Samstag, 13. Juni 2020

Schwarzer Freitag (mit Kaffee)


Nana Kwame Adjei-Brenyah
FRIDAY BLACK

Es ist Sommer. Es ist 2020. Dieses Jahr steht bis hier her ganz klar im Zeichen zweier Pandemien. Für eine von beiden könnte es irgendwann einen Impfstoff geben, für die andere braucht es mehr.
Lange bevor die Welt den Namen George Floyd kannte, gab es andere Namen, die mit ähnlichen Taten in Verbindung gebracht wurden und es gab Filme, Dokus und Bücher dazu. Schriftsteller wie  James Baldwin, Bryan Stevenson, aber auch zuletzt Alexi Zentner gingen die letzten Tage durch die Feuilletons oder durch Fernsehsendungen. Und dies sind nur drei Namen. Auch Latino-Autoren wie Luis J. Rodriguez, mit seinem Klassiker "Always Running" aus dem Jahr 1994, oder vor vielen Jahrzehnten der Anwalt und Aktivist Oscar Zeta Acosta mit seinem Appell für mehr Gleichberechtigung, haben versucht etwas zu bewirken.

Das Debüt von Nana Kwame Adjei-Brenyah ist auf dem amerikanischen Buchmarkt erfolgreich gelandet und nimmt sich in einiger der Kurzgeschichten ebenfalls diesem Thema an, ohne großartig politisch sein zu wollen. Mal extrem brutal, mal fast schon märchenhaft oder verspielt.

Adjei-Brenyahs Stories haben Kraft und kommen ungefiltert aufs Papier. Wenn auch in der ein oder anderen Geschichte etwas ausschweifend und etwas zu verspielt, wird jede von ihnen zu einem ganz besonderen (fast schon persönlichem) Brief für den Leser. Guter Stoff. Klare Sprache. Trifft den Nerv.

Morgens beim Frühstück in der Schule erhält jeder sein obligatorisches Glück, doch bei der Schwester gibt es noch mehr davon. Ich gehe zu ihr, weil ich vom Glück gut drauf bin. Wenn ich Glück genommen habe, fällt es mir leicht, stolz und wahrhaftig zu sein, alles zu ignorieren, was meine Wahrhaftigkeit trübt, wie Marlene, dass man mich nur als Probestück benutzt und ich weiß, dass ich nie perfekt sein werde.

(aus der Kurzgeschichte "Die alte Zeit")

238 Seiten, ISBN 978-3-328-60129-6, Penguin Verlag, 20,00 Euro


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