Dienstag, 12. November 2019

Lucia Berlin (12. November 1936 - 12. November 2004)


"Eine meiner Geschichten trägt den Titel 
Mein Leben ist ein offenes Buch 
- und das ist es zum größten Teil."

Es ist kein Noir, es ist kein Crime, es ist kein Pulp. Es ist Lucia Berlin. Geboren heute vor 83 Jahren. Gestorben heute vor 15 Jahren. Auch wenn sie nicht die Genres bediente, die hier im Blogue sonst besprochen werden, möchte der Rogue Blogue euch diese besondere Autorin in Erinnerung rufen bzw. vorstellen - zusammen mit ihrem Werk "Welcome Home"...



Eine wunderbare Erzählerin, die sich tief in ihren eigenen seelischen Abgrund begibt, ohne dabei zu viel aufzutragen, was als überflüssig oder melodramatisch wirken könnte. Sie schreibt von den Dingen, die sie erlebt hat, ohne zu pathetisch klingen zu wollen. Lucia Berlin hat erst vor einigen Jahren hier auf sich aufmerksam gemacht. Durch Bücher wie "Was ich sonst noch verpasst habe" (2016) oder "Was wirst du tun, wenn du gehst" (2017) oder nun auch kürzlich mit eben diesem Band "Welcome Home", der im Kampa Verlag erschienen ist.
Darin schreibt Lucia Berlin ihre Lebensstationen auf. Es gab viele Umzüge, viele Häuser, viele Staaten, zwischen den USA und Chile und Mexiko. Es gab viele Rückschläge, viele schöne Momente und den stetigen Wunsch sich heimisch zu fühlen. Sie wollte ankommen, sie wollte leben, koste es, was es wolle.
Als alleinerziehende Mutter von vier Kindern und nach drei gescheiterten Ehen, mit zahlreichen schlecht bezahlten Jobs und einer immer stärker werdenden Alkoholsucht, zeigt sie uns einen Lebenslauf, der nicht viel Raum für Träume lässt. Nimm es wie es kommt, erlebe es mit all der Wucht, die dich trifft. Gut, dass es Schriftstellerinnen wie Lucia Berlin gab und verdammt gut, dass sie entdeckt wurden. Ähnlich wie ein Richard Yates, der auch sehr viel später erst einem breiteren Publikum bekannt gemacht wurde. "Welcome Home" ist einer ihrer langen Briefe an einen unsichtbaren Freund. Möge er es verstehen, oder auch nicht.

Am ersten Abend saß ich im Fenster, schaute hinaus auf eine echte Feuerleiter, flüchtige Blicke auf den rosafarbenen Sonnenuntergang zwischen den Backsteinhäusern. In den anderen Apartments schrien sich Leute an oder unterhielten sich leise miteinander, nett. Ich war begeistert. Das ist das Leben. Das ist New York! Dann wurde mir klar, dass ich die Leute im Fernsehen reden hörte, was ich zuvor nicht gekannt hatte.



David kam zur Welt. Buddy musste mich im Krankenhaus allein lassen, weil er nach Hause gehen und sich einen Schuss setzen musste, als war das mein zweites Kind, das "ohne Mann, der meine Hand hielt" geboren wurde. Aber er war überglücklich über unser schönes Kind, wollte jetzt verzweifelt clean werden.

208 Seiten, ISBN 978-3-311-10011-9, Kampa Verlag, 24,00 Euro

Sonntag, 10. November 2019

Unbelievable



Sehr gute True Crime Mini-Serie...



Basierend auf dem preisgekrönten Artikel von T. Christian Miller und Ken Armstrong...






Dienstag, 5. November 2019

In Dreams


A candy-colored clown they call the sandman
Tiptoes to my room every night
Just to sprinkle stardust and to whisper
"Go to sleep. Everything is all right."


Dienstag, 29. Oktober 2019

Kaffee und Lovecraft


H.P. Lovecraft
CTHULHUS RUF - Das Lesebuch

Lovecraft sagte einmal, dass die Angst vor dem Unbekannten die älteste und stärkste Form der Angst sei, doch wie in Alexander Pechmanns Vorwort dieses Bandes geschrieben, vertraute Lovecraft seinem Freund Frank Belknap Long an, dass er sich davor überhaupt nicht fürchten würde. Der Tod sei auch nichts weiter, als langsames Vergessen, so Lovecraft, der Zeit seines Lebens, bis es dann im Alter von 46 Jahren aufgrund einer Krebserkrankung endete, nur ein Buch herausbrachte und das in ziemlich geringer Auflage. Lovecraft konnte nie von den mageren Einkünften seiner Kurzgeschichten leben. Seine phantastischen Geschichten wurden u.a. im Pulp-Magazin "Weird Tales" veröffentlicht. Ein sehr dankbarer Abnehmer und auch für Lovecraft waren es kleine Erfolgserlebnisse, seine Horror-Stories veröffentlicht zu sehen.


Ansonsten gab es nicht viel, was im Leben des am 20. August 1890 in Providence geborenen Howard Phillips Lovecraft gut verlief. Der frühe Tod des Vaters, der in einer Nervenklink verstarb - Howard war damals 8 Jahre alt - machte vieles nur noch schlimmer. 10 Jahre später erlitt er selbst einen Nervenzusammenbruch, schaffte es nie seinen High School Abschluss nachzuholen und wurde immer lethargischer, bis er eines Tages wieder anfing, an seinen Geschichten zu arbeiten. Eine Auswahl seiner Werke ist nun gerade und passend zur Jahreszeit im Tor Verlag erschienen. Vierzehn phantastische Lovecraft-Stories, die zu seinen besten Geschichten zählen. Ein größtenteils sehr schweres Leben, eines verträumten Mannes, der ebenfalls große Angst durch Überfremdung in seinem Land hatte. Lovecraft hatte wohl doch Angst vor dem Unbekannten, oder einfach vor den Menschen. Er pflegte zwar Kontakt mit anderen Pulp-Schreibern, aber fast nur durch Briefe, wie beispielsweise mit dem Autoren Robert Bloch, der dann Jahre später mit seinem Buch "Psycho" bekannt wurde. 
Lovecraft zu verstehen ist mit Sicherheit nicht einfach, sein Leben so tragisch und spannend wie seine Geschichten. Wunderbarer Pulp und eine echte Empfehlung, für alle, die noch nie etwas von dem Mann aus Providence gelesen haben.

Hier noch eine sehr gute Doku über Lovecraft und seinen Einfluss auf andere Künstler...



