Dienstag, 31. Juli 2018

Der geborene Kämpfer


Charles Willeford
HAHNENKÄMPFER
plus Cockfighter-Tagebuch

Eine Geschichte über einen Mann, der sich mit Hahnenkämpfen durchs Leben schlägt und sich irgendwann nach einer durchzechten Nacht schwört, nicht mehr zu sprechen, bis er zum besten Hahnenkämpfer des Landes geehrt wird. Eine Geschichte, die im Süden der USA spielt und lose auf Homers "Odyssee" beruht. Das ist Willefords "Hahnenkämpfer". Ganz kurz und knapp zusammengefasst. Aber über Willefords "Odyssee", seine Schreibe und sowieso sein Leben könnte man so viel mehr erzählen . Er gehört zu den besten amerikanischen Autoren. Seine Hoke Moseley- Reihe, die in Miami spielt ist ein großes Stück Pulp-Noir Geschichte. Seine ersten Bücher haben dieses Genre definitiv mitbestimmt. Autoren wie Chester Himes oder Jim Thompson werden immer wieder zum Vergleich herangezogen, aber auch Südstaaten-Schreiber wie Faulkner oder Woodrell werden genannt, doch Willeford ist und bleibt ein Original. Zynisch, direkt und authentisch bis zum letzten Staubkorn auf einer einsamen Landstraße irgendwo am Arsch der Welt.
Im Jahr '62 schickt er Frank Mansfield hinaus in die harte Welt des Hahnenkampfes im Süden er USA. Nicht ganz legal, aber wiederum auch nicht verboten. Im Süden machte man sich eine eigene Regeln und die Cops spielten mit. Voller Leidenschaft und Ehrgeiz getrieben will Mansfield der beste Hahnenkämpfer des Landes werden. Egal, was auf dem Spiel steht oder wie lange er dafür hungern oder hintergehen muss.  Man muss Willefords Protagonisten nicht mögen. Helden werden in diesem Roman nicht geboren. Mansfield erschwert sich seine Situation sogar noch, weil er sich selbst schwört, bis zum großen Triumph zu schweigen. Sinnbildlich für die Atmosphäre der Geschichte. Nicken und Kopfschütteln. Halt dein Maul und nimm es hin. Geh weiter oder hör auf, aber rede nicht so viel um den heißen Brei herum. Ein Männerroman der alten Schule. Das ist der raue Süden. Das ist Amerika. Das ist Willeford.

Charles Willeford (mitte) mit Hauptdarsteller Warren Oates (links) und Regisseur Monte Hellman

Anfang der 70er Jahre sicherte sich B-Movie Legende Roger Corman die Rechte am Buch. 1974 kommt der Film in die Kinos. Ähnlich wie das Buch, bleibt der Film ein kleiner Geheimtipp aus der Independent-Ecke. Als interessanten Bonus dieser Neuübersetzung hat der Alexander Verlag noch das "Cockfighter Tagebuch", das jahrelang als echte Rarität galt veröffentlicht. Mit einem Vorwort von Autor James Lee Burke, der damals maßgeblich an der Veröffentlichung der amerikanischen Ausgabe des Tagebuchs beteiligt war. Willeford hält seine Gedanken zu den Dreharbeiten und seiner Arbeit als Drehbuchautor fest. Ehrliche und interessante Einblicke eines großartigen Schriftstellers, der zwar das Filmgeschäft nicht verflucht hat, aber bei den Hoke Moseley Adaption Jahre später dankend ablehnte.

