gewalt und Korruption. So kennen wir es aus Ellroys Büchern. Es gibt viele alte Gesichter, aber auch gleich mal ein paar neue...
Dudley Smith ist wieder dabei. Eben genannter Ed Exley und der gute Mickey Cohen, darf nach seiner Haftentlassung auch noch ein wenig in Los Angeles mitmischen.
Dave Klein wiederum ist neu im Quartett. Ein schwieriger Charakter, der neben seinen krummen Dingern, auch tatsächlich ein paar gute Eigenschaften an sich hat. Einen unbequemen Zeugen aus dem Fenster zu werfen, gehört allerdings nicht dazu...
Ellroy ist wieder unterwegs in seinem Asphalt-Dschungel - auf seinem gewohnten Terrain. Seine Bücher zeugen von komplexen Handlungssträngen und vielschichtigen Figuren, die man tatsächlich erstmal besser kennen lernen muss und sollte. Es ist stets die Fahrt mit überhöhter Geschwindigkeit und ohen Licht, mitten in der Nacht auf der falschen Seite der Straße. Blutige Karambolage folgt...
"White Jazz" schließt die L.A. Tetralogie wunderbar ab und ist meiner Ansicht nach nicht der schwächste Teil der Reihe. Jedes Buch hatte seine Stärken und mitunter auch Längen, aber ist als vierteilige Noir-Saga als ganz großes Werk anzusehen. "Die schwarze Dahlie" gibt eine sehr gute Einführung in Ellroys Welt, die vielleicht nicht immer ganz einfach zu verstehen ist, aber so unglaublich neugierig macht, dass man nicht anders kann, als ihr zu verfallen. Ein wahres Meisterstück des Noir Genres. Düster und böse!
Bleibt also dran und nicht vergessen, Fans: Hier habt ihr es zuerst gehört, ganz im Vertrauen, ganz heimlich, ganz Hush-Hush...

576 Seiten, ISBN 978-3-548-29013-3, Ullstein Verlag, 14,00 Euro


Der "American Dog"...





Sonntag, 17. Juni 2018

The Staircase


Es geht nach North Carolina.
Dort ereignete sich im Dezember 2001 ein tragischer Unfall,
der unglaubliche Folgen hatte...

Aus dem Fall Michael Peterson schuf Regisseur Jean-Xavier de Lestrade
eine der besten True Crime- Dokus überhaupt...

Trailer


Freitag, 15. Juni 2018

ROGUE SHOTS: Bereitet meinen Auftritt vor



Es war unerträglich heiß in ihrem kleinen Studio,
das sie vor einem halben Jahr,
als sie aus Oklahoma ankam gemietet hatte
Doch wo sollte sie schon hin?
In Hollywood war die Hölle los.
Die Straßen waren überlaufen von Menschen
Linda konnte nichts anderes tun als warten.
Warten, auf diesen einen Anruf...

Als das Telefon schließlich klingelte,
war sie schon benebelt von billigem kanadischen Whiskey.
Doch sie sagte dem Anrufer, dass sie heute noch kommen würde.
Sie ging ins Bad, duschte, trug frische Schminke auf
und zog ihr Sommerkleid an.
Ihre Augen suchten im Spiegel nach einem Anzeichen dafür,
dass man ihr die Rolle nicht geben würde.
Sie fand nichts. Sie war überzeugt,
dass es diesmal klappen würde.
Sie brauchte dieses Engagement, allein schon wegen dem Geld,
sonst würde sie schon in wenigen Tagen auf der Straße stehen.

"Bereitet meinen Auftritt vor", hauchte sie ihrem Spiegelbild entgegen,
nahm ihre Sachen und verließ ihr Studio.
Sie spürte die Sonne auf ihrer Haut.
Der Sommer hatte die Stadt fest gepackt.
Linda nahm den Bus, fuhr drei Stationen und stieg aus.
Das Büro lag gleich auf der gegenüberliegenden
Straßenseite.