464 Seiten, ISBN 978-3-596-70478-1, TOR Verlag (bei Fischer), 16,99 Euro


Donnerstag, 24. Oktober 2019

Montag, 21. Oktober 2019

A Bucket of Blood


Zur Einstimmung auf die kommenden "Festtage"...
Grusel-Klassiker von Roger Corman...
mit Dick Miller in der Hauptrolle....

Viel Spaß...




Samstag, 19. Oktober 2019

The Outsider


Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Stephen King Roman...
Drehbuch von Richard Price und in der Hauptrolle Ben Mendelsohn...
Das könnte gut werden...





Freitag, 4. Oktober 2019

Kaffee und Ellroy


James Ellroy
HOLLYWOOD NACHTSTÜCKE

Los Angeles ist seine Stadt. Dort tummeln sich seine Leute. Die Traumtänzer, die Verlierer, die Dealer, die Gauner, die Mörder, die Stars und Sternchen, die Huren und alle sonstigen zwielichtigen und vom harten Leben geprägten Charaktere. Er ist der Autor von Büchern wie "Blut auf dem Mond", "Die schwarze Dahlie", "Ein amerikanischer Thriller", oder auch zuletzt "Perfidia", bzw demnächst auch "This Storm" in Deutschland. Letztgenannte sind Teil 1 und 2 aus seinem zweiten L.A. Quartett. James Ellroy ist nach wie vor ein Schriftsteller, der noch einige Kugeln im Magazin hat. Doch auch ältere Titel kommen nun nach und nach mit neuem Gewand auf den deutschen Markt zurück. Einer davon ist "Hollywood Nachtstücke".
Erzählungen, wie sie nur Ellroy schreiben kann und er hat die besten Voraussetzungen. Ellroys Lebensgeschichte liest sich ja fast selbst wie ein Noir-Krimi...


Das Foto besorgte mir ein Freund. Irre: ich, mit zehn, am 22. Juni 1958. Ein Fotograf der L.A. Times knipste das Bild, fünf Minuten nachdem ein Detective mir eröffnet hatte, dass meine Mutter ermordet worden sei. (aus "Schatten der Vergangenheit" - "Hollywood Nachtstücke")

Seine Romane gehören zu den besten Noir-Thriller überhaupt. Ellroy ist genial, dringt tief in die Abgründe seiner Figuren und besonders der Stadt Los Angeles der 40er, 50er und 60er ein. Man spürte den heißen Asphalt, man hört den Lärm der Autos und der Menschen, die über den Hollywood Boulevard gehen und man weiß, hinter jeder Ecke könnte gerade ein Verbrechen stattfinden. Im Dunkeln lauert der Killer, der korrupte Cop oder die knallharten Drogendealer. Ellroy zeichnet sich immer wieder durch diese ganz besondere, bedrückende Atmosphäre aus und zieht einen voll mit rein. Man steigt ein und dann fährt er los...


Ich ging zur Army, als der Vietnamkrieg langsam, aber sicher ins Rollen kam. Mein Vater lag im Sterben: Ich hatte keine Lust, ihm dabei zuzusehen. Die Army war das nackte Grauen - ich suchte nach möglichen Fluchtwegen. James Ellroy, siebzehn, Nachwuchsmime, zog eine irre Stotternummer ab, um seine Wehrtauglichkeit zu demonstrieren.
Ich bot eine glänzende Vorstellung, die mit sofortiger Entlassung und einer Rückfahrkarte nach L.A. belohnt wurde, wo ich endlich wieder meinen Leidenschaften frönen konnte: saufen, kiffen, Krimis lesen und in anderer Leute Häuser einbrechen, um Damenunterwäsche zu beschnüffeln. 
(aus "Schatten der Vergangenheit" - "Hollywood Nachtstücke")

Vor fast 20 Jahren in den USA auf dem Markt erschienen, dann zwei Jahre später auch bei uns. Nun in einer Neuauflage, reihen sich Ellroys "Nachtstücke" zu seinen anderen Werken, die Ullstein in den letzten Monaten in neuer Auflage herausgebracht hat ein. Authentisch, bitterböse, knallhart und zum Teil wunderbar zynisch. Ein echter Ellroy! Noir der Extraklasse!

288 Seiten, ISBN 978-3-548-29130-7 , Ullstein Verlag, 14,00 Euro


Dienstag, 1. Oktober 2019

Der Gefangene


Nicht mehr ganz neu, aber sehr empfehlenswert...
Falls ihr die Doku noch nicht kennt,
unbedingt mal reinschauen...





Samstag, 21. September 2019

Kaffee im Institut


Stephen King
DAS INSTITUT

Wir bleiben beim König des modernen Horrorromans. Ja, das ist er tatsächlich, aber das, so denke ich, muss auch nicht mehr wirklich bewiesen werden. King schreibt mal bessere, mal schlechtere Bücher, aber alles in allem hat er das Genre geprägt wie kaum ein anderer. Er macht das in seiner ganz eigenen unaufgeregten Art, vollkommen frei von irgendwelchen Allüren. Er muss keinen Nobelpreis gewinnen oder sonstige Auszeichnungen einheimsen. Er möchte uns einfach nur eine spannende Geschichte erzählen, die uns im besten Fall lange oder gar ein Leben lang begleitet. So wie King von Stories inspiriert wird, möchte er seine Leser inspieren und das gelingt ihm.
In seinem aktuellen Roman "Das Insitut" schafft er es, an seine alten Klassiker zu erinnern. Gleich vorweggenommen: sein bestes Buch seit "Joyland", das im Jahr 2013 erschien. Vielleicht gehört "Das Institut" sogar zu den besten Büchern, die King jemals geschrieben hat.

Der Autor aus Maine, der heute seinen 72. Geburtstag feiert, schafft eine besondere Atmosphäre, die auch immer diesen kleinen "Spukgeschichten-am-Lagerfeuer-Effekt" hat, aber dennoch sehr originell, gerade auch durch seine Charaktere und Beschreibungen einzelner Orte oder Räume, sei es ein dreckiges Motelzimmer, ein alter Kauz auf einer Veranda oder ein verlassenes Kino in einer amerikanischen Kleinstadt.