430 Seiten, ISBN 978-3-, Alexander Verlag Berlin, 22,90 Euro





Trailer



Film




Donnerstag, 26. Juli 2018

ROGUE SHOTS: Immer weiter


Ich weiß, ich bin verdammt lange gelaufen.
Alles was ich noch besitze, steckt in diesem alten Koffer.
Haben Sie ein Zimmer für mich?
Ich brauche es eh nur für eine Nacht und dann zieh ich weiter.
Nein, ich mache mir keine Sorgen um irgendwas.
Ich werde aber noch meine Familie besuchen.
Die wohnen alle verstreut im Land.
Hier, sehen Sie mal das Foto. Alle da.
Wie viel macht das für eine Nacht?
Gut. Das kann ich mir gerade noch leisten.
Ich mache mir aber keine Sorgen.
Niemand ist hinter mir her.
Viele haben nur zufällig denselben Weg.
So allein, wie es den Anschein macht bin ich gar nicht.
Danke.
Welche Zimmernummer?
238?
Das macht zusammen 13.
Das passt doch.
Ich muss jetzt aufs Zimmer.
Das ist ja eine Hitze da draußen. Verrückt.
Ich werde mich jetzt aufs Bett hauen und
versuchen zu schlafen.
Morgen ganz früh muss ich schon wieder weiter.
Aber das macht nichts.
Ich werde schon ankommen.
Falls jemand auftaucht und nach mir fragt,
sagen Sie doch bitte, Sie hätten mich nicht gesehen.
Einverstanden?
Vielen Dank.
Das ist wirklich sehr nett von Ihnen.
Ich weiß das zu schätzen.
Machen Sie es gut.
Wir sehen uns morgen. Ganz früh.
Dann trinke ich eine Tasse Kaffee
und ziehe weiter.

- MM



Mittwoch, 18. Juli 2018

Castle Rock


Leider noch ohne deutschen Termin -
dies sollte sich allerdings bald ändern...

Hier der US Trailer...



Dienstag, 17. Juli 2018

Hier spricht der Sohn des Zodiac...


Gary L. Stewart / mit Susan Mustafa
DER ZODIAC KILLER
Wie ich meinen Vater suchte und eine Bestie fand

Das behauptet zumindest der Autor Gary L. Stewart und will damit eines der spannendsten Rätsel der Kriminalgeschichte lösen. Wer war der Zodiac Killer? Im Zeitraum zwischen Dezember 1968 und Oktober 1969 mordete er im Norden Kaliforniens. Er wurde letztendlich nie geschnappt. Viele kennen die Theorien um den mysteriösen Killer, der damals den Zeitungen Briefe mit kodierten Nachrichten schickte, in denen er seine Identität verbarg oder dies zumindest in seinen Briefen behauptete. Bis heute gibt es zahlreiche Verdächtige und immer wieder treten Menschen an die Presse oder Polizei heran und erzählen ihnen, dass es ihr Vater oder ein anderer Verwandter oder Bekannte bzw. alter Freund gewesen sei. Zu denen zählt seit 2014 auch Gary L. Stewart, der mit seinem Buch viel Neugier geweckt hat.
Schafft es Stewart tatsächlich den fast 50 Jahre alten Fall zu knacken? Wenn man einigen Theorien glauben möchte, fing der Zodiac schon viel früher an zu morden. Bereits am 30. Oktober 1966 soll er die Studentin Cheri Jo Bates mit einem Messer brutal ermordet haben. Hier gab es bereits ein Bekennerschreiben, allerdings auf Maschine getippt und noch ohne Zodiac Vermerk. Auch Stewarts Buch zufolge war dies der Anfang einer von Rachegelüsten geprägten Mordserie, eben die seines Vaters.
Garys Geschichte hat tatsächlich ein paar sehr interessante Ansätze und spannend erzählt ist sie ebenfalls. Einst von seinem Vater, Earl Van Best Jr., genannt Van im März '63 in einem Treppenhaus ausgesetzt, weil die Mutter noch minderjährig und beide auf der Flucht vor der Polizei waren. Kurz darauf ging auch die damalige skandalöse Beziehung der Eltern in die Brüche. Gary wurde adoptiert und erhielt im Mai 2002 eine Nachricht von seiner leiblichen Mutter. Der Stein kam ins Rollen, denn Gary hatte so einige Fragen. Diese Fragen führten ihn letztendlich zu der Überzeugung, dass sein Vater, Earl Van Best Jr. der berüchtigte Zodiac Killer sei. Es gibt tatsächlich einige merkwürdige und sehr verdächtige Übereinstimmungen und Stewart schafft es auch ein ziemlich gutes Täterprofil seines Vaters, sowie ein Motiv zu liefern. Doch können diese Mutmaßungen überzeugen? Dies sollte jeder für sich selbst bestimmen. Denn es gab da ja noch andere Verdächtige: Arthur Leigh Allen zum Beispiel, der lange Zeit als Hauptverdächtiger galt, aber nach einigen Untersuchungen als Täter ausgeschlossen wurde, was aber einige Zodiac Experten bis heute nicht ganz überzeugt. Hinzu wurden über die Jahre weitere Namen ins Spiel gebracht.
Letzten Mai ging der Zodiac Fall erneut durch die amerikanischen Medien. Die Ergreifung des "Golden State Killers" hat einige alte ungelöste Fälle befeuert. Eine neue DNS- Analyse soll schlussendlich nun auch Licht in den mysteriösen Zodiac Fall bringen. Mit Speichelproben der angeleckten Briefmarken und Umschläge sollen Verdächtige ausgeschlossen bzw. bestätigt werden. Kommt also demnächst tatsächlich der große Durchbruch im Zodiac Fall? Lag Gary L. Stewart mit seiner Behauptung richtig? Jeder, der spannende True Crime Stories mag und eine hochinteressante und zum Teil schon verrückte Familiengeschichte gerne noch dazu nimmt, sollte sich Stewarts Buch unbedingt lesen.