Sie meldete sich bei einer mexikanischen Sekretärin,
die einen eher niedergeschlagenen Eindruck machte an
und wartete.
Es wunderte sie, dass sie die einzige war.
Keine zehn Minuten später wurde sie ins Büro gerufen.
Sie bekam einen Text und schon nach wenigen Dialogen,
befahl ihr der Mann im weißen Hemd, mit
der Brille und dem schlechten Atem sich auszuziehen.

Linda wurde nervös, legte dann aber doch ihr Kleid ab
und schob sich ihre Nagelfeile unauffällig in den Nylonstrumpf.
Sie hatte Angst.
Er öffnete seine Hose und trat auf sie zu.
Er fasste sie mit seiner dicken Hand an den Hals
und drückte etwas zu.
"Das ist Teil der Szene", sagte er.
Bevor seine andere Hand zwischen ihren Beinen
angekommen war, hatte sie schon die Nagelfeile
aus ihrem Strumpf gezogen und sie ihm in
den dicken Hals gerammt.
Das Blut spritzte wie aus einem Springbrunnen heraus.
Sie machte einen schnellen Schritt zur Seite
und sah, wie der übergewichtige Körper
auf den Boden fiel.

Linda war aufgedreht und fing an,
die Schubladen seines Schreibtisches
zu durchsuchen.
Sie fand schließlich $300, die sie einsteckte.

Sie konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten.
Sie schluchzte und kniete sich hin,
fast, als ob sie beten würde.
Die Tür ging auf und die Mexikanerin
sah sie an.
Lindas Schock war ihr anzusehen.
Die Mexikanerin lächelte, setzte sich
neben sie auf den Boden und nahm sie in den Arm.
"Es ist alles gut. Ich rufe einen guten Freund von mir an.
Der weiß was zu tun ist. Dieser Kerl war kein
guter Mensch und er hat nur gekriegt, was er verdient hat.
Mach dir keine Sorgen."
Linda ließ sich hoch helfen, schob sich
die Geldscheine in ihre Nylonstrümpfe, zog ihr
Kleid wieder an und verabschiedete sich von
ihrer Lebensretterin mit einem Kuss auf die Wange.

Draußen empfing sie die Hitze mit voller Wucht.
Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und
ging zurück Richtung Hollywood Boulevard.
Diesmal nahm sie nicht den Bus.
Sie hatte etwas Geld.
Es würde ihr nicht lange helfen, aber für eine kurze Zeit
wäre vielleicht alles in Ordnung.
Vielleicht hatte sie ja Glück gehabt?
Wenn auch nur für eine sehr kurze Zeit
während des Sommers und
die Sonne einfach weiterstrahlte...

- MM






Donnerstag, 14. Juni 2018

Polly on the Road


Jordan Harper
DIE RACHE DER POLLY McCLUSKY

Es ist das Buch dieses Sommers. Eingeschlagen wie ein Komet, mit einem Krater, den man noch lange sehen wird. Aber worum geht es überhaupt? Daddy ist mit seinem kleinen Mädchen auf der Flucht quer durch Kalifornien. Klingt gefährlich. Ist es auch. Denn Gangster Nate McClusky hat die Aryan Steel Gang am Arsch und die wollen nicht nur seinen Kopf, sondern auch die von seiner Ex und seiner Tochter Polly. Kurz vor Nates Entlassung aus dem Gefängnis kommt es zum Eklat und er tötet den Bruder des Aryan Steel Präsidenten. Der Racheschwur der Gang ist schnell ausgesprochen, die Mordaufträge gehen in Windeseile nach draußen auf die Straße. Nate holt seine Tochter und klaut sich ein Auto. Ein wilder und blutiger Road-Trip beginnt...
Ja, ich habe es schon vorweggenommen: für mich ist es das Buch des Sommers. Es hat alle notwendigen Zutaten, für ein pulpiges, raues Road-Novel, das mit überzeugenden Charakteren auftrumpft und nicht eine Seite zu viel oder zu wenig mitbringt und das alles vor der schönen, aber auch so verlorenen und wüsten Kulisse Kaliforniens. Alles passt zusammen. Man merkt den knallharten Einfluss von Harpers Lieblingsautoren James Ellroy und Jim Thompson. Jordan Harper selbst ist in Gegenden der USA großgeworden, wo es vor White Trash Figuren nur so wimmelte und White Power Gangs eine große Rolle spielten. Seine Arbeit und Vorliebe an Drehbücher, ist seinem Stil abzulesen. Auch "She Rides Shotgun" (der Originaltitel des Buches) soll verfilmt werden, das Filmskript dazu kommt folglich von Jordan Harper selbst.
Dem Autor aus Missouri, der mittlerweile in seiner Wahlheimat Los Angeles wohnt ist tatsächlich ein ganz entscheidender Wurf seiner noch so frühen Karriere als Romanautor gelungen. Seine Werke, die noch folgen, werden sich stets mit "Die Rache der Polly McClusky" messen müssen und die Hürde ist verdammt hoch.

