Montag, 30. März 2020

Kaffee vor dem Tor der Unsterblichen


Ein in Weiß gehaltener Raum, und der stechende, sterile Geruch nach Desinfektionsmitteln war das Erste, was Devon wahrnahm. Der künstliche Schleier begann sich zu lichten. Ihre Sinne waren stumpf. Lediglich auf die subtilsten Empfindungen beschränkt, versuchte sie ihre Umgebung zu erfassen. Da waren Drähte, sie führten zu Maschinen, die in der monotonen Melodie der Technik summten.

(aus "Porta Immortalis" von Stefan Barth)

Bestellungen und Infos über den Autor gibt's hier

268 Seiten, ISBN 978-3-748151630, Book on Demand, 9,99 Euro

Samstag, 28. März 2020

Murder Most Foul


Was Neues von Bob - über das Attentat auf JFK, die 60er
und überhaupt über alles in knapp 17 Minuten...



Mittwoch, 25. März 2020

Kaffee mit Göttern (aber ohne Menschen)


Hari Kunzru
GÖTTER OHNE MENSCHEN

Der britische Autor Hari Kunzru führt uns in die kalifornische Mojave Wüste und macht uns dort mit einer ganz besonderen außerirdischen Botschaft bekannt. Wenn das mal alles wäre...

Es gab Geheimnisse, die sie alle von den Socken hauen würden, wenn sie irgendwann ans Licht kamen. Die Menschen hier in der Wüste wussten, dass etwas Großes bevorstand.


1947 lässt sich der Flugzeugmechaniker Schmidt in der kalifornischen Mojave- Wüste nieder. Dort möchte er endlich Kontakt zu außerirdischen Lebensformen aufnehmen, eine ganz besondere Felsformation soll ihm dabei helfen. Schon im Jahr 1778 soll hier dem Missionar Francesco Garcès eine leuchtende Gestalt erschienen sein. Schmidt glaubt fest an seine Bestimmung, denn schon bald bekommt er wie erwartet seinen außergewöhnlichen Besuch.
Elf Jahre später dann wird er zum "Guide" einer neugegründeten UFO-Sekte, die sich in der Wüste zusammenfindet und noch Jahre später, trotz einen tragischen Unfalls von Bedeutung für viele Menschen sein wird. Verlorene, Hippies, Suchende. Hier finden sie sich ein. Aber nicht nur diese.
2008 verbringen Jaz und seine Frau Lisa, zusammen mit ihrem autistischen 4jährigen Sohn Raj ein paar Urlaubstage in der Gegend bis der kleine Junge schließlich verschwindet. Doch es ist nicht das erste Kind, das in jener Gegend verloren geht. Zur selben Zeit nimmt sich auch ein apathischer britischer Rockstar, der gerade zu Studioaufnahmen mit seiner Band in Los Angeles verweilt, eine Auszeit von dem ganzen Trubel und fährt in die weite, heiße kalifornische Landschaft hinaus. Dort will er Abstand gewinnen. Was möchte eigentlich Autor Hari Kunzru mit dieser ganzen kaleidoskopartigen Geschichte gewinnen? Was will er uns mit seinem Roman "Götter ohne Menschen" sagen? Was möchte er erzählen? Eine ganze Menge zumindest. Viele Charaktere, viele Hintergrundgeschichten und jede Menge Nebenschauplätze und Handlungsstränge.
Dennoch hört man sich das alles gerne an, auch wenn etwas weniger durchaus mehr gewesen wäre und man aus diesem einen Buch wahrscheinlich mindestens zwei hätte machen können.
Wer sich bei seinem früheren Werk "White Tears" (2017) wohlgefühlt hat, wird auch sich auch hier gut zurechtfinden und seine Freude haben.
Makelloser Schreibstil und viel Gefühl für die Figuren. Kunzru ist wirklich ein begnadeter Erzähler, der einem die Wüste bis vor die Füße trägt und einen richtig gut mitnehmen kann bis hin zu Begegnungen der dritten Art. Zwar etwas ausschweifend, aber trotzdem ein wunderbarer Roman mit viel Feuer.

414 Seiten, ISBN 978-3-95438-117-3, Liebeskind Verlag, 24,00 Euro


Donnerstag, 19. März 2020

Kaffee und drinnenbleiben


Wie lange sind Sie schon unterwegs?
Ich war immer unterwegs. Man kann nicht an einem Ort bleiben.
Wovon leben Sie?
Ich mache einfach immer weiter. Ich habe gewusst, dass das passieren würde.
Sie haben gewusst, dass das passieren würde?
Ja, das oder so was Ähnliches. Davon war ich immer überzeugt.
Haben Sie versucht, sich darauf vorzubereiten? 
Nein. Wie würden Sie das denn anstellen?
Ich weiß nicht.
Die Leute haben sich ständig auf das Morgen vorbereitet. Das hat mir nie eingeleuchtet. Das Morgen hat sich doch auch nicht auf sie vorbereitet. Es hat ja gar nichts von ihnen gewusst.
Wahrscheinlich haben Sie recht. 