432 Seiten, ISBN 978-3-404-60847-8, Bastei Lübbe, 9,99 Euro


Gary L. Stewart über sein Buch:



Gute Doku über den Zodiac Killer:


Mittwoch, 11. Juli 2018

40 Jahre später


Ein Klassiker wird 40 und gleichzeitig wieder zu neuem Leben erweckt...
1978 beeinflusste John Carpenter mit seinem maskierten Killer
Michael Myers maßgeblich das Horror-Genre...
...ab Oktober (wann auch sonst?) schaut er wieder vorbei, auch bei uns...

Trailer


Interessante Doku zum Kult:




Dienstag, 10. Juli 2018

ROGUE SHOTS: Mrs. Sandman



Sie erwachte in einem fremden Zimmer, einem Hotelzimmer.
Sie blickte sich um. Sie trug nur ihre Unterwäsche.
Bis auf ihre Zigaretten und eine halbleere Flasche Champagner konnte sie nichts finden.
Bis sie aufstand und ins Bad ging.
Dort lag ein nackter Mann in der Badewanne.
Das Wasser war mittlerweile kalt.
Seine Augen weit aufgerissen. Er schien tot zu sein.
Doch nirgends war Blut zu sehen.
Was war passiert?
Von nebenan hörte sie Musik. Sie kannte das Lied.
Es waren die Chordettes. Mr. Sandman.
Wie war sie hier her gekommen?
Wer war dieser tote Mann in ihrer Badewanne?
Sie bekam Angst.
Wenigstens dieses Gefühl schien ihr vertraut.
Es klopfte an der Tür.
Sie erschrak, warf sich ein großes Handtuch um und öffnete.
Ein Mann in einem schwarzen Anzug stand vor ihr.
"Wie geht es Ihnen, Madame?" fragte er mit einem starken französischen Akzent.
"Was geht hier vor?" fragte sie.
"Machen Sie sich keine Sorgen. Die Presse wird nichts davon erfahren."
"Wer bin ich?"
"Alles wird in Ordnung gebracht", sagte der Mann.
"Da ist ein toter Mann in meinem Badezimmer."
"Wir kümmern uns darum. Warten Sie einfach hier und schließen Sie dir Tür", sagte er und verschwand.
Sie schloss die Tür und setzte sich auf ihr Bett.
Das Lied von nebenan fing wieder an zu spielen und sie versuchte sich zu beruhigen, während sie einfach nur zuhörte...

- MM