Wer noch ein bisschen mehr von Jordan Harper selbst hören bzw. lesen möchte, findet weiter unten ein aktuelles Interview, das er mit dem Blogue geführt hat. 

288 Seiten, ISBN 978-3-550-08150-7, Ullstein Verlag, 15,00 Euro


Montag, 11. Juni 2018

Ellroys L.A. (Teil 3)


Kommen Sie nach Los Angeles. Die Stadt der Engel und die der Träume. Hier werden die Träume alle wahr. Ellroys Quartett über den Sumpf aus Gangstern und den korrupten Machenschaften des mächtigen Los Angeles Police Departments bekommt mit dem dritten Teil das wohl berühmteste Buch aus der Reihe...


L.A. CONFIDENTIAL (STADT DER TEUFEL)

Der hohe Bekanntheitsgrad von "Stadt der Teufel" (und das nicht nur unter Krimi-Experten), liegt nicht nur daran, dass Ellroys Karriere bei Erscheinen, im Jahr 1990 einen neuen Höhepunkt erreicht hatte, sondern natürlich auch an der sehr erfolgreichen Verfilmung sieben Jahre später. Eine neue Serie (nach dem ersten Versuch von 2003) vom US- Sender CBS ist ebenfalls abgedreht und sucht nun einen geeigneten Streaming-Dienst für die Ausstrahlung. Einer der Autoren der Serie ist Jordan Harper (Interview zu seinem Debütroman im Posting weiter unten)...


"Eben ein Buch für die ganze Familie, sofern die Familie Manson heißt." So hat Ellroy selbst sein literarisches L.A.- Epos um die Polizisten Ed Exley, Bud White und Jack Vinceness in einem Satz zusammengefasst. Und stimmt es denn? Ist es so brutal? So gewissenlos und so hinterhältig? Ellroy Leser wissen dies alles bereits und schmunzeln.

Es beginnt diesmal im Jahr 1951...
Es ist Weihnachten. Im Revier des LAPD wird gefeiert. Drei Mexikaner werden verhaftet, weil ihnen vorgeworfen wird zwei Polizeibeamte brutal angegriffen zu haben. In den Zellen angekommen, werden die Inhaftierten von einigen betrunkenen Polizisten zusammengeschlagen und übel verletzt. "Blutige Weihnachten" titelt die Presse. Die Führungsebene der Polizei will den Skandal schnellstmöglich bereinigt haben. Köpfen werden rollen. Der eifrige und nach einem höherem Rang strebende Ed Exley willigt ein, gegen die brutalen Kollegen auszusagen, auch Jack Vincennes ist dabei. Bud White hingegen wird die Dienstmarke entzogen.
Als zwei Jahre später der gefeuerte Schläger-Cop Dick Stensland, zusammen mit anderen Gästen im Nite Owl Café ermordet wird, beginnt für die drei Cops der größte Fall ihres Lebens und sie ahnen noch nicht, in welche Grube sie sich hinab bewegen werden.
Ellroy bleibt seiner Linie treu. Das Los Angeles der 50er bekommt einen dermaßen guten Erzähler mit auf die Tour, dass man denkt, man ist mittendrin...