Die Geschichte beginnt mit dem ehemaligen Cop Tim Jamieson, der, nachdem er sein Flugticket einem FBI- Agenten für eine entsprechende Entschädigung überlässt, anfängt von Florida Richtung New York zu trampen. Er landet schließlich in einer Kleinstadt an der Ostküste und lässt sich dort als Nachtklopfer in einer kleinen Polizeistation einstellen. Schon bald kommen ihm mysteriöse Gerüchte über einen bösen Ort zu Ohren. Das Institut. Dort, wo der zwölfjährige Luke Ellis sitzt. Der ist nicht nur hochbegabt, sondern verfügt über eine außerordentliche Intelligenz und sogar über die Fähigkeit der Telekinese. Ein bisschen "Carrie", ein bisschen "Shining", eine Prise "Dreamcatcher" bzw "Duddits", auch ein bisschen "Es" und eine gute Portion von "Stranger Things". Die Macher der Serie hatten ja ganz offen Stephen King als Inspirationsquelle genannt. Nun gibt King sein Dankschön in Form eines spannenden und anspruchsvollen Thriller/Mystery Romans zurück.

Verdammt gut und verdammt spannend und einfach genial erzählt. "Das Institut" lädt ein...zu pulpigen, gruseligen und sehr unterhaltsamen Stunden! Der King ist wieder da!

768 Seiten, ISBN 978-3-453-27237-8, Heyne Verlag, 26,00 Euro




Mittwoch, 18. September 2019

Samstag, 14. September 2019

Die neue Creepshow


Die neue "Creepshow" startet demnächst in den USA.
Leider gibt es noch keinen deutschen Termin, der wird
aber bestimmt noch kommen...
Die 6 Doppelfolgen basieren zum Teil auf Stories von Stephen King, Joe Hill
oder Joe. R Lansdale...
Hinter dem Reboot der Horror-Kultklassiker Reihe aus den 80ern
stecken u.a. die kreativen Köpfe von Greg Nicotero und Tom Savini...





Dienstag, 10. September 2019

Durch die Nacht mit Stig & Kaffee


Stig Saeterbakken
DURCH DIE NACHT

Eine einzige Entscheidung. Eine einzige Handlung. Das Leben ist, selbst wenn es manchmal völlig intakt scheint, nie vor Schicksalsschlägen und Trauer sicher. Es kann ständig passieren und wie Stig Saeterbakken in seinem letzten Roman schreibt: "Trauer tritt in so vielen Formen auf."

Karl Meyer ist Zahnarzt, Ehemann und Vater von zwei Kindern. Einem Sohn und einer Tochter. Dann begegnet er der viel jüngeren attraktiven Mona und beginnt eine Affäre mit ihr. Irgendwann kann er es nicht mehr verheimlichen und erzählt seiner Frau Eva von seiner Geliebten. Erst passiert nicht viel, Schweigen und unausgesprochene Wut durchziehen die Tage der Familie Meyer bis sich schließlich der achtzehnjährige Sohn Ole-Jakob das Leben nimmt. War das Familienleben schon vorher durch Karls Beichte bedrückend genug, ist es nun unerträglich geworden.

Gefühle, die man eigentlich nicht oder nur schwer beschreiben kann, werden zu Worten. Nicht viele verfügen über eine derartige Macht der Sprache. In diesem Fall ist es der norwegische Autor Stig Saeterbakken, der 2008 für einen Skandal sorgte, als er den Holocaust-Leugner David Irving zum Literaturfest in seine Geburtsstadt Lillehammer einlud und sich 2012 nach langer Zeit, in der er unter Despressionen litt, das Leben nahm.

Saeterbakken führte in seinen letzten Lebensjahren wohl selbst kein glückliches Dasein mehr. In "Durch die Nacht" schenkt er seinem Protagonisten Karl Meyer wenigstens noch Hoffnung, in dem er ihm in Aussicht stellt, seine Ängste in einem mysteriösen Haus in der Slowakei zu bewältigen oder, sollte es nicht funktionieren, letztendlich daran zugrunde zu gehen. Saeterbakken hatte dieses Haus nicht.

Der Roman, der ein Jahr vor seinem Tod in Norwegen erschien und sein letzter war, erreicht nun den deutschen Markt und haut einen mit dieser unglaublichen Wucht aus Melancholie einfach um. Der Abgrund öffnet sich und man wird zwangsläufig hinuntergezogen. Die Geschichte ist ein Mix aus Psycho-Drama, Roadmovie und auch irgendwie Horror, wenn sich eben jenes sagenumwobene Haus dem Leser öffnet.

Auch wenn es nicht unbedingt ein Buch ist, das man mit dem Genre in Verbindung bringen würde, sehe ich trotzdem so viele Elemente des Noirs. Diese Geschichte wird ähnliche Spuren hinterlassen, wie Werke von Jim Thompson, Cornell Woolrich oder James M. Cain. Ein großartiges Buch!

288 Seiten, ISBN 978-3-8321-8365-3, Dumont Verlag, 22,00 Euro


Freitag, 30. August 2019

Motherless Brooklyn


Edward Norton (auch Regie & Drehbuch) als Detektiv mit Tourette-Syndrom...
Nach dem Roman von Jonathan Lethem…
Ab 12. Dezember in Deutschland zu sehen...






Dienstag, 27. August 2019

Kaffee und Fauser


Jörg Fauser
DAS SCHLANGENMAUL

Darf ich euch Heinz Harder vorstellen? Den meisten von euch wahrscheinlich nicht - von Jörg Fauser ganz zu schweigen. Einer der ganz großen Schriftsteller der Bundesrepublik Deutschland. Einer mit so vielen Titeln: "Poet der Beat Generation", "Meister des Noir" oder auch der "große Meister des BRD-Pulp". Und "Das Schlangenmaul" ist tatsächlich einer der besten deutschen Pulp/Noir Romane, die je geschrieben wurden. Man merkt zwar die Einflüsse von Fausers Vorbildern Dashiell Hammett und Raymond Chandler, aber Fauser hatte seinen ganz eigenen Stil und seine eigenen, ganz besonderen Figuren.
Da ist also dieser Harder, der "Bergungsexperte für außergewöhnliche Fälle". Der Anti-Held, hoch verschuldet, arbeitslos, ehemaliger Journalist und jetzt eben dieser Detektiv-Job. Auftraggeberin, eine wohlhabende schöne Blondine, die ihre Tochter seit einem halben Jahr vermisst und ihren Ex-Mann hinter diesem Verschwinden verdächtigt. Harder soll nun losziehen und den Teenager zurückholen.
Der bereits 1985 erschienene Roman ist einfach nicht totzukriegen und das aus gutem Grund. Wer bisher noch nie Fauser gelesen hat, sollte dies unbedingt demnächst nachholen. Nicht nur "Das Schlangenmaul", auch Werke wie "Rohstoff" und Fausers Biografie über Marlon Brando. Für seine Bücher braucht man kein Jubiläum oder besonderen Anlässe. Zeitlos und eindrucksvoll... so sind seine Texte...


