Freitag, 1. Mai 2020

Kaffee zwischen Liebe und Hass


Alexi Zentner
EINE FARBE ZWISCHEN LIEBE UND HASS

Es passiert und es umgibt uns, es trifft uns zuweilen, wir bemerken es, wir schüren es, wir verurteilen es und wir können es manchmal gar nicht ganz klar verstehen oder erkennen. Der Rassismus ist das Thema von Alexi Zentners neuem Roman "Eine Farbe zwischen Liebe und Hass". Auf dem Cover die Farben der amerikanische Flagge. Blau, weiß und rot. Die ersten drei Wörter in schwarz geschrieben, die letzten drei in weiß. Dieses Werk ist nicht so mystisch wie sein Debüt "Das Flüstern des Schnees" (im Original "Touch") und sein Buch "Die Hummerkönige" ("The Lobster Kings") erzählt zwar die am Ende sehr tragische Geschichte der Fischerfamilie Kings, doch zwischen Nova Scotia und dem Bundesstaat Maine geht es weniger um Hautfarben.
Doch nun befinden wir uns in einer Kleinstadt im Süden der USA. Alexi Zentner, der im kanadischen Ontario aufgewachsen ist, lässt uns teilhaben an dieser Geschichte, an seiner Geschichte, die sehr persönlich ist und die wahrscheinlich nirgends besser funktioniert als genau eben an diesem Ort. Im Hinterland, in den Tiefen des amerikanischen Südens.

"Eine Farbe zwischen Liebe und Hass" trifft einen Nerv und erzählt von den Menschen. Alexi Zentner gräbt tief und offenbart viel, ohne Effekthascherei. Anfangs so amerikanisch, dass ihr liebstes Kind, der Football, doch vielleicht etwas so fein beschrieben wird, aber einige Seiten weiter gerät man schnell in Zentners Sog. Seine Figuren sind authentisch und greifbar. Die Erfahrungen des Autors, natürlich allen voran der Anschlag auf seine Familie fließen deutlich mit ein und machen so aus diesem Roman ein persönliches Plädoyer, ohne allzu dick aufzutragen oder in Klischees zu versinken. Verdammt gut und verdammt echt. Alexi Zentners Buch überzeugt und schlägt ein.

377 Seiten, ISBN 978-3-518-46996-5, Suhrkamp Verlag, 18,00 Euro


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