Freitag, 26. April 2019

Kaffee mit dem Feind


Iain Reid
ENEMY

Ein Auto nähert sich einer abgelegenen Farm spät am Abend. Junior und Henrietta sind sehr überrascht über den Besuch. "Wir bekommen keinen Besuch. Nie. Nicht hier draußen", so Junior und damit hat er recht. Er und seine Frau führen ein bescheidenes und zurückgezogenes Leben zwischen Rapsfeldern im kanadischen Nirgendwo. Neugierig erwarten sie ihren Besucher. Ein Mann namens Terrance, der im Auftrag des Unternehmens "OuterMore" kommt, um Junior davon in Kenntnis zu setzen, dass er für eine Vorauswahl bestimmt bzw. auserwählt wurde. Auserwählt, um ins All zu reisen und das für eine ziemlich lange Zeit.
Was sich bis hier hin eher noch nach einfacher Science-Fiction anhört, wandelt sich im Laufe der Geschichte zu einem mysteriösen und spannenden Noir-Thriller der allerdings auf ganz leisen Sohlen kommt und sich immer wieder mit kleinen Nadelstichen im Kopf festsetzt.
Wunderbare Dialoge und ein gekonnter Aufbau der Story, der man anmerkt, dass sie unruhig ist, dass es uns etwas erzählen will, aber auf den passenden Moment wartet, um es dann donnern zu lassen.
Der kanadische Autor Iain Reid hat mit seinem Debüt "The Ending" (wird zurzeit von Drehbuchautor Charlie Kaufman verfilmt) einen ebenso spannenden, wie unspektakulären Roman bereits ins Rennen geschickt. Auch "Enemy" schafft es mit genau dieser unaufgeregten erzählerischen Durchschlagskraft erfolgreich ans Ziel zu kommen. In immer wieder kurzen Passagen erzählt Reid, dessen Schwester übrigens die First Lady von Island ist (nur als kleine Randnotiz) von dieser einen Beziehung zwischen Mann und Frau, zwischen Junior und Henrietta und man wird hineingezogen und macht diese Reise gerne mit. Man will und kann nicht aufhören ihrer Geschichte zu folgen. "Enemy" ist eines der interessantesten Bücher, das momentan auf dem Markt ist und sollte keineswegs ignoriert werden. Eine große Überraschung, ein vielversprechender Autor, kurzum: ein absoluter Geheimtipp für diesen Sommer und überhaupt!

304 Seiten, ISBN 978-3-426-30620-8, Droemer Knaur, 14,99 Euro


Mittwoch, 24. April 2019

Das Hauntedville Massaker V


Ich bin wahrscheinlich der einzige hier im Knast,
der vorher noch nie eine Waffe in der Hand hatte,
aber wenn die Kacke erstmal richtig am dampfen ist,
dann hilft manchmal nur noch das.

Verdammte Scheiße, ich hätte nur noch fünf Monate gehabt
und jetzt fangen die Leute hier an durchzudrehen 
und sich oder andere umzubringen. 
Es ist wie in einem Dschungel voll mit tollwütigen Raubtieren.

Jetzt geht es nur noch ums nackte Überleben, Freunde...
Ich weiß nicht mehr, ob ich nochmal zum Schreiben komme...
wünscht mir Glück...





Mittwoch, 17. April 2019

Kaffee und Pulp Legenden


Michael McDowell
DIE ELEMENTARE

Der Festa Verlag hat mit seiner "Pulp Legends"- Reihe einmal mehr den Buchmarkt gut und blutig belebt. Mit Titeln wie zum Beispiel dem verdammt bösen "Komm, wir spielen bei den Adams" von Mendal W. Johnson, der durch die Reihe erstmals auf dem deutschen Buchmarkt erscheint, so auch Horror-Autor Ken Greenhall, der in "Hell Hound" einen gefährlichen Bullterrier von der Leine lässt. Alles eher Autoren, die nicht den ganz großen Durchbruch genossen, aber das macht auch nichts. Qualitativ ist das schon richtig gut. Auch Michael McDowell dürften hier nur die wenigsten kennen und doch hat sich der Schreiber aus Alabama besonders in der Filmbranche als Drehbuchautor einen kleinen Namen gemacht. Sein bekanntestes Werk dürfte das Drehbuch zum 80er Jahre Kultfilm "Beetlejuice" von Regisseur Tim Burton sein, mit dem er bei "Nightmare Before Christmas" (1993) erneut zusammenarbeitete. Eine Fortsetzung zu "Beetlejuice" war eines von McDowells letzten Wunschprojekten, das aber nie verwirklicht wurde. McDowell starb am 27. Dezember 1999 in Boston an den Folgen einer AIDS- Erkrankung. Er wurde 49 Jahre alt. Seinen letzten Roman "Candles Burning" konnte er ebenfalls nicht mehr beenden. Dieser wurde einige Zeit später von Tabitha King fertiggeschrieben und im Jahr 2006 veröffentlicht. Für ihren Mann Stephen zählt Michael McDowell nach wie vor zu den großartigsten Horror-Autoren und prägte das Genre des Southern-Gothic.