Fauser ist Noir, Fauser ist Pulp, Fauser bleibt unvergesslich...
In der Nacht vom 16. auf den 17. Juli 1987 verließ Fauser die Party zu seinem 43. Geburtstag und will die Autobahn A94 bei München zu Fuß überqueren. Er wird von einem LKW erfasst und stirbt.

Hier der erste Teil der "Autor-Scooter" Sendung mit ihm aus dem Jahr '84...


320 Seiten, ISBN 978-3-257-07036-1 , Diogenes Verlag, 24,00 Euro


Samstag, 17. August 2019

Umwege


"Man lebt drei Leben", sagte er und fiel fast vom Stuhl.
Der alte Mann war ganz schön voll.
"Eins, das du dir vorstellst, so wie es mal sein soll....
eins, das du lebst und eins, das du tatsächlich leben wirst."
Er trank seinen letzten Schluck Bier aus dem Glas,
versuchte zu lächeln und schloss die Augen...

- MM





Mittwoch, 14. August 2019

Tomatensaft und Flugangst


Stephen King & Bev Vincent (Hrsg.)
FLUG UND ANGST

Die Ferien sind schon bald vorbei, aber wer trotzdem noch eine spannende Reiselektüre braucht und demnächst plant in ein Flugzeug zu steigen, aber auch wer weder vereisen noch fliegen will, aber einfach Lust auf ein paar geniale Kurzgeschichten von Schwergewichten wie Arthur Conan Doyle, Ambrose Bierce, Ray Bradbury, Richard Matheson oder Dan Simmons hat, der ist bei dieser Anthologie genau richtig. Auch der King selbst und sein Sohn Joe Hill sind mit je einer Story vertreten.
Ob es um die Geister der verstorbenen Kinder des Jonestown Massakers oder einer ungeheuren Kreatur über den Wolken geht, die Geschichten bringen ordentlich Pfeffer auf den Tomatensaft und sorgen für gute Unterhaltung. Ganz besonderer Tipp ist die Story von Matheson ("Albtraum auf 20000 Fuß"). Diese wurde auch einst für die Kult-Serie "Twilight Zone" verfilmt. Einfach herrlich...


Er nahm den Umschlag auf den Schoß und klappte ihn auf. Seine Bewegungen waren so fieberhaft, dass er fast die Pistole fallen ließ und sie erst im letzten Moment am Lauf auffangen konnte. Er umklammerte den Griff mit weißen Knöcheln und löste die Sicherung. Als er hinausschielte, wurde ihm auf einmal ganz kalt.
Der Mann schaute ihn an.

"Flug und Angst" ist mal wieder ein echter Leckerbissen mit viel Grusel-Pulp zwischen den Seiten. Überspitzt, überdreht und auch wunderbar altmodisch zum Teil. Einsteigen, anschnallen und abheben. Eine hervorragende Pulp-Horror-Anthologie!

448 Seiten, ISBN 978-3-453-43980-1, Heyne Verlag, 10,99 Euro


Donnerstag, 8. August 2019

The Irishman


Neuer Trailer zu Scorseses "The Irishman"....
Nach Charles Brandts "I Heard You Paint Houses"...
Läuft ab September....




Samstag, 3. August 2019

Bis später, Schatz II



"Sie sitzen ganz schön in der Scheiße..."
sagten sie und ich wurde nervös...
...vielleicht hatten sie ja recht...
ich saß nur da und wusste nicht, was ich sagen sollte...
"es war nur ein Scherz, eine Art Spiel", sagte ich schließlich...

"ziemlich beschissenes Spiel, wenn am Ende jemand tot ist, oder?"
ich wusste nicht mehr weiter...

dann kam dieser Typ in den Raum, 
setzte sich zwischen die beiden Bullen
und stellte eine Glas auf den Tisch...

völlig surreal diese ganze Szene, sag ich euch...
ich war total verwirrt und fragte nur
"Was soll das?"

"Trinken Sie und Sie werden
die Antworten auf ihre Fragen finden...."

und ich dachte,
wie bin ich nur hier reingeraten...




Dienstag, 30. Juli 2019

Miller mit Mailer


Joel Dicker
DAS VERSCHWINDEN DER STEPHANIE MAILER

Der in Genf geborene Autor beginnt seine Geschichte am 30. Juli 1994. Heute vor 25 Jahren. Ein vierfacher Mord in einer kleinen harmonischen Gemeinde in den Hamptons. Ein regelrechtes Massaker. Dicker hatte einst mit seinem Buch "Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert" für Furore auf dem Buchmarkt gesorgt und das mit einer ziemlich unaufgeregten Schreibe. Er erzählt uns eine Geschichte über Intrigen, Mord und Korruption und ehe man sich versieht, ist man tatsächlich vollends in der Handlung drin und klebt an jeder Seite.

Es folgte ein beklommenes Schweigen. Dann murmelte Polizeichef Gulliver, als versuche er gerade die Tragweite dieser Situation zu erfassen: "Hier beginnt der Vermissten-Fall Stephanie Mailer."

Auch wenn seine Bücher den Anschein machen, als wären sie die perfekte Vorlage für einen dieser etwas kitschigen TV-Krimis aus den 80ern oder 90ern macht es Dicker ziemlich clever und spielt tatsächlich mit Klischees, aber nicht in einer Art und Weise, die das Lesen unangenehm macht. Man möchte weiterkommen in der Geschichte und den Ermittlern Rosenberg, Scott und dem eifrigen Deputy Chief Anna Kanner auf Schritt und Tritt folgen. Die Story springt von Figur zu Figur und auch immer wieder zwischen den Zeiten 1994, das Jahr des brutalen Mehrfachmordes und 2014, in dem Stephanie Mailer verschwand, nachdem sie Detective Rosenberg den Tipp gegeben hat, dass damals bei den Ermittlungen der falsche Täter gefasst wurde. Aber man verliert nie den Faden.

Dickers Buch ist wie geschaffen für ein paar unterhaltsame und spannende Stunden in der Sonne mit einem kühlen Bier in der Hand. Wer bisher vielleicht eher misstrauisch mit dem Autoren aus der Schweiz umgegangen ist, sollte sich mal einen Ruck gegeben und sich seine Geschichte durchlesen. Ein wunderbarer Krimi, so simpel eigentlich - und doch so effektiv. Gute Unterhaltung für zwischendurch.

