Dienstag, 12. Mai 2020

Kaffee und ein Klassiker



Philip K. Dick
ZEIT AUS DEN FUGEN

Es wird mal wieder Zeit für einen Klassiker. Wie Philip K. Dicks "Zeit aus den Fugen". Dick gehörte zu den größten Pionieren der Science-Fiction Literatur und hat viele Künstler nachhaltig inspiriert und gab zahlreiche Vorlagen für Kinofilme. "Zeit aus den Fugen" hatte beispielsweise großen Anteil an Filmen wie "Truman Show" oder "Matrix". Es geht um eine vorgegaukelte Realität.
Philip K. Dick hatte immer diese Vision von einer schwarzhaarigen Frau, die irgendwann vor seiner Tür auftaucht und ihm erzählt, dass er sich nur durch eine Scheinwelt bewegt, in der nichts real ist. Diese Vorstellung prägte Dick wie keine andere und floss in so viele seiner Geschichten ein. Er schrieb bis zu 60 Seiten am Tag, voll mit Amphetaminen, die er damals verschrieben bekam ratterte er Story um Story und Buch um Buch runter, um genügend Geld zu verdienen. "Frau und Kinder waren teuer", so Dick. Sein Haus im sonnigen Santa Ana, in Kalifornien verließ er so gut wie nie und verbrachte seine Zeit, die buchstäblich immer wieder aus den Fugen geriet mit dem Schreiben von Science-Fiction Geschichten. Damit hat er auf dem Buchmarkt bis heute einiges angerichtet. Auch unsere Zeit gerät durch seine Romane aus den Fugen. Auch wir werden inspiriert. Durch Visionen, durch eine eine erfundene Realität, durch das Wort:

Das Verhältnis des Worts zum Gegenstand ... was ist ein Wort? Ein willkürliches Zeichen. Aber wir leben in Wörtern. Unsere ganze Wirklichkeit, zwischen Wörtern, nicht Dingen. Es gibt sowieso nicht so was wie das Ding; alles ist nur eine Denkfigur in unserem Verstand. Die Dinghaftigkeit ... das Gefühl von Substanz. Eine Illusion. Das Wort ist wirklicher als der Gegenstand, den es darstellt.
Das Wort stellt die Wirklichkeit nicht dar. Das Wort ist die Wirklichkeit. Für uns jedenfalls. Vielleicht dringt Gott bis zu den Gegenständen vor. Wir nicht, so viel ist klar. 

"Zeit aus den Fugen" ist eines der bedeutendsten Werke von Philip K. Dick. Erschienen ist das Buch bereits 1959. Zusammen mit Romanen wie "LSD-Astronauten" (im Original "The Three Stigmata of Palmer Eldritch") von 1965, wahrscheinlich eines seiner besten Geschichten.
Es geht um den Junggesellen Reagle Gumm, Mitte vierzig, wohnhaft bei seiner Schwester und seinem Schwager verdient er seinen Lebensunterhalt damit, bei einem Zeitungswettbewerb Rätsel zu lösen. Er gewinnt andauernd, hin und wieder wird er aber auch von der Zeitungsredaktion begünstigt, damit er weiterspielen kann. Warum nur? Reagle hat weder Frau noch Kinder und verlässt so gut wie nie das Haus. Eines Tages ist es dann soweit, dass ihm etwas merkwürdig vorkommt. Was stimmt nur nicht mit seiner Welt? Ist diese Realität, in der er lebt nur inszeniert? Werden er und seine Familie nur "angeschmiert" und warum kennt eigentlich niemand in seinem Haushalt diese Marilyn Monroe? Und was hat es mit diesen Telefonnummern auf sich, die stets ins Leere führen?
Gehen wir gemeinsam der Sache einfach mal auf den Grund und schauen selbst, was real und nur gespielt ist.

Philip K. Dicks Roman gehört ganz bestimmt zu den einflussreichsten und spannendsten Science-Fiction Büchern und muss einfach gelesen werden. Zu jeder Zeit.

256 Seiten, ISBN 978-3-596-90695-6, Fischer Verlag, 10,00 Euro


Freitag, 1. Mai 2020

Kaffee zwischen Liebe und Hass


Alexi Zentner
EINE FARBE ZWISCHEN LIEBE UND HASS

Es passiert und es umgibt uns, es trifft uns zuweilen, wir bemerken es, wir schüren es, wir verurteilen es und wir können es manchmal gar nicht ganz klar verstehen oder erkennen. Der Rassismus ist das Thema von Alexi Zentners neuem Roman "Eine Farbe zwischen Liebe und Hass". Auf dem Cover die Farben der amerikanische Flagge. Blau, weiß und rot. Die ersten drei Wörter in schwarz geschrieben, die letzten drei in weiß. Dieses Werk ist nicht so mystisch wie sein Debüt "Das Flüstern des Schnees" (im Original "Touch") und sein Buch "Die Hummerkönige" ("The Lobster Kings") erzählt zwar die am Ende sehr tragische Geschichte der Fischerfamilie Kings, doch zwischen Nova Scotia und dem Bundesstaat Maine geht es weniger um Hautfarben.
Doch nun befinden wir uns in einer Kleinstadt im Süden der USA. Alexi Zentner, der im kanadischen Ontario aufgewachsen ist, lässt uns teilhaben an dieser Geschichte, an seiner Geschichte, die sehr persönlich ist und die wahrscheinlich nirgends besser funktioniert als genau eben an diesem Ort. Im Hinterland, in den Tiefen des amerikanischen Südens.

"Eine Farbe zwischen Liebe und Hass" trifft einen Nerv und erzählt von den Menschen. Alexi Zentner gräbt tief und offenbart viel, ohne Effekthascherei. Anfangs so amerikanisch, dass ihr liebstes Kind, der Football, doch vielleicht etwas so fein beschrieben wird, aber einige Seiten weiter gerät man schnell in Zentners Sog. Seine Figuren sind authentisch und greifbar. Die Erfahrungen des Autors, natürlich allen voran der Anschlag auf seine Familie fließen deutlich mit ein und machen so aus diesem Roman ein persönliches Plädoyer, ohne allzu dick aufzutragen oder in Klischees zu versinken. Verdammt gut und verdammt echt. Alexi Zentners Buch überzeugt und schlägt ein.

377 Seiten, ISBN 978-3-518-46996-5, Suhrkamp Verlag, 18,00 Euro