In dieses Genre fällt auch sein Roman "Die Elementare", der seelenruhig um die Ecke geschlendert kommt, sich dann vorsichtig anschleicht und dir einen Nackenschlag verpasst, von dem du noch lange was haben wirst.

Zum Inhalt: Die beiden Familien Savage und McCray kommen zur Beerdigung von Marian Savage, Mutter von Dauphin und Schwiegermutter von seiner Frau Leigh zusammen. Anschließend verbringen sie einige erholsame Tage in Beldame, Alabama. Dort haben die Savages drei Villen am Strand stehen, doch eine von ihnen hält ein paar unangenehme Überraschungen für die Gäste parat.

Klassische Horror-Story, verpackt in sommerliche Südstaatenatmosphäre mit viel Gänsehaut dazu. McDowell macht nicht nur viel Spaß, sondern er hat einen ganz unaufgeregten Schreibstil, der einen sofort dazu einlädt, einfach weiterzulesen und selbst in vollkommen ruhigen Momenten im Buch die Spannung aufrecht zu halten. Der perfekte Titel für den Sommer und überhaupt eine großartige Entdeckung zwischen all den zahlreichen Horror, Thriller und Krimis, die so durch den Markt geistern. Hier haben wir mal wieder eine echte Perle gefunden. Geiler Titel, geniale Reihe...

412 Seiten, limitierte Ausgabe ohne ISBN, Festa Verlag, 34,99 Euro

...so unschuldig und harmlos wie Napalmbomben...



holt euch die volle Dröhnung unter www.festa-verlag.de





Samstag, 13. April 2019

Das Hauntedville Massaker IV


Ich sitze hier und schreibe, aber bringe nichts Vernünftiges zu Papier,
meine Gedanken sind bei den Leuten, die dort in diesem Knast saßen,
aber ich habe nur wenig Informationen darüber gefunden.

Ich sitze hier in diesem Motelzimmer und
verbringe eigentlich nur meine Zeit damit, zu rauchen, zu trinken
und zu überlegen, wie ich bloß diese Geschichte schreiben soll.

Ich muss raus, aber ich kann nicht raus,
draußen ist es zu heiß, die Wüste würde mich auffressen,
muss schreiben, muss schreiben...

Mir geht dieses Chaos nicht aus dem Kopf,
dieses verrückte Massaker, wie fing es an?...
und ich spüre den Wahnsinn hier im Zimmer...






Dienstag, 9. April 2019

Not Quite Hollywood


Nicht mehr so ganz aktuell, aber trotzdem eine Erwähnung wert...
...für alle, die diese Doku über das australische Pulp-Kino der 70er/80er
noch nicht kennen....unbedingt mal anschauen...




Samstag, 6. April 2019

Kaffee & Kim


Un-Su Kim
DIE PLOTTER

"Das Lesen von Büchern verurteilt dich zu einem Leben voller Angst und Scham. Hast du jetzt immer noch Lust dazu?"

Profikiller Raeseng war noch ein kleiner Junge, als sein Ziehvater Old Racoon ihm diese Frage stellt. Angst und Scham sollten sich nicht unbedingt breitmachen, wenn man Un-Su Kims ersten ins Deutsche übersetzten Roman liest. Ein wirklich genialer Noir-Thriller, der sämtliche Elemente des Genres verwertet. Sofort kommen einem Bücher wie Richard Starks "The Hunter", Nic Pizzolattos "Galveston" oder Filme wie John Woos "Die Killer" in den Sinn.

Hauptfigur Raeseng wurde als Baby in einer Mülltonne zurückgelassen, nun wächst er in der Bibliothek des Plotters Old Racoon auf. Ein Plotter gehört zu einer Organisation, die im Land für Auftragsmorde verantwortlich sind. Als Raeseng eines Tages gegen die Regeln der Plotter verstößt und eine junge Prostituierte verschont, wird er selbst zum Zeil der todesbringenden Vereinigung. Raeseng muss den Kampf aufnehmen. Die Story ist nun nicht gerade neu, aber in diesem Fall wirklich hochexplosiv verpackt und das sieht man schon am Buch selbst. Der Europa Verlag hat sich so seine Gedanken gemacht...



Herausgekommen ist ein schön gestaltetes Buch und ein absolut lesenswerter, gradliniger Noir-Thriller aus Korea, wunderbar blutig und extrem gefährlich. Achtung! Un-Su Kim ballert mit einem literarischen Großkaliber auf dem Krimimarkt gezielt um sich und hinterlässt deutliche Spuren eines Noir-Meisters. Geht in Deckung!

360 Seiten, ISBN 978-3-95890-232-9, Europa Verlag, 24,00 Euro


Mittwoch, 3. April 2019

Joker


Das zaubert ein Lächeln in mein Gesicht...

Der Trailer zum Joaquin Phoenix "Joker"- Film verspricht einiges...

...im Oktober wissen wir mehr...


Dienstag, 2. April 2019

The Dead Don't Die


Der Jim Jarmusch hat einen Zombiefilm gedreht,
mit einer ziemlich ansprechenden Besetzung
und der Trailer sieht schon mal nicht schlecht aus...

Wann die Untoten zu uns kommen, ist noch nicht raus