"Stadt der Teufel" ist eine der zentralen Säulen des Hard Boiled Detective Genres der letzten 30 oder 40 Jahre. In den USA fuhr "L.A. Confidential" auf derselben Erfolgsschiene wie auch schon die beiden Vorgänger. 1992 erhielt der Roman bei uns den deutschen Krimipreis. Ein neuer "King of Crime" war geboren und auch von der Krimifläche gar nicht mehr wegzudenken. Bis heute begeistert Ellroy seine Leser mit seinem präzisen und äußerst authentischen Stil. Der König lebt weiter...

720 Seiten, ISBN 978-3-548-29008-9, Ullstein Verlag, 14,00 Euro


Samstag, 9. Juni 2018

FIVE YEARS!!!


Heute vor genau fünf Jahren startete der ROGUE BLOGUE!

Am 28. Juni folgte dann das erste ROGUE NATION Magazin...


Darauf trinken wir einen kleinen Schluck
und singen...



Dank an alle Mitwisser und Unterstützer!

Euer




Donnerstag, 7. Juni 2018

Three Shots with JORDAN HARPER



1. What made you become a writer?

Before I could read, I would dictate stories that my mother would write down for me, so I guess I've always wanted to be a writer. I've been a lot of things in my adult life - rock critic, movie critic, TV writer - but I've been lucky to always have been writing in one way or another. My interest in crime writing came early as well, as my grandfather, a prison guard and knifemaker, filled my head with stories of the Old West and violence when I was young. 


2. How would you describe your stories to someone who has never read anything of your work?

I write crime stories.The phrase I use to describe my work is "beautiful trash" - my writing contains all the thrills and violence of crime fiction, but I try to imbue the genre with as much poetry and technique as I can. I enjoy the little details of criminal culture - the techniques of drug smuggling, the slang, the tattoos and their symbology. Because I am from the Ozarks, which is full of poor white people, I often use skinhead gangs and bikers as my villiains. And I try my best to depict the inner life of people who are often drawn very simply.


3. When did "She Rides Shotgun" ("Die Rache der Polly McClusky") started in your head?

The story took years for me to develop. It is based on the mini-genre of man-and-child-on-the-run, which began (in my mind) with the manga series "Lone Wolf and Cub", and also includes the films "Paper Moon" and "Leon The Professional". I wanted to take that archetype and place it in the world of Southern California, my adopted home. It took me a long time to write the book. My first draft was all written from the perspective of Nate, the father, but when I read it I realized it was all wrong. I had to tell the story from Polly's point of view. So I rewrote the entire book, which was a lengthy process. So I think from idea to publication was five years.


Jordan Harper, geboren 1976 in Missouri, arbeitete als Musikjournalist, Filmkritiker und schrieb Drehbücher für Fernsehserien wie "The Mentalist" oder "Gotham". Sein letztes Projekt war die Fernsehserie zu "L.A. Confidential", an der er ebenfalls als Autor beteiligt war. Er lebt in Los Angeles. "Die Rache der Polly McClusky" ist sein erster Roman.



Mittwoch, 6. Juni 2018

Trejo


Vom Gefängnisinsassen zur Trash- und B-Movie Ikone...

Geboren und aufgewachsen im L.A. der 40er und 50er
als Sohn mexikanischer Einwanderer...

In der neuen Doku "Survivors Guide to Prison"
kommt er natürlich auch zu Wort...

Trailer


Ein nicht allzu gewöhnliches Leben....



