Montag, 6. August 2018

Ein wahres Monster


Emil Ferris
AM LIEBSTEN MAG ICH MONSTER

B-Movies, Pulp Magazine und alte Horrorfilme. Bleiben wir ein bisschen beim Thema, aber bauen wir die Brücke zu einer ganz besonderen Veröffentlichung in diesem Jahr...
Es hat vielleicht lange gedauert, aber dann musste sie es uns einfach erzählen: die Geschichte der zehnjährigen Karen Reyes im Chicago der späten 60er Jahre. Doch sie lebt nicht nur in jener Großstadt im Bundesstaat Illinois, sondern auch in ihrem ganz persönlichen Pulp- Universum, in der die kleine Karen sich selbst als Werewolf bzw. als Außenseiterin sieht und was diese junge Träumerin noch so alles sieht und entdeckt, erzählt sie uns in ihrem extravaganten Tagebuch...
Illustratorin Emil Ferris hat nun mit Mitte 50 ihre erste Graphic Novel auf den Markt gebracht und was für eine. Darin verarbeitet sie ihre Kindheit - ihre Träume, ihre Wünsche, ihre Ängste und ihre ganz persönlichen Abenteuer in turbulenten gesellschaftlichen Zeiten. Wunderbare Zeichnungen auf liniertem Journal-Papier, nachgemachte Cover von alten Pulp- Magazinen, alles in Sinne ihrer kreativen Ausschweifungen. Man merkt, dass in dieses Werk viele Erfahrungen und viel Herzblut eingeflossen sind. So ein Buch schreibt man mal nicht so nebenbei und so ein Buch liest man auch nicht mal eben so nebenbei. Für "Am liebsten mag ich Monster" sollte man sich Ruhe und viel Zeit nehmen.
Emil Ferris, die in einer Künstler-Hippie Familie aufgewachsen ist hat während des Heilungsprozesses ihrer Lähmung nach einem Moskito-Stich im Jahr 2001 mit der Arbeit an der Graphic Novel begonnen. 2016 kam der Band auf dem amerikanischen Markt heraus und wurde ein großer Erfolg. Erst kürzlich gewann Ferris den Eisner Award (also den Oscar für Comics) als beste Künstlerin. Insgesamt gewann das Buch dreimal den Eisner Award, einmal den Ignatz Award und wurde für den Hugo Award nominiert. Aber diese Informationen nur am Rande. Es geht um so viel mehr - um mehr als um Monster, oder die Liebe zu alten Groschenheften. Es geht um mehr, als um eine Detektivgeschichte eines kleinen Mädchens, die den (Selbst-)mord ihrer Nachbarin aufklären will. Es geht um mehr, als ums Erwachsenwerden in einer amerikanischen Großstadt Ende der 60er Jahre als halbe Mexikanerin. Es geht um mehr, als die Liebe zur Kunst. Es geht um Karen Reyes und wer dieses Mädchen versuchen will zu verstehen, muss "Am liebsten mag ich Monster" lesen. Ein absolutes Meisterwerk unter den Graphic Novels der letzten Jahre. Monströs!

420 Seiten, ISBN 978-3-74160808-7, Panini Comics, 39,00 Euro







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