Freitag, 13. März 2020

Kaffee mit Haarmann


Dirk Kurbjuweit
HAARMANN

Es war dunkel, zehn Uhr, leere Straßen. Er hörte das Plätschern der Leine, ging über die Brücke, schlug den Weg zum "Café Kröpcke" ein. Auf den letzten Metern sprachen ihn Jungs an, die er zum Teil kannte, zum Teil nicht. Es kamen immer neue hinzu. Sie interessierten ihn nicht, nicht heute. Er wusste, wie es war mit ihnen. Sie waren krank, nahmen Gifte, die ihre Augen leuchten ließen. Erst waren sie aufgekratzt, dann schweigsam und teilnahmslos. Und vorsichtig waren sie, stets auf der Hut, mit allen Wassern gewaschen. (aus "Haarmann")


Er ist wieder da. Er war auch nie wirklich weg, wenn ihm auch am 15. April 1925 der Kopf vom restlichen Körper durch ein Fallbeil getrennt wurde. Die Rede ist vom Fritz. Der Haarmann. Serienmörder und Kultfigur, besonders in seiner Heimatstadt Hannover. Verrückt, aber wahr, so wie er selbst. Nun hat sich der Autor Dirk Kurbjuweit um den Fall Haarmann gekümmert und diesem ein Buch gewidmet. Dem Werwolf oder Vampir von Hannover, der junge Männer, zum Teil fast noch Kinder vom Bahnhof in Hannover zu sich in die Wohnung lockte, dort mit Ihnen Sex hatte, tötete und zerstückelte - vielleicht sogar zu Wurst verarbeitete? Es gibt so viele Mythen über den Fall, Bücher und Verfilmungen wie "Der Totmacher" aus dem Jahr 1995 oder auch "Die Zärtlichkeit der Wölfe" aus den frühen 70ern. 1961 erschien das "Haarmann Lied" und hielt sich vier Wochen in den Top Ten der damaligen Hitparade.

Nun also Kurbjuweit, der es unter anderem schon mit seinem Buch "Angst" (2013) geschafft hat selbige in den Kopf des Lesers zu transportieren. Ohne große Schnörkel in seinem Erzähltstil. In "Haarmann" lässt er sich teilweise etwas Zeit, blättert viel im historischen Archiv der Weimarer Republik, lässt uns teilhaben an dem sich schon abzeichnenden braunen Strudel der rechten NSDAP Partei und wie sie das Volk ganz langsam und bald sehr extrem beeinflusst. Inmitten dieser politischen Wirren steht Kommissar Lahnstein, der aus Bochum nach Hannover beordert wurde, um dort das Verschwinden zahlreicher Jungs bzw junger Männer aufzuklären. Kein leichtes Unterfangen, denn er wird bald merken, dass der Fall "Fritz Haarmann" alles andere als ein gewöhnlicher Kriminalfall ist. Intrigen, verbotener Sex, eine bestialische Mordserie und das alles vor der Kulisse der 20er Jahre. Tatsächlich etwas wundersam, dass daraus noch kein neuer Psycho-Thriller wie letztes Jahr "Der goldene Handschuh" in die Kinos gekommen ist, aber das Buch hätte das Zeug dazu. Den Fritz hätte es gefreut. Wenn auch an einigen Stellen etwas zu viel Politik und zu wenig Mordfall-Ambiente, Kurbjuweit schildert ein sehr lesenswertes Porträt einer Ära, einer Stadt und natürlich eines geistesgestörten Serienmörders. Ich ziehe meinen Hut.


Haarmann im Gefängnis


Er ging hinaus, wieder die Jungs, er lachte nur, stellte sich dann hinter einen Baum und klebte den Schnurrbart an. Es war kalt, aber er hatte einen guten Mantel, gedachte dankend des Vorbesitzers, Gott habe ihn selig, und ging in Richtung Hauptbahnhof. Ruhiger Schritt, er hatte es nicht eilig, es war noch nicht einmal Mitternacht. Er freute sich, hohe Erwartungen. Dann tauchte der Bahnhof vor ihm auf, groß, mächtig, sein Revier. (aus "Haarmann")

316 Seiten, ISBN 978-3-328-60084-8, Penguin Verlag, 22,00 Euro


Gute kurze Doku:




Samstag, 7. März 2020

Himmelfahrtskommando


Das Rad fuhr los,
einige winkten, als würden sie sich verabschieden.
Das Rad hielt an und
das Licht verschwand.
Als die Gondeln jeweils wiederkamen,
waren sie alle leer...








