Chasing The Light


Oliver Stone
CHASING THE LIGHT 

Es scheint, dass ich mein ganzes Leben lang das Licht gesucht habe.

Am 15. September dieses Jahres feierte er seinen 74. Geburtstag. Knapp einen Monat später erschien seine Autobiografie hier bei uns auf dem Buchmarkt. Eine von vielen, wenn man so will. "Night Dream" beispielsweise, das im Jahr 1998 in den USA und zwei Jahre später hier erschien, beruht auf seinen Erfahrungen als Soldat im Vietnamkrieg. Stone diente von April 1967 bis November 1968. Das Drehbuch zu seinem preisgekrönten Kriegsdrama "Platoon" enthält ebenfalls viele autobiografische Züge. "Platoon" war auch jener Film, der Oliver Stones Leben für immer verändern sollte. Es gab eine fast durchweg positive Resonanz der Kritiker und haufenweise Auszeichnungen, darunter auch den Academy Award 1987 für den "Besten Film" und einen goldenen Jungen für Stone selbst, der als "Bester Regisseur" ausgezeichnet wurde.

Mein Leben danach sollte nie mehr dasselbe sein. Ich arbeitete für große Studios, mit großem Budget. Wie bei den meisten von uns ging meine Karriere rauf und runter, wobei jeder Film meine Sicht auf die Welt erweiterte; eigentlich waren die Filme Stoßdämpfer, die mich durch Jahrzehnte einer intensiven, fast wahnsinnig machenden Erfahrung Amerikas trugen. Einige waren ein Volltreffer, andere scheiterten – Erfolg, Misserfolg, »beides Blender«, wie Rudyard Kipling einmal festgestellt hatte. Die ständige Anspannung eines auf das reine Geldverdienen ausgerichteten Filmgeschäfts, bei dem jeder gegen jeden kämpft, kann jede gute Seele an ihre Schmerzgrenze bringen. Filme können viel geben, aber auch viel zerstören.

Mit jenem Film endet auch leider schon die hier vorgestellte Autobiografie des amerikanischen Regisseurs, der in seiner Karriere so oft polarisiert und provoziert hat, wie kaum ein anderer. Aber es war ein weiter Weg, bis er letztendlich wirklich in dieser Industrie Fuß fasste bzw. Erfolg hatte. Sein Leben war eine ständige Achterbahnfahrt, die so richtig mit der Scheidung seiner Eltern an Tempo gewann. Er gab wenig später das Yale Studium auf, arbeitete als Lehrer in Südostasien, versuchte sich als Schriftsteller, wurde abgelehnt und zog so, völlig deprimiert und planlos in den Krieg in Vietnam. Danach wurde es aber auch nicht gerade besser. Auch in den Augen seines Vaters, fuhr er sein Leben schnurstracks an die Wand...

Vietnam war »ein einziges Chaos«, und ich war implizit ein Teil dieses »Chaos«. Ich war auf dem besten Weg, das zu werden, was er immer befürchtet hatte – »ein Penner«. Wie sollte er mich eigentlich jemals verstehen? Er war Offizier im Hauptquartier der »Größten Generation« gewesen, wo er nur ein »Großes Bild« voller Karten und Projektionen sehen konnte, wo Krieg Sinn machte, wenn man so etwas sagen kann. Krieg war für mich Wetter, Zufall, Verwirrung, menschliche Natur, das Versagen eines Gewehrs oder der Munition und eine gewisse Brutalität, da nichts jemals so funktionierte, wie man es sich im echten Kampf vorstellte. Oder wie Mike Tyson es treffend formulierte: »Jeder hat einen Plan, bis er eins auf die Fresse bekommt.«

Stone schaffte es schließlich mit "Platoon" in die Top-Riege amerikanischer Filmemacher aufzusteigen. Mit Werken wie "Geboren am 4. Juli" und "Zwischen Himmel und Hölle" schloss er seine Vietnam-Trilogie und vielleicht auch ein Teil seiner Verarbeitung damit ab. Aber diese beiden Filme und diese Zeit spielen bei dieser Autobiografie keine Rolle. Es geht um die Zeit davor, um den Weg dorthin, und auch über seine Entdeckung und seine Leidenschaft für das Schreiben eines Drehbuchs, was ihn vielleicht sogar in gewisser Weise vor dem völligen emotionalen Absturz rettete. 
Für "Midnight Express" bekam er seinen ersten Oscar und bei "Scarface" schuf er, mit tatkräftiger Unterstützung von Regisseur Brian de Palma und allen voran Al Pacino einen Kultfilm. 
Oliver Stone kann man mögen, oder auch nicht, seine Werke wurden teilweise abgelehnt oder schlecht gemacht. Aber alles in allem, hat er hier ein solides literarisches Werk geschaffen, das durch Offenheit und einer guten, klaren, teilweise leicht poetischen Sprache überzeugt. 
Wer Lust auf diese Achterbahnfahrt hat. Wer seine Filme mit Interesse und Neugier verfolgt hat, aber auch, wer einfach nur mal wieder eine gute Biografie eines bekannten Filmemachers lesen möchte, ist hier absolut richtig. Leidenschaftlich, nie langweilig, mit gehöriger Durchschlagskraft. Wie es sich für einen guten Geschichtenerzähler gehört. 

350 Seiten, ISBN 978-3-95972-375-6, FinanzBuch Verlag, 24,99 Euro


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