Samstag, 25. Januar 2020

Kaffee mit Killern



John Douglas & Mark Olshaker 
MINDHUNTER - Die spektakulärsten Fälle der FBI-Spezialeinheit für Serienverbrechen

Vor 25 Jahren zum ersten Mal auf dem amerikanischen Buchmarkt erschienen. John Douglas' und Mark Olshakers knapp 450 Seiten Bericht über die spektakulärsten Fälle ihrer FBI Karriere und wie überhaupt dieser ganzer Spuk anfing. Bei Douglas war es mehr oder weniger einem Zufall bzw einem Treffen in einem heruntergekommenen Fitnessclub geschuldet. Unter den brutalen Verbrechen werden natürlich auch einige der bekanntesten Serienkiller beleuchtet oder zum Teil auch befragt. Von Ed Kemper bis Gary Ridgway, der berüchtigte Green River Killer oder auch Dennis Rader, alias BTK. Das Buch wurde damals ein großer Erfolg, gelangte auf die Bestsellerliste und landete zwei Jahre später auch bei uns in Deutschland.


Nun, aufgrund des Erfolgs der gleichnamigen und auf dem Buch basierenden Netflix- Serie als Neuauflage mit aktuellem Vorwort von Douglas und Olshaker im Programm des Riva Verlags. Wer eine Ausgabe aus den 90ern besitzt, der kennt den Inhalt, aber wer beispielsweise erst durch die eben angesprochene Serie auf diesen Band aufmerksam geworden ist, sollte unbedingt einen Blick riskieren. Aber egal, ob Serie oder nicht. True Crime hat nach wie vor Hochkonjunktur und hier haben wir einen echten Kracher. Die ersten fünf Kapitel befassen sich größtenteils noch mit John Douglas' Weg zum Federal Bereau of Investigation, danach geht es aber zunehmend um berühmte Kriminalfälle, die extrem gut und spannend erzählt werden. Wer sich für das Thema Profiling, Psychologie und Kriminalistik interessiert, wird an diesem Werk seine große Freude haben. Sehr viele Namen geistert durch die Seiten. Von Charles Manson bis zum "Son of Sam" David Berwkowitz und natürlich werden die zentralen Fragen gestellt: Was macht einen Menschen zum Serienkiller bzw was unterscheidet diese Leute von den "normalen" und wie weit ist jeder von uns von eben so einer "kranken" Karriere entfernt? Vor allem aber die Frage, warum uns diese brutalen Verbrechen so faszinieren.

Oft werden wir gefragt, warum wahre Kriminalfälle, bedenkt man die häufig grausige Sachlage und ihren tragischen Ausgang, für Leser und Zuschauer so verlockend sind. Die Antwort lautet, so meinen wir, dass sich wahre Verbrechen naturgemäß um das Wesentliche und die Grundlagen dessen drehen, was wir etwas pathetisch die "condition humaine" nennen. Damit meinen wir die Instinkte und Emotionen, die wir alle fühlen: Liebe, Hass, Eifersucht und Verzweiflung, sowie Empfindungen von Großartigkeit und persönlichem Anspruch ..., oft verbunden mit dem gleichen Maß an einem tief sitzenden Gefühl von Unzulänglichkeit und Selbsthass. Geschichten von wahren Verbrechen repräsentieren die condition humaine ganz offenkundig: gewöhnliche Menschen, die an den furchterregenden Extremen jener Instinkte und Emotionen agieren. Auf diese Weise wird jedes Geheimnis, von dem wir erzählen, jeder Fall, von dem wir berichten, jedes Ergebnis, das wir zurückverfolgen, zu einem eigenen Moralitätenspiel, mit Helden, Schurken und Opfern komplett besetzt. 

(aus dem aktuellen Vorwort "Zwanzig Jahre später")

"Mindhunter" gehört definitiv zu den besten True Crime Büchern und kann auch nach 25 Jahren noch immer fesseln und schockieren. Ein Standardwerk für alle Fans des Genres. Fans der Serie werden allerdings enttäuscht sein, wenn sie lesen, dass die dritte Staffel vorerst auf Eis gelegt wurde, aber bis es vielleicht irgendwann da weitergeht, gibt es ja nun glücklicherweise diese speziellen Geschichten als Neuauflage. Das sollte mehr als trösten.

448 Seiten, ISBN 978-3-7423-1299-0, Riva Verlag, 14,99 Euro



Als kleiner Anreiz, hier der erste Teil der
Dokureihe "Amerikas Albtraum",
gehört noch immer zu besten Serienkiller- Dokus....

Teil 1 über David Berkowitz:


weitere Teile über YouTube....


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