Mittwoch, 4. März 2020

Kaffee mit Iain Reid


Iain Reid
THE ENDING

Es gibt viele Möglichkeiten eine Beziehung zu beenden. Iain Reid hat sich eine ganz besondere ausgedacht und diese in eine doppelbödige Psychostory verpackt. Sein Debütroman aus dem Jahr 2017 erzählt in sehr ruhigem Ton die Geschichte von der Ich-Erzählerin und ihrem Freund Jake, die auf dem Weg zu Jakes Eltern durch die nächtliche kanadische Landschaft fahren, während sie sich immer wieder die Frage nach der tieferen Bedeutung ihrer Partnerschaft stellt. Mit Rückblenden und mysteriösen Zwischensequenzen und einem recht merkwürdigen Treffen in Jakes Elternhaus entsteht eine bedrohliche Atmosphäre, die nicht sofort zu fassen ist. Auch nach beenden des Buches werden viele Fragen offen sein.
"The Ending" ist ein Roman, der nicht allen gefallen wird oder kann und das will er auch gar nicht. Dennoch schafft es der kanadische Autor Iain Reid hier ein bedrückendes Fundament für seine witere Arbeiten zu legen. Reid ist ein sehr guter Beobachter und exzellenter Erzähler, der sein Können für Psychospiele auch in seinem zweiten Buch "Enemy" (2019) unter Beweis stellt.
Viel Suspense und Mystery, inmitten zwischenmenschlicher Gedankenspiele, die uns alle beschäftigen und irgendwie so schnell nicht loslassen. Man darf gespannt auf die Verfilmung von "The Ending" von Charlie Kaufman ("Being John Malkovich") sein.

240 Seiten, ISBN 978-3-426-30619-2, Droemer Verlag, 14,99 Euro

Ich war nach seinen beiden Büchern sehr interessiert daran, etwas mehr von Iain Reid selbst zu erfahren....

Interview mit Iain Reid:

Hi Iain! Vielen Dank für deine Zeit. Ich habe deine beiden Bücher gelesen. Wie lange hast du gebraucht, um für "The Ending" einen Verlag zu finden?

Es hat nicht so lange gedauert, aber einige Verlage hielten den Stoff etwas zu merkwürdig und experimentell, von daher war ich sehr glücklich, dass es schließlich geklappt hat.

Beide Bücher beschäftigen sich sehr mit der Atmosphäre und den Gefühlen der Charaktere. Sind es meistens die Dinge, die wir nicht sehen, die uns beunruhigen? Ist das für dich ein gutes Mittel, um deine Leser zu ängstigen?

Ich denke, es gibt viele Wege, um Angst und Spannung zu erzeugen. Ich war mir dessen nicht wirklich bewusst, während ich die Bücher geschrieben habe. Ich habe nur versucht, mich in die Charaktere und die Story hineinzuversetzen. Letztendlich habe ich gehofft, es ergebe ein Gefühl von Not.

Deine Geschichten habe eine Menge mit der Landschaft, wo sie spielen zu tun Ich denke, Kanada dient als große Inspiration für deine Arbeit.

Ja, Kanada und ganze besonders die Farmen und ländlichen Gebiete Kanadas sind eine Inspiration für mich. Ich bin auf einer Farm aufgewachsen und habe sehr viele Jahre dort verbracht. Ich kenne also diese Gegenden sehr gut.

Woher nimmst du sonst deine Inspiration und warum bist du überhaupt Schriftsteller geworden?

Ich interessiere mich einfach für Menschen und Beziehungen und wie Menschen sich in solchen verhalten, Wenn ich schreibe, ist es etwas persönliches, sonst könnte ich es nicht tun.

Welche Bücher hatten Einfluss auf dich?

Da gibt es jede Menge. Zum Beispiel die Bücher von Shirley Jackson, Ivy Compton-Burnett und Michel Faber ein.

Was hast du gedacht, als du gehört hast, dass "The Ending" verfilmt wird?

Ich war sehr überrascht. Es ist ein Buch mit einer sehr speziellen Story, von daher habe ich nie daran gedacht, dass es jemand verfilmen würde. Allerdings bin ich ein großer Fan von Charlie Kaufman, das ist schon ein Glücksfall, dass er es adaptiert und auch noch Regie führt.

Erzähl uns ein bisschen von deinen Figuren. Es geht immer um Pärchen und ihre Beziehungen. Warum Pärchen und wie entstehen sie in deinem Kopf?
Sie entstehen einfach in meiner Vorstellung. Die Ehe ist etwas, das ich sehr spannend finde und es bietet eine gute Grundlage für eine Geschichte, aber ich habe nie das Gefühl, dass ich mehr über die Charaktere weiß, als der Leser.

Seit deinem Buch "Enemy" ist es schon eine Weile her. Arbeitest Du gerade an einem neuen Manuskript?

Ja, aber ich arbeite sehr langsam, daher kann ich nicht genau sagen, wann es fertig sein wird.

Letzte Frage: was liest du im Moment?

Ich habe gerade "The Factory" von Hiroko Oyamada und "Strange Hotel" von Eimear McBride gelesen.

Danke nochmal für das Interview, Iain!

Danke dir fürs Lesen und das Interesse!