Dienstag, 5. Juni 2018

Ellroys L.A. (Teil 2)

(aus dem Fotoband LAPD '53 - mit Texten von James Ellroy und Fotos aus dem Los Angeles Police Museum)

Machen wir weiter mit Ellroy und seinem finsteren Los Angeles. Die Heimat des Film Noir (siehe Video unten) und Ellroy hat diesen Einfluss immer wieder in seinen Büchern verarbeitet. Er prägt dieses nicht totzukriegende Genre bis heute. "Blutschatten" macht dort weiter, wo die "Dahlie" verloren ging und es wird einfach nicht besser. Ein typischer Noir. Düster, blutig und bis ins Mark vom Pessimismus geschändet...


BLUTSCHATTEN

Ellroy hatte durch den Erfolg seines ersten L.A. Teils "Die schwarze Dahlie" nun richtig Blut geleckt. Der zweite Teil hat diesen Schwung mitgenommen, wenn auch an einigen Stellen etwas langatmig, setzt Ellroy gekonnt sein gut geschultes Auge für Charaktere und den Polizeiapparat, der damals in der Stadt der Engel von Gier und Rassismus infiziert wurde ein. Niemand ist wirklich unschuldig und niemand fährt am Ende mit seinem Ford Kabrio über den Freeway dem Sonnenuntergang entgegen.
Viele bekannte Figuren, die wir aus anderen Büchern des ersten L.A. Quartetts bzw. dem ersten Teil des zweiten Quartetts ("Perfidia") kennen haben ihren Auftritt. Turner "Buzz" Meeks und Bezirksstaatsanwalt Ellis Loew beispielsweise wurden schon im Buch "Die schwarze Dahlie" eingeführt und beide werden den Quartetts auch noch ein bisschen treu bleiben. Meeks, ein korrupter LAPD- Bulle spielt in diesem Teil ein Handlanger sowohl von Tycoon Howard Hughes, als auch von Gangsterboss Mickey Cohen, während die neuen Charaktere auf Ellroys großer Spielwiese, wie Malcolm "Mal" Considine entweder damit beauftragt werden die Kommunisten aus Hollywood zu verscheuchen oder im Fall von Deputy Sheriff Danny Upshaw einen brutalen Mörder zu fassen.
Alles wie gewohnt im schönen, politisch so verdorbenen Los Angeles der frühen 50er Jahre.
Taucht ein, steigt ab und suhlt euch im urbanen Großstadtdschungel. Ellroy hat es wieder getan und wird auch sein Treiben so schnell nicht einstellen. Ellroy und L.A. Ellroy und Noir. Bis dass der Tod sie scheidet. Kaufen, lesen und sämtliche Illusionen über Anstand und Moral danach über Bord werfen. Das Quartett des Meister hat ein paar richtig gute Karten. Ihr solltet mitspielen! Demnächst Runde 3 mit "L.A. Confidential"...

672 Seiten, ISBN 978-3-548-29001-0, Ullstein Verlag, 14,00 Euro 




Samstag, 2. Juni 2018

BlacKkKlansman


Von Spike Lee. Nach einem Buch von Ron Stallworth.

In Deutschland ab dem 23.August...

Trailer


Freitag, 1. Juni 2018

ROGUE SHOTS: Der Mann, der sich auflöste


Er kam von der Arbeit nach Hause. Es war schon spät...

Sein müder Körper fiel auf die Couch und sein Blick wanderte durch den von einer kleinen Lampe beleuchteten Raum. Er konnte die Lücken zwischen seinen Büchern, die auf den Regalen standen erkennen, wusste aber, dass diese Lücken dort nicht hingehörten. 

Er ging in die Küche, öffnete den Kühlschrank und sah, dass es fast nichts mehr gab, was er essen konnte. Er griff sich eine Flasche Bier und nahm sich das letzte Glas aus dem Schrank. Bis auf einen Teller und eine Gabel, gab es weder Geschirr, noch Besteck. Jemand musste in seine Wohnung eingebrochen sein. 

Mit dem Bier in der Hand ging er durch die einzelnen Zimmer und überprüfte, was fehlte und jedes Mal, wenn er an seinem Bücherregal vorbeikam, hatte er das Gefühl, dass ein weiteres Buch verschwunden war. 

