Sonntag, 19. Mai 2019

Ein Sommer vor 95 Jahren


Hannover im Jahr 1924. Ein Serienmörder treibt sein Unwesen und in jenem Jahr trieb er es besonders schlimm. Am Ende wurden ihm 24 Morde zur Last gelegt, einige Fälle blieben ungeklärt. In den Monaten Mai und Juni -vor genau 95 Jahren- fand man in der Leine fünf menschliche Schädel. Es waren die Schädel von jungen Männern bzw. Jungs. Man vermutete den Täter in der Schwulenszene und hatte bald jemanden im Auge, bis schließlich ein gewisser Fritz Haarmann (der schon vorher von der Polizei verdächtigt wurde, dem aber nie etwas nachgewiesen werden konnte) verhaftet wurde.

Die Geschichte um den Massenmörder Fritz Haarmann, auch bekannt als Werwolf oder Vampir von Hannover wurde damals zum Medienereignis und ist auch heute noch weitestgehend bekannt. Autorin Franziska Steinhauer hat mit ihrem Buch, das vor zwei Jahren erschien und dieses Jahr in die zweite Auflage geht, den Fall noch einmal unterhaltsam aufgefrischt und einen echt spannenden True-Crime Krimi geschrieben, der auch ein ganzes Weilchen nach Erscheinung eine Empfehlung verdient...


Die beiden Jungs Theo und Ludwig brechen im Sommer 1924, bevor es mit dem Studium bzw für Theo mit der Arbeit im Betrieb seines Vaters weitergeht zu einer ausgedehnten Radtour auf. Theo ist unzufrieden. Viel lieber würde er sich der Schauspielerei widmen, als in die Fußstapfen seines alten Herrn zu treten, aber nun heißt es erstmal die sonnigen Tage mit seinem Kumpel Ludwig, der vorhat Arzt zu werden genießen. Sie machen sich auf in Richtung Hannover, sind aber von den Eltern gewarnt, nicht zu viel Zeit in der Stadt, die mittlerweile durch eine ungelöste Reihe von Morden einen ganz schlechten Ruf hat zu verbringen. Ein Serienmörder geht in der Landeshauptstadt um und der hat es auf Jungs und junge Männer abgesehen. Jungs wie Theo und Ludwig. Als Theo während ihres Ausflugs plötzlich verschwindet, scheint sich die Befürchtung der Eltern erfüllt zu haben. Der Killer hat wieder zugeschlagen, doch wer ist dieses Monster und wie kann man ihn fassen?

Während Steinhauer die Geschichte der beiden Jungs erzählt, schildert sie parallel dazu die Gefühlswelt eines kranken Mörders aus der Ich-Perspektive. Sehr gut recherchiert und spannend aufgebaut. Eine passende Lektüre für den späten Frühling oder bevorstehenden Sommer, auch für Leute, die nichts mit Hannover am Hut haben.

313 Seiten, ISBN 978-3-8392-2070-2, Gmeiner Verlag, 14,00 Euro


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