672 Seiten, ISBN 978-3-492-05939-8, Piper Verlag, 25,00 Euro



Dienstag, 23. Juli 2019

Kaffee im Mars Room


Rachel Kushner
ICH BIN EIN SCHICKSAL

Ihr wärt nicht mitgegangen. Das ist mir klar. Ihr wärt nicht mit in sein Zimmer gegangen. Ihr hättet ihn nicht um Hilfe gebeten. Ihr wärt mit elf nicht um Mitternacht durch die Gegend geirrt. Ihr hättet warm und trocken daheim in euren Betten gelegen und geschlafen, bei eurer Mutter und eurem Vater, die sich um euch sorgten und euch Regeln, Zeiten, Erwartungen mit auf den Weg gaben. Für euch wäre alles anders gewesen. Aber an meiner Stelle hättet ihr das Gleiche gemacht wie ich. Ihr wärt mitgegangen, hoffnungsvoll und dumm, um Geld für das Taxi zu bekommen.

Schicksal. Was bedeutet das eigentlich? Wann benutzt man dieses Wort und gibt es einem einfach ein gutes Gefühl, dass schon irgendwie alles seine Richtigkeit hat und einen Sinn ergibt? Romy Hall kann dazu auch eine Menge erzählen. Sie ist ein Schicksal. Sie ist ihre Geschichte. Benannt nach der Schauspielerin Romy Schneider. Ein gefallener Engel, ein Mensch, der mit viel Traurigkeit erfüllt wurde, auch wenn die Film-Ikone der 70er Jahre nicht zweimal lebenslänglich in einem Frauenknast in Kalifornien absitzen musste. Diese Strafe muss Romy Hall antreten. Ehemalige Stripperin im Lokal "Mars Room" und nun weiblicher Knacki.
Romy lässt uns an ihrem Seelenleben teilhaben. Sie erzählt uns ihre Geschichte und Rachel Kushner hilft ihr dabei mit ihrer besonderen und eindringlichen Art.
Ihr Buch "Flammenwerfer" war ein Erfolg und wurde in den Feuilletons gefeiert. Nun erneut die Geschichte einer Frau, die sich mit ihrer Vergangenheit und ihrer nicht allzu einfachen Gegenwart auseinandersetzt. Eine einsame Kämpferin, die letztendlich hohe Hürden nehmen muss, um dann doch wieder vor einer Wand zu stehen. War es im "Flammenwerfer" noch die rebellische Reno, die sich im New York der 70er zwischen Traumtänzern und Revoluzzern tummelt, immer mit dem Blick auf die Liebe, heißt Kushners neue Anti-Heldin Romy und ist in San Francisco der aktuellen Dekade mit ähnlichen verlorenen Typen unterwegs bis es dann in diesem besagten Mars Room zum schicksalhaften Treffen kommt.
Egal, welcher Illusion man sich hingibt, diese Seelenfahrt wird nicht gut ausgehen. Die US-Autorin, geboren im Jahr 68 (natürlich!) schafft ein neues Werk, das ebenfalls Spuren beim Leser hinterlassen wird, aber "Ich bin ein Schicksal" geht noch etwas tiefer als Kushners Vorgänger. Es wirkt überlegter und ehrlicher. Voller Härte, aber auch melancholisch, wenn auch niemand hier um Mitgefühl oder Vergebung bittet. Ein Schicksal lässt sich nicht ändern. Ein ganz starker Roman, der gelesen werden muss.

400 Seiten, ISBN 978-3-498-03580-8, Rowohlt Verlag, 24,00 Euro


Freitag, 19. Juli 2019

Kaffee mit Peter Jamin (Interview)



Wir denken immer, die Welt sei gerecht oder wir können sie, falls es nicht so ist, ändern. Wir glauben an die Worte von Politikern, die uns Gerechtigkeit versprechen. Doch die Welt ist nicht gerecht. Wir leben nur in einem Land, das uns mehr Gerechtigkeit bietet als den Menschen anderswo. 

- aus dem Fall "Oma Kötter und die entführten Mädchen"

In seinem Buch "Ohne jede Spur" muss sich Peter Jamin mit vielen Ungerechtigkeiten abfinden. Viele vermisste Menschen bleiben einfach verschwunden - für immer. Eine Tatsache, mit der man eigentlich nicht leben kann. Der Autor betreut Angehörige von Menschen, die vermisst werden. Eine schwierige Aufgabe. Im Buch schildert Jamin einige dieser Fälle. Immer auf den Punkt gebracht, schnörkellos erzählt und leider oft ohne Happy End. Absolut lesenswert! Nach dem Lesen, wollte ich Peter Jamin ein paar Fragen zu dem Buch stellen und er willigte ein.

HIER NUN DAS INTERVIEW MIT PETER JAMIN:

RB: In der Danksagung steht, Ferdinand von Schirach hätte Sie inspiriert, das Buch zu schreiben, aber wann war der Punkt erreicht, wo Sie sich dann tatsächlich hingesetzt haben und angefangen haben an dem Buch zu arbeiten?

PJ: Ich habe immer wieder einmal darüber nachgedacht über die Schicksale von Vermissten und ihrer Angehörigen zu schreiben. Von Schirach hat mir letztlich mit seinen Storys den Weg gewiesen. Dabei habe ich mich auch an den Stil des Literary Journalism etwa von Norman Mailer oder Truman Capote erinnert. So sind Kurzgeschichten entstanden, die - so der Rowohlt-Verlag - einen hochspannenden Blick auf spektakuläre Kriminal- und Vermisstenfälle bieten.

Ich beschreibe in meinem neuen Buch "Ohne jede Spur. Wahre Geschichten von vermissten Menschen" die Schicksale von Angehörigen wie von Vermissten aus ungewöhnlichen Blickwinkeln. So erzähle ich die Geschichte eines Mannes, der nach 30 Jahren zum Sterben heimkehrt. Der Manager eines Industrieunternehmens stellt sich - in einer anderen Story - im Anzug und mit Aktenkoffer an die Autobahnauffahrt und trampt mit einem Lkw nach Spanien. Eine Seniorin sucht ihren an Demenz erkrankten Ehemann nach dem Hinweis eines Hellsehers an den Ufern von Gewässern. Ein 17-Jähriger sucht das Abenteuer in der Fremdenlegion, und ein an Depressionen erkrankter Werbekaufmann wird in New York vermisst.