Im Schlafzimmer stand nur noch sein Bett, darauf eine Decke und ein Kissen, jeweils ohne Bezug. Sein Kleiderschrank war bis auf eine blaue Jeans und ein weißes T-Shirt komplett leer. 

In der Küche stand noch der Kühlschrank, ein Esstisch, ein Stuhl und die Spüle, doch jegliche Spül- und Putzmittel waren weg, auch die Bilder an der Wand fehlten. 

Er ging ins Badezimmer. Es war, als wäre nie jemand hier gewesen. Das Bad war bis auf die letzte Rolle Toilettenpapier leergeräumt. Selbst die Dusche hatte keinen Vorhang mehr.

Als er zurück in den Flur kam, bemerkte er, dass die Flasche Bier aus seiner Hand verschwunden war. Er drehte sich nach links und sah sich selbst im Spiegel, der noch an der Wand hing. 

Was war hier geschehen? Das war kein Einbruch. Oder doch? War jemand während seiner Abwesenheit in seine Wohnung gekommen und hat sie fast komplett leergeräumt? Aber wie soll er sich Zugang verschafft haben? Die Tür war abgeschlossen, als er ankam und die Balkontür war ebenfalls fest verschlossen und wo war seine Flasche Bier, die er vor einer Minute noch in der Hand hielt? Er musste sie irgendwo abgestellt haben. 

Er ging zurück ins Wohnzimmer und schaute nach. Doch hier gab es mittlerweile gar nichts mehr. Er stand in einem leeren Raum. Verunsichert lief er durch jedes Zimmer. Sie waren alle leer, völlig unmöbliert. Nur noch die Lampen, die überall leuchteten waren übrig.

"Das ist verrückt..." sprach er in die leere Wohnung.

Im Wohnzimmer wieder angekommen merkte er, wie müde er geworden war. Trotz der Aufregung wollte er nichts weiter als schlafen. Er legte sich auf den nackten Boden und war in wenigen Sekunden eingeschlafen, während die ganze Wohnung in der Dunkelheit versank. 

Der Schlüssel drehte sich im Schloss. Eine Frau um die 30, Vermieterin der Wohnung trat in den Flur, gefolgt von einem jungen Pärchen. Die Frau trug ein Baby auf dem Arm, der Mann neben ihr tätschelte ihr sanft die Schulter und lächelte immer wieder dem Baby zu. 
"Das wäre dann die Wohnung", sagte die Vermieterin und ging durch den Flur.
Die junge Mutter schaute sich kurz um und sagte: "Ich hätte da mal eine Frage..."
Die Vermieterin nickte.
"Uns ist zu Ohren gekommen, dass hier jemand ermordet wurde oder sowas...?"
Sie kamen alle ins Wohnzimmer
"Nein, so etwas ist hier nicht passiert."
Der Mann schaltete sich in die Unterhaltung ein. "Aber hier ist doch mal jemand verschwunden, oder?"
Die Vermieterin setzte ein nicht ganz überzeugendes Lächeln auf. 
"Die Wohnung war eines Tages einfach komplett leergeräumt und sah aus wie neu. Der Mann, der hier gewohnt hat, war einfach verschwunden, ohne irgendjemand etwas zu sagen, von ein auf den anderen Tag. Das ist hier passiert. Mehr nicht."
"Eigenartig", sagte die junge Mutter und die Vermieterin nickte wieder.
"Sind Sie dennoch interessiert? Es gibt nämlich noch weitere Interessenten."
Das junge Pärchen schaute sich kurz an, lächelte und sagte dann zu.
"Ja, wir möchten die Wohnung", sagte die Frau und wippte ihr Baby im Arm.
"Na, gefällt es dir hier auch?" fragte die Mutter und das Baby streckte seinen Arm nach unten aus, als wolle es nach irgendetwas auf dem Boden greifen. 
"Da ist doch nichts", sagte die Mutter in verspieltem Ton und küsste ihr Kind. 

- MM