Mittwoch, 25. März 2020

Kaffee mit Göttern (aber ohne Menschen)


Hari Kunzru
GÖTTER OHNE MENSCHEN

Der britische Autor Hari Kunzru führt uns in die kalifornische Mojave Wüste und macht uns dort mit einer ganz besonderen außerirdischen Botschaft bekannt. Wenn das mal alles wäre...

Es gab Geheimnisse, die sie alle von den Socken hauen würden, wenn sie irgendwann ans Licht kamen. Die Menschen hier in der Wüste wussten, dass etwas Großes bevorstand.


1947 lässt sich der Flugzeugmechaniker Schmidt in der kalifornischen Mojave- Wüste nieder. Dort möchte er endlich Kontakt zu außerirdischen Lebensformen aufnehmen, eine ganz besondere Felsformation soll ihm dabei helfen. Schon im Jahr 1778 soll hier dem Missionar Francesco Garcès eine leuchtende Gestalt erschienen sein. Schmidt glaubt fest an seine Bestimmung, denn schon bald bekommt er wie erwartet seinen außergewöhnlichen Besuch.
Elf Jahre später dann wird er zum "Guide" einer neugegründeten UFO-Sekte, die sich in der Wüste zusammenfindet und noch Jahre später, trotz einen tragischen Unfalls von Bedeutung für viele Menschen sein wird. Verlorene, Hippies, Suchende. Hier finden sie sich ein. Aber nicht nur diese.
2008 verbringen Jaz und seine Frau Lisa, zusammen mit ihrem autistischen 4jährigen Sohn Raj ein paar Urlaubstage in der Gegend bis der kleine Junge schließlich verschwindet. Doch es ist nicht das erste Kind, das in jener Gegend verloren geht. Zur selben Zeit nimmt sich auch ein apathischer britischer Rockstar, der gerade zu Studioaufnahmen mit seiner Band in Los Angeles verweilt, eine Auszeit von dem ganzen Trubel und fährt in die weite, heiße kalifornische Landschaft hinaus. Dort will er Abstand gewinnen. Was möchte eigentlich Autor Hari Kunzru mit dieser ganzen kaleidoskopartigen Geschichte gewinnen? Was will er uns mit seinem Roman "Götter ohne Menschen" sagen? Was möchte er erzählen? Eine ganze Menge zumindest. Viele Charaktere, viele Hintergrundgeschichten und jede Menge Nebenschauplätze und Handlungsstränge.
Dennoch hört man sich das alles gerne an, auch wenn etwas weniger durchaus mehr gewesen wäre und man aus diesem einen Buch wahrscheinlich mindestens zwei hätte machen können.
Wer sich bei seinem früheren Werk "White Tears" (2017) wohlgefühlt hat, wird auch sich auch hier gut zurechtfinden und seine Freude haben.
Makelloser Schreibstil und viel Gefühl für die Figuren. Kunzru ist wirklich ein begnadeter Erzähler, der einem die Wüste bis vor die Füße trägt und einen richtig gut mitnehmen kann bis hin zu Begegnungen der dritten Art. Zwar etwas ausschweifend, aber trotzdem ein wunderbarer Roman mit viel Feuer.

414 Seiten, ISBN 978-3-95438-117-3, Liebeskind Verlag, 24,00 Euro


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