Samstag, 21. September 2019

Kaffee im Institut


Stephen King
DAS INSTITUT

Wir bleiben beim König des modernen Horrorromans. Ja, das ist er tatsächlich, aber das, so denke ich, muss auch nicht mehr wirklich bewiesen werden. King schreibt mal bessere, mal schlechtere Bücher, aber alles in allem hat er das Genre geprägt wie kaum ein anderer. Er macht das in seiner ganz eigenen unaufgeregten Art, vollkommen frei von irgendwelchen Allüren. Er muss keinen Nobelpreis gewinnen oder sonstige Auszeichnungen einheimsen. Er möchte uns einfach nur eine spannende Geschichte erzählen, die uns im besten Fall lange oder gar ein Leben lang begleitet. So wie King von Stories inspiriert wird, möchte er seine Leser inspieren und das gelingt ihm.
In seinem aktuellen Roman "Das Insitut" schafft er es, an seine alten Klassiker zu erinnern. Gleich vorweggenommen: sein bestes Buch seit "Joyland", das im Jahr 2013 erschien. Vielleicht gehört "Das Institut" sogar zu den besten Büchern, die King jemals geschrieben hat.

Der Autor aus Maine, der heute seinen 72. Geburtstag feiert, schafft eine besondere Atmosphäre, die auch immer diesen kleinen "Spukgeschichten-am-Lagerfeuer-Effekt" hat, aber dennoch sehr originell, gerade auch durch seine Charaktere und Beschreibungen einzelner Orte oder Räume, sei es ein dreckiges Motelzimmer, ein alter Kauz auf einer Veranda oder ein verlassenes Kino in einer amerikanischen Kleinstadt.

Die Geschichte beginnt mit dem ehemaligen Cop Tim Jamieson, der, nachdem er sein Flugticket einem FBI- Agenten für eine entsprechende Entschädigung überlässt, anfängt von Florida Richtung New York zu trampen. Er landet schließlich in einer Kleinstadt an der Ostküste und lässt sich dort als Nachtklopfer in einer kleinen Polizeistation einstellen. Schon bald kommen ihm mysteriöse Gerüchte über einen bösen Ort zu Ohren. Das Institut. Dort, wo der zwölfjährige Luke Ellis sitzt. Der ist nicht nur hochbegabt, sondern verfügt über eine außerordentliche Intelligenz und sogar über die Fähigkeit der Telekinese. Ein bisschen "Carrie", ein bisschen "Shining", eine Prise "Dreamcatcher" bzw "Duddits", auch ein bisschen "Es" und eine gute Portion von "Stranger Things". Die Macher der Serie hatten ja ganz offen Stephen King als Inspirationsquelle genannt. Nun gibt King sein Dankschön in Form eines spannenden und anspruchsvollen Thriller/Mystery Romans zurück.

Verdammt gut und verdammt spannend und einfach genial erzählt. "Das Institut" lädt ein...zu pulpigen, gruseligen und sehr unterhaltsamen Stunden! Der King ist wieder da!

768 Seiten, ISBN 978-3-453-27237-8, Heyne Verlag, 26,00 Euro




Mittwoch, 18. September 2019

Samstag, 14. September 2019

Die neue Creepshow


Die neue "Creepshow" startet demnächst in den USA.
Leider gibt es noch keinen deutschen Termin, der wird
aber bestimmt noch kommen...
Die 6 Doppelfolgen basieren zum Teil auf Stories von Stephen King, Joe Hill
oder Joe. R Lansdale...
Hinter dem Reboot der Horror-Kultklassiker Reihe aus den 80ern
stecken u.a. die kreativen Köpfe von Greg Nicotero und Tom Savini...





Dienstag, 10. September 2019

Durch die Nacht mit Stig & Kaffee


Stig Saeterbakken
DURCH DIE NACHT

Eine einzige Entscheidung. Eine einzige Handlung. Das Leben ist, selbst wenn es manchmal völlig intakt scheint, nie vor Schicksalsschlägen und Trauer sicher. Es kann ständig passieren und wie Stig Saeterbakken in seinem letzten Roman schreibt: "Trauer tritt in so vielen Formen auf."

Karl Meyer ist Zahnarzt, Ehemann und Vater von zwei Kindern. Einem Sohn und einer Tochter. Dann begegnet er der viel jüngeren attraktiven Mona und beginnt eine Affäre mit ihr. Irgendwann kann er es nicht mehr verheimlichen und erzählt seiner Frau Eva von seiner Geliebten. Erst passiert nicht viel, Schweigen und unausgesprochene Wut durchziehen die Tage der Familie Meyer bis sich schließlich der achtzehnjährige Sohn Ole-Jakob das Leben nimmt. War das Familienleben schon vorher durch Karls Beichte bedrückend genug, ist es nun unerträglich geworden.

Gefühle, die man eigentlich nicht oder nur schwer beschreiben kann, werden zu Worten. Nicht viele verfügen über eine derartige Macht der Sprache. In diesem Fall ist es der norwegische Autor Stig Saeterbakken, der 2008 für einen Skandal sorgte, als er den Holocaust-Leugner David Irving zum Literaturfest in seine Geburtsstadt Lillehammer einlud und sich 2012 nach langer Zeit, in der er unter Despressionen litt, das Leben nahm.

Saeterbakken führte in seinen letzten Lebensjahren wohl selbst kein glückliches Dasein mehr. In "Durch die Nacht" schenkt er seinem Protagonisten Karl Meyer wenigstens noch Hoffnung, in dem er ihm in Aussicht stellt, seine Ängste in einem mysteriösen Haus in der Slowakei zu bewältigen oder, sollte es nicht funktionieren, letztendlich daran zugrunde zu gehen. Saeterbakken hatte dieses Haus nicht.

Der Roman, der ein Jahr vor seinem Tod in Norwegen erschien und sein letzter war, erreicht nun den deutschen Markt und haut einen mit dieser unglaublichen Wucht aus Melancholie einfach um. Der Abgrund öffnet sich und man wird zwangsläufig hinuntergezogen. Die Geschichte ist ein Mix aus Psycho-Drama, Roadmovie und auch irgendwie Horror, wenn sich eben jenes sagenumwobene Haus dem Leser öffnet.

Auch wenn es nicht unbedingt ein Buch ist, das man mit dem Genre in Verbindung bringen würde, sehe ich trotzdem so viele Elemente des Noirs. Diese Geschichte wird ähnliche Spuren hinterlassen, wie Werke von Jim Thompson, Cornell Woolrich oder James M. Cain. Ein großartiges Buch!

288 Seiten, ISBN 978-3-8321-8365-3, Dumont Verlag, 22,00 Euro