Mittwoch, 15. Mai 2019

Kaffee & Noir


Christopher Moore
NOIR

Nun wusste ich damals nicht, was die beiden Typen in schwarzen Anzügen wussten, nämlich, dass wir über die unermessliche Weite des Weltraums hinweg von Wesen beobachtet wurden, deren Intelligenz die des Menschen weit übertraf. Sie folgten uns mit eifersüchtigen Blicken und schmiedeten Pläne, in unsere Welt zu kommen, um mit den Brüsten unserer Bräute Motorboot zu fahren.
Eine Braut. Damit fing alles an …

Es darf auch mal ein bisschen lustiger sein - so eine Pulp/Noir- Geschichte. In diesem Fall natürlich noch etwas überspitzter als die Pulp-Stories aus den 40ern oder 50ern. Christopher Moore, der für seine humorvollen Bücher bekannt ist, hat sich dieses Thema mal zur Brust genommen und einen  durchaus unterhaltsamen Roman über einen Barmann namens Sammy "Two Toes" Tiffin, der im San Francisco des Jahres 1947 einer Menge schräger Vögel begegnet. Alles beginnt mit einer Braut (was auch sonst?), die so heißt wie ein Käse. Eine Blondine mit dem Namen Stilton. Hinzu kommt ein General, der gerade auf der Air Force Basis in Roswell, New Mexico stationiert ist und einen Auftrag für Sammy hat. Wir bewegen uns also volles Brett ins Pulp-Desaster: eine Femme fatale, Außerirdische, Männer in schwarzen Anzügen, ein paar Tote, lässige Sprüche und Drinks bis die Matrosen kotzen.  Moores Ausflug ins Pulp/Noir-Land erinnert ein bisschen an Charles Bukowskis "Pulp" (1994) oder auch Bodo Kirchhoffs "Schundroman" (2002). Sehr verspielt, aber trotzdem mit einer gewissen Zutat an ernsthafter und dadurch auch mitreißender Spannung, die einem nicht unbedingt die Haut vom Fleisch pellt, aber gutes Kopfkino verursacht.

Autor Christopher Moore, der sich einst als Kellner, Dachdecker oder Versicherungsvertreter durchs Leben schlug, hat mit "Noir" einen Roman im letzten Oktober auf den deutschen Markt gebracht, der als Hommage an ein wunderbares Genre verstanden werden kann und genau die richtige Sommerlektüre bietet, für alle, die nicht immer alles zu ernst nehmen müssen. Sehr pulpig!

413 Seiten, ISBN 978-3-442-31486-7, Goldmann Verlag, 17,00 Euro


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