RB: An wie vielen Vermisstenfällen haben Sie bis dato schon gearbeitet?

PJ: Ich beschäftige mich seit 25 Jahren mit Vermisstenfällen und berate ehrenamtlich Angehörige von Vermissten. Bis heute in mehr als 2000 Fällen. Das hört sich viel an, ist aber angesichts der Vermisst-Zahlen jedes Jahr sehr wenig. Jedes Jahr werden bei der Polizei rund 100.000 Menschen als vermisst registriert, davon etwa 50.000 Kinder und Jugendliche. Mehr als 500.000 Angehörige sind vom Verschwinden eines Menschen direkt betroffen.

RB: Sie mussten sich erneut mit den im Buch geschilderten Fällen auseinandersetzen und auch wieder „zurückkehren“. Wie schwer sind Ihnen emotional die Erinnerungen gefallen?

PJ: Es fällt mir nicht schwer, mich an einzelne Fälle zu erinnern oder mich mit ihnen erneut zu befassen. Ich betrachte die Beratung von Angehörigen eher als soziales Management und gehe professionell mit den Problemen um. Allerdings gibt es immer wieder Fälle, die mich besonders berühren, was an den Umständen von einzelnen Fällen liegt. Dazu gehört sicherlich - wie bei den meisten Menschen - das Verschwinden von kleinen Kindern.

RB: Gab es seit der Veröffentlichung des Buches ein besonderes Erlebnis für Sie, das es ohne das Buch wohl nicht gegeben hätte?

PJ: Ja. Vor wenigen Wochen habe ich in Düsseldorf in der Kultur- und Literaturkneipe "Sassafras" eine Lesung gehalten. Ich hätte nicht gedacht, dass ein Publikum so ergriffen sein kann von Kurzgeschichten. Die Resonanz, das Mitgefühl war außergewöhnlich. 
Mehr hier auf Facebook 
Ich habe mir vorgenommen mit meinem Buch mehr Lesungen zu machen. Veranstalter sind also herzlich eingeladen, sich bei mir zu melden. Erste Resonanz gibt es bereits: Ich bin zum "Saarländischen Literaturfestival am 5. März 2020 eingeladen. 
Mehr gibt's hier

RB: Helfen Sie weiterhin Angehörigen von vermissten Menschen und wird es möglicherweise ein zweites Buch geben?

PJ: Zweimal Ja. Wer über die neusten Aktivitäten informiert werden will, findet hier die News: www.ohnejedespur.de

Vielen Dank, Herr Jamin!


Zum Buch:
OHNE JEDE SPUR
Wahre Geschichten von vermissten Menschen

208 Seiten, ISBN 978-3-499-63415-4, Rowohlt Verlag, 10,00 Euro




Freitag, 12. Juli 2019

Montag, 24. Juni 2019

Bis später, Schatz


Ich arbeite nachts an einer Tankstelle...

Diese Nachtschichten können lang und einsam sein.
Man ist allein mit seinen Gedanken und draußen herrscht die Dunkelheit.
Ich warte und warte...
...auf den Feierabend, auf den morgigen Tag,
auf die Lösung dieses Rätsels...

Alles fing mit einem Zettel an...
und dieser merkwürdigen Nachricht...

- MM




Samstag, 22. Juni 2019

Sonntag, 16. Juni 2019

'Round Midnight III


Plötzlich saß sie an meinem Tisch,
direkt mir gegenüber
und starrte mich an.
Ich fühlte mich sehr unwohl...

Woher kommst du? fragte sie.
Was machst du hier?
Suchst du jemanden?
Sie stellte so viele Fragen...

...und mein Verstand spielte verrückt
...ich hatte böse Gedanken...
und ich wusste, das hier würde
nicht gut ausgehen...

...und die Jukebox spielte einfach weiter...




Montag, 10. Juni 2019

When They See Us


Fantastische Mini-Serie über den wahren Fall der "Central Park Five"...

Trailer



Doku



Sonntag, 2. Juni 2019

Kaffee mit Cari Mora


Thomas Harris
CARI MORA

Wenn man an Autoren denkt, die über Serienkiller in ihren Romanen schreiben, dann braucht man nicht lange, bis der Name Thomas Harris im Kopf aufleuchtet. Natürlich hatte damals die Verfilmung seines Buches "Das Schweigen der Lämmer" einen gehörigen Anteil an Harris' weltweitem Ruhm. Der Film wurde ein großer Erfolg, heimste Preise ein und das Buch dazu verkaufte sich zig Millionen Mal. Hannibal Lecter wurde zur Kultfigur unter den Literatur bzw. Film-Mördern und natürlich nutzt man auch im aktuellen Buch seinen Namen als Anreißer. Denn, in seinem neuen Buch "Cari Mora" sollen wir Bekanntschaft mit dessen Nachfolger machen. Er ist groß, blass, haarlos, und wie ein Reptil liebt er die Wärme. So steht es zumindest auf dem Buchcover. Liest man wiederum innen den Klappentext, hört sich die Geschichte schon ein wenig anders an und zeitweilig hat man tatsächlich das Gefühl, es handelt sich hier um einen kleinen Genre-Mix. Zum einen geht es um den perversen deutschen Serienmörder Hans-Peter Schneider (noch deutscher ging es fast nicht) und zum anderen geht es um 600 Kilo Gold vom berühmten toten Drogenbaron Pablo Escobar. Aber wie passt das zusammen? Na ja, der Hans-Peter will sich das Gold, das in Pablos ehemaliger Villa in Miami versteckt liegt, unter den Nagel reißen, aber mit diesem Auftrag steht er nicht alleine da, denn noch andere schwere Jungs haben es auf das Gold abgesehen und vor allem gibt es da die kesse Cari Mora, die in selbiger Villa als Haushälterin arbeitet. Vor einiger Zeit noch aus Kolumbien geflohen und als ehemalige FARC-Kämpferin definitiv kein Kind von Traurigkeit. Sie wird schnell zur Zielscheibe von Schneider, aber mit dieser Gegnerin ist nicht zu spaßen.
Die ganze Geschichte liest sich wie ein Action-Thriller aus den 80ern, an dem Autor Don Winslow mitgeschrieben hat, aber weil Harris weiß, wie gerne seine Leser über grausame Killer lesen, ist auch die Figur des widerlichen Schneiders mit an Bord. Alles ein wenig kitschig und auch vorhersehbar, aber trotzdem hat sein neuer Roman einen hohen Unterhaltungswert.

