Freitag, 28. September 2018

Kaffee & Pelecanos


Wie der meiste Ärger in meinem Leben, der mir widerfahren ist oder den ich mir eingebrockt habe, fing auch der in jener Nacht mit einem Drink an.

Autor George Pelecanos nimmt uns mit auf eine nicht ganz nüchterne und nicht ganz so ungefährliche Reise ins dunkle Herz der amerikanischen Hauptstadt. Wie gewohnt erzielt Pelecanos, der auch als Drehbuchautor für Serien wie "The Wire" oder "The Deuce" verantwortlich ist und mit seinem letzten Krimi-Hammer auf dem deutschen Markt "Hard Revolution" für Furore sorgte Höchstwerte auf der Noir-Skala. Nehmt Platz neben Barmann und Halbtags-Detektiv Nick Stefanos, schenkt euch einen Drink ein und taucht ein in die Dunkelheit des Großstadtdschungels. Erneut ein ganz großer Wurf von einem der besten Noir-Autoren der heutigen Tage.

Ich durchquerte die Stadt, holte mir in Georgetown auf dem Markt an der Wisconsin und P einen Kaffee, nahm dann die R und parkte in der Nähe des Dumbarton Oaks Museum. Dann stapfte ich in den Wald des Rock Creek Park hinein und suchte mir auf einem großen Felsen neben einem gewundenen Reitpfad einen Sitzplatz, von wo aus ich den Fluss und den Beach Drive überblicken konnte. Ich sah den Autos und ihren Fahrern zu, die unterwegs zu Orten waren, wo man Krawatte und Anzug tragen muss, lauschte dem Gesang der Vögel in den Bäumen und dem Rauschen des sich schlängelnden Bachs, der zum Georgetown Channel floss. Jeder hat seinen besonderen Ort auf der Welt, und dies hier war meiner. 

DAS DUNKLE HERZ DER STADT, George Pelecanos
247 Seiten, ISBN 978-3-86913-917-3, Ars Vivendi, 20,00 Euro


Montag, 3. September 2018

ROGUE SHOTS: Alles zu seiner Zeit


Es war schon spät, kurz vor Mitternacht.
Sie standen dort neben dem Diner,
in schwarzen Anzügen
und luden mich auf eine Tasse Kaffee ein.

Wir gingen hinein und setzten uns
an einen Tisch hinten in der Ecke.
Die anderen Gäste saßen nur stumm da
und starrten auf ihre Teller oder Tassen,
die vor ihnen auf dem Tisch oder auf dem
Tresen standen.

"Nehmen Sie eine Tasse schwarzen Kaffee",
sagte einer der Männer in schwarz.
Ich schaute mich um, nickte schließlich
und keine Minute später brachte mir
ein Kellner, der eine dunkle Brille trug
und blind zu sein schien eine Tasse
schwarzen Kaffee.

"Was ist das hier eigentlich für ein Laden?"
fragte ich und der Mann in schwarze sagte:
"Alles zu seiner Zeit."
Jetzt hörte ich auch erst die Jukebox,
die ganz leise dieses Lied spielte...

- MM






Sonntag, 2. September 2018

Kaffee & Dunkels Gesetz


Er nahm einen Schluck Wasser, biss in das Toastbrot und warf es aus dem Seitenfenster. Die Straße folgte einer natürlichen Trasse, die Fahrbahn wurde schmaler, die Bäume an beiden Seiten der Straße verengten den Horizont, wuchsen in Richtung des Lichts. Auf den Feldern, langgezogene, ockerfarbene Rechtecke, stand das Wasser, Sonnenlicht reflektierte auf der Oberfläche. Stellen voller Totholz - schwarze Stümpfe, die wie gebrochene Finger aus dem Boden ragten. Dunkel öffnete das Handschuhfach und tastete nach dem Flachmann. Der Himmel im Rückspiegel war grau, die Luft schmeckte nach Regen.

- Dunkels Gesetz, Sven Heuchert