Kaffee Schwarz Blau Blut

 


Am 13. August 2014 schlenderte John Crawford mit seiner schwangeren Freundin durch die Gänge eines Walmarts ins Beavercreek, Ohio. Nach einer Weile trennten sich die beiden. Sie gingen in unterschiedliche Abteilungen und telefonierten miteinander. Während sich die beiden unterhielten, nahm der 22jährige Crawford ein Spielzeuggewehr aus dem Regal. Ein Kunde, der weiße Ronald T. Ritchie, sah Crawford mit der Waffe. Er wählte sofort den Notruf und meldete, ein bewaffneter Schwarzer würde bei Walmart Kunden mit einer Waffe bedrohen.
"Er zielt auf Leute", sagte er. "Ich glaube, jetzt lädt er sie."

Bereits mit dem ersten Satz des Vorworts macht Matthew Horace darauf aufmerksam, in welcher Rolle er sich sieht. Als Cop. Als Gesetzeshüter. Als Rechtschaffender. Jemand, der etwas Gutes tun will. Der sich vorgenommen hat, Menschen, die in Notsituationen stecken zu helfen. Das ist zumindest die Theorie, die Vorstellung, der Wunsch. Matthew Horace war fast 30 Jahre lang Polizist. Er hat in jedem Staat der USA gearbeitet, war unter anderem auch für das ATF (Amt für Alkohol, Tabak, Schusswaffen und Sprengstoffe) tätig. Horace hat sehr viel während seiner Arbeit für Strafverfolgungsbehörden gelernt, vor allem war ein bestimmtes Thema immer allgegenwärtig, und das war der Rassismus. 
In diesem Buch schildert der ehemalige Cop, wie sehr Menschen, besonders Menschen mit schwarzer Hautfarbe in den USA mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Es herrscht vielerorts eine bedrückende Atmosphäre, was diese Vorurteile angeht. Warum nur, muss dieses Thema noch immer so präsent sein? Besonders schlimm wurde es gerade wieder in den letzten Jahren. In den USA entwickelte sich einmal mehr ein großer Rassenkonflikt. Jedes Jahr bzw. mehrmals im Jahr gingen Meldungen über getötete schwarze Männer durch die Hand eines weißes Polizisten in den USA um die Welt. Was folgte waren Proteste, die zum Teil in unbeschreiblichen Chaos endeten. Mit Plünderungen, Verletzten und Toten. Matthew Horace hat sich in seinem Leben beiden Seiten gestellt. Den Jägern und den Verfolgten. Er musste und muss noch immer erfahren, was es heißt, ein schwarzer Mann in Amerika zu sein und weiß ebenfalls, was es bedeutet ein Polizist in diesem Land zu sein. Auf beiden Seiten hat er es mit Vorurteilen zu tun. Doch was kann er daran ändern? Wie weit reicht der Einfluss eines Einzelnen? Immer wieder beschreibt Horace in kurzen Anekdoten die Ohnmacht und dem, wie es manchmal scheint, aussichtslosen Kampf, dem sich Menschen wie er stellen müssen. Ein Cop ist nicht zwangsläufig ein Rassist und ein schwarzer Mann oder eine schwarze Frau ist nicht zwangsläufig eine Bedrohung. Es gibt viel zu erfahren und viel zu lernen. Dieses Buch hilft und informiert. Ganz klar und kitschfrei.  

Ein fantastischer Bericht auf nicht ganz 300 Seiten eines sehr guten Berichterstatters, direkt von der Front der alltäglichen Schlachten auf den Straßen, in den Wohnungen oder Häusern, aber vor allem in den Köpfen der Menschen. Dort wo alles beginnt und endet. Authentisch und definitiv eine Anregung zum Nach- oder Umdenken, auch wenn Horace gar nicht als eine Art Wortführer wahrgenommen werden möchte. Er will es nur mitteilen. Er will nur berichten, von diesem knallharten Kampf, der uns leider wohl noch sehr lange beschäftigen wird. Der gegen Vorurteile und gegen den Rassismus. 

Matthew Horace (mit Ron Harris)
SCHWARZ BLAU BLUT

272 Seiten, ISBN 978-3-518-47015-2, Suhrkamp Verlag, 15,95 Euro


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