Harris ist halt ein begnadeter Erzähler. Seit 1975 (mit seinem Debüt "Schwarzer Sonntag") hat er sich nicht mehr ohne seinen Hannibal Lecter auf den Buchmarkt getraut und überhaupt sind es 13 Jahre, seit Thomas Harris seinen letzten Roman geschrieben hat. Natürlich waren seine Fans jetzt gespannt und sollten auch nicht enttäuscht werden - auch ohne den Hannibal.

Dennoch: als Bonus gibt es hinten im Buch eine Leseprobe zu "Das Schweigen der Lämmer". Ja, also so ganz ohne dann doch nicht, um möglicherweise einigen enttäuschten Lesern entgegenzukommen und zu zeigen, hier, da habt ihr ihn.... und es ist einfach noch immer das beste Buch von Thomas Harris.




335 Seiten, ISBN 978-3-453-27238-5, Heyne Verlag, 22,00 Euro


Dienstag, 28. Mai 2019

Kaffee im Wonder Valley



Ivy Pochoda
WONDER VALLEY

Willkommen im Wonder Valley, aber was ist das überhaupt? Eine kaputte Oase inmitten der südkalifornischen Wüstenregion. Blechhütten, Schrottabfälle, Autoleichen und jede Menge zerschundene Seelen. Die ehemalige Profisquash-Spielerin und seit einigen Jahren erfolgreiche Autorin mit Büchern wie "Visitation Street" (der leider noch nicht auf Deutsch erschienen ist) Ivy Pochoda hat ein literarisches Kaleidoskop der US-Glitzer- und Palmenmetropole Los Angeles geschrieben. Träume, Tränen und Tragödien vor der öden und dann auch wieder bezaubernden Kulisse dieser ambivalenten Großstadt. Was da alles passieren kann...
Da läuft gleich zu Beginn ein nackter Jogger über den Freeway. Aber vielmehr geht es um Charaktere und Schicksale wie die, des jungen Kriminellen Ren, der von New York nach L.A. aufbricht, um seine Mutter zu finden. Nach Jahren im Knast will er einfach nur raus aus dem ganzen Dreck und erhofft sich ein neues Leben an der Westküste. Ja, auch das kommt einem bekannt vor. Wie viele Träumer sind schon aufgebrochen, um das "gelobte Land" zu erobern und das Wunder zu erleben? Auch die junge Britt ist unterwegs, nicht weniger hoffnungsvoll, aber fast noch ein bisschen mehr verloren in ihrer Welt.  Zwanzig Meilen hinter Joshua Tree liegt die Howling Tree Ranch, dort wird ihr Unterschlupf angeboten und ein neues, viel besseres Leben versprochen, denn auf dieser Farm haben sich ein paar moderne Hippies niedergelassen und eine Art Kommune gegründet. Erinnert ein wenig an eine harmlose Version der Manson-Family und somit hätte man auch den nächsten L.A. Mythos aufgegriffen, aber stören tut es nicht...

Pochoda hat mit "Wonder Valley" einen interessanten und durchaus authentischen Roman über Menschen geschrieben, die man auf ihrer eigenartigen Reise gerne begleitet und neugierig beobachtet. Sie sucht sich mit Los Angeles einen einfach nicht totzukriegenden Schauplatz aus, der nach wie vor polarisiert und inspiriert. Der Schein trügt, der Glanz versinkt, das Glück zerfällt, die Liebe hält nicht durch und die Hoffnung stirbt zuletzt.
Ein fantastisches Buch für den kommenden Sommer. California Dreamin, während einem die Sonne das Gehirn wegbrutzelt. Kommt also alle her und fühlt euch wie zu Hause...


400 Seiten, ISBN 978-3-86913-994-4, ars vivendi, 18,00 Euro


Sonntag, 26. Mai 2019

Once Upon a Time in...Hollywood


ab August in Deutschland....
50 Jahre nach den Morden am Cielo Drive...
ein erfolgloser Schauspieler und sein Stuntman...
mal schauen, was dabei herauskommt...






Montag, 20. Mai 2019

SCHWARZ im Juni


Vorläufiges Cover / Illustration: Giuseppe Cristiano 

Er fuhr einfach weiter, immer geradeaus. Er bemerkte, dass es dunkler wurde. Der Mond verschwand, die Nacht wurde schwarz, so wie keine je zuvor. Sie verschluckte ihn und all seine Gedanken, und es wurde nicht mehr hell.

- erscheint Mitte/Ende Juni im Krimi & Mystery Programm des Talawah Verlags 



Sonntag, 19. Mai 2019

Ein Sommer vor 95 Jahren


Hannover im Jahr 1924. Ein Serienmörder treibt sein Unwesen und in jenem Jahr trieb er es besonders schlimm. Am Ende wurden ihm 24 Morde zur Last gelegt, einige Fälle blieben ungeklärt. In den Monaten Mai und Juni -vor genau 95 Jahren- fand man in der Leine fünf menschliche Schädel. Es waren die Schädel von jungen Männern bzw. Jungs. Man vermutete den Täter in der Schwulenszene und hatte bald jemanden im Auge, bis schließlich ein gewisser Fritz Haarmann (der schon vorher von der Polizei verdächtigt wurde, dem aber nie etwas nachgewiesen werden konnte) verhaftet wurde.

Die Geschichte um den Massenmörder Fritz Haarmann, auch bekannt als Werwolf oder Vampir von Hannover wurde damals zum Medienereignis und ist auch heute noch weitestgehend bekannt. Autorin Franziska Steinhauer hat mit ihrem Buch, das vor zwei Jahren erschien und dieses Jahr in die zweite Auflage geht, den Fall noch einmal unterhaltsam aufgefrischt und einen echt spannenden True-Crime Krimi geschrieben, der auch ein ganzes Weilchen nach Erscheinung eine Empfehlung verdient...


Die beiden Jungs Theo und Ludwig brechen im Sommer 1924, bevor es mit dem Studium bzw für Theo mit der Arbeit im Betrieb seines Vaters weitergeht zu einer ausgedehnten Radtour auf. Theo ist unzufrieden. Viel lieber würde er sich der Schauspielerei widmen, als in die Fußstapfen seines alten Herrn zu treten, aber nun heißt es erstmal die sonnigen Tage mit seinem Kumpel Ludwig, der vorhat Arzt zu werden genießen. Sie machen sich auf in Richtung Hannover, sind aber von den Eltern gewarnt, nicht zu viel Zeit in der Stadt, die mittlerweile durch eine ungelöste Reihe von Morden einen ganz schlechten Ruf hat zu verbringen. Ein Serienmörder geht in der Landeshauptstadt um und der hat es auf Jungs und junge Männer abgesehen. Jungs wie Theo und Ludwig. Als Theo während ihres Ausflugs plötzlich verschwindet, scheint sich die Befürchtung der Eltern erfüllt zu haben. Der Killer hat wieder zugeschlagen, doch wer ist dieses Monster und wie kann man ihn fassen?

Während Steinhauer die Geschichte der beiden Jungs erzählt, schildert sie parallel dazu die Gefühlswelt eines kranken Mörders aus der Ich-Perspektive. Sehr gut recherchiert und spannend aufgebaut. Eine passende Lektüre für den späten Frühling oder bevorstehenden Sommer, auch für Leute, die nichts mit Hannover am Hut haben.

313 Seiten, ISBN 978-3-8392-2070-2, Gmeiner Verlag, 14,00 Euro


Donnerstag, 16. Mai 2019

'Round Midnight II


Wieder ein Abend in dieser Bar...
und ich beobachte,
beobachte die Leute, die hier sitzen, trinken
und sich unterhalten
und immer wieder sehe ich Frauen,
die meine Aufmerksamkeit erregen..

wie die eine dort in der Ecke,
sie sitzt ganz allein,
nicht besonders hübsch, 
aber auch nicht unattraktiv,
ich möchte sie ansprechen,
aber meine Angst ist zu groß...

sollte sie meine Einladung zu einem Drink
ablehnen, wäre ich wohl ziemlich enttäuscht,
sollte sie annehmen, wäre vielleicht
kurz darauf die Hoffnung zerstört,
ich könne sie noch nach Hause begleiten,
doch sollte sie gewillt sein, nach dem Drink 
noch mit zu mir zu kommen,
dann wüsste ich nicht, 
ob ich sie wieder gehen lassen würde,
zumindest nicht lebendig...

ich blicke verlegen in mein Glas
und bemerke dieses böse Verlangen...

ich sollte sie nicht ansprechen,
ich sollte einfach gar nicht mehr an sie denken
und dann schaute ich wieder auf
und sah sie dort sitzen...

- MM



Mittwoch, 15. Mai 2019

Kaffee & Noir


Christopher Moore
NOIR

Nun wusste ich damals nicht, was die beiden Typen in schwarzen Anzügen wussten, nämlich, dass wir über die unermessliche Weite des Weltraums hinweg von Wesen beobachtet wurden, deren Intelligenz die des Menschen weit übertraf. Sie folgten uns mit eifersüchtigen Blicken und schmiedeten Pläne, in unsere Welt zu kommen, um mit den Brüsten unserer Bräute Motorboot zu fahren.
Eine Braut. Damit fing alles an …

Es darf auch mal ein bisschen lustiger sein - so eine Pulp/Noir- Geschichte. In diesem Fall natürlich noch etwas überspitzter als die Pulp-Stories aus den 40ern oder 50ern. Christopher Moore, der für seine humorvollen Bücher bekannt ist, hat sich dieses Thema mal zur Brust genommen und einen  durchaus unterhaltsamen Roman über einen Barmann namens Sammy "Two Toes" Tiffin, der im San Francisco des Jahres 1947 einer Menge schräger Vögel begegnet. Alles beginnt mit einer Braut (was auch sonst?), die so heißt wie ein Käse. Eine Blondine mit dem Namen Stilton. Hinzu kommt ein General, der gerade auf der Air Force Basis in Roswell, New Mexico stationiert ist und einen Auftrag für Sammy hat. Wir bewegen uns also volles Brett ins Pulp-Desaster: eine Femme fatale, Außerirdische, Männer in schwarzen Anzügen, ein paar Tote, lässige Sprüche und Drinks bis die Matrosen kotzen.  Moores Ausflug ins Pulp/Noir-Land erinnert ein bisschen an Charles Bukowskis "Pulp" (1994) oder auch Bodo Kirchhoffs "Schundroman" (2002). Sehr verspielt, aber trotzdem mit einer gewissen Zutat an ernsthafter und dadurch auch mitreißender Spannung, die einem nicht unbedingt die Haut vom Fleisch pellt, aber gutes Kopfkino verursacht.

Autor Christopher Moore, der sich einst als Kellner, Dachdecker oder Versicherungsvertreter durchs Leben schlug, hat mit "Noir" einen Roman im letzten Oktober auf den deutschen Markt gebracht, der als Hommage an ein wunderbares Genre verstanden werden kann und genau die richtige Sommerlektüre bietet, für alle, die nicht immer alles zu ernst nehmen müssen. Sehr pulpig!

413 Seiten, ISBN 978-3-442-31486-7, Goldmann Verlag, 17,00 Euro


Dienstag, 14. Mai 2019

Crawl


Alligatoren und Alexandre Aja... 
Das kann ja heiter bis wolkig werden,
mit Aussicht auf ein bisschen Regen...

Ende August geht's in Deutschland los...




Montag, 13. Mai 2019

Devil at the Crossroads


Interessante kurze Doku über Robert Johnson und
den Mythos (vom 27er Club bis hin zum Treffen mit dem Teufel
an der Kreuzung in Clarksdale, Mississippi), den er schuf...

Trailer




Samstag, 11. Mai 2019

Ambulance


Old School- Thriller in bester 90er Jahre Manier...
Leicht trashig, leicht noirisch, gut gepulpt…
...und James Earl Jones und Stan Lee mischen auch mit...
…und so eine Perle findet man bei YT...





Donnerstag, 9. Mai 2019

'Round Midnight


Ich ging in die Bar,
so wie jeden Abend
ich saß da und trank
ich saß da und wartete,
wartete darauf, 
dass endlich etwas passieren würde...

es war gegen Mitternacht
ein Tag war wieder rum
und ein neuer brach an...

die Hoffnung blieb,
dass nun etwas passieren würde...

- MM





Freitag, 3. Mai 2019

Radio


Jede Nacht ich heimlich stieg
Auf den Rücken der Musik
Legt die Ohren an die Schwingen
Leise in die Hände singen
Jede Nacht und wieder flieg'
Ich einfach fort mit der Musik
Schwebe so durch alle Räume
Keine Grenzen, keine Zäune